65 Jahre V. Republik

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https://twitter.com/EmmanuelMacron/status/1709606457421807767

Zugleich wünscht der Präsident auch einige Verfassungsreformen, so soll die Abtreibung in der Verfassung als Echt verankert werden, außerdem wünscht er die Regelung für das Referendum in Artikel 11 zu erweitern, damit Themen wie die Klimaschutz, der freiwillige Schwangerschaftsabbruch oder die Unabhängigkeit der Staatsanwaltschaft wie Dezentralisierung Gegenstand von Referenden werden können. Am 4. Oktober hat der Staatspräsident im Verfassungsrat folgende Rede gehalten:

> Discours du Président de la République à l’occasion du 65e anniversaire de la Constitution de la Ve République *.pdf

Präsident Emmanuel Macron äußerte sich zu möglichen künftigen Änderungen der Verfassung in Bezug auf Schlüsselthemen: das Referendum, die Dezentralisierung, der Klimaschutz, der freiwillige Schwangerschaftsabbruch oder die Unabhängigkeit der Staatsanwaltschaft.

Am 4. Oktober 1958 trat die Verfassung der V. Republik in Kraft. In diesen bewegten Zeiten ist es sicherlich gut, nochmal diese noch einmal genau zu lesen: Besonders die Abschnitte über den Präsidenten, den Premierminister und die Regierung:

La Constitution de la Ve République

> La Constitution de la Ve République

> Conseil constitutionnel

> Die Verfassungen von 1791-1958 – www.conseil-constitutionnel.fr

> 4. September 1870 – Vor 150 Jahren wurde die Republik in Frankreich proklamiert – 4. September 2020

> Louis-Napoleon (1808-1873): Erster Staatspräsident und Kaiser Napoleon III., 30. Juni 2020

PONS vous soutient toujours :

Charles de Gaulle hat in seiner > Rede in Bayeux am 16. Juni 1946 schon die Grundlagen der späteren Verfassung der V. Republik skizziert. Als sie 1958 in Kraft trat, war sie noch nicht vollständig. Der Staatspräsident wurde vorerst noch von einem Wahlkollegium gewählt, erst 1962 inszenierte de Gaulle eine Verfassungsreform, nach der Staatspräsident künftig vom Volk gewählt werden sollte. Dahinter steckte die Absicht, seinen künftigen Nachfolgern eine umfassende Legitimität für ihre zahlreichen Aufgaben und Befugnisse, die die Verfassung dem Staatspräsidenten verleiht, zu sichern: > Les pouvoirs du président de la République / Die Aufgaben des Staatspräsidenten – 25. April 2017 – > Apprenons un nouveau mot: la présidentialisation – 23. Mai 2007 – > Le Président de la République: un roi élu ? – 9. April 2007

Tatsächlich hat sich die Verfassung der V. Republik als überaus anpassungsfähig erwiesen: Sie funktionierte auch, wenn der Staatspräsident und der Premierminister aus verschiedenen politischen Lagern stammen > Cohabitaton, das „Zusammenleben“.

Frankreich hat weder eine parlamentarische Verfassung, noch ein Präsidialsystem: Der Begriff des halbpräsidentiellen Systems in bezug auf die V.Republik stammt von Maurice Duverger (1917-2014), der ihn in seinem Buch L’échec au roi (Schach dem König) (Albin Michel, 1978) entwickelt hat. Außer Frankreich, besonders nach 1962 zählt Duverger auch die Weimarer Republik von 1919 bis 1933, Finnland, Island, Irland, Österreich und Portugal zu den Ländern, wo der Präsident der Republik eine hervorgehobene Rolle ausübt. Vor allem aber in Frankreich nach 1962, dem Jahr, in dem de Gaulle die Wahl des Präsidenten durch das Volk einführte, besitzt der Präsident so weitgehende Rechte, so dass seine Aufgabe auch als monarchisch bezeichnet werden könnte: > Les pouvoirs du Président de la République – vie-publique.fr.

In seiner Rede am 4. 10.2018 erwähnte Präsident Macron das Selbstverständnis des Präsidenten: “ Lutte contre le terrorisme et la radicalisation, contre la criminalité organisée et la corruption, les crimes sexuels, les violences faites aux femmes, la violence routière, les atteintes à la sécurité publique ou à l’environnement, autant de sujets sur lesquels in fine c’est le pouvoir exécutif qui rend des comptes, le Gouvernement devant le Parlement et le Président de la République devant les citoyens français.“ Die Regierung ist vor dem Parlament verantwortlich, der Staatspräsident ist gegenüber dem Volk verantwortlich.

Die Beziehung des Präsidenten zur Nationalversammlung, die zusammen mit dem Senat das Parlament bildet ist bemerkenswert interessant. Er ist nicht vor dem Parlament verantwortlich, kann aber die Nationalversammlung nach Konsultation der beiden Präsidenten vom Senat und der Nationalversammlung auflösen.

Ursprünglich legte die Regierung die Tagesordnung in der Nationalversammlung fest. Das hat sich geändert: > Fiche de synthèse n°26 : La fixation de l’ordre du jour et la Conférence des Présidents

Er erinnerte an seine Vorgänger und erklärte aber auch die Notwendigkeit von Reformen: „Une Constitution est tout à la fois source du pouvoir, recueil des libertés et valeurs fondamentales, grammaire des mécaniques institutionnelles. Le Président de la République doit veiller sur l’héritage de 1958 dans ses trois dimensions. Mais pour ce faire, il est dressé sur les épaules de géants qui ont été à l’origine de cette Vème République. Savoir en pratiquer les souplesses et parfois la modifier est la meilleure garantie de sa pérennité pour l’avenir. C’est une tâche qui n’est jamais terminée. La condition de son succès tient à un facteur déterminant : il nous faut raisonner, à partir des besoins de la Nation et non à partir des institutions existantes, quelles qu’elles soient.“

2000 war die Amtszeit des Präsidenten auf zwei Wahlperioden und auf 5 Jahre verkürzt worden. Jetzt kündigte Macron an, das die Parlamentsreform, deren Debatte im Sommer ausgesetzt worden war, im Januar wiederaufgenommen werde, er erwähnte aber nicht den Hauptstreitpunkt mit dem Senat, nämlich die Reduktion um 30 % der Anzahl der Abgeordneten. Ein Zeichen des Einlenkens. Alfred Grosser hat uns gelehrt, das zu lesen, was man in einer Rede erwartet könnte, was aber dort fehlt…. und Rückschlüsse daraus zu ziehen.

https://twitter.com/publicsenat/status/1047880969162698753

Zur Erinnerung: Am 4. Oktober 2018 hielt Präsident Emmanuel Macron zum 60. Jahrestag der Verfassung in Paris diese Rede:

> Discours du Président au Conseil Constitutionnel – Text der Rede von Präsident Macron im Conseil Constitutionnel

Auf unserem Blog

> 50 ans Ve République – Die V. Republik wird 50   – 4. Oktober 2008

> 50 Jahre V. Republik 15. November 2008

Schon 1946 in seiner > Rede in Bayeux nannte General de Gaulle die Grundlagen der V. Republik:

Gaulle, Ch. de., Discours de Bayeux, 16. Juni 1946 – > Charles-de-gaulle.org: – bsd. ab 7.10′ :

Notez la date de cet article: > Expertenkommission: Das Grundgesetz in Deutschland und die Verfassung in Frankreich – 1. April, 2013

50 Jahre V. Republik

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50 ans Ve République – Die V. Republik wird 50

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Nachgefragt: Jochen Hake, der Präsident der VDFG e. V. antwortet auf unsere Fragen

Das ist ein schon immer gepflegtes Projekt unserer Redaktion. Wir würden gerne mit möglichst vielen Repräsentanten von Organisationen, die sich für die deutsch-französische Kooperation einsetzen:

> Macht doch mal eine Liste aller deutsch-französischen Organisationen… – 4. Juni 2022

Heute war Jochen Hake, der Präsident der Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa e.V. | VDFG zu Gast in unserem Homeoffice:

Die VDFG vertritt die Interessen von vielen Mitglieds- und Partnerschaftsvereinen in Frankreich und Deutschland. Wie viele sind das genau? Was ist der Unterschied zwischen Mitglieds- und Partnerschaftsvereinen. Schon bei der Gründung Ihrer Vereinigung sozusagen als Dachverband hieß es1957 man wolle „eine bessere interne und öffentliche Sichtbarkeit des Engagements für Völkerverständigung, Frieden und Freundschaft mit Frankreich zu erreichen.“ Die Art und Weise, wie sich die Bezeichnung dieser vereinigung seit der Gründung des Arbeitskreises 1957 entwickelt hat, erklärt die immer stärkere Vernetzung mit den französischen Partnern, wobei zugleich die europäische Komponente akzentuiert wurde.

Die VDFG ein sehr interessantes Beispiel für das Engagement der Zivilgesellschaft im Rahmen der Deutsch-französischen Zusammenarbeit ist. Dabei geht es eben nicht nur um Austausch, sondern auch um Lobbyarbeit gegenüber Politik und öffentlichen Institutionen. Dieser Aspekt der deutsch-französischen Gesellschaften wird offiziell meiner Meinung unzureichend gewürdigt. Es gibt ein jährliches Treffen aller Akteure, die zur VDFG gehören, dieses Jahr im Oktober in Landau. Letztes Jahr hat der Kongress der VDFG-FAFA im Oktober in Versailles stattgefunden: Das Rahmenthema lautete „Neue Formen der Mobilität zur Belebung des deutsch-französischen Austauschs“ Was gab es für Ergebnisse, habne wir Jochen Hake gefragt.

Im Bereich der deutsch-französischen Kooperation gibt es ein grundlegendes Problem, das sind die rückläufigen Zahlen der Schüler die die Nachbarsprache erlernen. Jochen Hake hat uns das Engagement der VDFG, mit der sie hofft, diese Entwicklung positiv beeinflussen zu können.

Auf der Website des VDFG werden vier weitere Aktionsfelder genannt. U.a. „Völkerverständigung und Frieden“ sowie „Respektierung der Vielfalt anderer Kulturen“, wie „Kontakte zwischen den Menschen unserer beiden Länder aller Altersgruppen“ und die „Vernetzung mit weiteren Partnern in Europa“. Europa spielt im Bereich Ihrer Aufgaben eine besondere Rolle. Wie könnten oder müssten sich Frankreich und Deutschland vermehrt für Europa einsetzen? Gerade hat Bundeskanzler Scholz nach der Rede von Staatspräsident Emmanuel Macron im Deutschen Bundestag zu Ehren von Wolfgang Schäuble per Tweet an die Entwicklung eines souveränen Europas entwickelt, das die Berliner Regierung damals 1015, als Macron die Sorbonne-Rede gehalten hat, nicht so recht zu beantworten wusste.

Auch auf unserem Blog:

> Nachgefragt: Die Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung. Die Co-Vorsitzenden Brigitte Klinkert und Nils Schmid antworten auf unsere Fragen – 15. November 2022

> Nachgefragt: Katharina Schicketanz (DFJW) berichtet über Tele-Tandem – 24. August 2022

> Das Deutschlandbild der Franzosen.Nachgefragt: S. E. Dr. Hans-Dieter Lucas, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Paris antwortet auf unsere Fragen – 13. Februar 2021

4. September 1870 – Vor 150 Jahren wurde die Republik in Frankreich proklamiert

Heute wird Präsident Emmanuel Macron im Pantheon eine Rede zur Ausrufung der Republik in Frankreich vor 150 Jahren halten. Der Historiker wird sich etwas wundern, denn heute vor 150 Jahren am 4. September wurde die Republik in Frankreich zum 3. Mal gegründet, also der 3. Anlauf, aber der war dann auch von Dauer, deshalb spricht man heute von „vor 150 Jahren…“ – obwohl es eigentlich die III. Republik war, die gegründet wurde… Und auch sie musste sich erst noch gegenüber den Monarchisten bewähren. Der guten Ordnung halber: Am 21. September 1792 wurde die Republik schon einmal gegründet, im Nachhinein war das dann die I. Republik. Die Zweite Republik wurde nach dem Sturz der Julimonarchie am 24. Februar 1848 gegründet und endete mit dem Staatstreich von Louis-Napoleon am 2. Dezember 1851, bzw. mit der Ausrufung des Kaiserreichs am 2. Dezember 1852: vgl. H. Wittmann, > Napoleon III. Macht und Kunst, Reihe Dialoghi/dialogues. Literatur und Kultur Italiens und Frankreichs, hrsg. v. Dirk Hoeges, Band 17, Verlag Peter Lang, Frankfurt, Berlin, Bern u. a., 2013 und > Louis-Napoleon (1808-1873): Erster Staatspräsident und Kaiser Napoleon III. 30. Juni 2020. In gewissem Sinne wurde die Republik, bzw. die Wahl des Staatspräsidenten durch das Volk durch den > Staatsstreich von Louis-Napoleon diskreditiert, und erst 1965 gab es wieder eine Wahl des Staatspräsidenten durch das Volk: Im ersten Wahlgang zwang François Mitterrand General de Gaulle in eine Stichwahl. 1958 war > General de Gaulle als letzter Ministerpräsident der IV. Republik (1946-158) an die Macht zurückgekehrt und gründete sogleich die V. Republik.

> 150 ans en République – Site du Palais de l’Élysée

Aufgaben:

1. Écoutez/regardez ce discours sans prendre des notes

2. Écoutez/regardez ce discours en prenant quelques notes : des mots clés, des années, quelques noms…

3. Cherchez les mots, les noms, des millésimes dans un dictionnaire ou sur Internet et compléter vos notes

4. Rédigez un petit texte, comme un message pour un journal: Qui a dit quoi où … ?

5. Vous pouvez enregistrer un petit compte-rendu comme si vous étiez un journaliste du journal d’A2.

6. 1870? La république? La quelle?

7. Vous écrivez un petit exposé: La République a 150 ans en France… pensez à 1793 et 1848…

8. PONS hilft Euch:

9. Ach ja, nicht schummeln: > le texte du discours de M. Macron. Le discours du Président, dans ce document, est accompagné par des remarques fort intéressantes sur la République.

9. Zu lang? Der Aufbau der Rede eignet sich gut dazu… sie aufzuteilen…

Die Rede im Panntheon war für Präsident Macron eine Gelegenheit an die Anfänge der III. Republik zu erinnern, aber auch um die Einheit der nation zu beschwören: „Devenir français, c’est en effet accepter d’être plus qu’un individu poursuivant ses intérêts propres, un citoyen qui concourt au bien commun, fait preuve de responsabilité vis-à-vis de ses compatriotes, qui cultive une vertu toute républicaine, des devoirs et des droits. Mais toujours des devoirs d’abord. Devenir français, c’est avoir ancré en soi-même la conscience que parce que la République est toujours fragile, toujours précaire, elle doit être un combat de chaque aube, une conquête de chaque jour, un patriotisme républicain de chaque instant. La République n’est pas donnée, jamais acquise, et je le dis ici aussi pour nos jeunes. C’est une conquête. Elle est toujours à protéger ou à reconquérir. “

Liberté, Egalité, Fraterrnité sind weitere Stichworte seiner Rede. Und Präsident Macron zitiert Marc Bloch: „« La France, écrivait Marc BLOCH, est la patrie dont je ne saurais déraciner mon cœur. J’ai bu aux sources de sa culture. J’ai fait mien son passé. Je ne respire bien que sous son ciel et je me suis efforcé à mon tour de la défendre de mon mieux ». C’est tout cela entrer en République française. Aimer nos paysages, notre histoire, notre culture en bloc, toujours. Le Sacre de Reims et la Fête de la Fédération, c’est pour cela que la République ne déboulonne pas de statues, ne choisit pas simplement une part de son histoire, car on ne choisit jamais une part de France, on choisit la France. La République commence, vous l’avez compris, bien avant la République elle-même, car ses valeurs sont enracinées dans notre histoire. Et devenir Français, c’est l’épouser toute entière et c’est aussi épouser une langue qui ne s’arrête pas à nos frontières, vous le savez parfaitement, mais qui fut aussi l’un des ciments de notre nation.“

Und Albert Camus: „« Ma patrie, c’est la langue française », écrivait CAMUS. Maîtriser le français permet bien sûr de communiquer, d’échanger avec ses compatriotes, de comprendre notre droit, et c’est pour cela que la langue est un prérequis pour accéder à la nationalité. Mais maîtriser le français, c’est un passeport vers une culture, une histoire incomparable aux dimensions des 5 continents. “

Und in seiner Rede wird deutlich, wie sehr die Geschichte Frankreichs mit seiner Literaturgeschichte verknüpft ist. Ich will aber Euren Referaten nicht vorausgreifen.

Auf unserem Blog:

> 60 Jahre V. Republik – 5. Oktober 2018

> 50 Jahre V. Republik – 15. November 2008

> 50 ans Ve République – Die V. Republik wird 50 – 4. Oktober 2008

> Heute vor 230 Jahren: Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte – 26. August 2019

XXXV. Jahrestagung des dfi: Deutsch-französische Zusammenarbeit 2.0

(Ergänzt am 3. Juli 2019, es folgen noch weitere Ergänzungen) In Ludwigsburg fand vom 28.-29.6.2019 die XXXV. Jahrestagung des Deutsch-französischen Instituts dfi statt.Der Höhepunkt war am Samstagmorgen die Rede von Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble zu Europa und den deutsch-französischen Beziehungen. Viele Abgeordnete, die an der Ausarbeitung des Aachener Vertrages und des Deutsch-französischen Parlamentsabkommens mitgewirkt haben, waren aus Anlass dieser Tagung nach Ludwigsburg gekommen: Unter ihnen Christophe Arend, der Präsident der deutsch-französischen Parlamentariergruppe in der Nationalversammlung, Frédéric Petit, der Abgeordnete für die Auslandsfranzosen und Nils Schmid und Angehörige des Außenministerien in Paris und Berlin.

Wir zeigen hier das Fotoalbum dieser Tagung. Bitte öffnen Sie es mit einem Klick auf ein Foto, wenn diese Seite ganz geladen ist:

Wir erinnern an > Ernst Weisenfeld (1913-2009), mit dem wir mehrmals von Bonn aus zur Jahrestagung des DFI gefahren sind.

Früher war diese Jahrestagung ein Treffen mit dem Titel Sozialwissenschafticher Arbeitskreis der deutschen Frankreichforscher, zu dem einige Akteure aus der Politik und der Wirtschaft eingeladen waren. Mittlerweile hat sich das Format dieser Veranstaltung sehr geändert: Heute kommen hier nicht nur Frankreichforscher , sondern neben ihnen auch eine große Zahl von Akteuren zusammen, die in den Ministerien oder den Botschaften an der Ausarbeitung der jüngst zwischen Frankreich und Deutschland vereinbarten Verträge und Abkommen maßgeblich beteiligt waren. Das macht dieses Tagung zu einer ganz besonderen Gelegenheit mit einem Blick hinter die Kulissen. Die Offenheit, mit der die Teilnehmer aus ihren Bereichen berichteten, vermittelte spannende Einblicke in die deutsch-französische Zusammenarbeit:

Im Mittelpunkt der Arbeitsgruppe Wirtschaft stand der Artikel 20 des Aachener Vertrags:

Artikel 20
(1)
Beide Staaten vertiefen die Integration ihrer Volkswirtschaften hin zu einem deutsch-französischen Wirtschaftsraum mit gemeinsamen Regeln. Der Deutsch-Französische Finanz- und Wirtschaftsrat fördert die bilaterale Rechtsharmonisierung, unter anderem im Bereich des Wirtschaftsrechts, und stimmt die wirtschaftspolitischen Maßnahmen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik regelmäßig ab, um so die Konvergenz zwischen beiden Staaten zu befördern und die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Volkswirtschaften zu verbessern.
(2)
Beide Staaten richten einen deutsch-französischen „Rat der Wirtschaftsexperten“ ein, der sich aus zehn unabhängigen Fachleuten zusammensetzt und das Ziel verfolgt, ihren Regierungen wirtschaftspolitische Empfehlungen zu unterbreiten. “

Die Wirtschaftsrätin der Französischen Boschaft, Catherine Rozan, verglich in ihrem Beitrag den Vertrag von 1963, „der eine Verwirklichung des Friedens zwischen unseren beiden Ländern schuf“ mit dem Aachener Vertrag, „der unter anderem das Ziel eines echten Wirtschaftsraums anstrebt.“ Diesen Wirtschaftsraum gibt es schon: „Frankreich ist der drittwichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands und Deutschland der wichtigste Partner Frankreichs. 4.000 französische Unternehmen sind in Deutschland mit 380.000 Mitarbeitern aktiv. In den 4.500 deutschen Unternehmen in Frankreich sind 310.000 Mitarbeiter beschäftigt,“ erklärte C. Rozan. Der Aachener Vertrag öffnet die Perspektiven für neue Instrumente, „um die Konvergenz unserer Wirtschaften und Gesellschaften voranzutreiben. Dazu nennt Rozan drei Meilensteine: 1. Die bestehenden Instrumente wie der deutsch-französische Ministerrat, der Deutsch-Französische Finanz- und Wirtschaftsrat  werden durch die deutsch-französische parlamentarische Versammlung, dessen erste Sitzung am 25. März 2019 stattfand. Artikel 14 nennt den neun Ausschuss für grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Der Artikel 20, Abs. 2 enthält die Schaffung eines deutsch-französischen Rat der Wirtschaftsexperten vor. 2.“ Der Aachener Vertrag, der einen Fahrplan für die deutsch-französische Zusammenarbeit für die kommenden Jahre vorsieht, soll auch den anderen Mitgliedstaaten der EU dienen. Das deutsch-französische Paar arbeitet in der Tat für den europäischen Wirtschaftsraum.“ In diesem Zusammenhang geht es um die Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsunion und der Bankenunion. Dazu kommt eine Reform des europäischen Rechtsrahmens mit der Anpassung des Wettbewerbsrechts.

C. Rozan erinnerte an das deutsch-französische Manifest für eine europäische Industriepolitik des 21. Jahrhunderts, das Peter Altmaier und sein französischer Kollege Bruno Le Maire am 19.2.2019 vorgestellt haben, das beide als gesamteuropäisches Projekt verstehen. Rozan nannte auch zwei Beispiele: „Dieses deutsch-französische Bestreben für eine europäische Industrie wurde schon durch das Projekt zur IPCEI (Important project of Commun European Interest) für Batterien verwirklicht. Darüber hinaus haben die Wirtschaftsminister Bruno LE MAIRE und Peter ALTMEIER in Anwesenheit von Herrn Vizepräsident SEFCOVIC am 2. Mai eine deutsch-französische Produktion von Batteriezellen für E-Autos verkündet.“

3. C. Rozan erinnerte an die Reformen  die 2017 in Frankreich umgesetzt werden: „Das Europa-orientierte Programm von unserem Präsidenten ist teilweise von dem deutschen Modell inspiriert. Das war zum Beispiel der Fall in der Umsetzung eines flexibleren Arbeitsrechts, oder auch bei Reformen, die in Bereichen der Ausbildung, der Qualifizierung und der Lehrlingsausbildung ausgeführt wurden.“ – „Deutschland kann sich von Frankreich inspirieren lassen: Beispielsweise was die Digitalisierung, die Finanzierung von Innovationen oder auch die sehr erfolgreiche Steuergutschrift für Forschungszwecke (CIR) angeht. Frankreich hat sich aufgrund dieser Maßnahmen zu einem der attraktivsten Wirtschaftsstandorte der Welt entwickelt.“

Rozan betonte auch, „Deutschland und Frankreich haben dabei eine herausragende Verantwortung für das Gelingen Europas. Im Aachener Vertrag entsteht eine Geisteshaltung von Komplementarität zwischen Frankreich und Deutschland. Es ist jetzt der Moment diese Geisteshaltung tatsächlich umzusetzen.“

In einer zweiten Arbeitsgruppe (Stefan Bantle, Auswärtiges Amt, Luc Jouvence, État-major des Armées françaises, Prof. Dr. Hans Stark, Institut français des relations intgernationales ifri) wurden auch Fragen der Verteidigungspolitik diskutiert.

Dazu auf unserem Blog:

> Rüstungsexporte. Nachgefragt: Brigadegeneral a.D. Dr. Klaus Wittmann antwortet auf unsere Fragen  – 20. Mai 2019

Bemerkenswert sind auch die Vereinbarungen und Perspektiven zum grenzüberschreitenden Verkehr im Kapitel 4 des Vertrags.

Was nimmt es Wunder, dass von deutscher Seite der Absatz bezüglich der Förderung der Nachbarsprache so ausgedünnt worden ist. Frankreich wollte gerne mehr hineinschreiben, die deutsche Seite dachte an ihre Bundesländer und deren Kulturhoheit:

Artikel 10
Beide Staaten führen ihre Bildungssysteme durch die Förderung des Erwerbs der Partnersprache, durch die Entwicklung von mit ihrer verfassungsmäßigen Ordnung in Einklang stehenden Strategien zur Erhöhung der Zahl der Schülerinnen, Schüler und Studierenden, die die Partnersprache erlernen, durch die Förderung der gegenseitigen Anerkennung von Schulabschlüssen sowie durch die Schaffung deutsch-französischer
Exzellenzinstrumente für Forschung, Ausbildung und Berufsbildung sowie integrierter deutsch-französischer dualer Studiengänge enger zusammen.“

Auf unserem Blog:

> Aachener Vertrag

> Deutsch-französisches Parlamentsabkommen

à suivre

Nachgefragt: S. E. Anne-Marie Descôtes, Botschafterin der Französischen Republik in Deutschland antwortet auf unsere Fragen

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Die Präsidentschaftswahl 2027 in Frankreich

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Festival Rétif de la Bretonne à Sacy du 23 au 26 juillet 2026


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