Otmar Seul, Eine Satire, eine Operette und die Politik. Das Fürstentum Birkenfeld in Henri Meilhacs Komödie »Der Gesandtschaftsattaché« (1861) und seine Bearbeitung in Lehárs Operette »Die lustige Witwe« (1905).

Auf unserem Blog stehe zuviel über Politik, mahnte mich mein Doktorvater Professor Dirk Hoeges immer wieder. Also erschienen auch Artikel u. a. über Musik und Literatur auf diesem Blog.

Aber die Literatur und auch die Musik haben ganz besonders in Frankreich (222 Argumente für Französisch: Nr. 17, 44 48 f., 64, 73,f., 75, 90 et passim) haben auch sehr oft eine eminent politische Komponente oder Tragweite.

Erinnern wir hier zum Beispiel an den Vortrag über Jacques Offenbach im Institut français in Mainz am 4. Juni 2019. Jacques Offenbach beherrschte nicht nur virtuos die Musik- und Operettenszene seiner Zeit, er war auch ein Meister im Umgang mit der Zensur. Er illustrierte perfekt die These, dass die Künstler – auch die in Opposition zum Regime standen, diesem aber auch eine Bühne geboten haben. Das war also ein Verhältnis auf Gegenseitigkeit, das auch zu dem unglaublichen Erfolg des 2. Kaiserreichs beigetragen hat: > Napoleon III. Macht und Kunst, Reihe Dialoghi/dialogues. Literatur und Kultur Italiens und Frankreichs, hrsg. v. Dirk Hoeges, Band 17, Verlag Peter Lang, Frankfurt, Berlin, Bern u. a., 2013.

Otmar Seul, unseren Blog-Lesern nicht unbekannt, hat uns zu diesem Thema einen Text mit dem Titel Eine Satire, eine Operette und die Politik. Das Fürstentum Birkenfeld in Henri Meilhacs Komödie »Der Gesandtschaftsattaché« (1861) und seine Bearbeitung in Lehárs Operette »Die lustige Witwe« (1905) geschickt.

Bei Archivarbeiten in Paris machte Otmar Seul einen erstaunlichen Fund, der im Zusammenhang mit der Geschichte des rheinland-pfälzischen Städtchens Birkenfeld steht, wo er aufgewachsen ist. Der Bericht über seinen Fund zielt genau auf eine Thema, das auch heute noch aktuell ist: « Wie umgeht man staatliche Zensur? Unter Napoleon III. verlegt der Theaterautor Henri Meilhac seine Posse über das französische Diplomatenmilieu in eine ausländische Botschaft in Paris – die des fiktiven « Fürstentums Birkenfeld ». Dieses Fürstentum hat es dem Namen nach tatsächlich gegeben – als Verwaltungseinheit des Großherzogtums Oldenburgs. Birkenfeld war das Stichwort für Seul, der es nun genau wissen wollte, ob es in der Fiktion Bezüge auf das reale, das heißt historische Birkenfeld gebe.

Das Ganze hat einen sensationellen Anstrich: denn Meilhacs Satire wird 1905 zur literarischen Vorlage für das Libretto von Victor Léon und Leo Stein für… « Die Lustige Witwe » von Franz Lehár: Das Ergebnis seiner Nachforschungen steht hier > “Eine Satire, eine Operette und die Politik: das Fürstentum Birkenfeld in Henri Meilhacs Komödie »Der Gesandtschaftsattaché« (1861) und seine Bearbeitung in Lehárs Operette »Die lustige Witwe« (1905) – mit vielen Illustrationen -, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, Heft 68, Saargeschichten“, Ausgabe 71/2023, wbg-Academic. Diese Aufsatz wird hier mit freundlicher Genehmigung des  Verlages – schon vorher einmal im Saarbrücker Stadtmagazin – wieder veröffentlicht.

Den Band Persönlichkeiten aus der Saarregion, Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 71 (2023), Sabine Penth (Herausgeberin), Joachim Conrad (Herausgeber), Elias Harth (Herausgeber), wbg Academic in der Verlag Herder GmbH, 1. Auflage 2024
Gebunden, 392 Seiten, ISBN: 978-3-534-64015-7, Bestellnummer: P3640158

findet man im online-Shop des Herder-Verlages als gedrucktes Buch und E-Book unter folgenden Links:

> www.herder.de/wissen/shop/p8/88171-persoenlichkeiten-aus-der-saarregion-gebundene-ausgabe/

> www.herder.de/wissen/shop/p8/89040-persoenlichkeiten-aus-der-saarregion-ebook-pdf/
In der E-Book-Fassung sind die Abbildungen zudem farbig.

Otmar Seul : Noch ist Frankreich nicht verloren ! * Parlamentsauflösung und Neuwahlen in Frankreich, Juni/Juli 2024 – eine politische Einschätzung

Heute ist der erste Wahlgang zur Nationalversammlung in Paris. Der zweite Wahlgang wird am 7. Juli stattfinden. Am 9. Juni hatte Staatspräsident Macron die Nationalversammlung aufgelöst. > Auflösung der Nationalversammlung.

Unsere Redaktion hat einen Beitrag zur Wahl in Frankreich von Otmar Seul erhalten.

Prof. Dr. O. Seul, emeritierter Professor für Rechtssprache der Universität Paris Nanterre Mitbegründer des integrierten deutsch-französischen Jura-Studiengangs Paris Nanterre/Potsdam, Pionier für Deutsch-Französisch-Europäische Sommeruniversitäten in Rechtswissenschaften; Publikation in Vorbereitung: Ed. „Die Zivilgesellschaft im Rechtsstaat. Nachdenken über die europäischen Werte“, Brüssel, Peter Lang-Verlag, Herbst 2024

• Unser Titel ist dem Beginn der polnischen Nationalhymne nachempfunden: „Noch ist Polen nicht verloren“ (Jan Henryk Dąbrowski). Der Text entstand 1797 in den Reihen polnischer Emigranten, die nach den polnischen Teilungen (Kościuszko-Aufstand) in der Cisalpinischen Republik, einem napoleonischem Satellitenstaat in Italien, Zuflucht fanden und militärische Verbände von polnischen Freiwilligen zum Schutz dieser Republik und später zur (vergeblichen) Befreiung der Heimat aufstellten.

Die Massenmobilisierungen gegen die Alternative für Deutschland (AfD) im Frühjahr dieses Jahres haben bekanntlich weitere starke Zugewinne der Partei bei den kürzlichen Europawahlen nicht verhindert. Im Vergleich zum Rechtsruck im Nachbarland Frankreich aber halten sie sich in Grenzen: dort haben am 9. Juni 2024 fast 40 % der Wähler europaskeptische, rechtspopulistische oder rechtsextreme Überzeugungen zum Ausdruck gebracht. Mit 31,4% der Stimmen erhält Marine Le Pens Partei der „Nationalen Sammlung“ (Rassemblement national: RN) mehr als doppelt so viele Stimmen wie die Zweitplatzierte, Regierungspartei Renaissance (14,6%). Sie erhöht damit schlagartig die Chancen von Le Pen, sich 2027 im dritten Anlauf bei der Direktwahl des französischen Präsident durchzusetzen.

„Die Macht zum Greifen nahe?“ Eine legitime Frage, die aber bereits jetzt auf Beantwortung drängt, nachdem Präsident Emmanuel Macron unter dem Eindruck des verheerenden Wahlergebnisses noch am 9. Juni überraschend das Parlament aufgelöst und sofortige Neuwahlen angesetzt hat. Verfassungsrechtlich nicht bedenklich, aber politisch riskant, lautet der Tenor der öffentlichen Reaktionen. Macrons einsame Entscheidung wirkt sich für „republikanisch“ gesinnte Franzosen destabilisierend aus. Sie löst Irritationen und Ängste aus, das Ergebnis der anstehenden Parlamentswahlen könne dem Land eine „cohabitation“ wider Natur aufzwingen: eine geteilte Exekutive, bei der das Staatsoberhaupt und die stärkste Fraktion im Parlament zwei politischen Lagern mit unvereinbaren Identitäten und Zielsetzungen angehören, die die Handlungsfähigkeit der Exekutive stark einschränken.

Die Gründe für den präsidialen „Coup“ sind nachvollziehbar. Er entspricht dem Kalkül, dass dank der Formierung eines republikanischen Blocks um die Regierungspartei Renaissance die Machtbalance im Parlament neu austariert werden kann. Zulauf verspricht man sich aus liberalen und sozial-demokratischen Kreisen der zerstrittenen Linken, deren kurzfristige Allianz (NUPES) bei den Parlamentswahlen von 2022 – mit dem Gewinn von 131 von 577 möglichen Sitzen – am fehlenden Konsens bei der Bildung einer gemeinsamen Fraktion scheiterte. Ebenso rechnet Macron mit Überläufern aus der gespaltenen gaullistischen Partei Les Républicains (LR), die bei den Europawahlen nur noch 7,3% der Stimmen erhält.  Bitte lesen Sie weiter: >
SEUL Otmar Noch ist Frankreich nicht verloren 29 06 2024-2

6. Westbalkan-Sommeruniversität, Pristina, Kosovo

Bei er Eröffnungszeremonie der 6. Französisch-Deutschen-Europäischen Sommeruniversität für Rechtswissenschaften auf dem Balkan „Europäische Integration – Aktuelle Perspektiven und Herausforderungen Rechtsstaatlichkeit und Übergangsjustiz – Die Reflexion der Vergangenheit aus akademischer Perspektive“ – Universität Pristina (KOSOVO), 25. bis 26. September 2025 hat Professor Otmar Seul die Eröffnungsrede gehalten:

Die Rede von Prof. em. Dr. Otmar Seul bei der Eröffnung der 6. Französisch-Deutsch-Europäischen Sommeruniversität für Recht in den Balkanstaaten (Pristina, 25. September 2025) betont die Bedeutung dieser akademischen Initiative für die europäische Integration und den interkulturellen Dialog. Seit 2004 fördern die transnationalen Sommeruniversitäten juristische, ethische und bürgerschaftliche Kompetenzen und sehen das Recht als Träger europäischer Identität. Das Projekt verbindet Universitäten aus Frankreich, Deutschland und Südosteuropa und trägt zur Annäherung ehemaliger Konfliktstaaten des westlichen Balkans bei – inspiriert vom deutsch-französischen Versöhnungsmodell.

Seul würdigt die Rolle Kosovos und hebt die Zusammenarbeit mit Prof. Qerim Qerimi hervor, der den Dialog zwischen west- und südosteuropäischen Rechtskulturen als Brücke gemeinsamer Werte beschreibt. In seinem thematischen Schwerpunkt „Zivilgesellschaft und Rechtsstaat“ warnt Seul vor der weltweiten Erosion demokratischer Strukturen: Nur 15 % der Menschheit leben in einer vollständigen Demokratie. Zivilgesellschaft dürfe daher nicht idealisiert werden, da sie fragmentiert und teils selbst politisch polarisiert sei.

Er fordert die EU auf, zivilgesellschaftliches Engagement rechtlich und strukturell zu stärken, und ruft Universitäten dazu auf, empirische Forschung zu leisten und junge Menschen zu gesellschaftlicher Mitgestaltung zu befähigen. Bildung, Kultur und empirisch fundierte Politik sollten laut Seul zentrale Hebel sein, um Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und den europäischen Zusammenhalt in polarisierten Gesellschaften nachhaltig zu fördern.

> Die Eröffnungsansprache von Professor Otmar Seul *.pdf

> Kosovo International Summer Academy 2025

Solidarität mit den baltischen Staaten : 20 Jahre dt-frz-europ. Sommeruniversität in Vilnius LIT

| Didaktik | KI/IA | Stolpersteine | Das Europa der Vaterländer | Der Brief an alle Schülerinnen und Schüler: Französisch-Leistungs- oder Grundkurs bis zum Abitur  | 222 Argumente für Französisch | Apprendre le français – faire des exercices |  Éditorial – Jugendliche und soziale Netzwerke | L’Actualité sur notre blog : Nachgefragt: Julien Jeanneney, La fièvre américaine. Choisir les juges de la Cour suprême | Paris im April 2025 | Éditorial: Trump, Poutine et le Européens | L’adresse du président de la République aux Français : „…les évènements historiques en cours qui bouleversent l’ordre mondial.“ | Tools zum Französisch-Lernen |


Solidarität mit den baltischen Staaten : 20 Jahre dt-frz-europ. Sommeruniversität in Vilnius LIT

Deutsch-Französisch-Europäische Sommeruniversitäten (SU) sind dank der Deutsch-Französischen Hochschulkooperation wahre „succes stories“ geworden. Sie sind nicht „von oben“ herab entstanden, sondern verdanken ihren Erfolg tatsächlich Basisinitiativen in den Universitäten, die Projekte des Deutsch-Französischen Jugendwerks, der Deutsch-Französischen Hochschule und von Ministerien des Bildungssektors inspirierten.

< Die 3 Gründerväter (2004) und langjährigen Kodirektoren der Sommeruniversität : Prof. Tomas Davulis (Vilnius), Prof. em. Otmar Seul (Paris Nanterre), Prof. Helmut Kohl (Frankfurt a.M.) (Foto von 2022)

In den Rechtswissenschaften sind die Deutsch-Französischen Studiengänge der Universität Paris Nanterre nach der Osterweiterung der EU von 2004 zu Pionieren solcher Sommeruniversitäten geworden. Sie entstehen in Zusammenarbeit mit deutschen Universitäten in den Partneruniversitäten der neuen EU-Mitglieds- und Kandidatenländer im postkommunistischen Raum zwischen Baltikum und Westbalkan: sie wollen nicht zuletzt einen Beitrag zum Wiederaufbau der Zivilgesellschaften leisten.

> Prof. Vigita Vėbraitė (Vilnius), Kodirektorin der Sommeruniversität  >>>
Privilegierter deutscher Partner der Universität Paris-Nanterre in den Rechtswissenschaften ist seit 1995 die Universität Potsdam. Ihre integrierten deutsch-französischen Studiengänge genießen internationales Prestige. Zum    30. Jahrestag ihrer Gründung, vgl. auf unserem Blog: Otmar Seul > Vorgeschichte, Gründerjahre und europäische Impulse der integrierten Studiengänge Paris Nanterre-Potsdam. *.pdf.


À propos Solidarität mit den baltischen Staaten: Kennen Sie das Orgel-Pojekt in Riga?

> Eine „Bach-Orgel“ für Riga

Mit den vorbereitenden Arbeiten hat die Orgelwerkstatt im Herbst 2024 begonnen, und binnen drei Jahren soll der Bau vollendet sein. Es fehlen noch ca. 400.000 Euro. Dazu sind Spenden willkommen. Domverwaltung und -gemeinde werden sich an Spendenwerbung/Fundraising beteiligen, so dass dies ein wirklich deutsch-lettisches Vorhaben ist.


Die Deutsch-Französischen Studiengänge der Universität Paris Nanterre geben 2004 den Anstoß zur Gründung der ersten Sommeruniversität im litauischen Vilnius – in Kooperation mit der Johann Wolfgang von Goethe-Universität der Universität Frankfurt am Main und der gastgebenden Universität Vilnius (1598 gegründet). In diesem Jahr findet die Sommeruniversität zum 20. Male statt: > Programm. Der Erfolg des „Vilnius-Modells“ beruht nicht zuletzt auf seinem Konzept: „Multinational und mehrsprachig ausgerichtet, begreifen unsere Sommeruniversitäten das RECHT als Vektor „europäischer Identität“. Sie beschränken sich nicht auf die Vermittlung der Grundlagen und Entwicklungen des Gemeinschaftsrechts: sie untersuchen vor allem auch die Anpassungsherausforderungen, die mit Rechtsreformen und Harmonisierung im erweiterten europäischen Rechtsraum verbunden sind. Sie erfordern eine ständige Reflexion über Identität und Werte der EU.

Als Akteure der Zivilgesellschaft vermitteln wir an den Universitäten bekanntlich nicht nur Wissen und qualifizierte Ausbildung, sondern entwickeln auch ethische, soziale und bürgerschaftliche Kompetenzen, die sich an „Gemeininteresse“ und „Gemeinwohl“ orientieren. In diesem Sinne gewähren wir Studierenden und Nachwuchswissenschaftlern größtmögliche Autonomie bei der Bearbeitung unserer Themenfelder (Kurzvorträge im Plenum, rechtsvergleichende transnationale Workshops, Gruppenarbeiten).

„Wir danken daher allen, die zum Gelingen unserer Sommeruniversitäten beigetragen: insbesondere den Lehrenden, Doktorandinnen und Doktoranden sowie den Studierenden, die mit ihrer Teilnahme und Begeisterung den „europäischen Dialog“ gewährleisten. Schließlich gilt unsere Wertschätzung den Ministerien, den deutsch-französischen Institutionen (Deutsch-Französische Hochschule, Deutsch-Französisches Jugendwerk) und den Botschaften für ihre großzügige Unterstützung unserer Initiativen.“ (Konzeptor und Mitbegründer Otmar Seul, emeritierter Professor der Universität Paris Nanterre, in einem Dankschreiben an Professor Petrauskas, Rektor der Universität Vilnius, 12. Juli 2025).

Weiterführende Literatur zu den Europäischen Sommeruniversitäten:

Ausführlich: > Deutsch-französische Sommer- und Winteruniversitäten mit Drittländern in den Rechtswissenschaften – Wikipedia

Auf unserem Blog: > Apprendre l’Europe : les Universités d’été franco-
allemandes et européennes comme vecteur de la formation civique et citoyenne – éléments pour une
synthèse géopolitique (2004-2020) *)
von Otmar Seul.

Das „Fürstentum Birkenfeld“ in Henri Meilhacs „Gesandtschaftsattaché“ II

Zwischen Fiktion und Realität: das „Fürstentum Birkenfeld“ in Henri Meilhacs „Gesandtschaftsattaché“ (1863), die literarische Vorlage für Lehárs Operette „Die lustige Witwe“ – lautet die Überschrift von Otmar Seuls neuem historischen Aufsatz.

Das Schloss in Birkenfeld, Regierungsgebäude des Fürstentums Birkenfeld im Großherzogtum

Oldenburg, in einem Gemälde von C. Hesse, 1888. (Landesmuseum Birkenfeld, Repro Gerhard Ding)

entnommen https://www.france-blog.info/wp-content/uploads/2024/09/SG_3_22_8.15.pdf

Die Urmutter der „Lustigen Witwe“ in Franz Lehárs weltberühmter Operette von 1905 war eine „fiktive Birkenfelderin“! Zu dieser überraschenden Erkenntnis ist Otmar Seul, Mitglied des Vereins für Heimatkunde im rheinland-pfälzischen Landkreis Birkenfeld, im Verlauf von Forschungen in französischen Archiven gekommen. Der in Birkenfeld aufgewachsene emeritierte Professor für deutsche Rechtssprache und Zeitgeschichte an der Universität Paris Nanterre hat seine These 2022 in Heft 68 der „Saargeschichten“ des Saarbrücker Magazins zur regionalen Kultur und Geschichte eingehend dargelegt, unter dem Titel: „Eine Satire, eine Operette und die Politik“. Bezugsquelle für Seul ist die Boulevardkomödie „Der Gesandtschaftsattaché“ von Henri Meilhac, die im Oktober 1861 im Pariser Théatre du Vaudeville ihre Premiere feierte.

Mitglied der französischen „Gelehrtenakademie“ (Académie française) – mit ihren 40 auf Lebenszeit berufenen Mitgliedern, den „Unsterblichen“ -, gilt Meilhac als einer der schöpferischsten Librettisten seiner Zeit. Internationale Aufwertung erhält der „Gesandtschaftsattaché“ 44 Jahre später als Vorlage für das Libretto der 1905 in Wien uraufgeführten „Lustigen Witwe“. Hierbei aber werden story und zentrale Figur, die umworbene Bankierswitwe Madeleine Palmer, dem Zeitgeist angepasst. Bei Meilhac, also im Frankreich Napoleons III., werden die traditionelle Form der Ehe und ihre geschlechtsspezifische Rollenzuteilung noch niçht hinterfragt. Lehárs Librettisten hingegen verleihen der Bankierswitwe (Hanna Glawary) bereits emanzipatorische Züge, nehmen mithin die entstehende Frauenbewegung schon als soziales Phänomen wahr. Aber sie wechseln auch den Schauplatz der Handlung. Sie spielt jetzt nicht mehr in der Pariser Botschaft des „Fürstentums Birkenfeld“, sondern in der diplomatischen Vertretung des Fantasiestaates Pontevedro auf dem Balkan. Ein Kontext im Umfeld der Donaumonarchie, ist dem Wiener Publikum leichter zu vermitteln als eine ihm unbekannte, ferne Exklave des Großherzogtums Oldenburg. Ursprünglich ist als Handlungsort sogar die Pariser Botschaft des real existierenden südslawischen Fürstentums Montenegro vorgesehen. Doch angesichts der starken Spannungen auf dem Balkan infolge der ungelösten Nationalitätenfrage (die bekanntlich 1914 zum Ausbruch des 1. Weltkrieges beitragen), verwerfen die österreichisch-ungarischen Zensurbehörden diese Idee, um drohenden diplomatischen Zwischenfällen und Konflikten mit den panslawistischen Bewegungen zu vermeiden. Ähnliche politische Überlegungen muss Meilhac schon bei der Konzeption seines „Gesandtschaftsattachés“ anstellen. Um die Zensur zu passieren, verlagert er seine Posse über das Diplomatenmilieu in eine fiktive ausländische Botschaft, die keine Assoziation mit einem real existierenden Staat zulässt. Da von ihm selbst keinerlei Äußerungen vorliegen, die erhellen, aus welchen Gründen er seine Satire einem „Fürstentum Birkenfeld“ andichtet, kommen wir niçht umhin, einen Erklärungsansatz aus der napoleonischen Diplomatie und Außenpolitik abzuleiten. Um sich jenseits des Rheins die Rivalität zwischen Österreich und Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland zunutze zu machen und sich alle Bündniskonstellationen offen zu halten, sieht sich der Kaiser zur diplomatischen Rücksichtnahme selbst auf die Kleinststaaten des Deutschen Bundes gezwungen: können sie doch als Alliierte eines der beiden von Napoleon III. umworbenen Rivalen jederzeit auch als Bündnispartner Frankreichs in Betracht kommen.  Diplomatische Verwicklungen aber muss Meilhac mit dem Bezug auf Birkenfeld nicht fürchten: es ist kein souveräner Kleinststaat, sondern lediglich eine Verwaltungseinheit eines Großherzogtums. Mit der Apostrophierung als „Fürstentum“ honoriert Oldenburg die historischen Verdienste von „Burg Birkenfeld“ für die dynastischen Beziehungen der deutschen Einzelstaaten während des über 800 Jahre währenden mittelalterlichen und neuzeitlichen Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation.

Kann Meilhac in seiner Posse über das Diplomatenmilieu seiner Fantasie freien Lauf lassen, ohne Sensibilität für die historischen Gegebenheiten in Bezug auf Birkenfeld? Wir stellen die künstlerische Freiheit nicht in Frage. Mit unserem Anliegen, die Trennlinien zwischen Realität und Fiktion auszumachen, aber stoßen wir in historische Dimensionen vor, die für die heimatkundliche Forschung Neuland sind: es gilt die Verfasstheit und Entwicklung des zu Oldenburg gehörenden „Fürstentums Birkenfeld“ im Spannungsfeld von Bismarcks Nationalstaatspolitik und Napoleon III. europäischen Hegemoniebestrebungen nachzuvollziehen.

*Otmar Seul hat seinen Essay der fiktiven und realen Bezüge von Lehárs weltberühmter Operette zu Birkenfeld mittlerweile abgeschlossen. Er wurde im September 2024 in Band 71 der Saarbrücker Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend  in voller Länge veröffentlicht: unter dem Titel „Das Fürstentum Birkenfeld in Henri Meilhacs Komödie ‚Der Gesandschaftsattaché‘ (1861). Zur geschichtlichen Einordnung der literarischen Vorlage für Franz Lehárs Operette ‚Die lustige Witwe‘ (1905)“. Der 44-seitige Text kann im Landesmuseum Birkenfeld beim Museumsleiter Hisso von Selle eingesehen werden. Der in Heft 68 der „Saargeschichten“ des Saarbrücker Magazins zur regionalen Kultur und Geschichte bereits 2022 erschienene Teilauszug unter dem Titel: „Eine Satire, eine Operette und die Politik“ kann online gelesen werden: https://www.france-blog.info/wp-content/uploads/2024/09/SG_3_22_8.15.pdf.  Der Journalist Axel Munsteiner hat ihn in der  Nahe-Zeitung vom 9.11.2022, einer Regionalausgabe der Koblenzer Rhein-Zeitung, „ausführlich  und trefflich besprochen“ (Seul).

Auf unserem Blog > Otmar Seul, Eine Satire, eine Operette und die Politik. Das Fürstentum Birkenfeld in Henri Meilhacs Komödie »Der Gesandtschaftsattaché« (1861) und seine Bearbeitung in Lehárs Operette »Die lustige Witwe« (1905). – 22. September 2024

30-jähriges Jubiläum der integrierten deutsch-französischen Studiengänge der Universitäten Paris Nanterre – Potsdam in Rechtswissenschaften (1994-2024)

Unsere Redaktion freut sich immer über Reaktionen unserer Leser, ganz besonders wenn sie über deutsch-französische Aktivitäten berichten, über die wir bisher keine Informationen bekommen haben. Auch die deutsch-französischen Studiengänge werden von der Deutsch-französischen Hochschule organisiert, die zu den vielen deutsch-französischen Organisationen zählt… eine Anzahl, so groß wie kein anderes Länderpaar in der Welt so eine Zahl aufweisen kann:

Anniversaire/Jubiläumsfeier/Celebration
25.05.2024, 11.h00-17h30: Universität Potsdam, Campus Griebnitzsee, August-Bebel-Str. 89, Haus 6, H03, D-14 482 Potsdam
Programm: ellen.rusczyk@uni-potsdam.de

Otmar Seul

Vorgeschichte, Gründerjahre und europäische Impulse der integrierten Studiengänge Paris Nanterre-Potsdam

Zum 30-jährigen Jubiläum der integrierten deutsch-französischen Studiengänge der Universitäten Paris Nanterre – Potsdam in Rechtswissenschaften (1994-2024)

Für die mir erwiesene Ehre, als einer der beiden Gründungsväter der integrierten Studiengänge der Universitäten Paris Nanterre und Potsdam Rückschau auf die Anfänge dieser beispielhaften 30-jährigen Partnerschaft mit europäischer Resonanz halten zu dürfen, bedanke ich mich aufs herzlichste. Im Folgenden gehe ich auf ihre Besonderheiten sowie die Etappen ihrer Entwicklung ein.

Es fehlt nicht an Belegen, in denen diesen Studiengängen infolge ihrer Originalität eine besondere Strahlkraft zugeschrieben wird. Eine unserer Absolventinnen schreibt uns dieser Tage im Rückblick auf ihre Ausbildung während der Nullerjahre: „welch außergewöhnlicher und avantgardistischer Kursus für die damalige Zeit“! Dazu, befindet 2012 die Nanterrer Studierenden- und Ehemaligenvereinigung ACFA, bedarf es bei den Leitern der Studiengänge nicht nur eines hohen Maßes an „Willenskraft“ und „Durchsetzungsvermögen“? sondern auch eines „Schusses Verrücktheit“ (1). Die Präsidenten und Dekane der Universität Paris Nanterre werten dies als Beweis für „Erfindergeist und Dynamik“ der deutsch-französischen Studiengänge: Maurice Verdier, André Legrand und Jean-Marie Demaldent erinnern 2019 daran, dass schon die bilingualen und bi-disziplinären deutsch-französischen Doppeldiplome „Droit-Langues“ der 1980er Jahre in Nanterre Innovationen sind, die über Frankreich hinaus Modell-Charakter haben und europabezogene Kompetenzen und Kooperationen ausbilden. Curriculare Entwicklungen, die nach der Vereinigung (1990) von den deutschen Partneruniversitäten – allen voran von Potsdam – mitgetragen werden. Als Pionierleistung wird den Studiengängen nicht zuletzt der Aufbau eines „weltweiten“ Netzes von trinationalen und quadrinationalen Sommeruniversitäten in den Rechtswissenschaften angerechnet (2). …

Bitte lesen Sie weiter. *.pdf

em. Prof. Dr. Otmar SEUL, Universität Paris Nanterre
Dr. h. c. der Juristischen Fakultäten der Universitäten Potsdam (2002) und Vilnius LIT (2017)
Mitbegründer und Kodirektor (1994-2011) der integrierten Deutsch-Französischen Studiengänge in Rechtswissenschaften Paris Nanterre/Potsdam
Initiator und Kodirektor von Deutsch-Französisch-Europäischen Sommeruniversitäten für Juristen in Ost- und Südosteuropa sowie im Mittelmeerraum (seit 2004)

> crpm.parisnanterre.fr/membres/m-otmar-seul
https://fr.wikipedia.org/wiki/Otmar_Seul

> www.campus-mundus.eu

Siehe auch: Otmar SEUL « Apprendre l’Europe aux Jeunes : les Universités d’été franco-allemandes et européennes comme vecteur de la formation civique et citoyenne – éléments pour une synthèse géopolitique (2004-2020) », in Maxence Lureau (dir.), Mondes narratifs et normatifs entre la parole et l’image, Florence-Paris, Classi edizioni, 2021, pp. 281-296.

Studieren in Europa. Macron und sein Vorschlag, „Europäische Universitäten“ aufzubauen

Unsere Redaktion hofft, dass alle Studenten den Artikel von Victor Sattler ganz genau lesen:

Les Universités d’été franco-allemandes et européennes (2004-2020):

Otmar Seul: „L’accord du 21 juillet dernier sur le plan de relance « historique » destiné à affronter la récession consécutive à la crise sanitaire due au Covid-19, marque le déblocage du dialogue européen. Faisant tomber des dogmes et des tabous, les Vingt-Sept ont adopté un dispositif inédit, qui, fondé sur le projet franco-allemand d’emprunt commun, ébauche les contours d’une Europe « plus fédérale, plus solidaire et plus intégrée » (Le Monde). Il s’agit donc non seulement d’enrayer la crise sanitaire mais aussi et surtout de redresser l’Europe post-coronavirus. Malgré les incertitudes sur les coûts humains, sociaux et économiques de la pandémie, le couple franco-allemand, affirmant son rôle de moteur de la construction européenne, n’hésite pas à inscrire son action dans la continuité du « rêve européen ». En tirant les leçons du dénigrement de l’idée européenne par les « extrêmes » et les « nationalistes », il compte « rien céder à nos principes » et défendre les droits fondamentaux, « les piliers de notre union » (Macron). Les orientations du « monde d’après » s’inspirent de convictions érigées en ‘raison d’Etat’ bien avant la crise sanitaire. …. . Une thématique qui nourrit des approches interdisciplinaires et démarches comparatives transnationales – domaines de prédilection de la coopération franco-allemande. Celle-ci est fondée sur un réseau exceptionnel de partenariats interuniversitaires et de rencontres universitaires bi- ou multilatérales unique en Europe et largement soutenus par les institutions franco-allemandes (l’Université Franco-Allemande, l’Office Franco-Allemand pour la Jeunesse, notamment). “

Hier zum Herunterladen:

Nouvelle version, décembre 2020 :
Otmar Seul, > Les Universités d’été franco-allemandes et européennes (2004-2020) : la mise en valeur des étudiants et jeunes chercheurs comme acteurs de la société civile – une synthèse géopolitique.

In einer seiner 16 Reden zu Europa  Tout un système > Emmanuel Macron: 16 Reden über Europa hat sich Päsident Emmanuel Macron am 26. September 2017 in der Sorbonne mit seiner > Initiative pour l’Europe – Discours d’Emmanuel Macron pour une Europe souveraine, unie, démocratique die Gründung von Europäischen Universitäten vorgeschlagen: „Nous devons créer des Universités européennes, réseaux d’universités qui permettent d’étudier à l’étranger et de suivre des cours dans deux langues au moins. Au lycée, nous devons mettre en place un processus d’harmonisation ou de reconnaissance mutuelle des diplômes de l’enseignement secondaire (à l’instar de l’enseignement supérieur).“

Initiative für Europa – Die Rede von Staatspräsident Macron im Wortlaut – Website der Französischen Botschaft in Berlin:
„Ich schlage die Einrichtung europäischer Universitäten vor, die ein Netzwerk von Universitäten aus mehreren Ländern Europas bilden und die einen Studienverlauf schaffen, in dem jeder Studierende im Ausland studiert und Seminare in mindestens zwei Sprachen belegt. Europäische Universitäten, die auch Orte pädagogischer Neuerung und exzellenter Forschung sind. Wir müssen uns das Ziel stecken, bis 2024 mindestens zwanzig dieser Universitäten zu errichten. Doch schon mit Beginn des nächsten akademischen Jahres müssen wir die ersten Universitäten mit echten europäischen Semestern und europäischen Abschlüssen ausstatten. “

Das Ergebnis seiner Initiative ist beeindruckend:

Unter der Überschrift > Blockseminar in Paris hat Victor Sattler über Macrons Idee der Europäischen Universitäten berichtet: „Seit vergangener Woche gibt es mehr als vierzig Allianzen. Sie sollen Europa von unten aufbauen.“ – 15. Juli 2020

Manchmal weiß man nicht ganz so genau, wohin europäische Visionen führen. Aber der Anstoss, „Europäische Universitäten“ von Macron ist schon in der Realisierungsphase. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, vollzieht mehr als nur ein Reformprogramm: Hier wächst Europa zum Vorteil der Jugend zusammen. Deshalb finden wir in unserer Redaktion, dass der Artikel von Victor Sattler eine Pflichtlektüre für alle Studenten ist. Sattler schreibt: „Am Donnerstag kürte die EU-Kommission zum zweiten Mal solche Allianzen. 24 weitere kamen zu den 17 existierenden hinzu. Damit hat die Kommission Macrons Pläne nicht bloß gedeutet, sondern sie bei weitem übertroffen: Schon bald kann man an 41 Europäischen Universitäten studieren oder das zumindest von sich behaupten.“

Man spricht von gemeinsames Studienprogrammen mit „Mobilitätsfenstern“. Die Studenten können studierend in den Netzwerken ihrer Unis mit ihren Dozenten herzumreisen. Sattler zitiert Peter-André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Er sehe im studentischen Alltag sogar eine Blaupause für die EU


> Die Veröffentlichungen unserer Redaktion auf einen Blick

Blogs


Sartre, Camus und die Kunst. Die Herausforderung der FreiheitNach der englischen Ausgabe 2009 liegt dieses Buch nun auf Deutsch vor, ergänzt um zwei Kapitel über die Studien die Jean-Paul Sartre zu den Werken von Jean Genet und Stéphane Mallarmé angefertigt hat:

Heiner Wittmann, > Sartre, Camus und die Kunst. Die Herausforderung der Freiheit. Reihe Dialoghi/Dialogues. Literatur und Kultur Italiens und Frankreichs. Hrsg. v. Dirk Hoeges, Band 18, > Verlag Peter Lang, Frankfurt, Berlin, Bern u.a., 2020. Hardcover. ISBN 978-3-631-83653-8.

Blog von KLett-Cotta Freunde des Instituts français in Stuttgart Sartre-Gesellschaft Hans-Mayer-Gesellschaft www.romanistik.info

Les Gilets Jaunes

Mit der Kritik an der geplanten Ökosteuer auf Benzin fing die Bewegung an, als zwei Videos mit Kritik an der Steuerpolitik der Regierung in den sozialen Netzwerk auftauchten.


Pierre- Yves le Borgn‘ : „Le mouvement des gilets jaunes est un appel à l’aide. En cet hiver 2019, plus d’un trimestre après le premier acte et deux mois après les annonces du Président de la République, sans doute en retient-on d’abord les violences du samedi, désormais que l’expression dominante semble être confisquée par quelques chapelles extrémistes, réactionnaires, complotistes ou antisémites et par une poignée de « leaders » autoproclamés sujets à l’ivresse des cimes…. “ > Ma contribution au grand débat sur la démocratie et la citoyenneté


Die Gelbe Weste wurde zum Symbol der Bewegung, die es sich angewöhnt hat, jeden Samstag in Frankreich (actes I-…) zu demonstrieren und Kreisverkehre und Zahlstellen der Autobahnen zu besetzen. Dabei wurde (wird) nicht nur am

> Équipements obligatoires pour une voiture : gilet de sécurité, éthylotest,…
Website des > www.service-public.fr

„Le conducteur doit posséder :

un gilet de sécurité fluorescent homologué, avec un marquage CE apposé sur celui-ci, à l’intérieur du véhicule, dans un endroit permettant de le prendre facilement avant de sortir du véhicule,
et un triangle de signalisation de danger homologué, avec un marquage E 27 R apposé sur celui-ci, à l’intérieur du véhicule.

Le gilet et/ou le triangle doivent être utilisés en cas d’immobilisation du conducteur ou du véhicule sur la chaussée ou ses abords suite à un arrêt d’urgence.

Le triangle doit être placé à une distance de 30 mètres au moins du véhicule ou de l’obstacle à signaler.

Les feux de détresse doivent également être allumés.

Le non-respect de ces obligations est passible d’une amende pouvant aller jusqu’à 375 €.“

Rande der Demonstration massiver Sachschaden angerichtet und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Gendarmerie und der CRS. Sehr schnell haben die „Gilets jaunes“ ihre Forderungen ausgeweitet. Im Zentrum steht ihr Ruf nach der Demission von Präsident Macron und die Einführung eines „Référendum d’initiative citoyenne“.  Hinter den „Gilets Jaunes“ steht keine politische Organisation, ihre Anhänger organisieren sich über soziale Netzwerke, deren hohe Like-Zahlen oder Follower aber keinen wirklichen Eindruck erlauben, wie ihr Rückhalt in der Bevölkerung tatsächlich ist.

Unsere Redaktion hat Professor Seul, Universität Nanterre, im Dezember nach seiner Einschätzung gefragt. Er hat uns eine ausführliche Stellungnahme geschickt > Gelbwesten-Bewegung in Frankreich – eine politische Einschätzung – Hier zum Herunterladen als *.pdf –

Professor Seul skizziert die bisherige Reformpolitik unter Macron, die Unzufriedenheit im Land und den unmittelbaren Anlass für die Demonstrationen ab November: „Die zur Finanzierung der Energiewende geplante, höhere Besteuerung von fossilen Benzin- und Dieselkraftstoffen aber löste binnen weniger Tage eine Protestbewegung aus, die ganz Frank-reich erfasste und bis heute anhält. Meinungsumfragen zufolge unterstützen drei Viertel der französischen Bürger die Gelbwesten und halten ihre Demonstrationen für gerechtfertigt.“ Otmar Seul nennt eine Deutung der Ursprünge der Demonstrationen: „Wer sich als Opfer ‘sozialer Ungleichheit’ betrachtet, zögert nicht, sich gesellschaftlich als ausgegrenzt, als ‘abgehängt’ zu wähnen, und die Schuld bei den ‘Eliten’ zu suchen. Damit gerät Frankreichs Präsident unter Beschuss. Denn der 2017 vom Wähler offenbar honorierte innovative Charakter seiner Politik liegt nicht zuletzt darin, dass er die Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse verschlanken und damit beschleunigen will, ohne an die unter der V. Republik übliche, oft als lähmend empfundene ‘Interaktion’ (Pierre Rosanvallon) mit Parteien, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden, Kammern, Gebietskörperschaften und anderen ‘Zwischenkörperschaften’ (corps intermédiaires) gebunden zu sein.“ Zum einen handelt es sich, wie Macron dies auch sagte, um tieferliegenden Unmut, der sich („il vient de loin“) an dem Gefühl (von den Eliten) zurückgelassen worden zu sein und zum zweiten, dass unter Macron, die Zügigkeit der Reformen, die Sozialpartner vernachlässigt habe. Jetzt stellt sich die Frage, ob die von Macron versprochene Serie der Konsultationen, über die er bald per Brief an die Franzosen informieren möchte geeignet sein wird, den Forderungen der Demonstranten entgegenzukommen: „Auch wenn nicht erwartet werden kann, dass der Präsident sich bei der Wahrmachung seines Wahlversprechens, die Weichen für eine ‘partizipative’ Demokratie im Lande zu stellen, als ‘Basisdemokrat’ profiliert, ein kooperativerer Politikstil als bisher ist ihm zuzutrauen.“ Alerdings notiert Otmar Seul auch: „Es wäre naiv, anzunehmen, dass ein baldiger – wie auch immer gearteter – Vergleich zwischen Regierung und Gelbwesten einer Lösung der durch Protestbewegung und staatliche Gegenmaßnahmen aufgeworfenen Fragen gleichkomme. Die Geschehnisse offenbaren eine gesellschaftliche Polarisierung, die an die Grundfesten der 5. Republik rührt und, auf jeden Fall, Macrons steuerpolitisch fundierten Reformkurs gefährdet.“

Macrons Bemerkung, der Unmut dieser Bewegung käme von weit her, offenbart ein Dilemma der französischen Politik, der der jetzt aufbrechende Unmut nicht unbekannt ist und immer wieder im Wahlkampf zu jedem Quinquennat Reformen versprochen hat, ohne dann wirklich Taten folgen zu lassen, weil viele Reformen oft im Keim erstickt wurden. Am letzten Montag hat Premierminister Philippe eine Verschärfung des Demonstrationsrechts angekündigt, nachdem am vorhergehenden Samstag Demonstranten mit einem „ausgeliehenen“ Baufahrzeug in ein oder zwei Anlaufen das Tor zu einem Ministerium eingerammt wurde. Der Staatssekretär beim Premierminister Benjamin Griveaux, der Sprecher der Regierung wurde durch eine Hintertür „exfiltriert“ in Sicherheit gebracht. Wie wird es weitergehen? Der Dialog mit den Demonstranden hat oberste Priorität. Die Regierung und Präsident Macron sucht mit ihnen den Dialog, wobei dieser sich nicht einfach gestaltet, weil sie bisher keine wirkliche Organisaiton hat / haben will. Der Rücktitt von Chantal Jouanno, der Präsidentin der Commission nationale du débat public (CNDP) > Le « grand débat » ou la difficile reconquête de l’opinion par Macron, den LE MONDE gerade ankündigt, wird den Start des Bürgerdialogs erschweren.

> „Gilets jaunes“ : Philippe annonce la mobilisation de 80 000 policiers et gendarmes samedi – franceinfo – 7. Januar 2019

Auf unserem Blog:

> Die Reaktionen auf die Demonstrationen der Gilets jaunes – 6. Dezember 2018

> Was wollen die Gilets jaunes?  – 4. Dezember 2018

>Die Gilets jaunes und das Chaos rund um den Triumphbogen – 3. Dezember 2018

Ohne die Gilets jaunes explizit zu nennen hat Präsident Macron Ihnen in seiner Neujahrsansprache geantwortet:
> Les vœux 2019 du Président de la République – 1. Januar 2019

> Heute, Montag 10. Dezember 2018, 20 h: L’allocution du Président de la République – 10. Dezember 2018

> Der Aufstand der Gelben Westen und die Energiewende in Frankreich – 28. November 2018