Kompetenzorientierter Französischunterricht
und Interkulturelle Landeskunde

In seinem Beitrag für die > Klett-Akademie erklärt Prof. Dr. Alfred Holzbrecher > Französisch in der Schule als Element eines Bildungskonzepts. Der Beitrag von A. Holzbrecher, der mit Bezug auf Meueler ein Konzept von „Bildung als Subjektentwicklung“ verfolgt, will Lernen als einen aktiven Prozess der Konstruktion von Bedeutungen vermitteln.

Für ihn ist die Interkulturelle Pädagogik eine qualitätsvolle Verbindung von Bildung und Bildungsprozessen, die den Schüler aufgrund von Selbstwirksamkeitserfahrungen einen kreativen Umgang mit dem Fremden, also Themen, die zunächst eine Unsicherheit auslösen, ermöglicht. Die daraus entstehende Fähigkeit der Interkulturelle Kompetenz ist, so A. Holzbrecher, keinesfalls nur aus einer kommunikationspsychologischer Perspektive im Sinne einer bloßen Verständigung zu betrachten, denn sie soll den Schüler die grundlegende Fähigkeit vermitteln, die Fremdheiten eben nicht nur kennenzulernen, sondern sie als eine Kompetenz für sich zu erwerben, mit ihnen aktiv umgehen zu können.

Der theoretisch orientierte Ansatzes von A. Holzbrechers hat im Kern eine ganz praktische Bedeutung, die in diesen für Frankreich politisch so aufregenden Zeiten anhand der Bedeutung der Präsidentschaftswahl für deutsche Französisch-Schüler sehr gut demonstriert werden kann.

Wie können Schüler – mit dauerhaftem Erfolg – an das Fremde herangeführt werden? Er nennt diesen Ansatz den „Habitus der Annäherung an das Fremde“. Für eine erfolgreiche Annäherung in diesem Sinn ist als Hintergrund eine interkulturelle Kompetenz erforderlich, die Holzbrecher, mit drei ökosystemischen Ebenen beschreibt: Zunächst kann alles Fremde als Bedrohung der eigenen Sicherheit empfunden werden. Lernt aber Schüler seinen Interaktions- und Handlungsraum im Alltag auszunutzen, also auch in einem politischen Sinn zu begreifen, wird er sich selber als „gestaltendes Subjekt“ wahrnehmen. Als Katalysator für eine solche Entwicklung dient die Auseinandersetzung mit ungewohnten Situationen, historisch anders geprägten Erfahrungen und den unterschiedlichen Interpretationen, die sich daraus für künftige Lösungen ergeben.

Zugegeben, ich habe A: Holzbrechers Ansatz hier nur kurz resümiert, um seine Theorie hier als Anregung zu einer kleinen Reflexion über die Präsidentschaftswahl mit einigen ganz praktischen Unterrichtsthemen zu ergänzen. Jugendliche hier wie in Frankreich stehen mit ihren Schulabschlüssen heute in beiden Ländern einem ungleich schwierigerem Berufseinstieg gegenüber als noch vor ein paar Jahren. In beiden Ländern werden unterschiedliche Lösungsansätze formuliert, die zum Teil mehr auf unterschiedlichen Analysen denn Verhältnissen beruhen. Die Probleme sind ganz ähnlicher Natur, was läge denn da näher als über den Rhein zu schauen, und die Lösungsansätze miteinander zu vergleichen? Ist es Ihren Schülern aufgefallen, welch große Bedeutung das Erziehungswesen mit vielen Aspekten im aktuellen Wahlkampf hat?

In einem etwas größeren Rahmen geht es auch um die Europapolitik, die meistens den Bürgern ziemlich entrückt scheint, aber in Frankreich 2005 beim Referendum zur Verfassungsentwurf im Mittelpunkt des nationalen politischen Interesses stand. Eine Analyse europapolitischer Stellungnahmen im aktuellen Wahlkampf ist eine wunderbare Gelegenheit, Handlungsspielräume der beteiligten Staaten auszuloten, die französische Europapolitik mit der Deutschlands zu vergleichen, nach gemeinsamen Initiativen zu suchen. Nebenbei werden die Schüler die unausweichliche Entdeckung machen, dass die Dauerhaftigkeit der Zivilgesellschaft, dem manchmal kurzsichtigen Tagesgeschäft politischer Diskurse überlegen ist. Durch den Kontakt mit den > deutsch-französischen Beziehungen und ihren Möglichkeiten lernen die Schüler überdies ganz neue eigene Handlungsfelder kennen, die sie am besten mit Hilfe oder durch Inanspruchnahme der vielen Angebote des des Deutsch-französischen Jugendwerks vertiefen können.

Holzbrecher betont ausdrücklich „Fremdsprachliche Kompetenzen erscheinen damit als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für interkulturelles Lernen.“

Blogeinträge sollte eigentlich kürzer sein und sind kaum dafür geeignet, einen Sachverhalt erschöpfend zu behandeln. Hier geht es nur darum, die Theorie der Fachdidaktik an einem aktuellen Beispiel mit dem Kompetenzerwerb im Rahmen der interkulturellen Landeskunde zu vergleichen und mit nützlichen Fragestellungen zu füllen. Statt das Thema zu erschöpfen, fragt ein Blogbeitrag auch mal in die Runde, welche Bedeutung haben die Präsidentschaftswahlen in Ihrem Unterricht? Informieren sie nur die Schüler, oder gelingt es Ihnen gerade anhand dieses Themas auf dem Gebiet der Kompetenzentwicklung weiterzukommen?

Zur Erinnerung: > Französischunterricht: Planen und Kompetenzentwicklung

Französischunterricht: Planen und Kompetenzentwicklung

Eigentlich wollte ich auf dem Blog einzelne Titel in den Beiträgen nicht besonders hervorheben, aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Dies ist der Fall, wenn zum Französischunterricht gleich zwei Bücher erscheinen, das eine mehr zur Praxis und das andere mehr zur Theorie, das aber gleichwohl auch viele Hinweise zum Unterrichtspraxis enthält. Beide Bände gehören direkt zu den Themen dieses Blogs und sollten daher hier auch genannt werden: Eynar Leupold, Universitätsprofessor für Didaktik der französischen Sprache und Literatur an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg hat gleich zwei Bücher zum Französischunterricht bei Kallmeyer und Klett herausgegeben. :

Französischunterricht

Das Buch zur Planung des Französischunterrichts richtet sich vor allem – aber nicht ausschließlich – an Lehrerinnen und Lehrer. Die Hinweise und Anregungen zum Alltag in der Schule und zum Unterricht betreffen Themen, die vor allem für diejenigen, die am Beginn ihrer Tätigkeit stehen und auf der Suche nach Antworten sind, helfen können, sich im Berufsalltag schnell zurecht zu finden: administrative Vorgaben, Schulkultur, eigenes Rollenverständnis. Es geht um die Erstbegegnung mit einer Klasse, die Stundenvorbereitung, Aufgabenorientierung und die Vorbereitung, Durchführung und Benotung einer Klassenarbeit.

FranzösischunterrichtDas zweite Buch zur Kompetenzentwicklung im Französischunterricht vermittelt einen Einblick in die aktuellen Veränderungen der Rahmenbedingungen für den Französischunterricht: Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen wird mit vielen Dokumenten vorgestellt, das Sprachenportfolio sowie in die Länderübergreifenden Bildungsstandards Französisch. Die Bedeutung des Konzepts der Kompetenzorientierung für einen Französischunterricht, der sich auch als Ort der Persönlichkeitsbildung versteht, wird mit Ausführungen zu Planung, Durchführung und Evaluation des Unterrichts gründlich diskutiert und mit zahlreichen Beispielen illustriert.

> Französischunterricht: Planen, durchführen, Beurteilen
Hilfen für den Berufsalltag

> Kompetenzentwicklung im Französischunterricht
Standards umsetzen – Persönlichkeit bilden

Prof. Dr. Eynar Leupold ist Sektionspräsident der > Klett Akademie für Fremdsprachendidaktik.

Literatur im Französischunterricht

Die Behandlung von literarischen Texten im Französischunterricht wird auch heute noch manchmal in modernen Positionen der Fachdidaktik vernachlässigt. Andreas Nieweler berichtet in seiner Fachdidaktik über den Rückgang der literarischen Texte in den sechziger Jahren, als audiovisuelle Methoden die Oberhand gewannen. In den achtziger und neunziger Jahren kamen literarische Texte wieder in die Curricula zurück, wenn auch Sachtexte ihnen gleichbedeutend an die Seite gestellt wurden. (Vgl., S. 206) Es ist richtig, dass in der Literaturdidaktik Lesemethoden mehr als die Auswahl der Texte diskutiert werden. (cf. Nieweler, S. 208). Auf die Diskussion des Kanons – Nieweler nennt wichtige „Kriterien für die Auswahl literarischer Texte“ – möchte ich mich hier noch nicht einlassen; zuviele Vorlieben, Vorbehalte und persönliche Interessen sind in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen.

Es geht um dabei um viel mehr. Der Französischunterricht ist heute in erster Linie von Noten und Leistungsnachweisen geprägt. Vokabeltests dienen zuweilen eher der Disziplin als der Faszination die Anwendbarkeit des Gelernten zu entdecken. Französisch wird immer noch oft auf Kommunikationssituationen und Grammatik reduziert anstatt als das beste Mittel verstanden zu werden, mit dem die Geschichte und die Literatur unseres Nachbarn entdeckt wird. Wie oft wurde aber in der Referendarzeit gesagt, das sei zu schwer für die Schüler, und das Limit wurde auf 10 neue Vokabeln pro Stunde gesetzt, damit die Schüler ja nicht überfordert wurden.

Der Literaturkurs in Klasse 13 ist die wichtigste Erinnerung an meine Zeit als nebenamtlicher Lehrer vor dem 1. Staatsexamen. Rousseau, Voltaire, Balzac, Stendhal, Hugo, Flaubert, ja sogar Rimbaud waren mit dabei. Die Schüler berichteten über die Texte, die sie gelesen hatten, entdeckten Querverbindungen und wurden auf die nächsten Texte neugierig. Camus hat in Le premier homme beschrieben, wie er und sein Freund sich nach dem Besuch der Bibliothek auf die nächste Bank gesetzt haben, um die gerad entliehenen Bücher aufzuschlagen, ganz neugierig, was sie sie ihnen denn diesmal bieten würden. In dieser Hinsicht muß der Französischunterricht wieder zu einer Entdeckungsreise werden, die den Gedanken an eine Abwahl gar nicht erst aufkommen läßt.

Ich meine, die französische Literatur ist interessant genug, um auch heute noch mit allen Medien erfolgreich konkurrieren zu können. Aber mit den heutigen Sachtexten kann die Vielfalt dieser Literatur auch nicht annähernd ersetzt werden. Als Sachtext würde sich immerhin ein Auszug aus Sartres Qu’est-ce que la littérature? oder aus seinem Vortrag La responsabilité de l’écrivain (1946) eignen, in dem er gleichzeitig die Verantwortung des Autors und die des Lesers für die Freiheit der Literatur demonstriert. oder Texte zu den > deutsch-französischen Beziehungen.

ItinérairesDer Rückgang der Literatur im Französischunterricht ist eine Fernwirkung des kommunikativen Ansatzes und eine Folge des allgemeinen Klagens, mit den Schülern von heute könne man anspruchsvolle Texte nicht mehr lesen. Das ist aber nur ein On dit. Werden sie mit ihren Interessen und heute so vielfältigen Kenntnissen ernstgenommen, dann öffnet ihnen die Literatur die Perspektive auf die kulturelle Vielfalt unseres Nachbarn. In meinem Unterricht müßten die Schüler regelmäßig über ihre Leseerlebnisse berichten. In den ersten Lernjahren gibt es genug > an die Kenntnisse angepaßte Lektüren, später bieten Lektüren wie zum Beispiel > Itinéraires oder das Internet genügend Gelegenheiten, interessante literarische Texte zu finden.

Die Beiträge auf diesem Blog geben, gemäß seiner Konzeption, die Meinung der Autoren und nicht unbedingt die des Ernst Klett Verlags wieder.

Leichter Französisch lernen durch Latein?

… fragt Christiane Neveling in > französisch heute 1, S. 36-46:

> Inhaltsverzeichnis

Ihre Schlußfolgerung:

„Latein bietet in fast allen kognitiven Lernbereichen sowie auch auf affektiver, kommunikativinterkultureller Ebene eine minimale Transferbasis. Die Behauptung, zuerst Latein zu lernen, schaffe gute Voraussetzungen zum Erlernen moderner Fremdsprachen, stellt eine deutliche Überschätzung der Möglichkeiten des Lateinischen dar. Jede moderne romanische Sprache bietet hier mehr: Meißner schließt aus seinen Untersuchungen, dass Syntax und Wortbildung innerhalb der romanischen Sprachen die größte Ähnlichkeit aufweisen (1989: 386) und dass „der vom lateinischen Wortschatz ausgehende lernökonomische Effekt […] erheblich geringer als innerhalb der modernen Romanität“ ist (1993: 545). Wir sollten Eltern und Schüler sachbezogen über die vielen Vorzüge des Lateinischen (kulturelles Wissen über Geschichte, den römischen Alltag, die antike Philosophie, das antike Theater u.v.a.m.) aufklären und ihnen keine wissenschaftlich unhaltbaren Versprechungen machen.“

Meißner, Franz-Joseph (1989): Grundwortschatz und Sprachenfolge. Eine statistische Quantifizierung zum lexikalischen Transfer Französisch/Englisch – Englisch/Französisch, Spanisch, Italienisch. Französisch heute 20, 377-387.
Meißner, Franz-Joseph (1993): Interlexis – ein europäisches Register und die Mehrsprachigkeitsdidaktik. Die Neueren Sprachen 92, 532-554.

100 Beiträge

.. verstecken sich schon in den verschiedenen Kategorien. Diskussions-Blog? Nachschlagewerk zu Themen der deutsch-französischen Beziehungen? Forum für die Didaktik im Französischunterricht? Welche Themen fehlen noch? Und welche Kategorien sollten auf jeden Fall berücksichtigt werden?

Dieser Blog steckt noch in den Kinderschuhen, und nach ein paar Wochen stehen ihm noch alle Richtungen offen. Aber wie fangen wir z.B. auch die Schüler ein, die sich mit der französischen Sprache nicht so recht anfreunden können? Diejenigen, denen man immer wieder erzählt, Französisch sei schwer. Sie haben ja auch vielleicht noch nie den Umfang der Wörterbücher für Englisch und Französisch miteinander verglichen. Und vielleicht hat ihnen noch niemand wirklich etwas von den Schätzen der > französischen Literatur erzählt.

Literatur in der Oberstufe

Wegen der besonderen Bedeutung des Sternchenthemas für die Oberstufe in Baden-Württemberg wurde hier bisher einiges – und wohl auch nicht zum letzten Mal – über Albert Camus‘ L’étranger geschrieben. Eine Schülerin fragte mich gestern nach GFS-Themen, die zum Umfeld dieses Sternchenthemas passen würden.

Camus andere Werke eignen sich sehr gut für die in diesem Bundesland üblichen > GFS (gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen). In meiner Schullaufbahn begann mein nachhaltiges Interesse für die französische Literatur, als mir ein Freund damals, wir lasen in der Schule gerade L’étranger, Camus‘ Abhandlung über das Absurde: Le mythe de Sisyphe mitbachte. Mein Klassenlehrer korrigierte das Referat, das ich damals in der Klasse über Camus‘ Interpretation des Absurden gehalten habe. Vvon der verkürzten Formel, das Gefühl des Absurden entsteht durch die Konfrontation des Menschen mit der ihn umgebenden Welt, war ich beeindruckt. Damals schien dies der Schlüssel zum Verständnis seines Werkes. Vielleicht habe ich damals noch nicht wirklich begriffen, daß das Absurde bei Camus kaum mehr als eine Diagnose ist. Danach beginnt erst die eigentliche Aufgabe des Künstlers.

Für eine Buchpräsentation eignet sich auch der Roman La peste (1947) von Camus, in dem die Revolte der Einwohner von Oran und insbesondere des Doktors Rieux gegen die Seuche geschildert wird. Als die Einwohner wieder etwas Hoffnung schöpften, war die Herrschaft der Krankheit gebrochen, schreibt Camus.

Ein anderes Thema für eine GFS wäre die Vorstellung von Sartres Roman La nausée (1938): Das Leben hat den Wert, den man bereit ist, ihm zu geben, erklärt der Autodidakt im Gespräch mit Roquentin. Und der Roman, den Roquentin schreiben will, soll so schön und hart wie Stahl sein und die Leute sich wegen ihrer Existenz schämen lassen, wenn sie ihre Möglichkeiten – die die Literatur ihnen zeigt, nicht nutzen. Camus rezensierte La nausée im Alger républicain am 20. Oktober 1938, und Sartre rezensierte L’étranger im Februar 1943 (wiederabgedruckt in: Sartre, Critiques littérairies, (Situations, I), Paris 1947, S. 120-147.

Oder Sartres Qu’est-ce que la littérature? (1947) würde sich auch prima für eine GFS eignen. In diesem Buch beschreibt Sartre in 4 Kapiteln seine Literaturästhetik und wieso der Begriff der „engagierten Litratur“ immer mißverstanden wird: „Qu’est-ce qu’écrire?“, „Pourquoi écrire?“, „Pour qui écrit-on?“, „Situation de l’écrivain en 1947“. Die GFS könnte sich auf die ersten drei Kapitel konzentrieren, obwohl das vierte Kapitel vor allem auch wegen Sartres ausdrücklicher Kritik an der PCF historisch gesehen vor dem Hintergrund des beginnenden Kalten Krieges beachtenswert ist. Sartres Vortrag von 1946 mit dem Titel La responsabilite de l’écrivain, (erschienen bei Ed.Verdier, Lagrasse, 1998) wäre ebenfalls gut geeignet, da Sartre hier die Verbindung von Freiheit und Verantwortung darlegt.

Unsere Blogleser interessieren sich aber sicher auch für andere Top-Themen für die GFS im Französischunterricht.

Bei Klett gibt es > CDs mit einer Originalaufnahme des L’étranger, so wie Camus ihn 1952 im französischen Rundfunk gelesen hat.

Die Vorstellung des deutsch-französischen Geschichtsbuchs

Im Institut français in Stuttgart gab es heute abend eine dreifache Premiere. Zuerst begrüßte der neue Hausherr, M. Christian Dumon, der als Direktor des Instituts Bernard Bessières folgt, der im August wieder nach Frankreich zurückgekehrt ist, die Gäste des heutigen Abends.

2. Premiere: M. Dumon ist zugleich auch der neue Generalkonsul in Stuttgart. Und schließlich folgte die Vorstellung des deutsch-französischen Geschichtsbuch Histoire/Geschichte. Europa und die Welt seit 1945. Das ist der Dritte Band. die beiden ersten Bände sind in Vorbereitung.

Das deutsch-französische GeschichtsbuchPhilippe Alexandre, Professor am Centre de recherches germanique de l’université de Nancy, berichtete in seinem Vortrag über die Konferenzen zur Schulbuchforschung, die schon im 19. Jahrhundert begannen. Früh hatte man die überragende Prägewirkung von Schulgeschichtsbücher auf  das Geschichtsbild der eigenen Zeit erkannt. In dem Maße wie die Nationalstaaten an Bedeutung zunahmen, nahm auch die staatliche Einflußnahme zu. Vor 1914, z.B. auf dem Welfriedenskongreß von Paris, zwischen den beiden Weltkriegen unter dem Einfluß des Völkerbundes und nach 1945 gab es verschiedene Initiativen, die auf die Gestaltung von Schulgeschichtsbüchern versuchten, Einfluß zu nehmen. Professor Alexandre erinnerte an die Beilage von DAS PARLAMENT, die 1954 die Geschichte und die Perspektiven der Schulbuchforschung vorstellte. Das deutsch-französische Geschichtsbuch knüpft an die erfolgreiche Tradition der Arbeit des > Georg-Eckert-Instituts in Braunschweig für internationale Schulbuchforschung an. 1989 veröffentlichten dort Rainer Riemenschneider und Andrea Hofmeister die Ergebnisse der Schulbuchkonferenzen von 1981-1987.

Peter Geiss, Autor des neuen Geschichtsbuches Studienrat am Bonner Friedrich-Ebert-Gymnasium mit einem deutsch-französischen Zweig – eine sehr interessante Schule, an der ich meine Referendarszeit absolviert habe – stellte den Ansatz und den Aufbau des deutsch-französischen Geschichtbuchs, berichtete über heftig diskutierte Fragen im Autorenteam und nannte Themen, die unstrittig waren. Fragen wie die Bewertung des Zweiten Weltkriegs oder des 8. Mai waren völlig unkritisch. Unterschiedliche Sichtweisen gab es bei den französischen und deutschen Autoren hinsichtlich der Rolle der transatlantischen Beziehungen: Stichworte wie die Luftbrücke oder die Kennedy-Rede in Berlin deuten auf deutsche lieux de mémoire hin, während in Frankreich die Beziehungen zu den USA, Stichwort: amerikanischer Kulturimperialismus, anders und kritischer gesehen werden. Solche Diskussionen sind nicht durch Kompromisse gelöst worden, sondern werden unter dem Stichwort „regards croisés abgehandelt. Ein anderes Beispiel ist die Behandlung des Kommunismus in deutschen Schulbüchern unter dem Eindruck der sowjetischen Bedrohung, des SED-Staates und der Stasi dargestellt, während in Frankreich an die Rolle der Kommunisten im Widerstand gegen die deutsche Besatzung erinnert wird. Auch hier werden die unterschiedlichen Sichtweisen thematisiert. Das deutsche Wirtschftswunder nach 1945 wird in einem solchen Gechichtsbuch relativiert und in den europäischen Kontext eingebettet

Noch ein Wort zum Buch selbst. In Frankreich sind die Quellen meist viel unmittelbarer mit dem Verfassertext verbunden, weil der Text die Schülermethodisch präzise zu bestimmten Fragestellungen anleitet. Diese enge Verknüpfung ist für deutsche Schüler eher ungewohnt, wobei jetzt die französischen Schüler auch neue und andere Arten von Fragestellungen kennenlernen, etwa in der Art von  „Formulieren Sie eine Antwort auf das sowjetische Berlin-Ultimatum von 1948.“ Das deutsch-französische Geschichtsbuch enthält also auch implizit einen Vergleich einen Vergleich der beiden Geschichts-Fachdidaktiken, bei dem beide Seiten voneinander lernen können. Die detailierte Form der französischen Methode zeigt sich u.a. auf den Seiten zur Explication de textes oder auf der Seite mit einer Anleitung zur Erklärung historischer Karten, die in französischen Schulbüchern aufgrund der französischen Tradition der Verbindung von Geographie und Geschichte viel häufiger als in deutschen Schulgeschichtsbüchern anzutreffen sind.

Blogeinträge sollen ja eigentlich kürzer sein, aber manchmal oreintieren sie sich auch an der Qualität der Veranstaltung. N.d.l.r.

Mehr Fotos von diesem Abend erscheinen am Donnerstag in meinem > Fotoalbum auf der Website der Freunde des Institut français de Stuttgart / Les amis de L’Institut.

Konzeption unseres Blogs www.france-blog.info

Kurzfassung: Zum Ausdrucken und Verteilen: Französisch heute, die Zeitschrift der > Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer e.V. hat in ihrer Ausgabe 1/2019, S. 42 f., einen Artikel über unseren Blog veröffentlicht, der hier als *.pdf-Datei heruntergeladen kann: > „Expliquer, expliquer, toujours patiemment expliquer“: Der Frankreich Blog- “ Seiten *.pdf Sie können alle im Artikel genannten Internetangebote per Link anklicken. Tweets

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