Rezension: Christophe Braouet, Deutschland und Frankreich schaffen das

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Christophe Braouet
Deutschland und Frankreich schaffen das
Für eine neue Zusammenarbeit 60 Jahre nach dem Élysée-Vertrag
Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Frank Baasner
Baden-Baden: Tectum Verlag 2023
260 Seiten, broschiert
ISBN 978-3-8288-4848-1

Ministerpräsident Armin Laschet und sein Engagement als Kulturbevollmächtigter für die französische Sprache

Am 31. Mai 2021 hat sich der Kulturbevollmächtigte Armin Laschet über 1000 Schulen in einem Brief an die diesjährigen Abiturientinnen und Abiturienten mit Französisch-Schwerpunkt gewandt, um sie zu ermutigen, auch künftig ihre Französischkenntnisse zu erweitern. Er dankte Ihnen für ihr Engagement für die deutsch-französischen Beziehungen und nannte Ihnen wesentliche Ansprechpartner für ihre Zukunft wie das DFJW oder den Deutsch-Französischen Bürgerfonds : Armin Laschet schrieb u. a. : „Vor allem aber haben Sie eine Brücke zu unseren französischen Nachbarn gebaut und einem wunderschönen Land, einer reichen Kultur und einer starken Wirtschaftsnation. Dass Deutschland und Frankreich von Gegnern zu Freunden geworden sind, ist eine der wichtigsten politischen Entwicklungen der letzten 75 Jahre. Sie ist jungen Menschen wie Ihnen zu verdanken, die mit ihrer Offenheit und Neugier Grenzen überwanden und dadurch, dass sie die Sprache unserer Nachbarn lernten, gegenseitiges Verständnis und Vertrauen geschaffen haben.“ Er folgte damit dem Aufruf, den schon Charles de Gaulle 1962 bei seiner Ansprache an die deutsche Jugend in Ludwigsburg formuliert hatte „alle Kreise bei Ihnen und bei uns dazu zu bewegen, einander immer näher zu kommen, sich besser kennenzulernen und engere Bande zu schließen.“ ( > Staatsakt in Ludwigsburg anlässlich des 50. Jahrestages der Rede General de Gaulles an die deutsche Jugend – 22. September 2012). Armin Laschet unterstrich: „Diese Aufforderung ist heute ebenso gültig wie damals: Die deutsch-französische Freundschaft braucht Sie auch in Zukunft. Welchen Weg Sie nun auch einschlagen werden: Ich hoffe sehr, dass Sie weiterhin Gelegenheit haben, die Sprache unserer Nachbarinnen und Nachbarn zu pflegen und den Kontakt mit unseren Freundinnen und Freunden jenseits des Rheins zu leben.“

Unsere Redaktion hat seit 2006 nahezu 4000 Artikel auf diesem Blog veröffentlicht, der Schülerinnen und Schüler mit vielen Aspekten der Politik, Geschichte und Literatur, der Kultur Frankreichs im weitesten Sinne vertraut machen soll, die im Unterricht naturgemäß oft zu kurz kommen. Im Grunde genommen präsentiert nahezu jeder Artikel, zu welchem Zweck oder gar für einen Beruf, Französischkenntnisse einen nicht zu überschätzenden Vorteil bieten. Wie oft fragen sich Schüler/innen, wozu soll ich Französisch lernen? Auf diese Frage will unsere Redaktion mit unserem Blog ausführlich Antworten geben: 222 Argumente für Französisch.

Im politischen Bereich ist es der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, der sich als Bevollmächtigter in ganz besonderer Weise für die Förderung der französischen Sprache einsetzt:

Die föderalistische Struktur der Bundesrepublik Deutschland bringt es mit sich, dass der französische Erziehungsminister bei Fragen, bei denen es um den Sprachunterricht in den Schulen geht, 16 deutsche Ansprechpartner in den Ländern vor sich hat. Und weil im > Elyséevertag von 1963 gemeinsame Anstrengungen zugunsten des Unterrichts der Partnersprache vereinbart wurden, brauchten wir auf deutscher Seite einen Ansprechpartner für den französischen Erziehungsminister, der ihm gegen über die Interessen der 16 Kultusminister der deutschen Länder vertritt. Auf diese Weise entstand nach dem Elysée-Vertrag das Amt des „Bevollmächtigten der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrags über die deutsch-französische Zusammenarbeit“. Für dieses Amt muss ein/e Ministerpräsident/in sein Interesse bekunden, das hat also Ministerpräsident Laschet ausdrücklich gemacht und damit an sein Engagement für die deutsch-französischen Beziehungen erinnert. Er wurde dann von der Ministerpräsidentenkonferenz gewählt und auf dieser Basis von der Bundesregierung zum Kulturbevollmächigten ernannt. Im Rahmen dieser Aufgabe ist der/die Bevollmächtige Mitglied des Kabinetts der Bundesregierung in Berlin. Mittlerweile wurde das gegenseitige Versprechen, den Sprachunterricht auszubauen mit dem > Aachener Vertrag von 2019 erneut bekräftigt.


Auf unserem Blog:

> Nachgefragt: Ministerpräsident Armin Laschet antwortet auf unsere Fragen – 8. Juli 2019


Ministerpräsident Armin Laschet hat in seiner Eigenschaft als Kulturbevollmächtigter am 13. September 2021 eine Sprachlernkonferenz in Berlin initiiert, bei der der deutsche Anteil einer Sprachstrategie zugunsten der französischen Sprache entwickelt werden sollte: Wir berichteten über die Planung dieser Konferenz: > Montag, 13. September 2021: Sprachlernkonferenz “Gut, besser, Französisch: (Neue) Wege zur Förderung der Partnersprache”.

Am 13. September 2021 in der Landesvertretung in Berlin fand die Konferenz zur Förderung der französischen Sprache unter dem Titel „Gut, besser Französisch: (Neue) Wege zur Förderung der Partnersprache“ satt. Wegen der Pandemie musste diese Konferenz auf den jetzigen Zeitpunkt verschoben werden. Es kamen Entscheidungsträger und Praktiker des deutsch-französischen Austauschs (Bildungsministerien, Bildungsverwaltung, Schulen) zusammen und diskutierten, wie neue Impulse für das Erlernen der französischen Sprache gesetzt werden können. Die erste Diskussionsrunde dieser Konferenz wurde live übertragen:

In seinem Grußwort zur Spachlernkonferenz sagte Ministerpräsident Armin Laschet u.a.: „Die Sprache unseres Nachbarn zu sprechen, ist aus meiner Sicht ganz grundlegend für eine tragfähige Beziehung zwischen unseren Ländern.“ Er ist sich aber auch bewusst, Kinder, Jugendliche und ihre Eltern immer wieder vom Nutzen der französischen Sprache zu überzeugen und die Neugier auf die sich dadurch öffnenden Horizonte weit über Frankreich hinaus zu fördern ist: „Die Beherrschung von Fremdsprachen jenseits des Englischen – als Schulung für den Geist, für mehr Offenheit und Selbstvertrauen. Französisch kann dabei Türöffner für weitere berufliche und persönliche Chancen sein. Vor allem aber schafft es den Eintritt in einen kulturellen und geistigen Raum.“

Die Grundlage für diese Sprachlernkonferenz ist der Artikel 10 des Vertrags von Aachen (VvA), mit dem Frankreich und Deutschland sich verpflichten, die „Entwicklung von mit ihrer verfassungsmäßigen Ordnung in Einklang stehenden Strategien zur Erhöhung der Zahl der Schülerinnen, Schüler und Studierenden, die die Partnersprache erlernen“ voranzutreiben. Auf Initiative des Kulturbevollmächtigten, Ministerpräsident Armin Laschet, und seines französischen Amtskollegen, Bildungsminister Jean-Michael Blanquer, hatte die Konferenz der Kultusministerinnen und –minister der Länder und der französischen Recteurs und Rectrices d’académie am 25. Januar 2021 die deutsch-französische Expertenkommission für das Allgemeinbildende Schulwesen mit der Ausarbeitung einer solchen Strategie beauftragt.

Die Expertenkommission, die aus Vertretern der Länder und weitere Experten aus den Bereichen der Sprachbildung und des deutsch-französischen Austauschs besteht hatte sich am 11. Mai 2021
auf ein grundlegendes Vorgehen geeinigt, damit diese Aufgabe bis Herbst 2022 erfüllt werden kann.

Für die „Förderung der Partnersprache“ gemäß des Art. 10 des Aachener Vertrags wurden folgende Prinzipien formuliert: Die Strategie zur Förderung der Partnersprache soll über die schulische Förderung des Französischen hinausgehen und Fragen der Förderung von deutsch-französischer Mobilität berücksichtigen. Aus dem Art. 10 ergibt sich, dass in beiden Ländern die Anregungen zugunsten des Sprachunterrichts erhöht werden. Aber zu einem gegebenen späteren Zeitpunkt sollen die nationalen Ansätze zu einer gemeinsamen Gesamtstrategie vereint werden. Das könnte so klingen, als wolle man erst einmal abwarten, jedoch spricht der Aachener Vertrag eine klare Sprache: Es geht tatsächlich ganz ausdrücklich um die Förderung der Partnersprache als politisches Ziel: das Ziel einer Gesamtstrategie hat als prioritäres Projekt zur Umsetzung des Vertrags von Aachen Eingang in die Erklärung des Deutsch-Französischen Ministerrats vom 31. Mai 2021 gefunden: > Deutsch-Französische Erklärung von Berlin: „36. Wir unterstreichen die entscheidende Bedeutung der Zusammenarbeit im Bildungsbereich für die deutsch-französische Freundschaft. Vor diesem Hintergrund bekräftigen wir unsere Absicht, Strategien und konkrete Maßnahmen zur Förderung des Erwerbs der Partnersprache in beiden Ländern zu entwickeln und bestehende Programme der Sprachförderung sichtbarer und leichter zugänglich zu machen. In diesem Zusammenhang begrüßen wir die neu gegründeten Deutsch-Französischen Gymnasien in Hamburg und Straßburg. Wir treten darüber hinaus für eine Steigerung der grenzüberschreitenden Mobilität künftiger Lehrkräfte ein.“

Auf deutscher Seite wird die Strategie vorformuliert. Die Festlegung der Untergruppen, die jeweils auch Vertreter der Länder umfassen, wurde thematische Untergruppen im Rahmen der Sitzung der Expertenkommission vom 11. Mai 2021 vorgestellt und gebilligt: Dazu gehören u. a. Austausch & Mobilität, „Austauschprogramme“ mit den Themen „Austausch und Digitalisierung“, Lehrerausbildung mit den Themenbereichen „Lehrermobilität“, „Studiengänge und Studieninhalte“ sowie „Praktika und Referendariat“ und „Lehrerfortbildung“, Curriculum & Abschlüsse mit AbiBac und weitere Abschlüssen im deutsch-französischen Kontext wie auch die Zertifizierungen wie z.B. DELF/DALF, Unterrichtsqualität & Didaktik, Berufliche Bildung, die besondere Förderung der Zweisprachigkeit in der deutsch-französischen Grenzregion und „Frühkindliche Bildung / Primarstufe“ vorgesehen.

Am Tag nach der Konferenz, am 14. September 2021, trafen sich in der Landesvertretung thematisch aufgeteilte Arbeitsgruppen, die für verschiedene Aspekte der Förderung des Französischen Elemente einer Sprachstrategie beraten sollen. Anfang 2022 werden die deutschen Arbeitsergebnisse mit den französischen zusammengeführt, damit im Herbst 2022 die finale Strategie verabschiedet werden kann.

Anhörung der Bundeskanzlerin Merkel und des französischen Premierministers Castex bei der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung

| Deutsch-Französischer Ministerrat am 31. Mai 2021 | Online #Französischlernen I ff.: Die Übersicht | Online unterrichten und lernen | Macron: “Nos sociétés deviennent plus violentes à cause de ces usages.” | Le discours d’Emmanuel Macron: Commémoration du bicentenaire de la mort de Napoléon Ier. | Dossier: Écriture inclusive, ou non exclusive ? | Der Start der Konferenz zur Zukunft Europas | Nochmal: Mobbing in der Schule | Französisch-Online-Lernen in Zeiten der Pandemie | Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf Besuch im Élysée-Palast |


Eine Liste aller deutsch-französischen Organisation, Institutionen und Vereinigungen etc. zu erstellen ist eine langwierige Aufgabe, denn kein anderes Länderpaar in der Welt ist so eng miteinander verbunden. Frankreich und Deutschland haben gemäß des Aachener Vertrags sogar eine gemeinsame parlamentarische Vertretung, eine Parlamentarische Versammlung eingerichtet, die je 50 Abgeordnete aus Frankreich und Deutschland zählt, (vgl. dazu: >Nachgefragt: Die Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung. Die Abgeordneten Christophe Arend und Andreas Jung MdB antworten auf unsere Fragen– 12. November 2020) eine Institution, um die viele Staaten in der Welt uns beneiden dürften:

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Bundestages:

Anhörung der Bundeskanzlerin Merkel und des französischen Premierministers Castex bei der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung

Montag, 28. Juni 2021, 10 Uhr / Beginn der Anhörung 11 Uhr
Videokonferenz live auf www.bundestag.de

Kurz vor Ende der Legislaturperiode des Deutschen Bundestages tagt die Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung (DFPV) unter der Leitung der beiden Parlamentspräsidenten Wolfgang Schäuble und Richard Ferrand bereits zum sechsten Mal.

Während der Sitzung findet diesmal eine Anhörung der Regierungschefs beider Länder statt: Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Premierminister Jean Castex kommen mit den Parlamentariern beider Länder in einer offenen Fragerunde ins Gespräch (11.00 bis 12.30 Uhr). Schäuble und Ferrand werden mit kurzen Ansprachen in die Anhörung einführen.

Auf der übrigen Tagesordnung (10 bis 11 Uhr und 14 bis 17.15 Uhr) stehen u. a. die Beschlussvorlagen zum Thema „European Green Deal“ und zum Thema „Die Entwicklung unserer Volkswirtschaften durch eine Harmonisierung des deutschen und des französischen Wirtschafts- und Insolvenzrechts unterstützen“. Außerdem soll der Bericht über die deutsch-französische parlamentarische Zusammenarbeit im Jahr 2020 verabschiedet und über die Berichte der Arbeitsgemeinschaften „Außen- und Verteidigungspolitik“ sowie „Migration, Asyl und Integration“ debattiert werden.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Tagesordnung auf www.bundestag.de/dfpv.

Die Versammlung findet in einem Hybridformat statt und wird live im Internet unter www.bundestag.de übertragen.

SWP-Studie. Frankreichs Außen- und Sicherheitspolitik unter Präsident Macron

| Aktuelle Themen auf unserem BlogFranzösisch-Online-Lernen in Zeiten der Pandemie | #CoronaVirus – COVID-19-Krise |


Gerade hat Ronja Kempin für die Stiftung für Wissenschaft und Politik den Band > Frankreichs Außen- und Sicherheitspolitik unter Präsident Macron mit dem Untertitel Konsequenzen für die deutsch-französische Zusammenarbeit (SWP-Studie 2021/S 04, März 2021, 54 Seiten) veröffentlicht.

Der Bericht von Ronja Kempin legt eine ernüchternde Analyse der deutsch-französischen Beziehungen, vor allem in der Folge des > Aachener Vertrags von 2019, mit dem Staatspräsident den deutsch-französischen Beziehungen ganz im Sinne > seines Engagements für eine „Renovation de l’Europe“ einen neuen Schwung verleihen wollte. Deutschland ließ Frankreich lange auf eine Antwort warten, die erst durch die Pandemie befördert wurde: > Emmanuel Macron: “Jour historique pour l’Europe !”.

Nach wie vor ist aber ein sachlich gebotener Schulterschluss zwischen Paris und Bonn nur in Umrissen erkennbar, jedenfalls nicht so, wie es die feierliche Vertragsunterzeichnung in Aachen oder gar die Verleihung des Karlspreises dies hoffen ließ > Staatspräsident Emmanuel Macron hat in Aachen den Karlspreis erhalten. Der > Weckruf von Präsident Macron in Sachen NATO verhallte eher ungehört. Fast scheint es auch heute so, dass man sich in Berlin die Ohren zuhält. Zwar haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Emmanuel Macron sich explizit über diese Frage ausgetauscht > Bundeskanzlerin Merkel, Staatspräsident Macron und die NATO, aber die Bilanz, wie Ronja Kempin zeigt, ist enttäuschend.


Auf unserem Blog:
> Rüstungsexporte. Nachgefragt: Brigadegeneral a.D. Dr. Klaus Wittmann antwortet auf unsere Fragen – 20. Mai 2019


Fast scheint es so, als wäre man wieder bei 1963 angekommen Frankreich sucht die Nähe zu Deutschland, um seine / unsere sicherheitspolitische Lage in Europa zu verbessern, besonders angesichts der Perspektiven eines nachlassenden Interesses der USA an Europa, gerade weil das internationale Umfeld sich so rasant wandelt. Deutschland hofft aber weiterhin an einen Ausbau der transatlantischen Beziehungen oder unter Biden an ein Renouveau der NATO.

Mit anderen Worten, jenseits der großen Reden funktioniert die gemeinsame Abstimmung zwischen Frankreich und Deutschland nicht. Desinteresse und auch ein ungenügender Erfahrungsaustausch mögen die deutsch-französische Kooperation beeinträchtigen. Sicher, es gibt kein anderes Länderpaar auf der Welt, dass durch so viele Organisationen, Verbände, Institute, Partnerschaften, Institutionen mit einander verbunden ist. Allein es bleibt der Eindruck, Berlin hat zur Zeit immer weniger Interesse etwas daraus zu machen, vielleicht weil die Probleme der Pandemie überwiegen. Die Covid-19-Krise ist eine interessante Gelegenheit, die unterschiedlichen Politikansätze in Frankreich und Deutschland mit einander zu vergleichen. In Frankreich verkündet der Präsident eine neues verschärftes Confinement: > 31mars 2021: Le Président de la République Emmanuel Macron s’est adressé aux Français ce soir, während die deutschen Ministerpräsidenten sich mit der Kanzlerin streiten, am liebsten immer mehr alles wieder öffnen würden (wer will das nicht) und doch wieder jetzt auf einen stark verschärften Lockdown zurückgreifen müssten. Man gewinnt den Eindruck, es gibt eine deutsche und eine französische Variante des Virus, die offenkundig keine gemeinsame Abstimmung auslösen können. Bleibt nur der grenzüberschreitende Rat für die Abstimmung an der deutsch-französischen Grenze.

In dieser Situation hat die deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung die wichtige Aufgabe, beide Regierungen an ihre eingegangenen Verpflichtungen zu erinnern.

Der Band > Frankreichs Außen- und Sicherheitspolitik unter Präsident Macron enthält sechs Fallstudien zu Libyen, zur Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik, zur Wirtschafts- und Währungsunion, zu Russland, zur Nato und zur Türkei, jede für sich zeigt wie der Untertitel des Berichts lautet Konsequenzen für die deutsch-französische Zusammenarbeit auf.

Ernüchternd fällt das Urteil von Ronja Kempin aus: “ Wie die vorliegende Studie zeigt, konnte das Angebot des französischen Staatschefs, eine »neue Partnerschaft« mit Deutschland zu begründen, weder im Rahmen der Nato eingelöst werden noch in den Beziehungen zu Russland und der Türkei oder in Libyen. Auch die Verpflichtungen gemäß Artikel 1 des Vertrags von Aachen sind bislang nicht durchweg erfüllt worden. Demzufolge wollen sich beide Staaten »für eine wirksame und starke Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik« einsetzen und die Wirtschafts- und Währungsunion »stärken und vertiefen«.4 Die Hauptursache für diesen Befund liegt darin, dass Deutschland und Frankreich auf strukturelle Veränderungen in der internationalen Politik unterschiedlich reagiert haben.“ (S. 48)

Michaela Wiegel, Paris, > Deutschland und Frankreich : Alles andere als einig, FAZ – 31.03.2021

Deutsch-Französisches Zukunftswerk – Forum pour l’avenir franco-allemand

Es gibt kein ein anderes Länderpaar auf der Welt, das eine so enge Verflechtung aufweist, wie Frankreich und Deutschland. Die Schulaufgabe: Erstellt bis morgen eine Liste der deutsch-französischen Organisationen ist von einer Klasse bis morgen nicht lösbar, da müsste man schon eine ziemlich lange Unterrichtsreihe ansetzen, um halbwegs vollständig die gesamte Zahl aller deutsch-französischen Vereinigungen, Städtepartnerschaften, Organisationen, Vereine, Institute und Institutionen, Gremien, Verbände u.s.w. aufzulisten. Kein Wunder, dass Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie gar nicht so viel weiter dachten: > Nachgefragt: Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie: “Für eine deutsch-französische Föderation” – 25. September 2020.

Der Generalsekretär des Deutsch-Französischen Jugendwerkes freute sich bei der ersten Veranstaltung des Zukunftswerkes, das die „galaxie franco-allemande“ einen neuen Stern für die deutsch-französische Zukunft erhalten hat.

Das Deutsch-Französisches Zukunftswerk entstand aufgrund des Artikels 22 des  > Aachener Vertrags, der am 22. Januar 2019 Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel unterzeichnet wurde. Schon auf dem > Gipfel von Toulouse im Oktober 2019 hatten beide angekündigt, dass sich das Deutsch-Französische Zukunftswerk Transformationsprozesse in unseren Gesellschaften untersuchen und dabei die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen im Auge behalten sollen.

> Website von France-Stretégie pour le > Forum pour l’avenir franco-allemand

> Deutsch-Französisches Zukunftswerk –

Twitter > Forum pour l’avenir franco-allemand – Deutsch-französisches Zukunftswerk

Zur Leitung des Zukunftswerkes haben die beiden Regierungen einen Direktor und eine Direktorin berufen: die Professorin Dr. Patrizia Nanz, wissenschaftliche Direktorin am Institut für Transformative Nachhaltigkeitsforschung IASS und Gilles de Margerie, Generalkommissar des Regierungsinstituts France Stratégie. Mittlerweile wurde unter der Leitung von ihnen eine gemeinsame Geschäftsstelle eingerichtet, die die Ziel des Zukunftswerkes umsetzen soll. Außerdem entstand ein Lenkungsausschuss,der die Geschäftsstelle berät. Er tagt zweimal jährlich und besteht aus 16 Mitgliedern, unter ihnen Regierungsvertreterinnen und -vertreter, Abgeordnete sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft.


Das Zukunftswerk soll Zukunftsvisionen zu entwickeln, „die auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen reagieren und ein Gleichgewicht zwischen ökologischen, gesellschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Erwägungen herstellen, um die Lebensqualität in Frankreich und in Deutschland zu verbessern.“ Das Zukunftswerke wird alle 12 bis 18 Monate politische Empfehlungen vorlegen, bei denen es sich thematisch an der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung orientiert. Die Sekretäre des Zukunftswerkes werden diese Empfehlungen dem Deutsch-Französischen Ministerrat und der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung vorlegen.

Neben Visionen und Politikempfehlungen, die das Zukunftswerk entwickelt, werden durch ein Team der Geschäftsstelle für die Politik aufbereitet. Die Geschäftsstelle organisiert auch Veranstaltungen für die an diesen Projekten beteiligten Akteure. Geplant sind auch transdisziplinäre Workshops, in denen Vorschläge der französischen und deutschen Praktiker bekanntgemacht und diskutiert werden sollen.

Nachgefragt: Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie: “Für eine deutsch-französische Föderation”

Unsere Stammleser/innen kennen unser Blogprinzip: Berichten und> Nachfragen meist per Video: Am 8. September 2020 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter der Überschrift > “Für eine deutsch-französische Föderation” den Aufruf des früheren Abgeordnete der Grünen im Europa-Parlament Daniel Cohn-Bendit und des Gießener Politikwissenschaftlers Professor Claus Leggewie.  Am 16. September veröffentlichte LE MONDE ihren Aufruf: Daniel Cohn-Bendit et Claus Leggewie : « En Europe, personne ne doit avoir peur de 150 millions de Franco-Allemands ayant une double nationalité ». Auf unserem Blog berichteten wir über diesen Aufruf: > Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie: “Für eine deutsch-französische Föderation”: Mit Aufgaben für Schüler/innen. – 18. September 2020.

Heute hatten wir eine Gelegenheit mit Professor Leggewie über diesen Vorschlag zu sprechen: Nachgefragt:

Unsere Fragen:

1. Herr Professor Leggewie, zusammen mit Daniel Cohn-Bendit haben sie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 8. September einen Beitrag in der Rubrik Fremde Federn veröffentlicht mit dem Titel „Für eine deutsche-französische Föderation“. Warum gerade jetzt?

Claus Leggewie war von 2007 bis zum 31. Juli 2017 Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen. Er ist Mitherausgeber der Blätter für deutsche und internationale Politik. 2017 erhielt er einen Ruf auf Carl-Ludwig-Börne-Professur der Justus Liebig Universität. in Gießen. Er ist Mitglied im Verein Rat für Migration.

2. Im ersten Satz warnen sie davor, dass Europa in „diverse Bestandteile“ zerfallen könnte. „Der gemeinsame Vektor dieser Zentrifugalkräfte ist die vermeintliche Übermacht Deutschlands und Frankreichs, die in Den Haag so kritische betrachtet wird wie in Rom und Warschau,“ so lautet ihre Diagnose.

Tâches:

Vous pouvez travailler avec cet article ou pour plus d’infos: > Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie: “Für eine deutsch-französische Föderation” – 18. September 2020.

1. Regardez la vidéo sans prendre des notes. La regardez encore une fois et prenez des notes, s.v.p. en français -les élèves français peuvent prendre des notes en allemand.

2. Qu’est-ce que Daniel Cohn-Bendit et Claus Leggewie nous proposent-ils?

4. Résumez les propos de Claus Leggewie,

5. Vous établissez une liste avec ce qui nous rapprochent des Français et ce qui nous en différencie.

6. Vous faites une liste pro et contra par rapport en ce qui concernla proposition de Daniel Cohn-Bendit et Claus Leggewie.

7. Vous orgnisez un débat dans votre classe ou avec vos correspondants.

PONS vous soutient/hilft Euch :

3. Beim Stand dieser Dinge dringen sie als Fortsetzung des Aachener Vertrags und des von Präsident Macron und Bundeskanzlerin Merkel geschnürten > Corona-Krisenpakets dazu, einen großen Sprung zu wagen hin zu einer deutsch-französischen Föderation. Sie sprechen von Stufen, wie stellen Sie sich die vor?

4. Bedenkt man die intensive politische, wirtschaftliche und soziale Zusammenarbeit ja Verflechtung Deutschlands und Frankreichs fehlt eigentlich nur noch ein Name für dieses politische Gebilde…

5. De Gaulle dachte auch schon Pläne für eine deutsch-französische Union, die mit der Präambel zum deutsch-französischen Vertrag, die auf den Ausbau der EU und das unbedingte Festhalten an der NATO hinwies, durchkreuzt wurde. Sind wir da heute näher an einer politischen Gemeinschaft mit Frankreich dran?

6. Die bestehenden Vernetzungen aller Art, einzigartig zwischen zwei Staaten heute, so darf man hinzufügen, reichten vor „130 Jahren für die Nationbildung des Deutschen Reiches“, zielt Ihr Vorschlag auf einen politischen Zusammenschluss? Mit einer Verfassung?

7. In Frankreich lockert sich der zentralstaatliche Etatismus, wachsen hier die Bundeskompetenzen, ein weiterer Hinweis auf das Zusammenwachsen?

8. Ein deutsch-französischer Sitz im UN-Sicherheitsrat? Gemeinsame Klimapolitik? Energiepolitik? Digitalisierung? Alles Fragen, die wir sowieso nur gemeinsam angehen können.

9. Wir haben schon Institutionen, die an einer Roadmap für eine einer deutsch-französischen Föderation arbeiten könnten: Die deutsch-französische parlamentarische Versammlung, diese neue Organ, so einzigartig in Europa.

10. Sie meinen dass eine deutsch-französischen Föderation frischen Wind nach Europa bringe und dessen Fliehkräfte mit ihr gebremst werden könnten?

11. An welchen Zeithorizont denken Sie?

Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie: „Für eine deutsch-französische Föderation“

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La coopération franco-allemande décentralisée suite au Traité d’Aix-la-Chapelle Visions franco-allemandes

1963-2019

> Le traité de l`Élysée de 1963

> Der Élysée-Vertrag von 1963

> Le Traité d’Aix-la-Chapelle sur la coopération et l’intégration franco-allemandes (2019)

> Der deutsch-französische Kooperationsvertrag von Aachen (2019)

Professor Andreas Marchetti hat eine interessante Analyse zum Stand der Deutsch-französischen Beziehungen nach dem > Aaachener Vertrag vom 22. Januar 2019 verfasst. Das Ergebnis seiner Untersuchung liegt auf Deutsch und Französisch vor:

vfa 30_fr_marchetti_couv_page_1.jpg> La coopération franco-allemande décentralisée suite au Traité d’Aix-la-Chapelle Visions franco-allemandes, n° 30, Ifri, juin 2020

Dieser Aufsatz auf Deutsch: > Durchbruch für die dezentrale deutsch-französische Zusammenarbeit? Perspektiven nach dem Vertrag von Aachen

> Prof. Andreas Marchetti: Nachgefragt. Die “Nähe der Gebietskörperschaften” = wie der Aachener Vertrag die grenzüberschreitende französisch-deutsche Kooperation erleichtert

Le développement de la coopération franco-allemande est un processus intergouvernemental aux multiples facettes. Les uns estiment que la capacité d’innovation dans les relations est le propre des décideurs centraux, tandis que d’autres pensent que ce sont les acteurs locaux qui sont à même d’innover. Cette Vision franco-allemande analyse dans quelle mesure le Traité d’Aix-la-

> Online #Französisch-lernen I ff.: Die Übersicht

> Le Traité d’Aix-la-Chapelle sur la coopération et l’intégration franco-allemandes – Website des Außenministeriums

> Den Text des Aachener Vertrags

Twittern für die deutsch-französische Kooperation

Chapelle et l’accord parlementaire du 25 mars 2019 améliorent le cadre institutionnel et juridique de la coopération décentralisée entre la France et l’Allemagne. Il apparaît que ces deux textes constituent une innovation importante à travers la clause d’adaptation et de dérogation. Cette clause peut contribuer à surmonter certains obstacles liés aux différences de structure administrative et juridique. Sur le plan politique, il convient d’accélérer une mise en réseau dynamique entre les niveaux municipal, régional et national, tout en mettant en œuvre une politique de résultats, fondée sur des projets concrets, lesquels pourraient être éligibles auprès du Fonds citoyen, opérationnel depuis avril 2020.

„Nähe der Gebietskörperschaften…?“ Dazu auf unserem Blog:
> Sylvain Waserman hat der Regierung seinen Bericht über “Die deutsch-französischen grenzüberschreitenden Beziehungen” überreicht – 22. Mai 2018

> Nachgefragt. Le Vice-président de l‘Assemblée nationale Sylvain Waserman répond à nos questions   – 26 .Juli  2018

Eine der Überschriften in seiner Untersuchung lautet: „Un nouveau cadre pour la coopération décentralisée“ und er beschreibt hier die „Fortsetzung der Institutionalisierung der deutsch-französischen Beziehungen und geht nochmal ausführlich auf die Bestimmungen und den Geist des Aachener Vertrages ein. Das Deutsch-französische Parlamentsabkommen ist ein Meilenstein in der Geschichte der beiderseitigen Beziehungen. Der Aachener Vertrag  eröffnet den Gebietskörperschaften durch die „Legitimation der Nähe“ gänzlich neue und wertvolle Perspektiven. Damit wird deutlich, dass der Aachener Vertrag den Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland neue Weg weist, sozusagen ein Zukunftsprogramm, das darauf wartet, mit Leben erfüllt zu werden.

Andreas Marchetti est professeur honoraire à l’université de Paderborn, il enseigne régulièrement au campus européen franco-allemand de Sciences Po Paris à Nancy. Il a été chercheur invité du Cerfa à l’Ifri en 2009-2010.

L’Institut français des relations internationales Ifri est, en France, le principal centre indépendant de recherche, d’information et de débat sur les grandes questions internationales. Créé en 1979 par Thierry de Montbrial, l’Ifri est une association reconnue d’utilité publique (loi de 1901). Il n’est soumis à aucune tutelle administrative, définit librement ses activités et publie régulièrement ses travaux.L’Ifri associe, au travers de ses études et de ses débats, dans une démarche interdisciplinaire, décideurs politiques et experts à l’échelle internationale.

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