Die Sitzung des Deutsch-Französischen Sicherheits- und Verteidigungsrates am 17. Juli 2026

Auf dem deutschen Luftwaffenstützpunkt in Nörvenich hat am 17. Juli 2026 eine Sitzung des Deutsch-Französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrats (DFVSR) – Conseil franco-allemand de défense et de sécurité, CFADS) – stattgefunden. Das Ende des gemeinsamen Kampfflugzeugprojekts FCAS (Future Combat Air System) wohl aufgrund der unterschiedlichen Ansichten der beteiligten Industrieunternehmen, die Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des Freihandelsabkommens mit den MERCOSUR-Staaten, auch die unsicheren politischen Perspektiven beiderseits des Rheins: die Kandidatur von Marine Le Pen für das Amt des Staatspräsidenten und der Zuspruch hierzulande zugunsten der prorussischen AfD, dann die deutsche Beschaffung von amerikanischen Tomahawks, obwohl der Bundeskanzler verspricht, man wolle die Entwicklung europäischer Kurzstreckenraketen vorantreiben, das alles streut Sand in das deutsch-französische Getriebe, so dass man nicht mit Sicherheit sagen kann, ob sein Knarzen nur die üblichen Betriebsgeräusche verrät.

Es gab also auf der Sitzung des Deutsch-Französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrats (DFVSR) viel zu besprechen. Jeder deutsch-französische Gipfel war schon immer eine Gelegenheit, sich gegenseitig zu versprechen, man wolle künftig enger zusammenarbeiten, die Beziehungen vertiefen und die Kooperation verstärken. Das Treffen führte auch zur Einrichtung einer „strategischen Steuerungsgruppe“, die auch Gespräche über die Atomwaffen führen soll: s. hie r unten die Pressekonferenz

Heute hat der Élysée-Palast die Ergebnisse der Sitzung des Deutsc-Französischen Sicherheitsrates veröffentlicht: > Conclusions du Conseil franco-allemand de défense et de sécurité du 17 juillet 2026. – Site du Palais de l’Élysée. Elf Seiten, die unserer Redaktion gelesen hat, um eine Liste der darin enthaltenen Aussagen zu den Perspektiven einer gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu erstellen:

Es ist nicht einfach anhand dieses Dokuments eine Liste mit den anvisierten Vorhaben zu erstellen, denn Absichtserklärungen und tatsächliche gemeinsame Projekte sind nicht immer wirklich trennscharf zu erkennen. Die Gemeinsamen „Strategische Perspektiven“ sehen den Ausbau der deutsch-französischen Sicherheits- und Verteidigungszusammenarbeit vor. Man will eine „gemeinsame strategische Kultur („… , la France et l’Allemagne renforceront encore leur coopération stratégique et leur culture stratégique commune“) verstärken. Angesichts der aktuellen transantlantischen Lage soll die europäische Sicherheit*, also der europäischen Pfeilers der NATO gestärkt werden. Und man eine „stärkere europäische Verteidigungsindustrie“ fördern und so eine größerer strategische Unabhängigkeit erreichen. Das klingt wie ein Prolog für neue Aufgaben.

Die gemeinsame Abstimmung bei konventionellen Streitkräften, Präzisionswaffen und Raketenabwehr soll intensiviert werden. Deutschland wird demnächst zum ersten Mal an einer französischen Nuklearübung teilnehmen: vgl. dazu > Frankreich und seine Nuklear-Strategie – 2. März 2026 auf unserem Blog. – E

Dazu  Dt.-frz. Ministerrat. Pressekonferenz, Interviews und Analysen – Phoenix vor Ort

In der Pressekonferenz berichtete Bundeskanzler Friedrich Merz, (34:25-38:00 und vgl auch 05:00-07:00) man habe eine „strategische Steuerungsgruppe zwischen unseren beiden Ländern eingerichtet“, die klären soll, „wie wir unsere gemeinsame Abschreckung steigern können“: „Ich habe das Angebot des französischen Staatspräsidenten an dieser nuklearen Abschreckung mitzudenken, erstmalig angenommen.“ und der Kanzler erinnerte an das damalige Angebot von Charles de Galle,den nuklearen Schutzschirm auch auf das deutsche Territorium zu erstrecken, das war von Deutschland aus nie angenommen worden, das mussten wir auch nicht, weil wir in einer andren Welt gelebt haben…“

Klarstellungen:

Es wird ein französisches Rafale-Kampfflugzeug in Deutschland als erstes gemeinsames Projekt stationiert werden. Hinsichtlich des Ausbaus der Europäischen Verteidigungsindustrie dringt der Rat auf eine gemeinsame Standardisierung und Vereinheitlichung militärischer Ausrüstung. Es soll einer europäischer Standard für vernetzte Luftkampfsysteme entwickelt werden und der Rat spricht sich für eine offene, gemeinsame Architektur für Kampfflugzeuge und Drohnen aus.

Das deutsch-französischen Unternehmens Rüstungsunternehmen KNDS. Es wurde auch über die Entwicklung eines gemeinsamen Systems für den kooperativen Einsatz bemannter und unbemannter Bodenfahrzeuge. Mit Großbritannien zusammen sollen Langstreckenwaffen bis 2.500 km Reichweite entwickelt werden. Außerdem wurde über den Aufbau gemeinsamer europäischer Fähigkeiten zur Abwehr ballistischer Raketen und die Zusammenarbeit bei Satellitensystemen, Aufklärung, Ariane-6-Trägerraketen und aktiver Weltraumverteidigung gesprochen. Beide Länder werden die Vorbereitung der JEWEL-Initiative („Joint Early Warning for a European Lookout“) fortsetzen

Sitographie:

26. Deutsch-Französischer Ministerrat und Deutsch-Französischer Verteidigungs- und Sicherheitsrat – 17. Juli 2026 – Website der Bundesregierung

Starkes Duo für Europa: Deutsch-Französischer Verteidigungs- und Sicherheitsrat – 17. Juli 2026 – Website des Bundesministeriums für Verteidigung

Deutsch-französische Rüstungsprojekte

> Festival Rétif de la Bretonne à Sacy du 23 au 26 juillet 2026


Niklas Záboji, Berlin und Paris sprechen über weitreichende Raketen, FAZ, 14. Juli 2026

Berthold Kohler, > Um Putin von einem Angriff abzuschrecken, FAZ, 9. Juli 2026

Franziska Schwarz, > Koalition der Willigen: Macron kündigt Militärmanöver an, Merkur, 14.07.2026

Auf unserem Blog:

> Die strategische Autonomie Frankreichs und Europas: Die Rede von Emmanuel Macron vor dem Hôtel de Brienne – 14. Juli 2026

> Die europäische Verteidigung und die NATO. Besorgnisse vor deutscher Aufrüstung? – 12. Juli 2026

> Bilaterale Kooperation Deutschland-Frankreich – Website des deutschen Verteidigungsministeriums

> Die europäische Verteidigung und die NATO. Die Erklärung von Emmanuel Macron auf dem Nato-Gipfel in Ankara – 11. Juli 2026

> Das Verteidigungsunternehmen KNDS ist künftig ein deutsch-französisches Unternehmen
22. Juni 2026

Trotz des Scheiterns des gemeinsamen Kampfflugzeugprojekts FCAS (Future Combat Air System) wollen Deutschland und Frankreich offenkundig ihre Zusammenarbeit auf dem Gebiet der gemeinsamen Rüstung verstärken und ganz im Sinne des französischen Präsidenten die europäische Souveränität in Verteidigungsfragen weiter stärken und die Abhängigkeit von den USA reduzieren. Beim deutsch-französischen Ministerrat am 16. und 17. Juli 2026 in Brühl bei Bonn wird am 2. Tag eine Sitzung des Deutsch-Französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrats unter Leitung von Bundeskanzler Merz und Staatspräsident Macron auf dem Fliegerhorst Nörvenich stattfinden. Es geht um mehrere gemeinsame Rüstungsprojekte.


Paul Maurice, France-Allemagne : dépasser les différends pour renforcer la souveraineté européenne IFRI, 15. Juli 2026

Paul Maurice, > En Europe, la crainte du retour de l’Allemagne comme puissance militaireInterventions médiatiques, IFRI, 08/07/2026


Auf der Tagesordnung steht zuerst die Entwicklung von Frühwarnsystemen und weitreichenden Präzisionswaffen gegen militärische Ziele. Deutschland hat solche Fähigkeiten bisher nicht entwickelt, aber Frankreich verfügt über umfangreiche Erfahrungen auf diesem Gebiet. Deutschland will zwar amerikanische Tomahawk kaufen, aber Bundeskanzler Friedrich Merz hat in seiner jüngsten Regierungserklärung auf gemeinsame europäische Projekte verwiesen, mit denen Marschflugkörper entwickelt werden sollen.

Der europäische Rüstungskonzern MBDA bietet mit dem Marschflugkörper MdCN bereits eine europäische Alternative zum amerikanischen Tomahawk-System an. Außerdem wird bei MBDA die bodengestützten Land Cruise Missile (LCM) entwickelt, der Ziele in mehr als 1000 Kilometern Entfernung erreichen soll, die von amerikanischen Genehmigungen nicht abhängig ist. MBDA verhandelt bereits mit Deutschland und Frankreich über die Entwicklung ballistischer Raketen mit Reichweiten zwischen 1000 und 2500 Kilometern.

Rezension: L’étranger von Albert Camus verfilmt von François Ozon

Benjamin Voisin ist der Nachfolger von Marcello Mastroiani, der 1967 im Film von Luchino Visconti die Hauptperson des Romans von Albert Camus L’étranger (1942) verkörperte. In diesem Jahr ist die Neuverfilmung des Schulkassikers von François Ozon als Schwarz-Weiß-Film in die deutschen Kinos gekommen

Albert Camus, > L’étranger
Texte et documents, 97 Seiten
Originaltext mit Annotationen und Zusatztexten
ISBN 978-3-12-597460-9

Meursault, ein Angestellter in Algier erfährt per Telegramm, dass seine Mutter in Altersheim verstorben ist: Das ist zugleich einer der berühmtesten Romananfänge: „Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern…“ Er nimmt sich einen Tag frei und fährt nach Marengo, um an ihrer Beerdigung teilzunehmen. Wieder zurück begegnet er seiner Kollegin Marie (Rebecca Marder), sie gehen zusammen schwimmen, dann ins Kino und auch zu ihm nach Hause.

Ob sie ihn liebe, will sie wissen und Meursault sagt, das sei doch egal. Später an einem Strand haben seine Freunde Ärger mit Arabern, Meursault nimmt seinem Kumpel die Pistole ab, damit dieser keinen Unfug anstelle. … Bitte weiterlesen auf dem Blog Lesen fürs Leben von Ernst Klett Sprachen > L’étranger von Albert Camus verflmt von François Ozon

Sartre, Camus und die Kunst. Die Herausforderung der Freiheit

Auf unserem Blog:

> ChatGPT: Résume L’étranger d’Albert Camus – 27. September 2024

Albert Camus 7.11.1913-4.1.1960

Albert Camus 7.11.1913-4.1.1960 – 4. Januar 2024

Nicolas Tirard-Gatel parle de l’Hôte d’Albert Camus – 13. Dezember2021

Rezension: Tobias Bütow, Corine Defrance, Ulrich Pfeil: 63 Orte der deutsch-französischen Geschichte. Von 1870 bis heute

french german 

Tobias Bütow, Corine Defrance, Ulrich Pfeil
> 63 Orte der deutsch-französischen Geschichte. Von 1870 bis heute
Freiburg, Basel, Wien: Herder 2026
ISBN 9783451036422

Auf unserem Blog:

Nicolas Eybalin, Quand les lieux racontent l’Histoire de France – 29. August 2016

Bibliographie: Erinnerungskultur

L’armistice : 11 novembre 1918

Heute hat Frankreich des Waffenstillstands vom 11. November 1918 gedacht:

In Anwesenheit von Der Staatspräsident Emmanuel Macron fand die Zeremonie zum 107. Jahrestag des Waffenstillstands von 1918 am Arc de Triomphe statt. An diesem nationalen Gedenktag wurde im Hôtel des Invalides eine Gedenktafel für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Elsässer und Lothringer sowie die zwangsrekrutierten „Malgré-nous“ enthüllt.

Damit erfüllte der Präsident seinen Wunsch, das Schicksal dieser Menschen anzuerkennen und im historischen Gedächtnis zu verankern. Zum Abschluss empfing er Veteranenverbände und Vertreter der Mission Libération zu einem Mittagessen im Élysée-Palast und zeichnete den Historiker Denis Peschanski mit dem Ritterorden der Ehrenlegion aus.

Notre rédaction se souvient du > Centenaire de la Grande Guerre 1914-1918 70 articles.

Et notamment :

Rezension: > Centenaire 1914-2014 – Ein nützliches Handbuch

Auf dem Salon du Livre haben wir Jean-Noël Jeanneney Fragen zu seinem Buch gestellt. Wir haben über die Kriegsgründe, die Verantwortung für den Krieg und das Verhältnis von Politik und Geschichte gesprochen. Außerdem hat Jeanneney Vergleiche zwischen dem Gedenkjahr 1989 und 2014 erläutert.

Jean-Noël Jeanneney
> La Grande Guerre si loin, si proche
Réflexions sur un centenaire
Débats – Paris: Seuil 2013 – 176 pages

Voir aussi: > Der Erste Weltkrieg und die Erinnerungskultur. Ein Interview mit Nicolas Offenstadt:„Der Historiker muss sich das Staunen bewahren können…“ (frz./dt.) – 3. Dezember 2014

Studieren mit dem Internet (II)

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| Conférence en ligne : L’art comme référence. Sartre et les artistes | Essai. Lernen und Studieren mit dem Internet | Éditorial – Jugendliche und soziale Netzwerke | IA/KI – L’intelligence artificielle au lycée / Künstliche Intelligenz in der Schule | IA / KI : Verlieren wir unsere Identität? | Der Bericht über die Auswirkungen der Bildschirmzeiten auf Jugendliche | Die Zeit vor den Bildschirmen ist für Kinder verlorene Zeit… ? | Partons en France – Reisen wir nach und durch Frankreich | Apprendre des mots – Dictionnaires en ligne |

| 222 Argumente für Französisch | Der Brief an alle Schülerinnen und Schüler: Französisch-Leistungs- oder Grundkurs bis zum Abitur | Argumente für Französisch | Apprendre le français – faire des exercices |

Deutsch-Französischer Dialog zu Künstlicher Intelligenz: Die Deutsch-Französische Hochschule am Puls der Zeit

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| Intelligence artificelle/Künstliche Intelligenz | Éditorial : Trump, Poutine et les Européens | Semaine de la langue française et de la Francophonie 15 – 23 mars 2025 | Monaco | L’adresse du président de la République aux Français : „…les évènements historiques en cours qui bouleversent l’ordre mondial.“ | Die Rede von J.D. Vance in München |


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