Edouard Husson, Historien, exhorte les dirigeants français à mulitiplier les contacts à tous les niveaux en Allemagne

> Lehrerfortbildung: Erinnerungskultur im Französischunterricht in Koblenz – Montag, 11.11.2019, 09.30–16.30 Uhr
Dozent: Dr. Heiner Wittmann – Anmeldeschluß: 1.11.2019


Das Ergebnis der Landtagswahlen in Thüringen mit dem schlechten Abschneiden der CDU und er SPD, die nur noch auf 8,2 % der Stimmen kommt zusammen mit dem Ergebnis der AfD wird auch in Frankeich mit großer Sorge zur Kenntnis genommen.

Edouard Husson :  > « Le morcellement politique de l’Allemagne demande un changement radical de méthode à Paris »  LE MONDE  – 30.10.2019

In einem Beitrag für LE MONDE fordert Edouard Husson; Professor an der Universität Cergy-Pontoise und Direktor des > Institut franco-allemand d’études européennes (Ifaee) die Verantwortlichen in Frankreich auf, auf allen Ebenen die Kontakte mit Abgeordneten in allen Parlamenten wie auch in Brüssel zu intensivieren. – Die gleiche Erinenrung muss auch an die deutschen Politiker adressiert werden. – Husson erinnert daran, dass Emmanuel Macron nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten 2017 auf eine Zusammenarbeit des deutsch-französischen Tandems gesetzt habe, um die Europäische Union weiterzuentwickeln: Husson schreibt: „Non seulement il faut faire définitivement le deuil d’un nouveau „couple“ fort président-chancelier“ und er erinnert an das Debakel mit der Kandidatur von François Goulard: Deutschland könnte sich sich immer einig zeigen, wenn es mit Paris keine Absprache gebe. „Die politische Zerstückelung Deutschlands, die immer deutlicher werde,“ so Husson, „verlangt einen radikalen Methodenwechsel in Paris : Man muss konkreter vor Ort werden. Es geht darum, wieder das ganze Deutschland kennenzulernen, statt sich auf Gespräche mit Berlin zu beschränken.

Édouard Husson
> Paris-Berlin : la survie de l’Europe
Collection Esprits du monde, Gallimard
Paris-2019.
Zur Erinnerung. Berlin hat Emmanuel Macron immer noch keine wirklich hinreichenden Antworten auf seine europapolitischen Vorstellungen, Anregeungen und Initiativen gegeben.  In Hintergrundgespräch sagte ein Diplomat in Paris im Frühsommer unserer Redaktion, man könne die Sorge empfinden, dass das deutsch-französische Paar eine historische Chance verpassen würde oder bereits verpasst habe.

Die Reden zu Europa: > Emmanuel Macron und Europa – 8. September 2018

> Lesetipp: Deutschland und Frankreich. Gemeinsam für mehr Europa – 29. Dezember 2018

> Ministre Bruno Le Maire spricht in Berlin auf Deutsch – 11. Juni 2018

> Nachgefragt: Ministerpräsident Armin Laschet antwortet auf unsere Fragen – 8. Juli 2019

> Brexit, Europe, Paris et Berlin: Alfred Grosser répond à nos questions – 19. April  2019

“ Die starke Präsenz von Germanisten in der Regierung und im Élyséepalast ist kein Zufall. Setzt der neue Präsident mit ihrer Berufung ein deutliches Zeichen, um ein Renouveau der deutsch-französischen Kooperation einzuleiten?“ > Le Renouveau de la coopération franco-allemande (I) – 18. Mai 2017

Es gibt kein weiteres Beispiel in der Welt für eine so intensive politische, wirtschaftliche und gsellschaftliche Zusammenarbeit auf allen Ebenen wie der zwischen Frankreich und Deutschland. Von der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft könnten und müssten unsere Politiker viel mehr lernen. Die französische Kooperation, die zwischen den Ministerien in Berlin und den Landesregierungen mit Paris so intensiv ist, muss aber auch gemeinsame Ergebnisse vorweisen können. Auf Bundesebene hat immer den Eindruck, deutsch-französische Beziehungen sind lediglich Gipfelpolitik. Klima, Digitalisierung, Migration…. jeder arbeitet für sich auf seiner Seite des Rheins. Sicher, dann kommt wieder ein Gipfel, große Versprechungen und man fährt wieder nach Hause: > Conseil des ministres franco-allemand du 16 octobre 2019 – 12. Oktober  2019. Ein gemeinsames Umweltministerium? Eine gemeinsame Institution zur Förderung der beruflichen Bildung? Gemeinsame Ausbildungsgänge für Französisch- und Deutschlehrer? Eine gemeinsame Digitalagentur? > Deutsch-Französische Ministerium für die Jugend war nur eine Idee im Rahmen der Vorstellungen unserer Redaktion für > nicht realisierte deutsch-französische Projekte. Die gemeinsame deutsch-französische Parlamentariergesellschaft, die im Zusammenhang mit dem > Aachener Vertrag ins Leben gerufen wurde,  ist schon ein Meilenstein. Zweimal soll sie im Jahr tagen, das klingt immer noch nach Gipfeldiplomatie.

Und es gibt immer noch keine bemerkenswerte Initiative zum Sprachenlernen beiderseits des Rheins: Wir können nur wirklich über Europa sprechen, wenn die Schüler/innen zwei und mehr Fremdsprachen in der Schule verpflichtend lernen. Und der deutsch-französische Motor ruckelt und zuckelt vor allem deswegen, weil es mit dem sprachlichen Austausch so schleppend voran geht. Immer mehr Schüler/innen wählen Französisch vor der Oberstufe ab. 10- 12 % von ihnen behält Französisch in der Oberstufe. Es gibt so viele Initiativen für Französisch bei uns, das Deutsch-französische Jugendwerk DFJW eingeschlossen…

… es gibt großartige Erfolge der bilingalen Schulen > 8. Deutsch-französischer Jugendkongress – mit einer Linkliste – 19. September 2019, aber ein Großteil der Schüler/innen wendet sich von Französisch ab, weil Spanisch mehr Urlaub verspricht oder weil die grundelegende Werbung für das Fach Französisch von allen Seiten einschließlich der Politik fehlt.

Es ist die vordringlichste Aufgabe für den Deutschunterricht in Frankreich und den Französischunterricht in Deutschland intensiv zu werben. Das DFJW bekommt auch dieses jahr mehr Mittel kann aber nur einen Teil der Schüler/innen erreichen.

 

France-Allemagne: Was ist da los?


Die Reaktionen in Deutschland auf die Antwort von Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die wir auf diesem Blog zitiert haben, um dann ihren Artikel mit dem Appell von Präsident Macron zu vergleichen > Der Appell von Emmanuel Macron und die Antwort von Annegret Kramp-Karrenbauer – 12. März 2019 fielen sehr kritisch aus. Wie unsere Redaktion aus gut unterrichteten Kreisen aus Paris vernimmt, ist die 🇫🇷🇩🇪 Stimmung nicht so gut, wie sie nach der Unterzeichnung des > Aachener Vertrages und der Abstimmung in der Nationalversammlung über das > Deutsch-französische Parlamentsabkommen sein  könnte oder müsste. Eine Enttäuschung scheint sich breit zu machen, und die Gründe sind nur schwer erkennbar.

Spurensuche. Zuerst fällt unserer Redaktion ein längerfristiger Grund ein, der zugleich auch das Thema ist, was im Aachener Vertrag schlecht wegkam: der Französischunterricht, der als Fundament der künftigen deutsch-französischen Kooperation jetzt ein echtes Renouveau verdient hat.

Der Blick auf die Basis ist ebenfalls ernüchternd, und lehrreich zugleich, denn von den vielen Versprechungen zum renouveau du #francoallemand kommt da außer bei den Städtepartnerschaften etc. nicht viel an. Es gibt Versprechungen und Werbeaktionen, nur der rechte Erfolg mag sich nicht einstellen: > Michaela Wiegel: Ungeliebter Französischunterricht – und was können/müssen wir tun?  – 11. März 2019. In politischer Hinsicht ist in Deutschland kein Wille erkennbar, den Französischunterricht so nachhaltig zu fördern, wie er es verdient hätte. Sind das Spätfolgen? Knapp drei Monate vor dem II. Examen wurde uns in Bonn 1986 verkündet, niemand werde übernommen. Für Französischlehrer sah die Berufsperspektive sehr lange sehr düster aus. Sie wurden nicht gebraucht. Ihre Werbung für das Fach hat lange gefehlt und heute?  80 % der Schüler/innen geben das Fach vor der Oberstufe auf. Das Fach ist schon lange nicht mehr attraktiv. Der Politik in den Ländern und im Bund ist es nicht gelungen, eine Begeisterung für das Fach und damit für Frankreich oder umgekehrt zu erzeugen. Wenn wir von den Germanisten in der französischen Regierung sprechen, fragen wir lieber nicht danach, wie es umgekehrt bei uns darum steht. Französisch gilt als ein schweres Fach, es ist ungeliebt und das überträgt sich auch auf die Beziehung zum Nachbarland. Ausnahmen sind die Schüler/innen der Gymnasien mit einem bilingualen deutsch-französischen Zweig, deren Erfolge sind bemerkenswert. Aber ungleich wichtiger ist die Arbeit der Attachés de coopération pour le français der Französischen Botschaft > www.institutfrancais.de/qui-sommes-nous/equipe, die in den Instituts français in Deutschland angesiedelt sind und die mit Geschick und großem Engagement für die französische Sprache und das Diplôme de langue française DELF werben: > Artikel zu DELF auf unserem Blog.

Abhilfe. In diesem Zusammenhang erinnern wir an unserem Artikel > Der Vergleich (XII) : L’allemand en France, Französisch in Deutschland (I) – 29. Juni 2016, in dem wir auf die Kulturinstitute und ihre Verteilung in Frankreich und Deutschland hingewiesen haben. Es wird zeit, deren Präsenz in Frankreich erheblich zu erweitern und ein Kooperations- und Austauschverfahren zwischen den Instituts français und den Goethe-Instituten jetzt in Gang zu setzen. Das kostet Geld, aber anders ist die Förderung des beiderseitigen Sprachunterrichts und die notwendige Aufmerksamkeit der Schüler nicht zu erhalten.

df-instituts

IF Deutschland Essen Kiel Saarbrücken Berlin Frankfurt/M. Köln Sachsen-Anhalt Bonn Freiburg Leipzig Stuttgart Bremen Hamburg Mainz Thüringen Dresden Hannover Mannheim Düsseldorf Heidelberg München Erlangen Karlsruhe Rostock Lille Paris Nancy Strasbourg Lyon Bordeaux Toulouse Marseille Montpellier - Maison de Heidelberg Aix-en-Provence- Cdentre franco-allemand Centre culkturel franco-allemand Nice

> Instituts français en Allemagne
> Französische Kultur in Deutschland – Website der Französischen Botschaft in Deutschland

Éditorial: Hundert Jahre nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 und die deutsch-französischen Beziehungen

Auf unserem Blog: >  66 Artikel über die Gedenkveranstaltungen zum Ersten Weltkrieg

Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Merkel haben am 10. November 2018 in Compiègne zusammen an das Ende des ersten Weltkriegs erinnert: > Unis twitterte Präsident Macron und das sein Fotos zusammen mit Angela Merkel erinnerte an das denkwürdige Treffen von > Bundeskanzler Helmut Kohl und Präsident François Mitterrand im 22.9.1984 in Verdun.

Präsident Macrons Reise durch 11 Departements in Nordfrankreich > Centenaire de l’Armistice : “l’itinérance” d’Emmanuel Macron, “une initiative originale pour tenter de reprendre la main” – LCI begann mit dem Konzert zusammen mit Bundespräsident Frank Walter Steinmeier im Straßburger Münster und endete eben mit dem Treffen von Präsident Macron mit Bundeskanzlerin Merkel in Compiègne. Zwischendurch, anlässlich der > Zeremonie vor und im Beinhaus von Douaumont stand Präsident Macron vor der in die Brüstung eingelassenen Plakette, die an den Händedruck von Kohl und Mitterrand erinnerte: „Sie (i.e. die Plakette) weist auf die deutsch-französische Aussöhnung an diesem Ort hin“:

Georg Blume auf Spiegel-online hadert in seinem Kommentar vom 10.11.2018 mit den deutsch-französischen Beziehungen > Weltkriegsgedenken von Macron und Merkel Unvollendete Versöhnung. Er würdigt das Treffen von Macron und Merkel in Compiègne: „Doch Merkel und Macron bewegen sich auf unsicherem Boden. Mit den Hundertjahresfeiern des Weltkriegsendes entpuppe sich Europa mal wieder als Elitenprojekt. Und Blume meint, dass dies nicht nur „die Renaissance nationalistischer Bewegungen in Europa“ andeute „sondern, viel wichtiger, die Unvollständigkeit dessen, was uns Merkel und Macron so perfekt vorspielen. Bei genauem Hinsehen klaffen nämlich selbst die Lücken der deutsch-französischen Versöhnung immer noch oder schon wieder weit auseinander.“ Das ist eine Anspielung auf ein Knirschen des deutsch-französischen Motors, wenn es z. Zt. um die gemeinsamen Perspektiven für Europa geht. Macron und Merkel spielen uns aber nichts vor. Ihr Treffen ist natürlich gut vorbereitet, inszeniert, aber nicht gespielt. Die Besiegelung der deutsch-französischen Aussöhnung war schon 1963 bei der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags echt und wurde immer wieder bestätigt und vertieft, 1984 in Verdun und jetzt in Compiègne wurde an sie erinnert.

Tout un système : >

Nos atouts : > Europe-par-la-culture-europa-mit-hilfe-der-kultur-neu-begruenden-i

Un programme : > Le Président-de la République à la Conférence des Ambassadeurs

La chance de nous tous : > Les consultations-europeenes

> Discours du Président de la République devant le Parlement réuni en Congrès à Versailles – 10. Juli 2018

540 Artikel auf unserem Blog
> Deutsch-französische Beziehungen

Es ist allerdings nicht zu übersehen, dass Berlin Paris auf richtig fundierte Antworten auf Macrons vielfältige Vorschläge zu Europa, zur „refondation de l’Europe“,  wie er immer wieder so gerne sagt, hat warten lassen oder sogar warten lässt: > Emmanuel Macron und Europa und sogar noch, als dieser, was nicht oft vorkommt, eine Ein-Jahres-Bilanz seiner Sorbonne-Rede vom 26. September 2018 vorgelegt hat: > La souveraineté de l’Europe: Eine Bilanz der Sorbonne-Rede vom 26. September 2017.

Unsere Redaktion wurde am 29. Oktober 2018 von der Botschafterin der Französischen Republik in Deutschland, S.E. Anne-Marie Descôtes empfangen. Wir haben sie gefragt, ob Deutschland bisher auf die Initiativen von Staatspräsident Emmanuel Macron hinsichtlich eines Neustarts in Europa genügend reagiert habe: Sie antwortet mit dem Hinweise auf > die Ergebnisse von Meseberg vom Juni 2018 und gab zu verstehen, dass die Verhandlungen auf einem guten Weg seien.

Jedoch erinnerte Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire kürzlich in ungewohnt deutlicher Form an weitere Antworten und vor allem an konkrete Projekte mit Berlin:

Sicher die langen Regierungsverhandlungen in Berlin, die zur neuen GroKo führten, die Seehoferkrisen I und II sowie die Diskussion um die Nachfolge von Angela Merkel an der Spitze der CDU verbrauchen viel zuviel Zeit. Aber man sollte auch daran erinnern, dass die deutsch-französische Kooperation sich keinesfalls auf den Gedankenaustausch zwischen Macron und Merkel reduzieren lässt. Die Ministerien beider Regierungen arbeiten auf allen Ebenen mit einer Intensität zusammen, für die es kein anderes Beispiel in der Welt gibt: Vgl. dazu nur > Künstliche Intelligenz. Nachgefragt: Etienne Oudot de Dainville répond à nos questions – 26. Oktober 2018. Sicher, irgendwie stimmt es auch, dass unsere Politiker viel von der Zivilgesellschaft mit ihren > 2200 Städtepartnerschaften und der so segensreichen Jugendarbeit des Deutsch-französischen Jugendwerks lernen könnten. Übrigens könnte das DFJW mit mehr Finanzmitteln noch mehr Schüler/innen erreichen. Es gibt leider immer noch zu viele Schüler/innen, die vom DFJW nichts wissen, Französisch abwählen und damit großartige Chancen ausschlagen.

> Argumente für Französisch

So wie > Annegret Kramp-Karrenbauer in Anspielung auf das kleine Saarland immer wieder sagte, alles beginne im Kleinen und sich daran machte, eine interessante > Frankreich-Strategie zu entwickeln: mit welcher Begeisterung sie über die Großregion vor den Türen ihrer Staatskanzlei sprach und Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagt kürzlich anlässlich er > Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz ZIRP: Frankreich zu Gast in ihrer Staatskanzlei, man brauche nur in die Grenzregion zu gehen und zuzuschauen, wie dort Europa entstehe und sich entwickle: vgl. dazu > Conférence à Montpellier, 28 février 2017. Emploi : L’accès au premier emploi en France et en Allemagne avec une bibliographie et une sitographie. Nein le #francoallemand ist keine elitäre Angelegenheit, das ist unsere gemeinsame Aufgabe.

Georg Blume, dessen Kommentar wir hier zitiert haben, meint, dass die Lücken der deutsch-französischen Versöhnung immer noch oder schon wieder weit auseinanderklafften. Da ist insoweit was dran, als dass unsere Politiker die Chancen der deutsch-französischen Kooperation für Europa viel zu wenig vermitteln: > Die starke Präsenz von Germanisten in der Regierung und im Élyséepalast ist kein Zufall, schrieb unsere Redaktion nach der Bildung des Kabinetts von Édouard Philippe. Und wie äußert sich in ähnlicher Weise das Interesse der deutschen Regierung an Frankreich? Und wenn unsere Länderregierungen ihre Aufgaben, die aus dem Élyséevertrag resultieren, nämlich den Sprachunterricht im Fach Französisch besser zu fördern, würde es den Niedergang dieses Faches bei uns nicht geben. Wie war das noch, als unser Seminarleiter uns in Bonn 1986, drei Monate vor dem II. Staatsexamen verkündete, das Land werde erstmal keine Französischlehrer/innen mehr einstellen. Es ist eine Frage auch der politischen Pädagogik und kein elitäres Proejekt, das Interesse der Bürger an Frankreich und damit auch an Europa und der EU besser zu schärfen.

Podiumsdiskussion: Manuela Wiegel und Frédéric Petit

AM 28. Juni fand im Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses auf Einladung des Deutsch-französischen Instituts eine Podiumsdiskussion zum Thema Deutschland und Frankreich in Europa statt.

Staatsminister Michael Roth (SPD) war per Video zugeschaltet und nahm in seinen Grußwort vor allem Bezug auf die anstehende Revision des > Elysée-Vertrags und bat um einen rege Diskussion zu diesem Projekt. Man spürte ihm an, dass jetzt besonders nach der > Meseberger Erklärung (lang, aber wichtig und lesenswert) man nicht mehr nur auf den deutsch-französischen Motor horchen soll, läuft er oder stottert er? Jetzt ist das nicht mehr ein Gefährt in einem Verbund von sechs Staaten, jetzt müsse, um im Bild zu bleiben, ein riesiger LKW in einer Gemeinschaft von 28 Staaten gesteuert werden. Das Bild zeigt, wie sich die Grundbedingungen der deutsch-französischen Beziehungen seit 1963 fundamental geändert haben:

Mit freundlicher Genehmigung von Staatsminister Michael Roth zeigen wir hier das Video seiner Ansprache in Ludwigsburg:

Manuela Wiegel, Prof. Dr. Frank Baasner, Direktor des DFI, Frédéric Petit, Député des Français à l’étranger

Manuela Wiegel, Korrespondentin der FAZ in Paris, hat kürzlich ein Buch über EMmanuel Macron herausgegeben > Emmanuel Macron. Ein Visionär für Europa – eine Herausforderung für Deutschland, Europa-Union Verlag: Wien u.a., 2018. Der Untertitel ihres Buches durfte auch als Titel für diese Podiumsdiskussion versanden werden. Frankreich unternimmt unter Macron Reformen, auf die in Deutschland gewartet wurde, nun kann es auch in Berlin kein weiteres Abwarten mehr geben. Mit der > Meseberger Erklärung, die vor allem auf die Vorschläge Macrons in seiner > Rede in der Sorbonne am 26. September 2017 eingeht, hat Berlin nun eine Antwort vorgelegt.

Die vielen germanophonen Mitglieder in der Regierung und im Umfeld des Präsidenten > Le Renouveau de la coopération franco-allemande (I) – 18. Mai 2017. Michaela Wiegel erinnerte auch an Bücher, auf die der Präsident sich immer wieder bezieht > Was liest Emmanuel Macron? Und was macht er daraus? – 17. Oktober 2017.

> Frédéric Petit ist von den Französinnen und Franzosen in 17 europäischen Staaten als ihr Abgeordneter in die Nationalversammlung entsandt worden. Er wohnt in Warschau, sein Wahlkreisbüro ist in München. Warum haben wir eigentlich keine Abgeordneten für die Deutschen im Ausland? Petit bestätigte die starke Deutschland-Orientierung des französischen Präsidenten und gab den Wunsch zu erkennen, dass diese Chance jetzt genutzt werden müsse. Er nannte auch das Beispiel der Verteidigung, wo es jetzt neue europäischen Initiativen aufgrund der Vorschläge von Macron gebe.

Bitte öffnen Sie das Fotoalbum mit einem Klick auf ein Foto erst, wenn diese Seite vollständig geladen ist:

Ministre Bruno Le Maire spricht in Berlin auf Deutsch

Die Warnung von Bruno Le Maire ist eindeutig:

> Finanzminister Bruno Le Maire hat kurz vor Beginn des G7-Gipfels in Berlin im Berliner Hotel Adlon vor deutschen Unternehmener eine Rede auf Deutsch (so DIE WELT) gehalten. Der Text der Rede auf Französisch kann heruntergeladen werden: „Puissance économique et volonté politique rimeront désormais avec Allemagne et avec France, au service de notre ambition européenne commune.“

Deutliche Worte „Das 21. Jahrhundert muss ein Jahrhundert sein, in dem sich Europa entschlossen als Kontinent des wirtschaftlichen Wohlstands durch Austausch, der Verteidigung der Rechte und des Friedens behauptet,“ und er fordert die Europäer zum Handeln auf: „Wir dürfen das Schicksal der Welt nicht China und den USA überlassen.“ In Bezug auf Trumps Handelspolitik: „Deutschland kann auf die uneingeschränkte Solidarität Frankreichs zählen, denn wir werden uns weiterhin für eine geeinte Position einsetzen.“ Es ging u . a. um die Pläne, wie der europäische Rettungsfonds ESM künftig funktionieren soll.

> Discours de Bruno Le Maire, ministre de l’Economie et des Finances „Maintenant ou jamais“ – Berlin, Vendredi, 8 juin 2018

Le Discours de M. le Ministre Bruno Le Maire à Berlin, 8 juin 2018

1. Écvriez un article pour un jounrla, 1 page.

2. Nommes les sujets principausx de son dicsours.

3. Il comprend les critiques de la part des Allemands, comment ´repon-il?

4. Pouquoi fau-il rendre l’EUrope plus fort?

PONS vous aidera de rédiger/dresser une liste de vocabulaire autour des relations franco-allemandes et l’Europe.

>PONS Texte schreiben Französisch
ISBN 978-3-12-562558-7
Formulierungen und Wörter für gute Texte: Aufsatz, Textanalyse, Präsentation, Bewerbung

> Weitere Tweets der Französischen Botschaft in Berlin zur Rede le Maires in Berlin

Ein Schritt in die richtige Richtung ist keine 1 eher eine schwaches Befriedigend: „De ce point de vue, nous saluons les déclarations de la Chancelière allemande dans le FAZ la semaine dernière. C’est un pas important et courageux dans la bonne direction. Ces déclarations montrent que nous partageons le même diagnostic sur la nécessité de réformer la zone euro pour en faire une véritable union économique et monétaire. Elles montrent également que nous partageons la volonté de créer un budget de la zone euro. Pour autant, il nous reste encore du chemin à parcourir pour construire une position commune ambitieuse et volontariste. Comme l’a dit Theodor Fontanes : « Es ist ein weiter Feld, il reste du travail ».

Dazu auf unserem Blog:

> Europa: Bundeskanzlerin Merkel antwortet auf Präsident Macron – 5. Juni 2018

Und Le Maire versucht die Dorgen vor einer Transferunion zu zerstreuen: „Cette solidarité est-elle une union de transferts ? Certainement pas. La France ne soutiendra jamais une mutualisation des dettes passées. Solidarité ne veut pas dire laxisme. Solidarité veut dire capacité à tirer vers la performance économique tous les Etats qui ont décidé de lier leurs destins monétaires et de renoncer par conséquent à la facilité de la compétitivité par la dévaluation.“

Dazu auf unserem Blog:

> Nachgefragt: Henri Ménudier antwortet auf unsere Fragen zu Emmanuel Macron, Europa und die deutsch-französischen Beziehungen – 17. April 2018

Und Le Maire sagt auch: „De ce point de vue, Emmanuel MACRON comme Angela MERKEL ont fixé un cap clair : nous ne pouvons pas continuer comme avant. Nous ne pouvons pas laisser les forces nationalistes gagner la partie en Europe. Nous ne pouvons pas laisser bafouer sur le territoire européen les valeurs
démocratiques qui donnent son sens à la construction européenne. Nous ne pouvons pas abandonner le destin du monde à la Chine et aux Etats-Unis. Nous ne pouvons pas laisser piller nos technologies de pointe par des puissances étrangères.“

Und er mahnt mit Nachdruck Reformen an: „Tous ceux qui pensent que la construction européenne est une réalisation inaltérable et définitive se trompent. Aucune construction politique ne demeure sans changer. Aucune construction politique ne survit sans mesurer pleinement la détermination de ses adversaires, extérieurs mais aussi intérieurs. Ces adversaires ont désormais un visage : le nationalisme. Ils ont des forces : les partis populistes. Ils ont une ambition : la destruction du rêve européen.“

Das Ziel ist eindeutig: “ Nous devons aller au bout de la construction de la zone euro en la dotant d’un budget à 19.“

Mit Blick auf die Welthandelsordnung erklärt der Minister: „Enfin, nous devons désormais faire face à une réalité nouvelle. Les Etats-Unis ont décidé de casser le jeu multilatéral pour défendre leurs intérêts économiques unilatéraux à coups de sanctions et de tarifs douaniers, sans respect pour leurs alliés les plus proches et les plus anciens, Allemagne, Royaume-Uni ou France. Face à ces réalités, les Etats européens ont un choix historique à faire
: réagir ou subir…. “

Presseecho:

Jan Dams, > Wirtschaft Frankreichs Finanzminister Ein bisschen Anti-Amerikanismus gepaart mit Europa-Stolz – DIE WELT, 8.6.2018

> Réforme de la zone euro : Bruno Le Maire salue les initiatives de Berlin – LE POINT 8.6.2018


Discours de Bruno Le Maire sur le renouveau européen à la Hertie School of Governance de Berlin le 9 mai 2016.

Wie antwortet Deutschland auf die Vorschläge Macrons?

Ergänzung zu diesem Artikel:

> Merkel demande à Macron d’être patient – Les Échos, 26 novembre 2017


> Twittern. Frankreich und Deutschland in der EU – 20. November 2017

Eigentlich muss die Frage lauten. Wann kann Deutschland endlich die Vorschläge von Staatspräsident Macron bentworten?

Wie soll es mit Europa weitergehen? Frankreich wartet zu Recht auf eine qualifizierte und konstruktive Antwort der deutschen Regierung. Staatspräsident Macron hat seine Vorstellungen ausführlich erläutert > Rappel : Les discours du Président de la République et l’Europe und bat darum, dass seine Vorschläge Anfang 2018 diskutiert werden: > Macron am 26. 9. in der Sorbonne: „Deshalb wünsche ich mir, wenn wir von neuem voranschreiten wollen, dass wir dies über demokratische Konvente machen, die ein integrativer Bestandteil der Neubegründung Europas sind. Wenn wir einmal die einfachen Begriffe für einen Fahrplan definiert haben, der unterstützt wird von den wichtigen Regierungen, die bereit sind, in diese Richtung zu gehen, möchte ich, dass wir im kommenden Jahr über sechs Monate in allen Ländern, die teilnehmen möchten, eine umfangreiche Debatte zu einheitlichen Fragen zur Bestimmung der Prioritäten, Sorgen und Ideen für unseren Fahrplan für das Europa von morgen organisieren. Die Dinge wieder in die richtige Reihenfolge zu bringen, anstatt am Ende des Weges, gelähmt von Phantasmen und Unverständnis zu fragen, ob ja oder nein, zu unlesbaren Texten, die im Verborgenen verfasst wurden. Organisieren wir also eine offene, freie, transparente und europäische Debatte, um dieses Projekt zu erschaffen, das den Europawahlen 2019 schließlich Inhalte und Herausforderungen bieten wird.“ Initiativen, Visionen, Kreative Ideen, Dialog, Austausch? Berlin schweigt – auch wenn die Kontakte zwischen den Ministerien in Berlin und Paris wie gewohnt intensiv seien mögen. Macron hat viele > Germanisten in der Regierung versammelt, und er wünscht einen Elysee-Vertrag 2.0. Er öffnet weit das Tor zu einer neuen deutsch-französischen Zusammenarbeit. Berlin und Paris könnten zusammen den Anstoß für eine > Neubegründung Europas durch die Kultur geben: > #FRAFRA2017 sollte dafür einen Auftakt bilden. Keines der großen Probleme in Europa kann von einem der Mitgliedsländer alleine gelöst werden: Migration, Digitaler Wandel, Umweltschutz, Verteidigung, Energieversorgung. Von der Reformfreudigkeit und der Entschlossenheit Macrons, wie auch von seinem Ansatz, den > Stellenwert der Kultur in Europa hervorzuheben, sollte die deutsche Regierung etwas lernen. Oder eine künftige neue Regierung könnte sich an diesen Vorschlägen inspirieren und endlich die Visionen mit Frankreich teilen. Nochmal: Macron bittet darum, „dass wir im kommenden Jahr über sechs Monate in allen Ländern, die teilnehmen möchten, eine umfangreiche Debatte zu einheitlichen Fragen zur Bestimmung der Prioritäten, Sorgen und Ideen für unseren Fahrplan für das Europa von morgen organisieren.“ Was haben die Sondierer dazu gesagt?

Was liest Emmanuel Macron? Und was macht er daraus?

Vgl. dazu: Was liest der Premierminister? > Rezension: Édouard Philippe, Des hommes qui lisent

Der Twitter Account von Emmanuel Macron >>>

–>Staatspräsident Emmanuel Macron meint es ganz ernst mit dem „Renouveau de la culture“ en Europe. In einem Interview, das er kürzlich dem Spiegel – s. hier unten – gegeben hat, berichtet er über seine literarischen Vorlieben.

Das betrifft nicht nur den digitalen Wandel, bei dem er daraufdringt, dass die Rechte der Autoren nicht vergessen werden:
Rede in der Sorbonne > Initiative für Europa: „Wenn wir heute da stehen, wo wir sind, wenn wir alle von mir vorhin erwähnten Herausforderungen bewältigt haben, wenn wir aufrecht stehen, dann deshalb, weil wir Gefühle, eine gemeinsame Kultur haben, weil diejenigen, die die etymologischen Boten dessen sind, was uns wirklich zusammenhält, die wahre Autorität in Europa, das sind die Autoren. Deshalb müssen die Urheberrechte in diesem modernen digitalen Raum verteidigt werden. Und es ist die Würde Europas, es ist seine ureigene Fähigkeit zu existieren und sich nicht in einem derartigen Bereich aufzulösen, was dazu führt, dass wir diesen Wandel nur schaffen können, wenn wir die gerechte Entlohnung aller Autoren und aller Formen künstlerischen Schaffens in der digitalen Welt verteidigen.

Sein erster Roman sei noch in der Schublade, erklärt Staatspräsident Macron den Journalisten des Spiegels. @Emmanuel Macron : Darf www.france-blog.info den als erster rezensieren?

Und der Staatspräsident berichtet über seine Lektüreliste:

G. W. F. Hegel
Kamel Daoud, Der Fall Meursault, id., Zabor
Vgl. dazu > Albert Camus, L’étranger – 14. Februar 2016
Paul Ricœur
Michel Houellebecq > Soumission
Virginie Despentes
> Günter Grass, Die Blechtrommel
Patrick Süskind, Das Parfum, Der Kontrabass
Patrick Modiano
Thomas Mann
Leïla Slimani, > Dann schlaf auch Du
Arthur Rimbaud

Da hätten wir noch eine Liste:
> Bibliographie: Auteurs dans la délégation française

Was Europa am stärksten zusammenhält, werden immer die Kultur und das Wissen sein. Denn dieses Europa, in dem jeder Europäer sein Schicksal im Profil eines griechischen Tempels oder im Lächeln der Mona Lisa erkennt, der durch die Werke von Musil und Proust in die Empfindungen ganz Europas hineinspüren konnte, dieses Europa der Cafés, von dem Steiner sprach, dieses Europa, von dem Suares sagte, es sei „ein Gesetz, eine Geisteshaltung, eine Gewohnheit“, dieses Europa der Landschaften und Folkore, von dem Erasmus, den man als seinen Lehrmeister bezeichnete, sagte, dass man jeden jungen Menschen dazu auffordern müsse, „den Kontinent zu durchstreifen, um andere Sprachen zu lernen“ und „sein wildes Naturell abzulegen“, dieses Europa, das von so vielen Kriegen und Konflikten heimgesucht wurde, was dieses Europa zusammenhält, ist seine Kultur.

Unsere Zersplitterung ist nur oberflächlich. Sie ist eigentlich unsere größte Chance. Und anstatt die Fülle unserer Sprachen zu bedauern, sollten wir daraus einen Vorteil machen! Europa soll jener Raum werden, in dem jeder Studierende bis 2024 mindestens zwei europäische Sprachen spricht. Anstatt unsere zerstückelten Gebiete zu beklagen, stärken wir lieber den Austausch! Bis 2024 soll die Hälfte einer Altersgruppe bis zu ihrem 25. Lebensjahr mindestens sechs Monate in einem anderen europäischen Land verbracht haben. Seien es Studierende oder Auszubildende. Deshalb gerade hier, wo einige Vorreiter wie in Bologna, Montpellier, Oxford oder Salamanca an die Kraft der Lehre, des kritischen Geists und der Kultur geglaubt haben, möchte ich, dass wir auf der Höhe dieses großen Entwurfs sind.

Dazu: > Europas Mehrsprachigkeit ist ein großer Trumpf – 28. September 2017

https://twitter.com/francediplo_de/status/920219392956387328

Rezension: Édouard Philippe, Des hommes qui lisent

> Frankreich #FRAFRA2017 ist das Gastland bei der Frankfurter Buchmesse #fbm17


Über die Lektüren unserer Politiker wissen wir im allgemeinen nicht sehr viel. Manchmal wird der ein oder andere Autor genannt, aber eher nur mal nebenbei. Als der Bürgermeister von Le Havre sich 2011 daran begab, einen Essai über eine öffentliche Politik zugunsten des Lesens zu verfassen und 2017 sich zum 6. Mal das Festival zugunsten der Literatur Le goût des autres veranstaltet wurde…,

… konnte er sich wahrscheinlich noch nicht so richtig vorstellen, dass er zu dem Zeitpunkt, wenn sein Buch erscheinen würde, seit wenigen Wochen > Premierminister sein würde und sein Amtssitz das Palais de Matignon sein würde:

Édouard Philippe erzählt in > Des hommes qui lisent, wie er zum Lesen gekommen ist, welche Bücher ihn ganz besonders geprägt haben, die Beziehungen zu seinem Vater, wie er in Le Havre ein Literaturfestival gegründet hat, wie er von der Linken zur Rechten gekommen ist und wie er zusammen mit Gilles Boyer zu schreiben begonnen hat: > Histoire de la vérité, Paris: Flammarion 2007 et > Dans l’ombre, Paris, JCLattès 2011. Sein Buch enthält auch eine Art Ästhetik des Buches, wie man damit umgeht, wie man es verschenkt, es nicht verleiht und überhaupt, was es vermitteln kann.

Lire, das heißt man braucht ein „déclic“, damit es losgeht: > La littérature française (III) : Lire des textes intégraux – 16. September 2007: „Kennt Ihr das? Ihr lest eine Geschichte. Das ist wie Schokoladeessen, man kann die Schokolade einfach nicht in ihrem Papier lassen. Selbst der letzte Krümmel muß verschwinden. Wenn ihr ein bisschen traurig seid, die letzte Zeile der Geschichte zu schnell erreicht zu haben, dann ist es passiert, das Lesevirus hat Euch im Griff.“ Bei Édouard Philippe gab es kein Fernsehen zu Hause: Tenir les enfants loin de la nourrice médiatique et de l’abrutissement qu’elle peut provoquer constituait un objectif pédagogique.“ Va dire à Sparte von Roderick Milton war der délic für Édouard Philippe: „Depuis Sparte, j’aime lire et je peux dire que je suis le produit des livres que j’ai lus.“ (S. 16) Und er erinnert an Anatole France, der eine Bibliothek eine „Cité des livres“ nannte, „Derrière cette expression, il y a une autre idée essentielle, c’est que la lecture n’est pas seulement une question individuelle. Elle est un objectif collectif, et fait légitiment partie des politiques publiques.“ (S. 18) Lesen ist Teilhabe am politischen Geschehen, das Lesen fördern wird ein ganz wesentliches Anliegen des Bürgermeisters Philippe von Le Havre (2010-2017) werden.

„Ne bougez pas madame, il y en a un autre“,
sagte Paulette 1946 zur Großmutter von Édouard Philippe als sein Vater von geboren wurde. Dieser wiederholte diesen Satz, immer dann wenn etwas Besonderes um die Familie herum passierte. (S. 33). Vielleicht hat Oncle Édouard aus den Faux-monnayeurs von André Gide seine Eltern zu dem Namen Édouard inspiriert.

Am 10. Mai 1981 als das Fernsehen François Mitterrand als künftigen Präsidenten anzeigte,
haben die zwanzig Personen um Édouard DAS Ereignis lautstark begrüsst. Er hat dann später die Biographien von Jean Lacouture gelesen, die dieser Léon Blum und Pierre Mendès-France gwidmet hat. Man merkt schon leichte Absetzbewgungen: „Le paradoxe de la gauche française“, die sich auf Blum und Mendès berief, ohne sich noch so richtig an ihnen zu inspirieren. Ihr Drama nennt er, so Philippe, von Mitterrand „homme de sinuosités et d’ambiguïtés et moderne incarnation du Prince florentin“, womit er den Prinzen von Machaivelli meint. In Sciences Po entdeckt Philippe François Goguel, La Politique des partis sous la Troisième République, einen Klassiker, der ihm die Entwicklung der Parteienstrukturen verdeutlicht.

„… La littérature est parfois plus fine à expliquer la politique que les meilleurs stratèges.“ (S. 53) Nur manchmal? Die Lektüreempfehlung von Philippe Édoaurd: Fables choisies, mises en vers par M. de la Fontaine. Da steht alles drin, was man zum politischen Geschäft wissen muss: Lesebericht: Guide pratique pour enseigner les classiques. Les fables de La Fontaine -17. April 2014 von H. Wittmann – Philippe unterstützt Alain Juppé, den Bürgermeister von Bordeaux, und erklärt in diesem Kapitel, wie er die politische Seite wechselte und zwischen 1993 und 1997 zu den Rechten kam: S. 55-77. Friedrich Hayek, La Route de la servitude und sein Liberalismus gefiel ihm. Und dann traf Philippe auf Raoul Girardet (mein Lehrer in > Sciences Po 1977/78) mit dem Buch L’idée coloniale en France : de 1871 à 1962.

Livres nomades: 2010 wurde Philippe Bürgermeister von Le Havre und leitete eine Politik der Lesekultur ein: „une grande politique de la lecture“, an der sich andere Städte unbedingt auch orientieren sollten. Lesen, das wurde für Philippe zu einer politischen Strategie: 80 Lesepunkte, Handbibliotheken, wo man Bücher entnehmen konnten und sie in der Stadt zirkuliere lassen durfte, waren das Gebot der Stunde. Und ein Riesenerfolg.

Edmond Rostand: Cyrano de Bergerac oder wie Literatur das Leben verändern kann: S. 91-98. Und dann Victor Hugo: Les Misérables, S. 99-104. Und Philippe berichtet, wie sein 10-jähriger Sohn um die Ecke und rief „Faust, c’est vachement bien!“ Und dann lernt Philippe > Guillaume Gallienne kennen. Laut vorlesen. Das ist es. Dabei fällt mir ein: > Vorgelesen: Zwei schwarze Jäger – 31. August 2009. Und er erinnert sich an die Lektüren, das Vorlesen ganzer Passagen von L’Étranger von > Albert Camus. Schwierige oder problematische Autoren wie Céline, Voyage au bout de la nuit kommen hier auch vor. Genie und Schatten, das muss man verstehen: „Parce qu’il faut faire le pari, lectuer, mon frère (das ist Baudelaire, „mon semblable, mon frère“, H.W.), qu’avec la lecure viendra l’intelligence, et la distance, et que la liberté de lire et de connaître produiront, in fine, plus de bien que l’ignorance. C’est un pari, sur la liberté et sur l’homme.“ (S. 137) Stimmt. Jean-Paul Sartre und Albert Camus haben beide > die enge Verbindung zwischen Freiheit und Kunst betont.



Kein Wunder, dass Philippe, wie oben erwähnt, auch zum Schreiben kam. „Lire“ und „Ecrire“ sind die beiden Kapitel von Sartres Les mots. Philippe weiß: „Être écrivain en France, ce n’est pas sortir un bouquin, c’est créer une œuvre.“ (S. 162) Ach ja, da war noch die Orthographie, die nicht gerade sein Steckenperd war. Als Elikia M’Bokolo in Sciences, sein Seminarleiter, ihn darauf hinwies, dass es nicht anginge, als Schüler in Sciences Po die Rechtschreibregeln nicht genauso zu respektiere, wie es Millionen andere Frankophone auch machten, hat sich Philippe endlich drangesetzt, dieses Problem ein für alle Mal zu lösen.

Mit 26 kam Philippe in den > Conseil d’État: „…j’avais chosi le Conseil essentiellement parce que’on y était très libre…“ (S. 170). Allerdings merkte er schnell, dass die Conseillers dort eine begrenzten Humor hatten, was die Exaktheit der Schriftsätze anging. (vgl. S. 172)

Bücher verschenken
, darum geht es im Kapitel 12. Der Bürgermeister von Deauville, > Philippe Augier kann das besonders gut. Jeder seiner Gäste findet immer in seiner Serviette ein für ihn bestimmtes Buch. Und die Unterhaltung kann beginnen. François Mitterrand verschenkte auch Bücher, z. B. > Belle du Seigneur von Albert Cohen. Welche Absicht die Dame wohl vermutete, als sie dieses Buch bekam? Aber es gibt auch Grenzen bei er Bücherzirkulation. Philippe verleiht grundsätzlich kein Buch, denn dann ist es nämlich weg. (vgl. S. 192). Philippe wundert sich auch: „Pourtant, et étonnamment, je ne me souviens pas avoir jamais lu une histoire d’amitié ou de relation fondée sur les livres et sur le don ou l’échange des livres.“ Ob ich dem Premierminister widersprechen darf? Meine Freundschaft mit Michel Sicard gründet sich auf alle Bücher, die > Jean-Paul Sartre geschrieben hat, auf alles was Sartre über die > Kunst und die Freiheit und was wir beide über ihn geschrieben haben miteinander und über ihn gesprochen haben: > www.france-blog.info/sartre-sicard-wittmann. Die Bücher waren es, wie die Lehre von > Alfred Grosser und seine rund vierzig Bücher, die meinen Blog inspiriert haben: Immer wieder erklären, die deutsch-französischen Beziehungen geduldig erklären.

> Alfred Grosser hat Geburtstag – 1. Februar 2017

In das Buch über das Dritte Reich, das er mir in Sciences Po in die Hand drückte, steht die Widmung: „Pour H.W., en souvenir d’une réflexion commune, A.G.: „Offrir un livre, c’est transmettre une partie de soi“, (S. 201) nennt Édouard Philippe das. Und diese intellektuelle Beziehung mit A. Grosser gibt es nun schon seit Oktober 1977, als ich zum ersten Mal in seiner Vorlesung saß: > Alfred Grosser auf langer Reise nach Duisburg, Bonn, Köln… und Stuttgart – 31. Mai 2017. Dieses Jahr haben wir uns schon dreimal getroffen. Oder mein Freund Laurent Loty, der so perfekt das Werk von Diderot erklären kann: > Nachgefragt: Laurent Loty spricht über Denis Diderot – 24. Juni 2013. Auch eine Freundschaft, die auf Büchern, Austausch, Lesen, Diskutieren, Leidenschaft gegründet ist.

Die Neuen Medien, mit ihrer „tyrannie de l’immédiat“ sind Philippe nur zu gut bekannt. Immer das Auge auf dem Smartphone, um keine Meldung zu veroassen? Aber er hätte dafür etwas, was noch viel besser ist: „… la lecture est une respiration. Elle est tout à la dois une sortie du monde, et une façaon d’y entrer plus fort. Elle est à la foi un ralentissement et une accumulation.“ (S. 211) und „Lire, c’est prendre la distance, acquérir une vision, se constituer tout au long de la vie.“ (S. 213)

Bibliographie der gelesenen und noch zu lesenden Bücher: S. 219-246.

Das > Renouveau der deutsch-französischen Beziehungen könnte sich nun also auch auf den Sprach- und damit auf den Literaturunterricht in beiderseits des Rheins beziehen.

> 284 Artikel zur Literatur auf unserem Blog

Édouard Philippe
> Des hommes qui lisent
EAN : 9782709661430
Essais et documents
Paris: JCLattès 2017
150 pages

1 2 3 4 5 6