10. Sitzung der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung (DFPV) in Bonn

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Mit dem Aachener Vertrag gaben sich Frankreich und Deutschland auf Initiative von Staatspräsident Macron nach dem Élyséevertrag von 1963 einen zweiten Freundschaftsvertrag. Mein akademischer Lehrer Alfred Grosser brachte mit seiner für ihn so typischen Analyse im April 2019 die Beurteilung, bzw. die Unterschiede zwischen den beiden Verträge so genau auf den Punkt: Der Élysée-Vertrag hatte keine Inhalt – was nicht ganz stimmt… oder man könnte sagen, dass nur wenig von seinem Inhalt wirklich konkret umgesetzt wurde -, aber eine hohe Symbolkraft, hingegen hat der Aachener Vertrag nicht viel Symbolik, aber viel Inhalt.“ In einer anderen Kurzform: der Élyséevertrag besiegelte die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland; für de Gaulle war er aber nur ein schwacher Ersatz, weil er eigentlich mit einer deutsch-französischen politischen Union geliebäugelt hatte; eine Absicht, die aber zuerst Adenauer , dann der Bundestag mit seiner Präambel des Ratifizierungsgesetzes durchkreuzte. Der Aachener Vertrag hingegen brachte neben einer ausdrücklichen Bestandsverpflichtung – viele auch institutionelle Neuerungen, so dass dieser Vertrag beiden Ländern einen Weg in die Zukunft weist. U. a. einen Ausschuss für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, der sich schon in der Pandemie sehr bewährt hat und auch eine Deutsch-Französische Parlamentarische Gesellschaft, die jetzt gerade zum 10. Mal getagt hat. In diese Versammlung werden von der Nationalversammlung und dem Bundestag je 50 Abgeordnete entsandt: > Nachgefragt: Die Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung. Die Co-Vorsitzenden Brigitte Klinkert und Nils Schmid antworten auf unsere Fragen – 15. November 2022

In der 10. Sitzung am 4. Dezember 2023 stand u.a. als TOP 2 auf der Tagesordnung: „Anhörung der Bevollmächtigten der Bundesrepublik Deutschland für die deutsch-französischen Bildungs- und Kulturbeziehungen, Anke Rehlinger, und des französischen Ministers für Bildung und Jugend, Gabriel Attal:“

Solange noch kein Wortprotokoll vorliegt, zeigen wir den Mitschnitt der 10. Sitzung der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung am M0ntag, 4. Dezember 2023, in Bonn und nennen die Redner:

TOP2:
23’14“: Ministerpräsidentin Anke Rehlinger
28’16“: Ministre de l’Éducation Gabriel Attal
27’04“: Befragung

Quelle: Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung. Gegenseitiger Spracher­werb wichtig für die deu­tsch-französische Freundschaft. – Website des Deutschen Bundestages -, auf der auch eine ausführliche Zusammenfassung dieses TOP2 steht:


> Die Rede des Erziehungsministers Gabriel Attal anlässlich des Welttages der Lehrerin und des Lehrers
8. Oktober 2023


Die Ministerpräsidentin des Saarlandes und zugleich Bevollmächtigte der Bundesrepublik Deutschland für die deutsch-französischen Bildungs- und Kulturbeziehungen, Anke Rehlinger (SPD) – (in dieser Eigenschaft vertritt sie die Kultusminister der Bundesländer gegenüber dem französischen Erziehungsminister), wie der französische Minister für Bildung und Jugend, Gabriel Attal, betonten, dass das Erlernen der Nachbarsprache essentiel für die künftige deutsch-französische Kooperation sei, Die Ministerpräsidentin und der Minister erinnerten an die 2022 verabschiedete „Strategien zur Förderung der Partnersprache“ (Artikel auf unserem Blog). Aus dem, was zu Papier gebracht wurde, müsse nun auch etwas gemacht werden, „was in der Realität stattfindet“, so wird Rehlinger auf der Website im Bundestag zitiert.

https://twitter.com/kulturdtfrz/status/1731709001673453773

Die Anzahl der Schüler, die die Nachbarsprache lernen, ist in Deutschland und Frankreich rückläufig. Für Deutschland wies Rehlinger auf große regionale Unterschiede hin. Die Ministerpräsidentin betonte, es sei wichtig, herauszufinden, wieso Schüler die Nachbarsprache nicht lernen wollen, ihr geht es dabei auch um neue persönliche und berufliche Perspektiven, mit dem das Interesse für Französisch wieder geweckt werden sollte. Möglicherweise gäbe es eine Verbesserung, wenn Schulpartnerschaften wieder an Bedeutung zunähmen.

Unsere Redaktion sagt dazu: 1. Wenn Sprachlehrer fehlen, die für ihr Fach in der Schule werben könnten, wird es schwierig sein, Nachwuchs für den Fremdsprachenunterricht zu finden. Die Situation erinnert an das fatale Jahr 1986, als uns im Studienseminr in NRW drei Monate vor dem II. Staatsexamen mitgeteilt wurde, niemand werde aufgrund eines Einstellungsstopps eingestellt werden.

Info-Paket: Französisch ist mehr

Zusammen mit der Französischen Botschaft, der Kulturbevollmächtigten für die deutsch-französische Zusammenarbeit Büro II, dem DFJW, der VdF und weiteren Partnern wirbt Klett für Französisch als 2. Fremdsprache.

Mit dem Paket „Französisch ist mehr“ werden Schüler:innen und ihre Eltern über Austauschprogramme, das Abibac, das Voltaire-Programm, DELF u.v.m. informiert. Das Material finden Sie hier online.

 Zum Online-Material

Bestellt werden können die Info-Pakete auch unter
 http://www.ovd.eu/bestellung/ sowie beim Ernst Klett Verlag mit der Bestellnummer X520000 unter kundenservice@klett.de.

Die Folge: viele top ausgebildete Französischlehrer blieben draußen, was dazu führte, dass nicht nur in NRW mindesten eine ganze Lehrergeneration ihr frisches Uniwissen nicht mehr in die Schulen bringen durften. Der Rückgang des Interesses an Französisch hat auch mit dieser Entwicklung zu tun, diese Lücken wurden erst allmählich durch Neueinstellungen gefüllt. Um es gleich zu sagen: Viele Referendare werden unserer Redaktion beipflichten: Der Vorbereitungsdienst für das höhere Lehramt war keine beglückende Zeit, um es vorsichtig auszudrücken. Wir kennen viele Kandidaten, die sich das nicht antun möchten. Vielleicht muss auch eine Reform des Vorbereitungsdienstes in Angriff genommen werden, um den Einstieg in den Lehrerberuf, wieder mit der Freude zu verknüpfen, die diesen Beruf eigentlich auszeichnet: Wieso ich mich in unserer Schule beworben habe, möchten meine Schüler wissen: Nun, ich möchte Euch das weitergeben, was mein Lehrer Harald Voss (Schller-Gymnasium in Köln), der mir die französische Sprache beigebracht hat, und wie meine akademischen Lehrer (Alfred Grosser und Dirk Hoeges) mir die Literatur und Kultur ja auch die Politik und damit die Leidenschaft für Frankreich und die deutsch-französichen Beziehungen vermittelt haben.

2. In der zitierten „Strategien zur Förderung der Partnersprache“ wird der Wunsch genannt, dass viele Schulen im Nachbarland eine Partnerschaft schule finden sollte… Papier ist geduldig, es müssen endlich Taten folgen. Da es grundsätzlich für eine deutsche Schule nicht einfach ist, in Frankreich eine Partnerschule zu finden – als Französischlehrer habe ich gerade diese Erfahrung auch machen müssen – sollte es – trotz der segensreichen Unterstützung vom DFJW in Sachen Austausch – auch mit seiner Unterstützung eine deutsch-französische Online-Tauschbörse als Forum im Internet eingerichtet werden: Ein Schulkontaktseite – wie einschlägige Partnerbörsen dies vormachen: Schulen könnten sich anmelden und das System schlägt Partnerschulen und im Nachbarland vor, die sich ebenfalls angemeldet haben.

Bildungsminister Attal möchte das Interesse an doppelten Abschlüssen wie das AbiBac in den Schulen Frankreichs zu steigern: Tatsächlich gibt es in Deutschland viel mehr bilinguale deutsch-französische Gymnasien als in Frankreich. Auch hier würde ein verstärkter Austausch Wunder bewirken.  Die Website des Bundestages zitiert den Minister mit den Worten „Wir brauchen Begegnungsmöglichkeiten zwischen unseren Ländern, um die Kultur und die Sprache zu lernen“, sagte er.

Das zurückgehende Interesse hat auch mit der Unkenntnis des Partnerlandes zu tun: Wir haben schon die so segensreiche Arbeit des Deutsch-Französischen Jugendwerks DFJW erwähnt, aber es muss zu denken geben, dass Französischschüler im allgemeinen Frankreich nicht kennen. Nein, sie seien noch nie dort gewesen,  sie würden das Fach ja sowieso abwählen… sie bräuchten es nie wieder.

Im Grunde genommen gibt es in Frankreich ähnliche Problem wie in Deutschland: Der Sprachunterricht der Nachbarsprache gehe zurück, selbst eine Erhöhung der Stundenzahl wird nicht möglich sein, da Deutschlehrer fehlen. Die Zahlen sind düster: Minister Attal: Von 15,7 Prozent sei der Anteil auf 13,5 Prozent zurückgegangen. Sprachlehrer wie Sprachassistenten fehlen, weil geeignete Bewerber nicht vorhanden seien…  es ist kein Wunder, wenn dann festgestellt wird, dass keine Schüler da seien, die sich für Deutsch interessiere.

Unsere Redaktion meint dazu: Sprachlehrer sind nicht dazu da, immer wieder ihre Schüler mit Vokabeltests zu prüfen, sondern mit Ihnen die Passion für die zu erlernende Fremdsprache zu teilen: > Der Brief an alle Schülerinnen und Schüler: Französisch-Leistungs- oder Grundkurs bis zum Abitur. Und dann gibt es ein echtes Problem: Es geht einfach nicht an, dass Schüler mit dem Argument, Französisch sei schwer, durchkommen und das Fach, ohne je etwas von der Literatur in Frankreich, geschweige denn in der frankophonen Welt etwas gehört zu haben, abwählen dürfen. Der Lehrer gefällt ihnen nicht, sie haben Angst vor schlechten Noten, die Aussprache ist zu schwer, die Grammatik verständen sie nicht…… nichts ist mehr von der Faszination der französischen Kultur zu spüren: > Den Französischunterricht stärken: 222 Argumente für Französisch – 26. September 2021.

Wie geht es weiter im beiderseitigen deutsch-französischen Sprachaustausch? Frankreich feiert seine Spache mit > L’ouverture de la Cité internationale de la langue française, nachdem Emmanuel Macron 2028 eine Strategie für die französische Sprache vorgeschlagen hatte. > #monmars20 Journée de la Francophonie. Präsident Macron : Lancement de la stratégie internationale pour la langue française et le plurilinguisme – Und was macht Deutschland? | Goethe-Institute: ” fermeture à Lille, Bordeaux et Strasbourg décidée, Toulouse a déjà perdu son service linguistique”

Auf unserem Blog:

> Enquête: L’enseignement de l’allemand en France – 30. Oktober 2022

> Éditorial: 60 Jahre Élysée-Vertrag. Und wie steht es heute um den Sprachunterricht? – 22. Januar 2023

Rezension: Christophe Braouet, Deutschland und Frankreich schaffen das

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Christophe Braouet
Deutschland und Frankreich schaffen das
Für eine neue Zusammenarbeit 60 Jahre nach dem Élysée-Vertrag
Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Frank Baasner
Baden-Baden: Tectum Verlag 2023
260 Seiten, broschiert
ISBN 978-3-8288-4848-1

Goethe-Institute: “ fermeture à Lille, Bordeaux et Strasbourg décidée, Toulouse a déjà perdu son service linguistique“

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Deutsche Kultur und Sprache in Frankreich und französische Kultur und Sprache in Deutschland:

df-instituts

IF Deutschland Essen Kiel Saarbrücken Berlin Frankfurt/M. Köln Sachsen-Anhalt Bonn Freiburg Leipzig Stuttgart Bremen Hamburg Mainz Thüringen Dresden Hannover Mannheim Düsseldorf Heidelberg München Erlangen Karlsruhe Rostock Lille Paris Nancy Strasbourg Lyon Bordeaux Toulouse Marseille Montpellier - Maison de Heidelberg Aix-en-Provence- Cdentre franco-allemand Centre culkturel franco-allemand Nice

> Auswirkungen des Präsidiumsbeschlusses des Goethe-Instituts vom 27.09.23 in Frankreich Pressemitteilung des Goethe-Instituts:

„Zukünftig ist das Goethe-Institut an fünf Standorten in Frankreich vertreten, davon drei Institute:

das Goethe-Institut Paris als Hauptstadtinstitut, darüber hinaus zuständig für den Norden und Westen
das Goethe-Institut Lyon (mit der Außenstelle Marseille) als Institut der zweitgrößten Stadt Frankreichs, zuständig für den Süden das Goethe-Institut Nancy für die wichtige Grenzregion des Grand Est.

Hinzu kommt das verkleinerte Institut Toulouse, ohne Sprachkursbetrieb für die Arbeit im Rahmen der Bildungskooperation Deutsch sowie für die Programmarbeit im Südwesten Frankreichs.

Damit bleibt das Goethe-Institut integraler Bestandteil der deutsch-französischen Zusammenarbeit.“

Unsere Redaktion hat die Übersichten aktualisiert:

„Als Teil der Maßnahmen hat das Präsidium des Goethe-Instituts auf der Grundlage eines intensiven strategischen Dialogs mit dem Auswärtigen Amt am 27.09.2023 die Schließung der Goethe-Institute in Bordeaux und Lille sowie des Verbindungsbüros in Straßburg bis Ende des Jahres 2023 beschlossen.“ > Auswirkungen des Präsidiumsbeschlusses des Goethe-Instituts vom 27.09.23 in Frankreich

Außer mit den Goethe-Instituten ist Deutschland in Frankreich noch mit dem Maison Heidelberg in Montpellier und mit dem Centre franco-allemand in Nizza, sowie dem Centre franco-allemand in Aux-en-Provence vertreten

df-instituts

IF Deutschland Essen Kiel Saarbrücken Berlin Frankfurt/M. Köln Sachsen-Anhalt Bonn Freiburg Leipzig Stuttgart Bremen Hamburg Mainz Thüringen Dresden Hannover Mannheim Düsseldorf Heidelberg München Erlangen Karlsruhe Rostock Lille Paris Nancy Strasbourg Lyon Bordeaux Toulouse Marseille Montpellier - Maison de Heidelberg Aix-en-Provence- Cdentre franco-allemand Centre culkturel franco-allemand Nice

> Goethe-Institut steht vor tiefgreifenden Reformen BR 28.9.2023

Zum Nachlesen: Artikel 9 und 10: > Aachener Vertrag

FR/DR Le nouveau portail Citoyen – Das neue Bürgerportal

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Emmanuel Macron: Eine „größtmögliche“ Autonomie für Europa?

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Les tâches pour les élèves:

1. Résumez l’idée principale de cet article.

2. Qu’est-ce que le Président Macron comprend par l’autonomie et la souveraineté de l’Europe ?

3. Qu’est-ce le chancelier Scholz explique en ce qui concerne l’autonomie de l’Europe ?

Complété par les propos du Chancelier Scholz:

Emmanuel Macron prend ses distances avec la politique américaine contre la Chine – France-Inter, 10 avril 2023

Après les propos d’Emmanuel Macron sur la Chine : toute vérité n’est pas bonne à dire – France-Inter, 10 avril 2023

Taïwan : Emmanuel Macron appelle l’Union européenne à ne pas « être suiviste » des Etats-Unis ou de la Chine – LE Monde, 9 avril 2023:

„… le chef de l’Etat, dans un entretien accordé vendredi et réalisé avant même le déclenchement samedi d’importantes manœuvres militaires chinoises autour de Taïwan.“ = vendredi 7 avril ?

Emmanuel Macron assume ses propos sur Taïwan et sa position vis-à-vis des Etats-Unis : « Etre allié ne signifie pas être vassal » – Le Monde, 12 avril 2023

« L’autonomie stratégique est à la fois l’ADN européen d’Emmanuel Macron et son cheval de bataille le plus clivant » – Le Monde, 12 avril 2023

Après les propos d’Emmanuel Macron, cacophonie européenne face à la Chine – Le Monde, 13 avril 2023

Emmanuel Macron : « L’autonomie stratégique doit être le combat de l’Europe » – Les Échos, 14 avril 2023

Le discours prononcé mardi 12 avril 2023 à La Haye, aux Pays-Bas:

Text auf Französisch: > Discours du Président de la République, Emmanuel Macron, en anglais à l’institut NEXUS, La Haye – Site du Palais de l’Èlysée PDF

Auf unserem Blog:

> Les discours d’Emmanuel Macron sur l’Europe

> Hörensagen: “Das Europa der Vaterländer” – 22. Januar 2018

Unsere Redaktion hat wichtige Aussagen de Gaulles zu Europa auf Französisch und Deutsch hier dokumentiert: > Ein vereintes Europa – Une Europe unie – auf dem Weg zu einer Konföderation – 16. Mai 2019

Macron, Trump und die NATO – 4. Dezember 2019

 

Paris: Le Traité de l’Élysée, 60 ans après. Der Staatsakt in der Sorbonne.

1963-2019

> Le traité de l`Élysée de 1963

> Der Élysée-Vertrag von 1963

> Le Traité d’Aix-la-Chapelle sur la coopération et l’intégration franco-allemandes (2019)

> Der deutsch-französische Kooperationsvertrag von Aachen (2019)

Schade unsere Redaktion war nicht in Paris an diesem Tag – aber die 4000 Artikelauf unserem Blog belegen eigentlich ganz gut, dass unser Blog ständig die deutsch-französische Kooperation feiert und dokumentiert. Besonders bemerkenswert, dass Bundeskanzler Olaf Scholz eine deutlich positive Antwort auf die europapolitischen Vorstellungen von Emmanuel Macron (2017) gab. Scholz unterstrich die Notwendigkeit für Frankreich und Deutschland, sich für ein souveränes Europa einzusetzen: „Indem wir unsere Kräfte dort bündeln, wo die Nationalstaaten allein an Durchsetzungskraft eingebüßt haben – bei der Sicherung unserer Werte in der Welt, beim Schutz unserer Demokratie gegen autoritäre Kräfte. Aber auch im Wettbewerb um moderne Technologien, bei der Sicherung von Rohstoffen, bei der Energieversorgung oder in der Raumfahrt“, betonte der Kanzler.

Lange hatte Bundeskanzlerin Merkel dazu geschwiegen, kaum etwas zu den europapolitischen Vorstellungen Macrons verlauten lassen, nun hat sich die Lage in Europa so dramatisch gewendet… nun müssten Deutschland und Frankreich die Sorbonne-Rede mit Leben erfüllen, sie ist heute noch aktueller als 2017, und immer noch klingen die Worte von Bundeskanzler Scholz wie eine höfliche Ovation an den Gastgeber, ohne dass die Bundesregierung wirklich im Sinn habe, Macrons Vision mit Leben zu erfüllen. hat man im Aachener Vertrag nicht eine noch stärkere Abstimmung auch auf demGebiet der Außenpolitik vereinbart? fällt darunter nicht auch der Wille zu einem gemeinsamen Vorgehen hinsichtlich der Hilfe für die Ukraine?

Trotz aller Übereinstimmung sind besonders auf den Gebieten der Sicherheitspolitik und der Energie weiterhin unterschiedliche Einschätzungen erkennbar, bei denen sich beide Seiten bemühen, diese eher zu überdecken als gemeinsam zu lösen.

Meinungsverschiedenheiten sind nicht zu übersehen. Aber sie werden gerne überbewertet: Wir hatten nachgefragt:

> Eine Krise zwischen Paris und Berlin? 24. Oktober 2022 – Gespräche mit Hélène Kohl, Korrespondentin in Berlinn und mit Prof. Dr. Henrik Uterwedde, der frühere stellvertetende Leiter des Deutsch-französischen Instituts in Ludwigsburg – www.dfi.de

und > L’énergie des relations franco-allemandes – 27. November 2022

> Deutsch-Französischer Tag – 22. Januar 2023 – 60 Jahre Élysée-Vertrag – 17. Januar 2023

Heute wurde in der Sorbonne in Paris der 60. Jahrestag der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags am 22. Januar 2063 gefeiert:

> Traité de l’Élysée, 60 ans après – Site du Palais de l’Èlysée : Eine sehr gelungene historische Darstellung rund um den Élysée-Vertrag.

1 Stunde 19 Minuten im größten Hörsaal der Pariser Universität Sorbonne:

3:40 La Présidente de l’Assemblée nationale et du Bundestag, Yaël Braun-Pivet

16:45 Die Präsidentin des deutschen Bundestages, Bärbel Bas.

31:09 : Bundeskanzler Olaf Scholz

51:23 : Le Président de la République Emmanuel Macron

> Discours du Président de la République – *.pdf

Und Präsident Macron erinnerte an seine Rede über Europa in der Sorbonne, in der mehr als 20 Vorschläge vorgestellt hatte, mit denen Europa reformiert werden soll:

> Initiative pour l’Europe – Discours d’Emmanuel Macron pour une Europe souveraine, unie, démocratique. – 26. September 2017

Staatspräsident Macron  erinnerte auch an die Rede von Olaf Scholz <  Die Prager Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz über Europa – 29. August 2022

Emmanuel Macron: „Alors sachez toutes et tous ici aujourd’hui, pouvoir compter sur notre détermination ensemble à continuer à faire de l’amitié entre l’Allemagne et la France l’un des arbres de vie de la souveraineté européenne, sachez que l’un l’autre, nous continuerons de faire avancer ce couple jadis impossible qui est le fruit simplement de la volonté, du courage et de la force et nous le ferons ensemble pour qu’à votre tour, vous, vous puissiez célébrer cette part d’histoire, mais surtout continuer de bâtir la vôtre en ayant tous les choix et la liberté en particulier de choisir votre avenir. C’est notre responsabilité pour vous.“

Emmanuel Macron: „Es sei Ihnen allen versichert, Sie können sich auf unsere gemeinsame Entschlossenheit verlassen, die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich weiterhin zu einem der Lebensadern der europäischen Souveränität zu machen. Sie können sich darauf verlassen, dass wir beide dieses einst unmögliche Paar, das einfach die Frucht des Willens, des Mutes und der Stärke ist, weiter voranbringen werden, und wir werden es gemeinsam tun, damit Sie Ihrerseits diesen Teil der Geschichte feiern können, aber vor allem Ihre eigene Geschichte weiter aufbauen können, indem Sie alle Möglichkeiten und insbesondere die Freiheit haben, Ihre Zukunft zu wählen. Das ist unsere Verantwortung für Sie.“.

> 60 Jahre Élysée-Vertrag: Festakt und Gemeinsame Arbeitssitzung der Parlamente – www.bundestag.de

Beide Regierungen verabschiedeten eine Deutsch-Französische Erklärung in der sie die bilaterale Freundschaft bekräftigten und an die Herausforderungen für die Zukunft Europas erinnerten:

> Deutsch-französische Erklärung – 22. Januar 2023

Gastbeitrag in der FAZ: Emmanuel Macron und Olaf Scholz > Deutschland und Frankreich – Unser Europa für die nächste Generation gestalten

> Die deutsch-französischen Beziehungen Élysée-Vertrag – Zeichen der Freundschaft – www.bundesregierung.de

Zur Erinnerung: >  Les 14 discours d’Emmanuel Macron sur l’Europe

Deutsch-Französischer Tag – 22. Januar 2023 – 60 Jahre Élysée-Vertrag

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Vortrag am 20. Januar 2023 zur deutsch-französischen Freundschaft aus Anlass des 60-jährigen Jubiläums der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags am 22.1.1963: Versöhnung und Kooperation. Zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages.

Veranstalter: Verein der Freunde der Städtepartnerschaft Backnang-Annonay e.V.: Datum: 20. Januar 2023 – Uhrzeit: 19:30, Ort: Technikmuseum, Wilhelmstraße 32, 71522 Backnang. Referent: Dr. Heiner Wittmann

Der Vortrag würdigt den historischen Rahmen des Élysée-Vertrages. Dieser besiegelte die deutsch-französische Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg. Kaum bekannt ist dabei, dass General de Gaulle mehr als diesen Élysée-Vertrag im Sinne gehabt hat. Die Präambel, die der Deutsche Bundestag dem Ratifikationsgesetz zum Élysée-Vertrag voranstellte, hat den General enttäuscht. Dennoch ist der Vertrag von 1963 zu einem beispiellosen Erfolg geworden. In seinem Vortrag wird der Referent auch auf  die Entwicklung zum Aachener Vertrag, ein 2019 unterzeichneter Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit und Integration, eingehen.


1963-2019

> Le traité de l`Élysée de 1963

> Der Élysée-Vertrag von 1963

> Le Traité d’Aix-la-Chapelle sur la coopération et l’intégration franco-allemandes (2019)

> Der deutsch-französische Kooperationsvertrag von Aachen (2019)

> Le 22 janvier, célébrez l’amitié franco-allemande ! – allemagneenfrance.diplo.de

> Journée franco-allemande – Éduscol

Die Vielfalt der Projekte am 22. januar 2023: > deutsch-französischer tag 2023 Gymnasium

https://twitter.com/the_hake/status/1606357192948449289
oder hier anhören: > 60 Jahre Élysée-Vertrag | Les 60 ans du Traité de l’Élysée

Bibliographie:

> Aachener Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich geschlossen – 22.01.2019 – Bundeszentrale für politische Bildung

>  Prof. Andreas Marchetti: Nachgefragt. Die “Nähe der Gebietskörperschaften” = wie der Aachener Vertrag die grenzüberschreitende französisch-deutsche Kooperation erleichtert – 12. Juni 2020

> Deutsch-Französischer Bürgerfonds – 16. April  2020

> Nachgefragt: Henrik Uterwedde antwortet auf unsere Fragen zu den Gelben Westen, Grand Débat National und Aachener Vertrag – 26. Februar 2019

> 22. Januar 2019: Der Aachener Vertrag. Le Traité d’Aix-la-Chapelle – 21. Januar 2019

> Vom Élysée-Vertrag zum Aachener Vertrag im Januar 2019 –  9. Januar 2019

> #TraitedAixlaChapelle Die Unterzeichnung des #AachenerVertrags – 24. Januar 2019

> Hörensagen: “Das Europa der Vaterländer” – 22. Januar 2018

Unsere Redaktion hat wichtige Aussagen de Gaulles zu Europa auf Französisch und Deutsch hier dokumentiert: > Ein vereintes Europa – Une Europe unie – auf dem Weg zu einer Konföderation – 16. Mai 2019

 

Frankreichs Außenpolitik: Zwischen den Ambitionen zur Größe Frankreichs und den Zwängen einer multipolaren Welt

Marius-Mircea Mitrache und Sergiu Mișcoiu haben gerade unter dem Titel „The Mental Maps of French Foreign Policy: Between Ambitions of Grandeur and Constraints of Multipolarity in the Twenty-First Century“ einen Aufsatz in dem jüngst erschienen Band Great Powers’ Foreign Policy Approaching the Global Competition and the Russian War against the West (Leiden: 2023, S.198-273) veröffentlicht.

Dieser Artikel ist bemerkenswert, weil er in aller Kürze ein präzisen Überblick über die französische Außenpolitik seit dem 2. Weltkrieg liefert. Den Verlust der Großmachtstellung konnte Frankreich, so die beiden Autoren durch as verstärkte Engagement in Europa zumindest ein wenig wettmachen: „On the other hand, the European integration processes were perceived by the French top state officials, from De Gaulle to Mitterrand, as a chance to renew the country’s continental influence rather than a loss in terms of national sovereignty. In fact, the rapprochement with the Federal Republic of Germany and the progressive consolidation of the European Communities allowed France to preserve a privileged position in Europe and to avoid isolation.“ (S. 198)

Ganz richtig bewerten die beiden Autoren die Bedeutung des „domaine réservé“, womit die Aufgaben des Staatspräsidenten hinsichtich der Außenpolitik gemeint sind: „However, the constitution of 1958 does not make any specific references to the existence of an exclusive domain, but rather one comes to this conclusion by interpretation, perpetuated by practice since De Gaulle.“ (S. 201)

Im Kapitel 3 „3 How France Reacts, Adapts to and Impacts the Paradigm of Great-Power Competition werden aufgrund der Dokumente wie die Strategic Review fundamentale Orientierungen der französischen AUßenpolitk untersucht. Beide Autoren „passent á la loupe“ diese Unterlagen und zeigen nebenbei wie sorgfältig und imfassend sie ihre Quellen in diesem Aufsatz dokumentiert haben.

Moreover, the Strategic Review (Verteidigungsministeriums, “Defense and National Security Strategic Review,” 2017, > https://www.defense.gouv.fr/layout/set/popup/content/download/520198/8733095/version/2/file/DEFENCE+AND+NATIONAL+SECURITY+STRATEGIC+REVIEW+2017.pdf ) stresses the need for building a European strategic autonomy, defined as a “fresh perspective on European security conditions [that] will be achieved through pragmatic new initiatives”42 and proposes the creation of a European Defense Fund and strengthening the Permanent Structured Cooperation ( PESCO), all while assuring that “France strives to increase Europe’s strategic autonomy, which requires the development of a common strategic culture.”In diesem Zusammenhang wird man die Reden von Emenuel Macron über Europa mit Gewinn wieder lesen.

Man kann der Bewertung der beiden Autoren nur zustimmen “ Just as, in general, multilateralism is instrumental for France’s interests, so is Europe, which became the linchpin of postwar French foreign policy, both under the Fourth and the Fifth Republics, which saw in Europe a power multiplier helping France to avoid being relegated to a second-rate status on the world stage…“ (S. 214)

„When it comes to Europe, Germany is France’s indispensable partner, the French European policy often going first through Berlin and then through Brussels. After the German reunification, with the Bonner Republik transforming itself into a Berliner Republik of 80 million citizens and an economic and industrial hegemon, what Stanley Hoffmann used to call “l’équilibre des déséquilibres”77 between the political French senior partner, and the economic German junior partner, soon transformed into a full-fledged unequal partnership, with Paris lagging Berlin.“ (S. 217 f.) Da muss man genauer hinsehen, nicht immer klappt die auch im Aachener vertrag verabredete Kooperation und Austausch im Rahmen der Außenpolitik zwischen Berlin und Paris, wobei aber auch bei vermeintlichen Alleingängen, (vgl. > Eine Krise zwischen Paris und Berlin? 24. Oktober 2022) die gemeinsame Richtung nicht aus dem Blick verloren wird. Un der Bewertung der beiden Autoren ist zustimmen: „With respect to the European construction, over the decades, the Franco-German bilateralism transformed itself into an embedded bilateralism, meaning that once Paris and Berlin negotiate on a particular issue, the decision on that matter becomes multilateralized or communitarized for the rest of the Union, the other Member States usually rallying up behind one country or another during the negotiations.(S. 218)

Valentin Naumescu (Volume Editor)
Great Powers’ Foreign Policy

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