Gilbert Ziebura (1924-2013)

Gilbert Ziebura ist am 21. Februar 2013 in Braunschweig gestorben. Er war Politikwissenschaftler. Wir sind uns regelmäßig bei den Jahrestreffen deutscher Sozialwissenschaftler für die Frankreichforschung im Deutsch-französischen Institut in Ludwigsburg begegnet. 1970 veröffentlichte er seine Studie Die deutsch-französischen Beziehungen seit 1945 : Mythen und Realitäten, die in einer überarbeiteten und aktualisierten Neuausgabe bei Neske in Stuttgart 1997 wieder aufgelegt wurde.

Anfang dieses Jahres ist in eine französische Übersetzung seines Buches erschienen:
Gilbert Ziebura, Les relations franco-allemandes dans une Europe divisée. Mythes et réalités. Presses universitaires de Bordeaux, 2013, 412 pages, broché, 26€, ISBN 978-2-86781-1-823-3.


> IN MEMORIAM GILBERT ZIEBURA (1924–2013)
Ein persönlicher Nachruf auf den Nestor der westdeutschen Frankreichforschung
von Ingo Kolboom


Klappentext: „Peu de pays ont connu une histoire aussi conflictuelle que la France et l’Allemagne. Aussi la réconciliation fut-elle longue et difficile. Pourtant, les anciens « ennemis héréditaires » sont si bien parvenus à surmonter le passé que leur « modèle » de réconciliation est aujourd’hui étudié et envié partout dans le monde. Gilbert Ziebura retrace l’histoire de ce processus, de Potsdam (1945) à Maastricht (1992), en analysant le rôle des différents « couples » emblématiques qui se sont succédé au cours de cette période : Adenauer-Schuman, de Gaulle-Adenauer, Schmidt-Giscard d’Estaing et Mitterrand-Kohl. Il démontre que la réconciliation n’est jamais allée de soi, qu’elle a été le fruit de compromis permanents et de la volonté de dépasser les clivages d’autrefois, mais qu’elle s’est aussi inscrite dans un contexte international marqué par la guerre froide et la construction européenne qui ne laissait d’autre choix aux Français et aux Allemands que de s’entendre. Il met en lumière les divergences d’intérêts qui se cachaient derrière le discours de l’amitié, divergences qui ont toujours existé et qui n’ont pas disparu aujourd’hui, alors que l’Union européenne traverse la crise la plus grave depuis sa création. G. Ziebura analyse la relation franco-allemande dans sa dimension européenne et transatlantique, mais aussi dans sa dimension politique, économique et sociale – condition indispensable pour comprendre les enjeux actuels de la relation entre Paris et Berlin.

In seinem > Vorwort, das jetzt auch als als ein Nachruf gelesen werden muss, schreibt Ingo Kolboom:

„Mais il n’a pas seulement été un véritable maître d’oeuvre de la recherche ouest-allemande sur la France ; il fut aussi un professeur qui a formé toute une génération de jeunes scientifiques. Cette « école Ziebura » a engendré de nombreux enseignants-chercheurs qui ont eu à leur tour des étudiants, devenus par la suite des experts, des professeurs et des chercheurs… Ainsi, pour la première fois depuis la République de Weimar, la recherche sur la France en Allemagne fédérale se développait de façon sérieuse, d’un point de vue scientifique, tout en ouvrant nombre de pistes nouvelles. Les recueils d’études publiés en hommage à G. Ziebura (ce que les Allemands appellent une Festschrift), à l’occasion de son 65e anniversaire, témoignent de l’importance que ses collègues, étudiants et amis accordent à son œuvre et à l’homme qu’il est, lui qui a toujours respecté l’indépendance de ses « disciples » et dont l’engouement pour la « dispute scientifique » a également suscité le respect. Alfred Grosser, qui était loin d’être toujours d’accord avec G. Ziebura, dont il ne partageait pas la critique permanente du « manque de résultats », écrit ainsi : « Parfois on souhaiterait accepter l’idée que le “refus de se contenter”, si nécessaire, n’exclut pas systématiquement la possibilité d’être content. Ce qui importe avant tout, c’est cette exigence permanente, basée sur une approche éthique qui, entre autres, a suscité la sympathie et l’admiration des auteurs qui ont accepté de participer à cet ouvrage en hommage à Gilbert Ziebura (1). » (S. 15)

(1) Cf. A. Grosser, « Gilbert Ziebura », in H. Elsenhans, G. Junne, G. Kiersch et B. Pollmann (dir.), Frankreich – Europa –Weltpolitik. Festschrift für Gilbert Ziebura, Opladen, Westdeutscher Verlag, 1989, p. 17-21 (21). (Texte allemand original : « Manchmal möchte man mehr Einsicht in die Tatsache haben, dass das notwendige Sich-nicht- Zufriedengeben keineswegs ein Zufriedensein ausschließt. Das Wesentliche jedoch ist dieses ständige, ethisch begründete Fordern. Nicht nur das, doch vor allem dies hat Gilbert Ziebura die Zuneigung und Bewunderung eingebracht, die alle Autoren dieser Festschrift veranlasst haben, an der Ehrung teilzunehmen. »)

> Ingo Kolboom, L’œuvre de Gilbert Ziebura : une « pépinière » académique dans le domaine de la recherche allemande sur la France

20. März 2013: Tag der Francophonie

> www.20mars.francophonie.org/

Verpasst? Zum Nachhören : > 24 heures « Le français est une chance » – France-Culture

> Le français est une chance (1/4) : « Bonne chance, good luck ! » Une coproduction des Radios Francophones Publiques
Radio Canada, RTS, RTBF et France Culture. En partenariat avec l’Organisation Internationale de la Francophonie
18.03.2013 – 17:00

Der Frankreich-Blog war nach der Buchmesse in Leipzig und der > Preisverleihung des Prix des lycéens schon wieder unterwegs. Diesmal in Berlin. Daher wird hier der heutige Tag der Francophonie auf diesem Blog ausnahmsweise nur mit einem Hinweis auf eine Linkliste gefeiert:

Artikel: 66. Frankophonie und Internet, in:
Handbuch Französisch: Sprache – Literatur – Kultur – Gesellschaft
Für Studium, Lehre, Praxis. Herausgegeben von Ingo Kolboom, Thomas Kotschi und Edward Reichel, 2002, 2. Auflage 2008, Erich Schmidt Verlag.

> Liste aller Links, die in diesem Artikel genannt werden

Diese Linkliste (2008) zeigt die besondere Vielfalt der
> Frankophonie: Französisch wird auf allen Erdteilen gesprochen.

(à suivre)

Mehr Stoff für die Schüler: „Damit guter Unterricht noch besser wird“

Ende letzter Woche kam wieder ein > Klett-Cotta-Paket mit Lesestoff für den Blog von Klett-Cotta an. Und eben habe ich angefangen, das neue Buch von Christoph Eichhorn, > Chaos im Klassenzimmer. Classroom-Management: Damit guter Unterricht noch besser wird durchzublättern. Dazu erscheint ganz bald ein Lesebericht (mein durchaus auch kritischer Eindruck beim Lesen) (keine > Rezension, die würde woanders erscheinen und nicht von den Büchern des eigenen Hauses handeln).

[wp-cumulus]
Zum Anklicken: Die Themen auf diesem Blog

Das Durchblättern dieses Bandes, den ich damals schon in der Referendarzeit gerne gehabt hätte, erinnert an einen der wichtigsten Beweggründe für diesen Blog. Als Lehrer spürt man, wenn – nennen wir ihn – Felix, der sonst in der letzten Reihe mit seinen Gedanken immer ganz woanders ist, aufguckt und sogar mitmacht. Dann hat man nicht nur ihn, sondern auch die ganze Klasse. Oder wenn man den Schülern die > Nobelpreisrede von Albert Camus vorspielt und statt sofort mit Fragen loszupreschen, erst mal gar nichts sagt, alles sacken lässt, und geduldig wartet, bis die Schüler anfangen, über das Gehörte zu sprechen. Man kann den Moment greifen ganz präzise beschreiben, zwischen dem Ende der Rede und den ersten Sätzen der Schüler wird gelernt, behalten, nachgedacht, überlegt, auch mal gestaunt, aufgeguckt, memoriert. Wie sagte vor vier oder fünf Jahren die Lehrerin nach einer Doppelstunde, wo ich als Lehrer zu Gast war? Sie sei sehr irritiert gewesen, weil ich nichts gesagt oder gefragt habe, aber die Schüler hätten mehr als sonst gesprochen. Sie sei sehr erstaunt. Je nach Leistungsstand bekommen die Schüler vor dem Hören oder erst vor dem 2. Hören den Text der Rede. Und wenn es sein muss steht auf der Rückseite der deutsche Text.

Schüler sind für Inhalte dankbar, – viele pädagogische Probleme könnten sich von alleine lösen – besonders für Inhalte, die ihnen vermitteln, das das Vokabelpauken einen sehr viel tieferen Sinn hat. Wie oft habe ich in der Referendarzeit gehört, das sei zu schwer für die Schüler… Und heute? > Und heute schreiben französische und deutsche Schüler zusammen einen Blog. das finde ich obercool. Sollte/würde/müsste mein Leistungskurs auch machen. > Deutsch-französische Themen (300 Artikel auf diesem Blog) gibt es genug. Oder sie anlysieren ihren Literaturunterricht. Oder sie analysieren deutsch-französische Blogs. Oder sie dokumentieren und kommentieren eine Woche lang ausgewählte Themen der Politik in Paris und Berlin. Die Schüler meines Französischkursus bräuchten sich über Langeweile nicht zu beklagen. Das mit den pädagogischen Problemen stimmt nicht? Dort wo es im Französichunterricht richtige Probleme gibt, würde ich die Schüler fragen, kennt ihr das Angebot des > DFJW?

Schüler brauchen viel interessanten Stoff, damit sie so früh wie möglich lernen, sich in der Fremdsprache auszudrücken. Sie müssen sobald wie möglich merken, dass sie die gelernten Vokabeln immer neu zusamensetzen können, wobei die Wörter oft viele andere Bedeutungen in immer neuer Umgebung entwickeln. Wörter leben und verkümmern bei langweiligen Vokabeltests. je schneller sie mit > Sachthemen aus dem Nachbarland bekannt gemacht werden, umso eher lernen sie die Notwendigkeit des Vergleichs. Eine Fremdsprache lernen, heißt immer auch Mittler werden. Das gilt für alle Fremdsprachen. Für Französisch ganz genauso, noch ein kleines bisschen mehr als für andere Sprachen, weil Frankreich unser unmittelbarer Nachbar ist und > weil die Aussöhnung nach 1945 Geschichte, aber eine sehr aufregende und erfolgreiche Geschichte ist

Christoph Eichhorn
> Chaos im Klassenzimmer
Classroom-Management: Damit guter Unterricht noch besser wird

1. Aufl. 2013, 201 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-94497-6

A propos vergleichen: In Frankreich wird seit heute über das neue Schulgesetz in der Nationalversamlung debattiert: > Loi sur l’école: ce qui va changer – Und was passiert bei uns?

VDF-Bundeskongress in Bochum – Fotos I

Der VDF-Bundeskongress fand in der Ruhr-Universität in Bochum vom 28.2. bis 2.3.2013 statt.

Eröffnung des Kongresses des VDF-Bundeskongress am Donnerstag, 28.2.2013, 14-15.30 Uhr:

Prof. Dr. Peter Drewek Dekan der Professional School RUB
Romanisches Seminar der RUB: Prof. Dr. Gerald Bernhard
Dr. Thérèse Behrouz, Botschaft
Ulrike C. Lange, Bundesvorsitzende der VdF
Raymond Gevaert, Vize-Präsident der Fédération Internationale des Professeurs de Français
Musikalische Begrüßung: Französische Lieder, Chöre der Hildegardisschule Bochum, Leitung: E. Esch

Impulsvortrag: Prof. Dr. Dr. Ingo Kolboom: (Faire) Vivre le français
Text und Video folgt hier

Bundeskongress VdF 2013: 28. Februar bis 2. März 2013 in Bochum

Im Jahr des 50. Jubiläums des Elysée-Vertrages veranstaltet die Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer (VdF) unter der Schirmherrschaft des französischen Botschafters in Deutschland, S. E. M. Maurice Gourdault-Montagne, vom Donnerstag, den 28. Februar bis zum Samstag, den 2. März 2013 einen Bundeskongress in Zusammenarbeit mit dem Romanischen Seminar an der Ruhr-Universität-Bochum.

Der Kongress steht unter dem Motto „Faire vivre le français – Vielfalt im Französischunterricht“ und bietet Interessierten aus Schule, Lehrerbildung, Wissenschaft und Bildungspolitik ein Forum für didaktische Fragen aller Art. Es werden über siebzig interessante Vorträge (u. a. über Albert Camus) und Ateliers angeboten. Gesprächsrunden und kulturelle Angebote ergänzen die Veranstaltung.


Der Kongress findet in der Ruhr-Universität Bochum im ganz neuen Gebäude ID (Elektrotechnik) statt.
Universitätsstr. 150, 44801 Bochum, Gebäude ID (Universität Ost)
> Hinweise zur Anreise > Download *pdf


Kongresseröffnung

Donnerstag, 28. Februar 2013
14:00 bis 15:30 Uhr mit Grußworten und Plenarvortrag:
> Prof. Dr. Dr. h.c. Ingo Kolboom, Professor emeritus für Frankreichstudien an der TU Dresden
(Faire) vivre le francais – Was bedeutet das für uns Deutsche?
Der Historiker und Politikwissenschaftler Kolboom lehrte von 1994 bis 2012 an der TU Dresden und zeitweilig als Gastprofessor an der Université de Montréal (UdM), davor leitete er elf Jahre das deutsch-französische Programm im Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Von 1993 bis 2009 war er Mitglied im Deutsch-Französischen Kulturrat und von 1999 bis 2004 Präsident der Association internationale des études québécoises (AIÉQ). Zur Zeit ist er Senior Fellow an der Université du Québec à Montréal (UQÀM). Kolboom wurde mit zahlreichen deutschen und internationalen Orden geehrt.

table ronde beim VdF-Bundeskongress am 2. März 2013, Ruhr-Universität Bochum

Thema: „50 Jahre deutsch-französische Freundschaft – ein Blick zurück und ein Blick nach vorn. Wie soll die Jugend von heute für Französisch gewonnen werden?“

Die Podiumsdiskussion am Samstag, den 2. März findet von 11.00 bis 12.00 Uhr
im Hörsaal HID statt, im Gebäude ID (Elektrotechnik), statt.

An der table ronde nehmen teil:

Frau PD Dr. Béatrice Durand, Autorin

Frau Christine Klos, Leiterin des Büro 2 der > Bevollmächtigten für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrages über die Deutsch-Französische Zusammenarbeit

Herr Emmanuel Suard, Kulturrat der Französischen Botschaft

> Herr Prof. Dr. Henrik Uterwedde, stellv. Direktor des > Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg

Moderation: Andreas Nieweler, stellv. Bundesvorsitzender der VdF

Die folgenden Themenbereiche sind Gegenstand der Diskussion:

Ein Blick zurück: Wie ist die Bedeutung des Elysée-Vertrages aus heutiger Sicht einzuschätzen?

Ein Blick nach vorn: Wie können wir die Jugend von heute für Französisch gewinnen? Welchen Beitrag können Politik, Kulturinstitute und Hochschulen leisten?

Wie können wir den Französischunterricht an Schulen stärken?

> Flyer: Bundeskongress des VDF zum Download

Ma France – Dresdner Studenten schreiben über Frankreich

Wie feiert man am besten das 50. Jubiläum der Unterzeichnung des Élyséevertrages? Am besten bittet man seine Studenten, über ihre persönlichen Erfahrungen zu berichten. Der Präsident der Sächsischen-Bretonische Gesellschaft und jüngst emeritierte > Professor Ingo Kolboom und Vivian Fischer, die als Redakteurin beim CampusRadio in Dresden arbeitet und Germanistik an der TU Dresden studiert, hatten die vorzügliche Idee aus den Erinnerungen Dresdner Studenten an Frankreich ein Buch zu machen. Ingo Kolboom wollte ganz einfach, „dass sie in sich, in ihr Herz und in ihre Erinnerungen hinein lauschten“. Wie war das mit ihren Erinnerungen aus der Kindheit an Frankreich. Wie „kamen“ junge Menschen im Osten Deutschlands auf Frankreich? 50 Essays wurden verfasst, 10 von ihnen wurden im Institut français in Dresden vorgestellt. Aber Ingo Kolboom (Jg. 1947) legte die Essays nicht bei Seite, sondern er wählte zusammen Vivian Fischer (Jg. 1990) 37 Artikel aus, und beide gaben diesen rechtzeitig zum 50. Jubiläum heraus.

Das Ergebnis ist wirklich beeindruckend und für sich genommen eine wunderbare Feierstunde anlässlich des. 50. Jahrestages des Élyséevertrages. Mit diesen Essays können Schülerinnen und Schüler sofort verstehen, was sie verpassen werden, wenn ihnen jemand einflüstern sollte, Französisch sei nicht so wichtig oder falls jemand es versäumen sollte, ihnen das Lernen der französischen Sprache zu empfehlen. Es ist die Werbung für die Sprache unseres Nachbarlandes, die heute in den Schulen so fehlt. Die Politiker veranstalten deutsch-französische Gipfel und deutsch-französische Feier- und Gedenktage, aber sie machen viel zu wenig Werbung für den deutsch-französischen Alltag, den täglichen Austausch, le travail politique patient sur le terrain, darum geht es. Schüler und Studenten, die Französisch lernen und Romanistik studieren sind Mittler par excellence, die beide Staaten so nötig haben. Als Schüler und Studenten sind sie Teil der deutsch-französischen Zivilgesellschaft aus der heraus auch Ideen, Vorschläge, Projekte an die Politiker herangetragen werden, die ja sowieso eigentlich nur in unserem Auftrag handeln.

Geboren 1947 – Gedanken eines Adenauer-de Gaulle-Enkels:
> Das Vorwort von Ingo Kolboom – *.pdf

Geboren 1990 – Gedanken eines „Wendekindes“:
> Das Vorwort von Vivian Fischer – *.pdf

Die Studenten dieses Bandes berichten vom Entdecken Frankreichs, von den politischen Beziehungen, Zufallsbekanntschaften im Zug von Bordeaux nach Paris und über das Entdecken des eigenen Landes (Christoph Schmidt), die Bedeutung der Geschichte in Verdun (Michelle Naumann). Helenie Mende hat das Naheliegendste gemacht und einen Brief an „Chère France“ verfasst. Jennifer Berndt berichtet von ihrem Austauschfamilien in Alençon und in Paris und ihre Entscheidung, nach dem Abi erstmal in Frankreich zu wohnen. Kunstgeschichte und Literatur fallen Anna Lisa Sonnenberg bei dem Wort Frankreich ein. Carina Ulbrich war sechs Wochen lang in Besançon. Russisch oder Französisch? Samira Kretschmer wurde von einer Reise nach Frankreich für Französisch überzeugt. Steffi Eberlein erinnert sich an „Arthur est un perroquet.“ (Découvertes, Klett!) Später reist sie mit Unterstützung des DFJW nach Frankreich. Anna Harke interessiert sich für die Etymologie von neuen Wörtern. Was soll man zögernden Schülern noch alles von Frankreich vorschwärmen? Eigentlich genügt es doch, wenn Sie hier den Aufsatz von Paul Berger lesen „… Und doch bin bei dir zu Hause“, oder die Erinnerungen von Gabriel Deinzer an seine Reise nach Paris oder Nico Bertholds Überlegungen, warum ihn Frankreich so fasziniert. Renée Theesen Frankreichs heißt Marseille. Therese Adam denkt über die vielen Klischees nach. Anna Ludewig hat eine Liebeserklärung an Frankreich verfasst, so wie Maxie Borchardt sich fragt, warum sie über Frankreich nachdenkt. Phuong Nha Luong Thi schwärmt von ihrer französisch-vietnamesisch-deutschen Fernbeziehung, den sie als Fünfzehnjährige kennengelernt hat. Er zeigte ihr Paris, sie wurde Praktikantin im Louvre. Naryna Marchenko hat Französisch gelernt. Sie erzählt, wie wenige Tage Paris das Studium und die Fächerwahl beeinflussen. Auch Lisa M. Davidson fand ihren Freund in Frankreich. Einen Franzose aus Lyon der ihr versprach ihre Sprache (die er aus ein bisschen Faulheit? Englisch nannte) perfekt zu lernen, wie sie ihm versprach, Französisch zu lernen.

Dann folgt ein Auszug aus Gilbert Zieburas, Die deutsch-französischen Beziehungen seit 1945 (Stuttgart 1997). Eine Erinnerung von Josef Müller-Marein an die Messe, an der de Gaulle und Adenauer 1962 in der Kathedrale von Reims teilnahmen. Und > die Rede an die Jugend im Hof des Ludwigsburger Schlosses, die Charles de Gaulle am 9. September 1962 dort gehalten hat. Der Text des Élysée-Vertrags vom 22. Januar 1963 und die gemeinsame Erklärung zum 40. Jahrestag des Élyee-Vertrags am 22. Januar 2003 ergänzen diesen Band.

Auf diesem Blog: > Staatsakt in Ludwigsburg anlässlich des 50. Jahrestages der Rede General de Gaulles an die deutsche Jugend

Der Band bietet eine sehr nützlich umfangreiche Bibliographie in der Form von weiterführenden Hinweisen: S. 206-217.

> Ma France. Dresdner Studenten schrieben über Frankreich

> Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.

Ingo Kolboom, Vivian Fischer (Hg.)
Ma France. Deutsche Studenten schreiben über Frankreich
Eine Veröffentlichung der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft.e V. anlässlich des 50. Jubiläums des Élysée-Vertrags,
Dresden 2013.
ISBN: 978-3-939025-32-0

> Ingo Kolboom : Défendons un rêve franco-allemand – Auf diesem Blog, 11. März 2008

Le renouveau des rapports franco-allemands

[wp-cumulus]
Zum Anklicken: Die Themen auf diesem Blog

Dieser 1500. Beitrag auf diesem Blog ist ein willkommener Anlass, den kürzlich in LE MONDE erschienenen Aufruf zu würdigen und hier gleich etwas Grundsätzliches zu den deutsch-französischen Beziehungen zu schreiben.

Am 28. Juni 2012 hat LE MONDE den Artikel > Pour un renouveau dans les rapports franco-allemands von Wolfgang Asholt, Henning Krauss, Michael Nerlich, Dietmar Rieger, Evelyne Sinnassamy, Joachim Umlauf veröffentlicht.

> Pour un renouveau dans les rapports franco-allemands
LE MONDE 28. Juni 2012

Die Autoren erwähnen u.a. Bernard de Monferrand, Jean Louis Thiérot, > France Allemagne. L’Heure de vérité (Paris: Tallandier 2011) aber auch Jacques-Pierre Gougeon, France-Allemagne: une union menacée, 2012 und > Allemagne, les défis de la puissance, La documentation française, 2012. Die Autoren dieses Beitrags verleihen ihren Sorgen angesichts der Polemik um das „deutsche Modell“ Ausdruck, die den Präsidentschaftswahlkampf im Frühjahr 2012 in Frankreich bestimmt hat. Sie haben Recht, Missverstehen hat diese Diskussion geprägt, und der damalige Präsident und die Bundeskanzlerin haben es nicht geschafft ja gerade versäumt, die bereits erzielte Aufmerksamkeit für das Thema – und das war doch schon ein gemeinsamer Erfolg – in eine produktive gemeinsame Richtung zu lenken. Deutsch-französische PR wäre angesagt gewesen. Institutionen gibt es dafür genug. Stattdessen wurde das Thema, als die Medien es aufgriffen, schnell wieder weggepackt.


Dieser Beitrag könnte
ein Thema oder Aufhänger für eine Schülerarbeit sein:

Analysez le débat actuel autour des relations franco-allemandes et formulez vos suggestions.

Erinnern wir uns, zunächst ist Angela Merkel bei einem Wahlkampfauftritt mit Nicolas Sarkozy dabei, sie werden zusammen interviewt. Diese Wahlkampfunterstützung wird aber im Verlauf des Wahlkampfes von Sarkozy nicht mehr genutzt. Mit dem Auftritt der Kanzlerin glaubt Sarkozy doch nicht so punkten zu können, wie er das anfänglich geglaubt hatte. Was war passiert? Hier geht es um die Feinmechanik in den deutsch-französischen Beziehungen: Perzeption nennt man das in der Politischen Wissenschaft. In Frankreich kam die Unterstützung der Bundeskanzlerin für Sarkozy als Einmischung in den Wahlkampf an, und Sarkozy musste schnell einsehen, dass er mit dem „deutschen Modell“ doch nicht so punkten konnte. Hinzukommt, dass die Kanzlerin zunächst sich nicht mit der Kritik von Sarkozys Herausforderer beschäftigen wollte. Eine echte Chance zum einvernehmlichen Dialog wurde (zunächst) nicht genutzt.

Vgl. > Sarkozy-Hollande : deux conceptions du modèle économique allemand – LE MONDE, Fondation Jean-Jaures | 29.02.2012 à 11h19 • Mis à jour le 15.03.2012

Friktionen, Missverständnisse, wachsende Distanz?

Betrachtet man von außen die beiderseitigen Beziehungen, so fühlt man sich wieder an die Friktionen beim Amtsantritt von Sarkozy erinnert, als es mit dem deutsch-französischen Paar nicht so recht klappen wollte. In ihrem Artikelaufmacher beklagen die Autoren, dass Deutsche und Franzosen sich von einander entfernt hätten.

Michel Serres: Ein Plädoyer für mehr Gemeinsamkeit

Anlässlich der > Verleihung des Meister Eckhart Preis 2012 in Köln hat Michel Serres > in seiner Dankesrede am 3. Mai 2012: Für die Verschmelzung plädiert: „Diese Vereinigung sollte weder die Form einer Nation noch die des Vaterlandes annehmen, da die historisch damit verbundenen Emotionen und Ideen bis in die jüngste Vergangenheit bereits zu viele Kriege und Tote nach sich gezogen haben. Das berauschende Gefühl der Zugehörigkeit wäre mit schrecklichen menschlichen Verlusten erkauft. Wie ich eingangs erwähnte, sollten wir weniger in Kategorien wie Gemeinschaften, Ländern, Einheiten, Gebieten oder Landkarten denken, sondern vielmehr an die Menschen denken.

Die Verschmelzung müsste sich also auf direktem Wege zwischen den Deutschen und den Franzosen ergeben, das heißt unmittelbar von Individuum zu Individuum vollzogen werden.“ In Deutschland denkt man nicht in diesen Kategorien, wenn auch Pierre Nora in der FAZ > Man hat sich auseinandergelebt (16.2.2012) (Hier auf dem Blog: > Pierre Nora: “Die humanistische Kultur ist am Ende.”)die immer größere Leere im deutsch-französischen Dialog beklagt hat. Und auf beiden Seiten ist es trotz vieler > Anstrengungen nicht gut um das Erlernen der Nachbarsprache bestellt.

> Dankesrede von Michel Serres französisch PDF

Pour un renouveau dans les rapports franco-allemands

Die Autoren des Artikels in LE MONDE lancieren einen Aufruf zugunsten einer Erneuerung der deutsch-französischen Beziehungen und erinnern daran, dass nach 1945 die Aussöhnung mit Frankreich ein konstitutiver Bestandteil beim Wiederaufbau einer kulturellen deutschen Identität gewesen ist. In diesem Zusammenhang erinnern die Autoren mit Nachdruck an > die wichtige Passage im Elyseevertrag von 1963, der die Absicht der beiden Länder dokumentierte, den Sprachunterricht nachhaltig fördern zu wollen. Dieser Blog mit seinen 1500 Beiträgen seit September 2006 (> Argumente für Französisch) hat nichts anderes im Sinn. Würde diese Passage des Elyseevertrages und alle sonstigen Kulturabkommen mit Leben erfüllt werden, würde sich das Blatt bald zum Guten wenden.


> Das Fach Französisch verdient mehr Aufmerksamkeit

> Appel pour la Renaissance des relations franco-allemandes. Von der Normalisierung zur Entfremdung? Aufruf zum Deutsch-Französischen Verhältnis


Die Autoren sprechen sich mit Nachdruck für ein neues deutsch-französisches Forschungszentrum aus. Der Kern ihres Anliegens ist nicht eine Wirtschafts- und Finanzpolitik „ohne Alternative“, sondern „die Schaffung günstiger Bedingungen für eine lebendige und produktive Präsenz der Geschichte und der gemeinsamen deutsch-französischen Kultur im Gedächtnis beider Völker.“

Die Defizite sind größer, als es in dem Artikel dieser Autoren anklingt. Meine Enttäuschung war riesengroß, als NRW mir nach einen Studium dreier Fächer mit zwei Jahren in Paris, einer fast beendeten Promotion und einem Referendariat in einem bilingualen Gymnasium die Einstellung in den Schuldienst verweigerte, aber gleichzeitig ein beeindruckendes Gesamtschulprogamm anwarf. Der Stachel saß lange Zeit ziemlich tief. Mehrere Generationen bestens ausgebildeter Französischlehrer wurden nicht in die Schulen gelassen, weil man glaubte, für sie keine Verwendung zu haben. Seitdem wundert man sich, dass die Zahl der Schüler die Französisch lernen, zurückgehen. Die totale Ernüchterung folgt aber erst noch: Was erfahren Französischschüler über das Nachbarland?


Ingo Kolboom > Thesen zur Zukunft des Französischen, in: DOKUMENTE 4/1999, S. 281-283.

ders., > Was wird aus der Sonderbeziehung? Plädoyer für eine neu deutsch-französische Nähe. Wider die „Normalisierung“ als Diskurs der Entfremdung, in DOKUMENTE, 3-2000, S. 207-214


Es gibt interessante Projekte, man muss mehr über sie sprechen!

Wie wird bei uns in den Schulen für das Erlernen der französischen Sprache geworben? > Prix des lycéens allemands und viele andere Initiativen, > Klett engagiert sich für das Fach Französisch könnten noch größere Wirkung entfalten, wenn die Politiker und die Regierungen beider Länder einen größeren gemeinsamen Rahmen für die Kulturarbeit in beiden Ländern eröffnen würden. Eine Website mit einem deutsch-französischen Austauschprogramm das wär’s. Viele Französischschüler bei uns kennen noch nicht das > DFJW. Mein „Poisson d’avril“ > Promouvoir la langue française en Allemagne / Mehr Deutsch lernen in Frankreich war eine gute Gelegenheit, einmal so richtig von der besten aller Welten im deutsch-französischen Kulturbereich zu träumen.

Sucht man in Google nach dem > deutsch-französischen Jugendparlament findet man Einträge von 2003, die an ein feierliches und wohl leider einmaliges Ereignis erinnern. Wie wärs mit einem deutsch-Wettbewerb, dessen Gewinner jährlich das deutsch-französische Jugendparlament medienwirksam bilden dürften? Wir brauchen in den deutsch-französischen Beziehungen mehr Phantasie, mehr Kreativität, nicht nur Finanzen, sondern Politiker, die sich die Sache der Zivilgesellschaft zu eigen machen.


> Deutsch-Französische Agenda 2020

> Les relations franco-allemandes et la société civile

> Deutsch-französische Beziehungen – 269 Artikel auf diesem Blog


Die meisten der Themen dieses Blogs kommen im Schulunterricht nicht vor und Schüler wählen oft das Fach Französisch ab, ohne viel über Frankreich zu wissen. Die > Lehrbücher zeigen, dass der Anteil der Literatur im Französischunterricht nach einer Zeit der sagen wir kommunikativen Didaktik allmählich wieder ansteigt. Mir geht das nicht schnell genug. Solange Schüler immer noch mit Albert Camus lernen, das das Leben absurd ist, statt > Camus‘ Absurdität als eine Diagnose vermittelt zu bekommen, aus der ein Aufbruch für Freiheit und Kunst erfolgt, wird sich im Literaturunterricht nicht viel ändern.

Aber ein Blick auf das > Lektüreangebot für Französisch mit 446 Titeln zeigt, das im Französischunterricht doch gelesen wird, sonst könnte ein Verlag ein solches Angebot nicht bereithalten. Viele Klagen über das deutsch-französische Verhältnis entstehen auch, weil zu wenig über unsere gemeinsamen Projekte und über die gemeinsamen Erfolge gesprochen wird. Die vielen gemeinsamen Initiativen sind zu wenig bekannt: 330 Beiträge über > deutsch-französische Veranstaltungen auf diesem Blog sind aber doch recht beeindruckend? Oder das > deutsch-französische Geschichtsbuch? Dennoch bleibt der Eindruck, dass die Politiker in der Öffentlichkeit die deutsch-französischen Beziehungen nur zu gerne als einen Anlass verstehen, den Wunsch, künftig enger zusammenarbeiten zu wollen, wieder einmal zu bekräftigen, anstatt die Ergebnisse ihrer Arbeit vorzutragen.

„Ouvrons les portes à la vie!“

… so lautete das Motto des Französischlehrertags an der TU Dresden am 24. März 2012.

Prof. Dr. Dr. h.c. Ingo Kolboom erinnerte in seinem Grußwort an den Aufsatz „Versagen die Mittler? Was Deutschland und Frankreich voneinander wissen“ des Franzosen Alfred Grosser Anfang der 1970er Jahre (FAZ, 02.02.1973, S. 8) und sprach sich mit Nachdruck dafür aus, Politisches und kulturelles Wissen auch im Französischunterricht zu vermitteln:

„Lassen wir es nicht zu, dass ein Fach, das verantwortlich ist für die Ausbildung der Ausbilder von 1,5 Millionen Französischschüler in Deutschland, für die Vermittlung NICHT einer Fremdsprache, sondern einer FREUND- und NACHBAR- Sprache, dass dieses Fach seine Tore vor dem Leben, vor unserem Leben verschließt.“

Ingo Kolboom bedauert zu Recht, dass sein lehrstuhl nach seiner Emeritierung „Fankreichstudien und Frankophonie“ 2012 der Literaturwissenschaft übergeben wurde, der „sich nunmehr ‚Französische Literatur- und Kulturwissenschaft‘ nennen wird und zwangläufig einem Sozialwissenschaftler verschlossen bleibt. Als wäre Literatur keine Kultur!“ Kolboom sieht darin eine Tendenz, dem Vergleich mit dem Nachbarland aus dem Weg zu gehen, die er höchst bedauerlich findet.

> Grußwort / Mot d’ouverture auf dem Französischlehrertag an der TU Dresden am 24. März 2012

1 2 3 4 5 6 7