Schon während des Ausflugs des neuen Präsidenten, M. Nicolas Sarkozy, in die Gewässer um Malta konnte ich mich wieder auf den Französischunterricht konzentrieren; das kann ich jetzt auch wieder machen, um ich die Pause vor dem nächsten Wahlkampf – obwohl der Präsident ja eigentlich schon wieder im Wahlkampf ist – zu nutzen:
Diesmal geht es um Kinder- und Jugendliteratur. Unter diesem Titel hat die Vereinigung der Französisch-lehrerinnen und -lehrer e.V. eine neue Ausgabe der Zeitschrift Französisch heute herausgegeben.
Im Thementeil berichtet Daniela Caspari über die Erforschung von Kinder- und Jugendliteratur im Französischunterricht: A la recherche d’un genre mal connu. Britta Boberg kommentiert die Ergebnisse einer Umfrage zum > Prix des lycéens allemands: Selbst Jurymitglied sein. Jürgen Mertens schreibt über „slam“ und Gabriele Bergfelder-Boos stellt einen narativen Ansatz im kompetenzorientierten Französischunterricht vor: Geschichten erzählen.
Im Magazinteil geht es Franz Joseph Hausmann umd die Schulfremdsprachen in Bayern – auf der Höhe der Zeit? und Elke Zapf und Christian Wille untersuchen interkulturlle Wirtschaftskompetenz als eine berufliche Herausforderung für das berufliche Schulwesen: Apprendre à parler affaires : quelle compétence ? Rezensionen und der Blick nach vorn von Franz-Joseph Meißner vervollständigen diese Ausgabe.
Der Bericht von Britta Boberg ist besonders lesenwert, da er die besondere Bedeutung des Prix des lycéens im Rahmen der Leseförderung einleuchtend darlegt.
Am 15. März 2007 war André Glucksmann zu Gast im Literaturhaus. Er las einen Text „Darfur, unser Spiegel“, in dem er im ersten Ansatz nach unserer Einstellung zum Genozid fragte: „Wir gewöhnen uns langsam daran.Langsam, unauffällig, sachte, ohne zu leiden, aber wir gewöhnen uns daran. Genozid?“ Dann erinnerte er an die Massker, denen 1994 drei Monate lang täglich 10.000 Tutsis zum Opfer fielen.
Die Bilder der halb verhungerter äthiopischer Kinder lösten Ende 1986 zunächst eine Spendenweille aus, dann aber als die politischen Gründe für dieses Elend bekannt wurden, versiegten, so Glucksmann, die finanziellen Hilfsquellen. Und dann erinnerte Glucksmann an Krieg in Tschetschenien. „Gleichgültigkeit ist laut Ionesco die Struktur der Nashörnergesellschaft. Doppelt gepanzert gegen die äußere Welt und gegen ihre innerer Welt, sind die Nashörner, die wir sind, – weder realistisch noch sentimental – sanftmütige, ja beinahe sympathische Wesen. Kein Tierschutzverein wird das Überleben einer so kurzsichtigen, und gelehrt stummen Art sischern können,“ fügte Glucksmann hinzu.
Er warnte die Jugend Europas vor Gleichgültigkeit und erinnerte mit Nachdruck an die Arbeit von > Etudes sans frontières, die mit der Unterstützung tschetschenischer Studenten versucht, zur Unterbrechung der Spirale der Gewalt in Tschetschenien beizutragen. Die vollständige Hoffnungslosigkeit ist ein Tor zum Terrorismus, dem andere Perspektiven gegenübergestellt werden müssen.
André Glucksmann; La route de l’apocalypse passe par Beslan
in : > LE MONDE, 16 septembre 2004 (€): „Ceux qui vivent la fin du monde ne la voient pas, ceux qui la voient ne la vivent pas encore, mais sont condamnés à méditer, fût-ce contre eux-mêmes, au bord du gouffre.“ A. Glucksmann
Ludger Lütkehaus hat in der > DIE ZEIT vom 13.10.2005 Nr.42,
das Buch Ich hasse, also bin ich von André Glucksmann rezensiert.
André Glucksmann: Hass. Die Rückkehr einer elementaren Gewalt. Übers. v. Bernd Wilczek und Ulla Varchim; Verlag Nagel & Kimche, 2005; 286 S.
Die Behandlung von literarischen Texten im Französischunterricht wird auch heute noch manchmal in modernen Positionen der Fachdidaktik vernachlässigt. Andreas Nieweler berichtet in seiner Fachdidaktik über den Rückgang der literarischen Texte in den sechziger Jahren, als audiovisuelle Methoden die Oberhand gewannen. In den achtziger und neunziger Jahren kamen literarische Texte wieder in die Curricula zurück, wenn auch Sachtexte ihnen gleichbedeutend an die Seite gestellt wurden. (Vgl., S. 206) Es ist richtig, dass in der Literaturdidaktik Lesemethoden mehr als die Auswahl der Texte diskutiert werden. (cf. Nieweler, S. 208). Auf die Diskussion des Kanons – Nieweler nennt wichtige „Kriterien für die Auswahl literarischer Texte“ – möchte ich mich hier noch nicht einlassen; zuviele Vorlieben, Vorbehalte und persönliche Interessen sind in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen.
Es geht um dabei um viel mehr. Der Französischunterricht ist heute in erster Linie von Noten und Leistungsnachweisen geprägt. Vokabeltests dienen zuweilen eher der Disziplin als der Faszination die Anwendbarkeit des Gelernten zu entdecken. Französisch wird immer noch oft auf Kommunikationssituationen und Grammatik reduziert anstatt als das beste Mittel verstanden zu werden, mit dem die Geschichte und die Literatur unseres Nachbarn entdeckt wird. Wie oft wurde aber in der Referendarzeit gesagt, das sei zu schwer für die Schüler, und das Limit wurde auf 10 neue Vokabeln pro Stunde gesetzt, damit die Schüler ja nicht überfordert wurden.
Der Literaturkurs in Klasse 13 ist die wichtigste Erinnerung an meine Zeit als nebenamtlicher Lehrer vor dem 1. Staatsexamen. Rousseau, Voltaire, Balzac, Stendhal, Hugo, Flaubert, ja sogar Rimbaud waren mit dabei. Die Schüler berichteten über die Texte, die sie gelesen hatten, entdeckten Querverbindungen und wurden auf die nächsten Texte neugierig. Camus hat in Le premier homme beschrieben, wie er und sein Freund sich nach dem Besuch der Bibliothek auf die nächste Bank gesetzt haben, um die gerad entliehenen Bücher aufzuschlagen, ganz neugierig, was sie sie ihnen denn diesmal bieten würden. In dieser Hinsicht muß der Französischunterricht wieder zu einer Entdeckungsreise werden, die den Gedanken an eine Abwahl gar nicht erst aufkommen läßt.
Ich meine, die französische Literatur ist interessant genug, um auch heute noch mit allen Medien erfolgreich konkurrieren zu können. Aber mit den heutigen Sachtexten kann die Vielfalt dieser Literatur auch nicht annähernd ersetzt werden. Als Sachtext würde sich immerhin ein Auszug aus Sartres Qu’est-ce que la littérature? oder aus seinem Vortrag La responsabilité de l’écrivain (1946) eignen, in dem er gleichzeitig die Verantwortung des Autors und die des Lesers für die Freiheit der Literatur demonstriert. oder Texte zu den > deutsch-französischen Beziehungen.
Der Rückgang der Literatur im Französischunterricht ist eine Fernwirkung des kommunikativen Ansatzes und eine Folge des allgemeinen Klagens, mit den Schülern von heute könne man anspruchsvolle Texte nicht mehr lesen. Das ist aber nur ein On dit. Werden sie mit ihren Interessen und heute so vielfältigen Kenntnissen ernstgenommen, dann öffnet ihnen die Literatur die Perspektive auf die kulturelle Vielfalt unseres Nachbarn. In meinem Unterricht müßten die Schüler regelmäßig über ihre Leseerlebnisse berichten. In den ersten Lernjahren gibt es genug > an die Kenntnisse angepaßte Lektüren, später bieten Lektüren wie zum Beispiel > Itinéraires oder das Internet genügend Gelegenheiten, interessante literarische Texte zu finden.
Die Beiträge auf diesem Blog geben, gemäß seiner Konzeption, die Meinung der Autoren und nicht unbedingt die des Ernst Klett Verlags wieder.
… das ist der Titel einer Nachwuchstagung zum Stand, den Methoden und Perspektiven der Erforschung deutsch-französischer Literaturbeziehungen, die vom 23. bis 25. November 2006 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg stattfindet. > Progamm
Wegen der besonderen Bedeutung des Sternchenthemas für die Oberstufe in Baden-Württemberg wurde hier bisher einiges – und wohl auch nicht zum letzten Mal – über Albert Camus‘ L’étranger geschrieben. Eine Schülerin fragte mich gestern nach GFS-Themen, die zum Umfeld dieses Sternchenthemas passen würden.
Camus andere Werke eignen sich sehr gut für die in diesem Bundesland üblichen > GFS (gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen). In meiner Schullaufbahn begann mein nachhaltiges Interesse für die französische Literatur, als mir ein Freund damals, wir lasen in der Schule gerade L’étranger, Camus‘ Abhandlung über das Absurde: Le mythe de Sisyphe mitbachte. Mein Klassenlehrer korrigierte das Referat, das ich damals in der Klasse über Camus‘ Interpretation des Absurden gehalten habe. Vvon der verkürzten Formel, das Gefühl des Absurden entsteht durch die Konfrontation des Menschen mit der ihn umgebenden Welt, war ich beeindruckt. Damals schien dies der Schlüssel zum Verständnis seines Werkes. Vielleicht habe ich damals noch nicht wirklich begriffen, daß das Absurde bei Camus kaum mehr als eine Diagnose ist. Danach beginnt erst die eigentliche Aufgabe des Künstlers.
Für eine Buchpräsentation eignet sich auch der Roman La peste (1947) von Camus, in dem die Revolte der Einwohner von Oran und insbesondere des Doktors Rieux gegen die Seuche geschildert wird. Als die Einwohner wieder etwas Hoffnung schöpften, war die Herrschaft der Krankheit gebrochen, schreibt Camus.
Ein anderes Thema für eine GFS wäre die Vorstellung von Sartres Roman La nausée (1938): Das Leben hat den Wert, den man bereit ist, ihm zu geben, erklärt der Autodidakt im Gespräch mit Roquentin. Und der Roman, den Roquentin schreiben will, soll so schön und hart wie Stahl sein und die Leute sich wegen ihrer Existenz schämen lassen, wenn sie ihre Möglichkeiten – die die Literatur ihnen zeigt, nicht nutzen. Camus rezensierte La nausée im Alger républicain am 20. Oktober 1938, und Sartre rezensierte L’étranger im Februar 1943 (wiederabgedruckt in: Sartre, Critiques littérairies, (Situations, I), Paris 1947, S. 120-147.
Oder Sartres Qu’est-ce que la littérature? (1947) würde sich auch prima für eine GFS eignen. In diesem Buch beschreibt Sartre in 4 Kapiteln seine Literaturästhetik und wieso der Begriff der „engagierten Litratur“ immer mißverstanden wird: „Qu’est-ce qu’écrire?“, „Pourquoi écrire?“, „Pour qui écrit-on?“, „Situation de l’écrivain en 1947“. Die GFS könnte sich auf die ersten drei Kapitel konzentrieren, obwohl das vierte Kapitel vor allem auch wegen Sartres ausdrücklicher Kritik an der PCF historisch gesehen vor dem Hintergrund des beginnenden Kalten Krieges beachtenswert ist. Sartres Vortrag von 1946 mit dem Titel La responsabilite de l’écrivain, (erschienen bei Ed.Verdier, Lagrasse, 1998) wäre ebenfalls gut geeignet, da Sartre hier die Verbindung von Freiheit und Verantwortung darlegt.
Unsere Blogleser interessieren sich aber sicher auch für andere Top-Themen für die GFS im Französischunterricht.
Bei Klett gibt es > CDs mit einer Originalaufnahme des L’étranger, so wie Camus ihn 1952 im französischen Rundfunk gelesen hat.
Vom 23. bis 25. November 2006 findet eine Nachwuchstagung an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zum Stand, den Methoden und Perspektiven der Erforschung deutsch-französischer Literaturbeziehungen statt: „Die gegenwärtig zu beobachtende Europäisierung der Literaturgeschichtsschreibung lenkt den Blick auf die vielfachen Beziehungen zwischen den nationalsprachlichen Literaturräumen. Zunehmend rückt die Inter- bzw. Transnationalität der Literatur ins Bewusstsein der Philologien und erfordert eine neue Beschäftigung mit den Wegen, Medien und Akteuren grenzüberschreitender Rezeption literarischer Formen und Inhalte. Am Beispiel der deutsch-französischen Literaturbeziehungen will die Tagung den Interessen, Strategien und Effekten dieses Austauschs nachgehen, in seiner synchronen ebenso wie in seiner diachronen Dimension…. “ Mehr…
Nicolas Edme Rétif de la Bretonne (1734-1806) apparaît comme une personnalité singulière de la République des Lettres de fin de l’Ancien Régime et de la Révolution : pour certains de ses contemporains, c’est un original, pour d’autres, un génie. …Une oeuvre, d’inspiration largement autobiographique, explore les méandres de la mémoire et du fantasme dans des productions étonnantes : autobiographie narrative (Monsieur Nicolas) mais aussi dramatique (Le Drame de La Vie), journal intime (qu’il grave, un temps, sur les parapets de l’île Saint-Louis), récits qui recyclent à l’infini les épisodes marquants d’une trajectoire hors du commun, jalonnée de conquêtes amoureuses et dominée par un irrépressible besoin de conserver la trace des expériences présentes et passées pour mieux les revivre.Sur www.france-blog.info :
À Sacy, 26 km au sude-est d’Auxerre, du 23 au 26 juillet 2026, le Festval Rétif de la Bretonne aura lieu pendant quatre jours, dans une ambiance conviviale et propice aux échanges.
C’est une bonne occasion de suivra les pas de Monsieur Nicolas, à la (re-)découverte d’un univers littéraire – et théâtral – aussi singulier qu’inclassable. Notre rédaction est invitée à ce festival et nous participerons vendredi à la table ronde
Nicolas Edme Rétif de la Bretonne (1734-1806) gilt als einzigartige Persönlichkeit in der Welt der Literatur (in Frankreich sagt man „République des lettres“) am Ende des Ancien Régime und während der Revolution: Für einige seiner Zeitgenossen war er ein Original, für andere ein Genie. …Ein weitgehend autobiografisch inspiriertes Werk, das die Windungen der Erinnerung und der Fantasie in erstaunlichen Produktionen erforscht: narrative Autobiografie (Monsieur Nicolas), aber auch dramatische Autobiografie (Le Drame de La Vie), Tagebuch (das er eine Zeit lang auf die Brüstungen der Île Saint-Louis gravierte), Erzählungen, die unendlich oft die prägenden Episoden eines außergewöhnlichen Lebensweges wiederholen, der von amourösen Eroberungen geprägt und von einem unbändigen Bedürfnis beherrscht ist, die Spuren gegenwärtiger und vergangener Erfahrungen zu bewahren, um sie besser wiedererleben zu können.Auf www.france-blog.info:
In Sacy, 26 km südöstlich von Auxerre, findet vom 23. bis 26. Juli 2026 vier Tage lang das „Festval Rétif de la Bretonne“ statt – in einer geselligen Atmosphäre, die zum Austausch einlädt.
Das Festival ist eine gute Gelegenheit, auf den Spuren von Monsieur Nicolas einem ebenso einzigartigen wie unklassifizierbaren literarischen – und theatralischen – Universum (wieder) zu entdecken. Unsere Redaktion ist zu diesem Festival eingeladen und wir werden am Freitag auf dem Podium an der Diskussion teilnehmen.
Jeudi 23 juillet : OUVERTURE DU FESTIVAL Réception d’inauguration
15h-16h : Grange éphémère à Sacy –
16h30 : LECTURES ET MUSIQUE 115 Grande Rue à Sacy
Monsieur Nicolas de Sacy – promenade littéraire à travers le village: Sur les traces de Rétif de la Bretonne
18h-19h30 – Vernissage : EXPOSITION Salle de la Mairie à Sacy – Sacy au fil du temps – Carol-Ann Willering I Rétif de la Bretonne
Un dialogue poétique entre les images et les mots
Vendredi 24 juillet :
PLAISIRS CULINAIRES Déjeuner festif – Buffet & boissons
12h-14h : Grange éphémère à Sacy –
14h30-16h30 : RENCONTRE Salle des fêtes de Sacy –
Découvrir Rétif de la Bretonne – Rencontre & table ronde en complicité avec la Société Rétif de la Bretonne
Projection d’un entretien vidéo avec Pierre Testud, spécialiste de Rétif de la Bretonne, suivie d’une table ronde avec Didier Gambert et Heiner Wittmann, membres de la Société Rétif de la Bretonne.
Échanges avec le public
15h-18h : EXPOSITION Salle de la Mairie à Sacy –
Sacy au fil du temps
17h : ATELIER Grange éphémère à Sacy –
Petite leçon de lecture «comme jadis» – Lire Rétif de la Bretonne à haute voix
Pour toutes et tous, atelier dirigé par Marie-Luce Bonfanti
20h-21h45 : CINEMA Moulin de Vermenton – Le demi-mariage et L’élève de Harry Kümel – Rétif de la Bretonne vu par la Série rose. Deux histoires libertines de la célèbre série télévisuelle des années 80
Samedi 25 juillet
14h-16h :. EXPOSITION Salle de la Mairie à Sacy –
Sacy au fil du temps
15h30 . LECTURES ET MUSIQUE 115 Grande Rue à Sacy – Monsieur Nicolas de Sacy – promenade littéraire à travers le village
Sur les traces de Rétif de la Bretonne
17h30 . ATELIER Salle des fêtes de Sacy –
Bain sonore – Un dispositif sensoriel proposé par Sophie Ramillon
Les résonances du bref écrit que Rétif de la Bretonne consacre au Bain serviront de «pré-texte» à cette initiation au Bain sonore relaxant et apaisant, rythmé par les vibrations de bols chantants
20h . LECTURE MUSICALE Lavoir de Vermenton – Les Amours de Dulis de Rétif de la Bretonne – Lecture pour 2 comédien.ne.s et 1 violoniste:
Le récit utopiste d’une polygamie vécue « dans le bonheur et la fécondité »
21h45 : CINEMA L’écran au jardin, Sacy – Rétif de la Bretonne (Histoire de gens) de Jean Michel Meurice, film documentaire (1976) –
Petit cinéma de plein air chez Laurence et Cédric
Que reste-t-il du monde paysan d’antan si bien décrit par Rétif ? Réponse avec l’historien Le Roy Ladurie qui, en 1976, revient à Sacy, le village de son enfance.
Dimanche 26 juillet
PLAISIRS CULINAIRES
11h30-14h : Grange éphémère à Sacy – Brunch gourmand & lectures goûtues
Bons mets et bons mots entre Grimod de La Reynière, père de la gastronomie française et Rétif de la Bretonne
14h-16h : EXPOSITION Salle de la Mairie à Sacy – Sacy au fil du temps
16h : RENCONTRE Le Salon d’Arabella, Sacy – It’s tea time: autour de la table, «Rétif es-tu là ?» – Lectures et coups de cœur partagés
Lectures ludiques autour d’un café ou d’un thé et de biscuits… very british.
CLÔTURE DU FESTIVAL Buffet-apéritif
18h-20h : La Métairie de la Bretonne à Sacy –
Mit einer großen Zeremonie werden am Dienstag, 23. Juni 2026, der Historiker Marc Bloch und seine Ehefrau Simonne Bloch (geb. Vidal) im Pantheon beigesetzt. Eine „Panthéonisation“, über die der Staatspräsident entscheidet. Im Juli 1944 wurde Marc Bloch von der Gestapo ermordet. Seine Frau starb Anfang Juli 1942 in Lyon.
Comment expliquer, ou du moins interpréter, l’incompréhensible ?
Le Président disait entre autres: „Devenu nomade, entre sa maison de Fougères, Montpellier et Lyon, il lui faut sauver sa bibliothèque.
Oui, sa bibliothèque, que le Gouvernement de Vichy, comme l’occupant, veulent lui confisquer. 5 0000 livres, patiemment rassemblés par Marc Bloch tout au long de sa vie. Livres de l’étudiant, du professeur, du Républicain. 5 000 livres qui disent la vérité d’un homme, son amour de la littérature, son appétit de savoir, sa soif de transmettre. Alors, Marc Bloch résiste à cette persécution inepte, ne veut pas renoncer à ses livres, à sa vie, à ce qui donne sens à son existence.
Alors il se bat. Demande à Lucien Febvre d’activer tous les réseaux possibles, sollicite Fernand de Brinon, représentant de Vichy en zone occupée, écrit à Jérôme Carcopino, ancien élève de son père,
désormais au service de Pétain. On lui a tout pris, mais au moins qu’on lui laisse ses livres. Il ne demande rien d’autre pour lui, pour ses enfants. Mais non, rien n’y fait. La lâcheté des uns et la méchanceté des autres se conjuguent. L’antisémitisme lui a volé son métier, son appartement, son argent. Il faut qu’il lui vole aussi ses livres. Ces derniers sont expédiés en Allemagne, dispersés. Et pour beaucoup perdus. Dans la France de la collaboration, avide de prendre sa revanche sur l’affaire Dreyfus, le cas de Marc Bloch montre que dès qu’il faut s’en prendre à un Juif, il se trouve toujours un préfet pour réquisitionner. Un policier pour perquisitionner. Un juge pour condamner. Un universitaire pour justifier. Un journaliste pour approuver. Un voisin pour dénoncer. Et tant d’autres pour détourner le regard.
Wie kann man das Unfassbare erklären oder zumindest deuten?
Der Präsident sagte u.a. : „Da er (i. e. Marc Bloch) nun zwischen seinem Haus in Fougères, Montpellier und Lyon hin- und herpendelte, musste er seine Bibliothek retten. Ja, seine Bibliothek, die sowohl die Vichy-Regierung als auch die Besatzer ihm beschlagnahmen wollten. 5.000 Bücher, die Marc Bloch im Laufe seines Lebens geduldig zusammengetragen hatte. Bücher des Studenten, des Professors, des Republikaners. 5.000 Bücher, die die Wahrheit über einen Mann erzählen: seine Liebe zur Literatur, seinen Wissensdurst, sein Verlangen, Wissen weiterzugeben. Also leistet Marc Bloch Widerstand gegen diese unsinnige Verfolgung, will seine Bücher, sein Leben und das, was seinem Dasein Sinn verleiht, nicht aufgeben. Also kämpft er. Er bittet Lucien Febvre, alle möglichen Kontakte zu nutzen, wendet sich an Fernand de Brinon, den Vertreter von Vichy in der besetzten Zone, schreibt an Jérôme Carcopino, einen ehemaligen Schüler seines Vaters, der nun im Dienst Pétains steht. Man hat ihm alles genommen, aber man möge ihm wenigstens seine Bücher lassen. Er bittet um nichts anderes für sich selbst, für seine Kinder. Doch nein, nichts hilft. Die Feigheit der einen und die Boshaftigkeit der anderen vereinen sich. Der Antisemitismus hat ihm seinen Beruf, seine Wohnung, sein Geld geraubt. Nun muss man ihm auch noch seine Bücher rauben. Diese werden nach Deutschland verschickt und verstreut. Und viele gehen verloren. Im Frankreich der Kollaboration, das darauf aus ist, Rache für die Dreyfus-Affäre zu nehmen, zeigt der Fall von Marc Bloch, dass, sobald man es auf einen Juden abgesehen hat, sich immer ein Präfekt findet, der beschlagnahmt. Ein Polizist, der durchsucht. Einen Richter, der verurteilt. Einen Wissenschaftler, der rechtfertigt. Einen Journalisten, der zustimmt. Einen Nachbarn, der denunziert. Und so viele andere, die wegschauen.“
Une bonne introduction :
Tout savoir, en peu de mots, mais choisis sur Marc Bloch historien du Moyen Âge, c'est aussi sur YouTube :https://t.co/eJhxnupDwQ
Marc Bloch wurde am 6. Juli 1886 in Lyon geboren. Als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter das Croix de guerre und wurde in die Ehrenlegion aufgenommen. 1921 wurde er Professor für für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Straßburg. 1936 bekommt er einen Ruf als Professor für Wirtschaftsgeschichte an die Sorbonne in Paris. 1939 wurde er wieder Soldat und war bis zur Niederlage Frankreichs im Juni 1940 Offizier. Im Oktober 1940 gelingt es ihm, in der freien Zone wieder in die Universität von Stra8burg, die nach Clermont-Ferrand übergesiedelt war, aufgenommen zu werden. 1943 schließt er sich der Résistance in Lyon an. Am 8. März 1944 wird er von der Gestapo verhaftet und gefoltert. Am 16. Juni 1944 wurde er nahe bei Lyon von der Gestapo ermordet.
> L’exposition de l’artiste Annaëlle Vanel est à découvrir au Centre Marc Bloch du 29 avril au 6 juillet, avec un vernissage suivi d’une table ronde avec Yaëlle Biro, Jan Hüsgen, Mary-Ann Middelkoop et d’une réception le 29 avril à 16h30.
1924 erschien Les Rois thaumaturges / Die wundertätigen Könige mit dem Bloch beschrieb, wieso den Königen heilende, magische Kräfte zugesprochen wurden. 1939 erschien La société féodale / Die Feudalgesellschaft von Marc Bloch.
Es wurde zu einem Meilenstein der französischen Historiographie. 1929 hatte zusammen mit Lucien Febvre die Zeitschrift „Annales. Histoire, Sciences Sociales“ gegründet. Es handelte sich um eine Neuorientierung der Geschichtsschreibung, die nun wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Strukturen in den Blick nahm. Das Stichwort, wie Fernand Braudel, es formulierte lautet die „longue durée“, das Individuum trat zurück, im Mittelpunkt stand die Geschichte der Massen über einen längeren Zeitraum hinweg. Blochs „Feudalgesellschaft“ war eine ersten Illustration dieser neuen Geschichte und sicherte ihr große Aufmerksamkeit
An der L’apologie de l’histoire ou Métier d’historien/ Apologie der Geschichtswissenschaft oder Der Beruf des Historikers (1944): „Sag mir Papa! Wozu dient eigentlich die Gechichte?“ ( S. 5) arbeitete Bloch bis zu seiner Ermordung. Es blieb ein Fragment. Nach der Entdeckung weiterer Manuskriptteile, erschien 1997 eine ergänzte Ausgabe. Dieses Buch bietet grundlegende Einblicke in das Selbstverständnis und die Denkweisen moderner Geschichtsforschung. Marc Bloch stellt die Ziele und Grenzen historischer Erkenntnis dar und führt die Methodik der Geschichtsschreibung ein.
1946 erschien der Band L’ètrange defaite. Témoignage écrit en 1940, in dem er du.a. die Gründe für die Niederlage 1940 untersucht. Im Juni 2026 wird der Historiker und Widerstandskämpfer Marc Bloch (1886–1944) in das Panthéon aufgenommen. Das Centre Marc Bloch – Ein deutsch-französisches Forschungszentrum für Geistes- und Sozialwissenschaften – bietet im Radio Marc Bloch eine Reihe von Podcasts unter dem Titel „Marc Bloch im Panthéon!“ an. In der siebten Folge der Podcast-Reihe „Marc Bloch im Panthéon!“ kommt die in Deutschland lebende Künstlerin Anaëlle Vanel zu Wort: > #7 Dialogue avec Anaëlle Vanel, artiste Photographe In diesem Gespräch geht es um das Schicksal des Manuskripts von „L’Étrange défaite“, um Marc Bloch ausgehend von einem „Nicht-Ort“ der Erinnerung zu beleuchten und die Geschichte vom Rand her zu betrachten.
Marc Bloch: Apologie der Geschichtswissenschaft oder Der Beruf des Historikers. Mit einem Vorwort von Jaques Le Geoff.
Herausgegeben von Peter Schöttler.
Übersetzt aus dem Französischen von Wolfram Bayer.
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2002.
280 Seiten.
ISBN-10: 3608941703
La panthéonisation :
L’historien et résistant Marc Bloch fut torturé, supplicié et fusillé par les nazis. Il est tombé à 58 ans en criant "Vive la France !" Emmanuel Macron a annoncé son entrée prochaine au Panthéon, saluant "son œuvre, son enseignement et son courage". ➡️ https://t.co/ZssGB7YNllpic.twitter.com/6gD9Hs7UMZ
Face à la défaite de 1940, Marc Bloch dénonce un système éducatif sclérosé, producteur de conformisme et d’élites coupées du réel, appelant à une révolution culturelle pour former des citoyens critiques et solidaires. #RéformeÉducationhttps://t.co/3zEsKaVezC
Schöttler, Peter (Hg.), Marc Bloch. Historiker und Widerstandskämpfer
Der Band ist wohl leider vergriffen.
Campus Verlag, Frankfurt am Main – New York 1999
ISBN 9783593363332