Das Fach Französisch verdient mehr Aufmerksamkeit

15. September 2011 von H. Wittmann

Zum Anklicken: Die Themen auf diesem Blog

In Rheinstetten gibt es Befürchtungen, wenn Kinder Französisch lernen, würden sie benachteiligt werden. Wieso? Ist es nicht ganz normal, die Sprache des Nachbarn zu lernen? Und der Konflikt, folgt man Jan Friedmann SPIEGEL dieser Woche (Ausgabe Nr. 37 vom 12.9.2011), könnte “in den meisten Bundesländern noch an Schärfe gewinnen.” Wird da ein Ereignis herbeigeschrieben?

Unter der Überschrift > „Shakira schlägt Jacques Brel“ berichtet Fredmann, dass deutsche Schüler lieber Französisch als Spanisch lernen wollen. Und der Untertitel von Friedmanns Beitrag legt schon seine Tendenz frei: „Doch in den Ministerien vieler Länder dominiert die Gallier-Lobby.“ Das klingt sehr abwertend, ist von wenig Sachverstand geprägt und will Rückständiges gegenüber dem Aufschwung der spanischen Sprache in deutschen Schulen suggerieren.

Fried berichtet von einer bundesweiten Stagnation des Französischunterrichts. Dem Verlust von einem halben Prozent der ca. 1 170 000 Französisch-Schülern 2005/2006 an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland steht von 2005 bis heute die Zunahme von 100.000 Schüler gegenüber, so dass jetzt in Deutschland 337.294 Schüler Spanisch lernen. Ohne Zweifel ist diese Situation ein Hinweis darauf, dass für das Fach Französisch nicht genügend getan wird.

Dem Vergleich der Schülerzahlen hinsichtlich ihrer Sprachentscheidungen folgt der Satz: „Heutige Schüler hingegen blicken zunehmend über den großen Nachbarn hinweg weiter gen Westen.“ In einem immer enger zusammenwachsenden Europa verliert Frankreich in den Augen der Schüler etwas von seiner Attraktivität, weil sich andere Horizonte auftun. Sympathien, Vorlieben, persönliche Präferenzen und mehr oder weniger genaue Informationen spielen dabei eine Rolle. Man orientiert sich gerne an irgendeinem Trend. In diesem Sinne ist dieser SPIEGEL-Artikel eine etwas flache Werbeveranstaltung für Spanisch, bei dem leider die Argumente für diese Sprache vergessen wurden, denn es werden nur Punkte angeführt, die die Nachteile von Französisch andeuten sollen: So wie „Die Sprache von Voltaire und Balzac steht im Ruf, kompliziert und grammatiklastig zu sein…,“ eine Ansicht ist, die immer gerne wiederholt wird und manchen Schülern als Entscheidungsgrundlage genügt. Solche Vermutungen gelten aber auch für andere Sprachen.

Französisch ist viel mehr als eine “Lebensform”.

Willkommene Unterstützung bekommt Jan Friedmann durch Yvonne Petter-Zimmer, Verlagsleiterein für Fremdsprachen bei Cornelsen, die er mit den Worten „Frankreich war einmal Symbol für eine erstrebenswerte Lebensform. Das ist abgelöst worden durch Spanisch,“ zitiert. Ihre Anmerkung bezieht sich möglicherweise eher auf den Absatz der eigenen Spanisch-Lehrwerke als auf einen diffusen Eindruck hinsichtlich eines Vorrangs Spaniens und übergeht allzu leichtfertig die Bedeutung der deutsch-französischen Aussöhnung für ein friedliches Europa. Als „bodenständig“ und „berufsnah“ beurteilen viele Eltern, so Friedmann die spanische Sprache „wenn die Kinder eine Ausbildung im Tourismus oder im Handel anstreben“. Das ist also mal ein Sachargument, auch wenn es nicht sticht, denn das Handelsvolumen Deutschlands mit Frankreich ist größer als mit Spanien. In anderen Fächern wie Geschichte, Literaturwissenschaft oder Philosophie muss man sich wohl doch wieder auf Französisch besinnen. Und Friedmann fügt hinzu: „Auch an vielen Universitäten wählen mehr Erstsemester Spanisch als Französisch.“ Ihr Studienfach heißt Romanistik und dies bietet seinen Studenten mehrere romanische Sprachen an. Die Präferenzen zugunsten der spanischen Sprache sind in der Romanistik, die manchmal als Sprachkurs missverstanden wird, sind nicht zu übersehen. Besinnt man sich aber wieder auf die Literaturwissenschaft und die fundamentale Bedeutung der > Literatur für die Entwicklung von Gesellschaften, wird man sich schnell wieder an Französisch erinnern müssen.

Für Französisch gab es nie eine richtige Sprachpolitik

Würde Friedmann den Beitrag der französischen Sprache und Kultur, einschließlich Literatur, Geschichte und Philosophie zum Schulunterricht und die zahlreichen Kulturabkommen zwischen Deutschland und Frankreich in den Blick nehmen, würde er nicht auf die Idee kommen von einer „Gallier-Lobby“ in den Ministerien zu sprechen, sondern viel eher ihr Fehlen und folglich auch ihre mangelnde Ausstrahlung auf die Schulen mit Recht beklagen. Im Deutsch-Französisches Kulturabkommen vom 23.Oktober 1954 heißt es : “Die hohen vertragschließenden Teile tragen, soweit irgend möglich, Sorge dafür, daß in allen Universitäten und höheren Lehranstalten ihres Gebietes Unterricht in der Sprache und Literatur des anderen Teiles veranstaltet und daß Schülern diese Sprache als erste oder zweite obligatorische lebende Sprache zur Wahl gestellt wird. Sie tragen ferner dafür Sorge, daß den Schülern der Fachschulen sowie der höheren Handels- und Gewerbeschulen die gleichen Möglichkeiten geboten werden.” zitiert von Ingo Kolboom, in: > Was wird aus der Sonderbeziehung? Plädoyer für eine neue deutsch-französische Nähe: Wider die “Normalisierung” als Diskurs der Entfremdung. (*.pdf, Erschienen in: Dokumente. Zeitschrift für den deutsch-französischen Dialog, Heft 3, Juni 2000, S. 207-214.) Auch im Deutsch-Französischen Vertrag von 1963 steht: „Die beiden Regierungen erkennen die wesentliche Bedeutung an, die der Kenntnis der Sprache des anderen in jedem der beiden Länder für die die deutsch-französische Zusammenarbeit zukommt.“ Eine wirklich „voluntaristische Sprachpolitik“ zugunsten der französischen Sprache, die Kolboom schon vor elf Jahren anmahnte, hat es in Deutschland nicht gegeben. Sein Artikel hat an Aktualität bis heute nichts verloren. Die Folgen wie die mangelnden Kenntnisse über die Chancen Europas werden immer gravierender.

blog.klett-cotta.de

Nur was man sieht, kann man auch verstehen

Im Konzept für unseren Frankreichblog steht der hehre Wunsch, er möge Schüler von der Abwahl der französischen Sprache abhalten. In den 1350 Beiträgen, die hier seit fünf Jahren verfasst wurden, finden sie viele Beiträge, deren Inhalte kaum je im Schulunterricht erwähnt werden, die aber die > deutsch-französischen Beziehungen als ein wichtiges Fundament für die europäische Einigung nachhaltig prägen. An allen großen Erfolge der EU hatten Frankreich und Deutschland erheblichen Anteil. Es reicht nicht, von einer „Lebensform“ zu sprechen. Es geht um die Literatur und die Geschichte, wie zum Beispiel das 19. Jahrhundert in Frankreich in ganz entscheidender Weise die Moderne geprägt hat. Nur wenn Schüler von der Bedeutung der französischen Sprache für Europa nichts erfahren, sondern nur mal hören, dass Französisch schwer sein soll, ist es an der Zeit, dass endlich die mit Frankreich schon lange vereinbarten Schritte zur Förderung des Sprachunterrichts unternommen werden.

> Argumente für Französisch
> Französisch entlang der Rheinschiene

Der Frankreich-Blog auf

France-blog.info auf Facebook

Follow FranceBlogInfo on Twitter

> Der Autor dieses Blogs

> Konzept unseres Blogs

> Fehler auf unserem Blog

> Impressum

> Datenschutz


Immer aktuell:

> Twittern für die deutsch-französische Kooperation

> Twittern. Frankreich und Deutschland in der EU

> Beiträge mit Aufgaben für Schülerinnen

> Froodel.eu - Entdecke Deine französische Welt

Aktuelle Themen
auf unserem Blog:

Argumente für Französisch

Apprendre l’allemand: Argumente für Deutsch

> Unsere Videos

> Unsere Videos auf Twitter

> Consultations citoyennes

> Monsieur le Président veut de nos idées! La consultation citoyenne sur la promotion de la langue française et du plurilinguisme dans le monde

> Lernen mit digitalen Medien im Französischunterricht

> Für einen Tag nach Paris 128 Fotos

> VdF-Bundeskongress an der Universität Leipzig 09. und 10. März 2018

> Themen für den Französischunterricht

> 16.1.2018
Stuttgart. Conférence Littérature des immigrés en France avec une bibliographie

> Les Vœux 2018 du Président de la République à la Jeunesse de l'Europe

> Unsere Berichte von der Frankfurter Buchmesse 2017

> Initiative pour l’Europe – Discours d’Emmanuel Macron pour une Europe souveraine, unie, démocratique. - 26. September 2017

> Rezension: Édouard Philippe, Des hommes qui lisent

> Haben Sie im Französischunterricht schon mal mit Twitter gearbeitet?

> Schriftsteller besuchen: Montaigne, Diderot, Rousseau, Stendhal, Guizot, Flaubert


2009-2017

> Fête de la francophonie Berlin 2017 - 1er avril 2017

> Digital unterrichten – Enseigner avec le numérique = Ein Handbuch für das digitale Lernen

> #Législatives2017

> #Présidentielle2017

> L’investiture d’Emmanuel Macron, Président de la République

> Die Tweets von Emmanuel Macron

> Les pouvoirs du président de la République / Die Aufgaben des Staatspräsidenten

> #Présidentielle2017. Le programme d’Emmanuel Macron

> #Presidentielle2017 : La victoire d’Emmanuel Macron

> Élection présidentielle 2017 : Candidats + campagne électoral + bibliographie + sitographie

> Bloggen für F und D

> Conférence à Montpellier, 28 février 2017. Emploi : L’accès au premier emploi en France et en Allemagne avec une bibliographie et une sitographie

> 22. Januar 2017 Deutsch-französischer Tag: Wir feiern die Unterzeichnung des Élysée-Vertrags

> Deutsch-französische Digitalkonferenz, Berlin, 13. Dezember 2016

> Existenzialismus

> >Litprom Literaturtagen 2017 – „Weltwandeln in französischer Sprache“ -mit 4 Video-interviews

> Wikipédia et la vérité

> Nachgefragt: Jean-Paul Willaime et la laïcité

> Präsidentschaftswahl 2017

> Auf nach Montpellier

> Wie kommt man am besten nach Digitalien? (II)

> Réactions: Pisa-Studie – l’enquête Pisa

> Prix des lycéens allemands 2016-2017

> Schaubühne , Berlin: Albert Camus, Der Fremde

> Vacances en France (V) Wann und wohin?

> Nachgefragt: Ministerpräsident Winfried Kretschmann antwortet auf unsere Fragen

> #JFA2017 : 22 janvier 2017 journée franco-allemande

> Nachgefragt: Nathalie Guegnard, Attachée de coopération éducative, Ambassade de France, répond à nos questions

> Rencontre pédagogique et institutionnelle à Essen du 4 au 7 oct. 2016

> Vortrag: #Brexit oder #nonBrexit?

> Brexit

> Interview mit Olaf Scholz

> 14 juillet 2016: Terror in Nizza

> Französisch in Deutschland : Interview d'Emmanuel Suard ****

> Fußball-Europameisterschaft 2016

> Der Vergleich I- XIII La comparaison

> Jacques Toubon, Défenseur des droits, parle des migrants et des réfugiés

> Un traité de l’Élysée 2.0 ?

> 29 mai 2016 : Les commémorations de la bataille de Verdun

> Nachgefragt: CNCDH

> Marcel Proust

> Die Attentate vom 13.11.2015

> Commission nationale consultative des droits de l’homme CNCDH

> Digital unterrichten

> Loi numérique 2016

> Twittern

> Bloggen für F und D

> Verdun

#COP21 auf unserem Blog

> Orthographiereform

> Napoleon III.

> Flüchtlinge-Integration

> Kurzfilm 2016

> Warum Französisch?

> Loi travail

> Open Access

> Jean-Paul Sartre

> L'étranger

> Schengen

> Deutsch-französischer Ministerrat

> La francophonie

> Digitale Agenda

> Lexikometrie


 

Diese Website speichert User-Daten  für eine Besucher-Statistik,womit der Inhalt dieses Blogs verbessert werden kann.  Falls Sie die to opt-out Option anklicken, wird ein Cookie gesetzt, das ein Jahr lang diesen Hinweis berücksichtigt. Ich stimme zu, Nein, ich stimme nicht zu.
544