Archiv für die Kategorie 'Urheberrecht'

Was liest Emmanuel Macron? Und was macht er daraus?

Dienstag, 17. Oktober 2017

Vgl. dazu: Was liest der Premierminister? > Rezension: Édouard Philippe, Des hommes qui lisent

Der Twitter Account von Emmanuel Macron >>>

–>Staatspräsident Emmanuel Macron meint es ganz ernst mit dem „Renouveau de la culture“ en Europe. In einem Interview, das er kürzlich dem Spiegel – s. hier unten – gegeben hat, berichtet er über seine literarischen Vorlieben.

Das betrifft nicht nur den digitalen Wandel, bei dem er daraufdringt, dass die Rechte der Autoren nicht vergessen werden:
Rede in der Sorbonne > Initiative für Europa: „Wenn wir heute da stehen, wo wir sind, wenn wir alle von mir vorhin erwähnten Herausforderungen bewältigt haben, wenn wir aufrecht stehen, dann deshalb, weil wir Gefühle, eine gemeinsame Kultur haben, weil diejenigen, die die etymologischen Boten dessen sind, was uns wirklich zusammenhält, die wahre Autorität in Europa, das sind die Autoren. Deshalb müssen die Urheberrechte in diesem modernen digitalen Raum verteidigt werden. Und es ist die Würde Europas, es ist seine ureigene Fähigkeit zu existieren und sich nicht in einem derartigen Bereich aufzulösen, was dazu führt, dass wir diesen Wandel nur schaffen können, wenn wir die gerechte Entlohnung aller Autoren und aller Formen künstlerischen Schaffens in der digitalen Welt verteidigen.

Sein erster Roman sei noch in der Schublade, erklärt Staatspräsident Macron den Journalisten des Spiegels. @Emmanuel Macron : Darf www.france-blog.info den als erster rezensieren?

Und der Staatspräsident berichtet über seine Lektüreliste:

G. W. F. Hegel
Kamel Daoud, Der Fall Meursault, id., Zabor
Vgl. dazu > Albert Camus, L’étranger – 14. Februar 2016
Paul Ricœur
Michel Houellebecq > Soumission
Virginie Despentes
> Günter Grass, Die Blechtrommel
Patrick Süskind, Das Parfum, Der Kontrabass
Patrick Modiano
Thomas Mann
Leïla Slimani, > Dann schlaf auch Du
Arthur Rimbaud

Da hätten wir noch eine Liste:
> Bibliographie: Auteurs dans la délégation française

Was Europa am stärksten zusammenhält, werden immer die Kultur und das Wissen sein. Denn dieses Europa, in dem jeder Europäer sein Schicksal im Profil eines griechischen Tempels oder im Lächeln der Mona Lisa erkennt, der durch die Werke von Musil und Proust in die Empfindungen ganz Europas hineinspüren konnte, dieses Europa der Cafés, von dem Steiner sprach, dieses Europa, von dem Suares sagte, es sei „ein Gesetz, eine Geisteshaltung, eine Gewohnheit“, dieses Europa der Landschaften und Folkore, von dem Erasmus, den man als seinen Lehrmeister bezeichnete, sagte, dass man jeden jungen Menschen dazu auffordern müsse, „den Kontinent zu durchstreifen, um andere Sprachen zu lernen“ und „sein wildes Naturell abzulegen“, dieses Europa, das von so vielen Kriegen und Konflikten heimgesucht wurde, was dieses Europa zusammenhält, ist seine Kultur.

Unsere Zersplitterung ist nur oberflächlich. Sie ist eigentlich unsere größte Chance. Und anstatt die Fülle unserer Sprachen zu bedauern, sollten wir daraus einen Vorteil machen! Europa soll jener Raum werden, in dem jeder Studierende bis 2024 mindestens zwei europäische Sprachen spricht. Anstatt unsere zerstückelten Gebiete zu beklagen, stärken wir lieber den Austausch! Bis 2024 soll die Hälfte einer Altersgruppe bis zu ihrem 25. Lebensjahr mindestens sechs Monate in einem anderen europäischen Land verbracht haben. Seien es Studierende oder Auszubildende. Deshalb gerade hier, wo einige Vorreiter wie in Bologna, Montpellier, Oxford oder Salamanca an die Kraft der Lehre, des kritischen Geists und der Kultur geglaubt haben, möchte ich, dass wir auf der Höhe dieses großen Entwurfs sind.

Dazu: > Europas Mehrsprachigkeit ist ein großer Trumpf – 28. September 2017

17. Deutsch-französischer Ministerrat: Die gemeinsame Erklärung zum Urheberrecht

Mittwoch, 1. April 2015

Anlässlich des > 17. Deutsch-französischen Ministerrates haben am 31. März 2015 in Berlin haben Fleur Pellerin, Ministerin für Kultur und Kommunikation, und Heiko Maas, Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz eine gemeinsame Erklärung zum Urheberrecht unterzeichnet. In der > Pressemitteilung: Deutsch-französische Erklärung zum Urheberrecht unterzeichnet des Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz wird Bundesminister Heiko Maas mit folgenden Worten zitiert: „Ich freue mich, dass jetzt auch Frankreich für eine europäische Regelung beim Urheberrecht aufgeschlossen ist. In einer digitalisierten Welt brauchen wir europaweite Rahmenbedingungen, um das Urheberrecht als Grundlage kreativen Schaffens zu fördern und zu bewahren.“

In dieser Erklärung erinnern Frankreich und Deutschland an die herausragende Bedeutung des Urheberrechts für die Förderung von kultureller Vielfalt, Kreativität und Innovation auch in der digitalen Informations- und Wissensgesellschaft. Beide Staaten betonen, die Notwendigkeit das Urheberrecht als Grundlage kreativen Schaffens zu fördern und zu bewahren, dabei seien die neuen Technologien, Geschäftsmodelle und sich verändernden Nutzungsgewohnheiten zu berücksichtigen.

Beide Minister möchten lle Anstrengungen zu unternehmen, um in Europa „einen Digitalen Binnenmarkt zu schaffen, in dem das Urheberrecht seine Rolle als Motor für Arbeitsplätze und Wachstum spielen kann, ohne seine kulturellen und sozialen Aufgaben in Frage zu stellen, unnötige Hindernisse für den Zugang zu kreativen Werken und für neue digitale Nutzungsformen zu beseitigen; einen Rechtsrahmen zu schaffen, der sicherstellt, dass Kreative für ihre Werke angemessen vergütet werden und dass kulturelles Schaffen nachhaltig möglich bleibt. Frankreich und Deutschland bekräftigen ihre Absicht, die von der Europäischen Kommission initiierte Modernisierung des Urheberrechts aktiv und konstruktiv zu begleiten,“

Es bleiben Fragen. Welchen Wert wird das Urheberrecht behalten, „seine Rolle als Motor für Arbeitsplätze und Wachstum“ behaupten soll. Zwar heißt es in der Pressmitteilung „ohne seine kulturellen und sozialen Aufgaben in Frage zu stellen“ – aber auch „unnötige Hindernisse für den Zugang zu kreativen Werken und für neue digitale Nutzungsformen zu beseitigen“ – was sind „unnötige Hindernisse“, das klingt schon nach den Verfechtern eines freien Zugangs zum Wissen, die Hindernisse gerne als unnötig bezeichnen. Gehört dazu etwa die Forderung, dabei seien „die neuen Technologien, Geschäftsmodelle und sich verändernden Nutzungsgewohnheiten zu berücksichtigen“?

> Urheberrecht: Gemeinsame deutsch-französische Erklärung (PDF, 788 KB)

> Droit d’auteur: Déclaration commune franco allemande (PDF, 834 KB)

Auf unserem Blog:

> Réformer le droit d’auteur ?

Réformer le droit d’auteur ?

Samstag, 21. März 2015

Au nom de la commission juridique Julia Reda (Membre du Parlement européeen) a publié un rapport

> PROJET DE RAPPORT sur la mise en œuvre de la directive 2001/29/CE du Parlement européen et du Conseil du 22 mai 2001 sur l’harmonisation de certa ins aspects du droit d’auteur et des droits voisins dans la société de l’information (2014/2256 (INI))

> ENTWURF EINES BERICHTS über die Umsetzung der Richtlinie 2001/29/EC des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Mai 2001 zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft (2014/2256(INI))

Sur son blog, elle explique son rapport: > Le rapport Reda expliqué

Ein Absatz fällt uns auf: „Renforcer la recherche et l’éducation“ und die Verlage und somit die Autoren schwächen?

> „19. Renforcer la recherche et l’éducation

Les détails de ce qui est permis en vertu des exceptions nationales pour la recherche et l’enseignement varient considérablement entre les États de l’UE :

bien souvent, l’exception ne couvre pas l’utilisation de formats numériques, en introduisant des charges inutiles pour les enseignants, les professeurs et les étudiants.

Exemple: l’interdiction de rendre disponible aux élèves des textes en format numérique (par exemple via l’intranet de l’école) amène souvent les enseignants à passer beaucoup de temps à faire des copies physiques des œuvres, qui sont, elles, permises par les exceptions.

Wie bitte? Ja, Kopien sind – leider – unter bestimmten Umständen erlaubt, die in der EU unterschiedlich gehandhabt werden. Ansonsten ist es nicht einzusehen, dass Verlagsprodukte der Forschung und der Schule kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Das Zirkulieren eines meiner Bücher auf einem USB-Stick ist Diebstahl. Es gibt keinen Grund, Universitäten oder Schulen mit großem Aufwand erstellte Verlagsprodukte digital zu überlassen.

> Kopieren, was das Urheberrecht erlaubt auf der Website > www.klett.de

Reicht der Gesetzgeber den kleinen Finger, wollen die Konsumenten gleich die ganze Hand, ein bisschen Kopieren, dann kann man auch gleich das Produkt digital zur Verfügung stellen.
Unsere Antwort:

Julia Reda: > „9. L’égalité des droits en ligne et hors ligne“ Das ist nicht Sache des Gesetzgebers, der Anbieter sollte über sein Distributionsmodell entscheiden können.

Wir erinnern immer wieder an > Johann Friedrich Cotta und die Rechte der Autoren und an unseren viel kommentierten Artikel auf dem Blog von Klett-Cotta: > Digital und kostenlos? Open Access vom 2. Mai 2009. Die Anhänger der Open-Access nennen immer das Argument, Forschungsergebnisse, die mit öffentlichen Finanzen gefördert wurden, sollten auch kostenlos zu haben sein. Aber, kein Forscher hat je eine mit öffentlichen Geldern geförderte Arbeit verfassen können oder ein Forschungsprojekt durch führen können, ohne vorher ganz erhebliche private Mittel die jede staatliche Förderung um ein Vielfaches übersteigen, investiert zu haben. Die Befürworter der kostenlosen Distribution via digitaler Technik entziehen den Forschern die Existenzgrundlage. Die Open-Access-Bewegung übt einen Sog aus, in den manche Autoren, die lieber selbst über den Ort ihrer Publikationen entscheiden wollen nolens volens einwilligen.

Julia Reda ist etwas vorsichtiger. Sie sagt, > 5. Les œuvres publiques appartiennent à tous. Aber auch das ist so nicht zu akzeptieren. Warum übergeht sie hier die Verlagshäuser?

> 12. Accepter la création transformatif Digiale Werke verändert werden? Bitte, wenn der Käufer oder Lizenznehmer das wünscht, aber warum sollte er sie publizieren dürfen. Redas Erklärung „Avec Internet comme moyen d’édition mondial à coût zéro, ce phénomène a entraîné une vaste révolution créative, permettant une multitude de pratiques émergentes dans lesquelles de nouvelles œuvres sont créées en transformant celles existantes“ lässt anklingen, was technisch möglich sollte erlauubt werden. Aber sie empfiehlt/erklärt: „La législation relative au droit d’auteur ne devrait pas entraver cette vague sans précédent de nouvelles expressions artistiques, et devrait reconnaître ces nouveaux créateurs comme des acteurs et des intervenants culturels valides.“ Nein, hier muss eine hieb- und stichfeste Grenze gezogen werden. Photos, Aufsätze, Zeichnungen, alle Werke, die vom Urheberrecht geschützt sind, dürfen auch nicht verändert werden.

Die Reform des Urheberrechts in Europa (I)

Dienstag, 28. Oktober 2014

Hat der designierte EU-Digitalkommissar Günther Oettinger unser letztes Tweet von gestern gelesen?

„Netznutzer“ ist sehr neudeutsch, früher sagte man Leser:

> Oettinger will Netznutzer für geistiges Eigentum zahlen lassen SPIEGEL ONLINE, 28.10.2014

„Wer geistiges Eigentum online nutzt, soll dafür zahlen:“ steht im Aufmacher des SPIEGEL-Artikels. Ist das zu weit vorausgegriffen, Internet-SF? oder will Günther Oettinger die Kostenlos-Kultur im Internet beenden? Das wärs: Jeder Seitenaufruf könnte auf dem Blog 10-20 Cent bringen? Würde der Wert der Seite und damit die Einnahmen auch gleich steigen? Mit einem Finanzpolster würde der Blog noch besser, fehlerfrei und noch ein bisschen schneller werden. Handy, und Firmenwagen wären auch drin. – „nutzt“ = liest oder verwertet… na, das wird Herr Oettinger noch klären. Stellen Sie sich vor, Googles-Augenbrille wäre mit Ihrem Bankkonto verbunden, jeder Blick auf eine Website zieht bei Ihnen etwas ab, für jeden Blick auf Werbung oder Aufmerksamkeit, die sie jemandem zollen, kriegen Sie was… das wird Herr Oettinger in einem Jahr nicht auf die Reihe kriegen.

Noch nicht mal richtig im Amt, will der künftige EU-Kommissar das Urheberrecht in Europa bis 2016 mit einem neuen Gesetzentwurf beglücken. Einen Entwurf wird er vielleicht wirklich vorlegen, aber damit sind die Abstimmungen zwischen den Konzernen und den Urhebern und denen, die Nutzungsrechte haben wollen, bestimmt erst am Anfang.

> Frank Schmiechen meint, Jaron Lanier würde “ziemlichen Unsinn” reden – auf dem Blog von Klett-Cotta.

Auf unserem Blog:

> Die gemeinsame Erklärung von VS – Verband deutscher Schriftsteller und der Société des Gens de Lettre (SGDL)

> Französische Botschaft lud zum Forum „Zukunft des Buches, Zukunft Europas“

> Google fordert uns alle heraus

> Die Rede des Staatspräsidenten an die Vertreter der Buchbranche in Frankreich

> Leistungsschutzrecht

> Livre numérique (II) – E-Book

> Frankreich: Die französische Regierung plädiert für eine Digitalisierung des europäischen Kulturerbes nach französischem Modell

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