Archiv für die Kategorie 'Rassismus'

Lesebericht: Jean-Paul Sartre, Überlegungen zur Judenfrage

Dienstag, 26. November 2019

Jean-Paul Sartre (1905-1980) hat das Manuskript Überlegungen zur Judenfrage im Oktober 1944 geschrieben. Anlässe, wie den Anschlag in Halle am 9. Oktober 2019, gibt es leider wieder genügend, um es heute noch einmal zu lesen. Der Anfang dieses Manuskripts, das „Porträt des Antisemiten“, wurde im Oktober 1944 in Les Temps Modernes gedruckt, bevor das ganze Buch 1946 erschien.

Sartres Überlegungen zur Judenfrage sind als psychologische Analyse des Antisemiten auch heute ein äußerst wichtiger Beitrag, um unser Bewusstsein zu schärfen, mit dem wir dem dumpfen und zugleich so gefährlichen Antisemitismus, der sich zuletzt in Deutschland mit dem Anschlag auf die Synagoge in Halle gezeigt hat, entschlossener denn je entgegentreten müssen.

Auf unserem Blog:

> Die Demonstrationen gegen den Antisemitismus am 19.2.2019 in Paris und überall in Frankreich – 19. Februar 2019

> Antisemitismus. Die Schändung des Friedhofs in Quatzenheim – 19. Februar, 2019

> Demonstration der “Gelben Westen” am 16.2.2019: Demonstranten beleidigen den Philosophen Alain Finkielkraut – 18. Februar 2019

> Die Zahl der antisemitischen Vorfälle in Frankreich ist 2018 um 74% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen – 19.2.2019

> La CNCDH a publié son 27e rapport sur la lutte contre le racisme sous toutes ses formes – 13.4.2018

> Nachgefragt. CNCDH: Le rapport sur la lutte contre le racisme, l’antisémitisme et la xénophobie – 6.5.2016

Bibliographie zur Erinnerungskultur: > Antisemitismus heute

Die von Vincent von Wroblewsky, dem Präsidenten der Sartre Gesellschaft, vorgelegte deutsche Übersetzung enthält viele weitere Texte, Artikel, Reden Sartres und Interviews mit ihm zu diesem Thema.

Die Überlegungen zur Judenfrage (1) sind in vier Abschnitte unterteilt. Im ersten Abschnitt untersucht Sartre die Haltung des Antisemiten. Wenn jemand das Unglück des Landes oder sein eigenes Unglück Juden zuschiebe und gar noch ihre Rechte einschränken, sie des Landes verweisen oder sie gar ausrotten wolle, sage man, er habe antisemitische Meinungen. Der Antisemit nehme die Meinungsfreiheit in Anspruch, um sich gegen die Juden zu wenden. Das bestreitet Sartre, eine solche Meinung sei nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Der Antisemitismus sei keine Denkweise, er sei eine Leidenschaft. Es folgt eine Reihe von Beispielsituationen, in denen die kritische Einstellung zu Juden untersucht wird. Auch der Blick in die Geschichte vermittelt keinen weiteren Aufschluss. Bis 1789 wurden die Juden unterdrückt, danach partizipierten sie am Leben der Nation, ohne durch Verrat o. ä. aufzufallen. Bleibt nur zu beobachten, dass lediglich die Idee oder die Auffassung, die man von Juden hat, ihre historische Stellung bestimmen. Der Antisemitismus sei eine freie und totale Wahl, eine Haltung, die man den Juden gegenüber einnehme. Diese Merkmale gleichen sich bei den Antisemiten, bilden eine „synkretische Totalität“. Die Wahl, Antisemit zu sein, bedeute auch, den Hass zu wählen. Sie sind sich ihrer Sache gewiss; Zweifel lässt der Antisemit nicht zu. Er kann nicht allein sein. Ihm reicht das Mittelmaß, die Intelligenz wird den Juden überlassen. Zugleich entwickelt der Antisemit einen Drang nach Gleichheit, die ihm hilft, Differenzierungen zu meiden. Allein kann der Antisemit nicht handeln. Er nimmt politische Unordnung in Kauf und gibt damit zugleich jede Verantwortung auf.


France-Culture, 29.2.2016
> L’antisémitisme (1/4). Réflexions sur la question juive de Sartre:
“L’antisémitisme n’est pas un problème juif : c’est notre problème”; “Si le Juif n’existait pas, l’antisémite l’inventerait” écrit Sartre dans ses Réflexions sur la question juive. Questions d’une étonnante actualité, posées par Sartre et présentées par Hadi Rizk.


Der letzte Abschnitt resümiert seine Analyse und unterstreicht den so notwendigen Kampf gegen den Antisemitismus. Heute aktueller denn je. [… ] Bitte weiterlesen.

Der vollständige > Lesebericht: Jean-Paul Sartre, Überlegungen zur Judenfrage steht auf dem Blog der Sartre Gesellschaft.

> Groupe d’études sartriennes

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