Hörensagen: “Das Europa der Vaterländer”

22. Januar 2018 von H. Wittmann



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Unsere Redaktion hat wichtige Aussagen de Gaulles zu Europa auf Französisch und Deutsch hier dokumentiert: > Ein vereintes Europa – Une Europe unie – auf dem Weg zu einer Konföderation – 16. Mai 2019


Wenn die Fraktionsvorsitzende der AfD, Alice Weidel, heute im Deutschen Bundestag das “Europa der Vaterländer” zitiert hat, das man gerne – wenn es passt – dem früheren > Staatspräsidenten Charles de Gaulle in den Mund legt, um auf dieses Zitat ihre Rede gegen Europa aufzubauen, müssen wir doch mal nachprüfen, ob das Fundament ihrer Rede stimmt, vielleicht hat ja de Gaulle etwas anderes gemeint, etwas anderes gesagt. Es geht um die Staaten, die im Sinne de Gaulles (nicht der AfD) Europa bauen. Lesen wir nach. Faktencheck:

“Europa der Vaterländer” klingt nach Abschottung, klingt nach Nationalismus, klingt nach Abwehr von Europa, suggeriert, dass de Gaulle genauso total gegen Europa war, wie die AfD es heute ist. Im übrigen, und das sei hier angemerkt, hatte de Gaulle 1963, als er Bundeskanzler Adenauer in Paris den Elysée-Vertrag vorschlug, weit mehr im Sinn, nämlich eine Art politische Union mit Deutschland, der der Bundestag mit einer Präambel zum Ratifizierungsgesetz des deutsch-französischen Vertrages, die die Verpflichtung zu engen politischen, wirtschaftlichen und verteidigungspolitischen Beziehungen mit den USA, Großbritannien und der NATO unterstrich. Beides Absichten, die de Gaulle mit dem Vertrag eigentlich durchkreuzen, wenn nicht zumindest schwächen wollte.
Lesen wir bei dem Journalisten nach der die IV. und die V. Republik und als Begründer des ARD-Studios in Paris ein ausgewiesener Kenner der Deutsch-französischen Beziehungen und Korrespondent der ARD in Paris war: Ernst Weisenfeld > Zum Tee bei Ernst Weisenfeld – 21. Januar 2008 und > Zur Erinnerung an Ernst Weisenfeld – 7. Januar 2014. Ernst Weisenfeld berichtet in seinem Buch Charles de Gaulle. Der Magier im Elysee, München: Beck 1990 über die Pressekonferenz de Gaulles am 15. Mai 1962: – > Conférence de presse du 15 mai 1962 (questions européennes)

De Gaulle ließ er sein Misstrauen gegenüber einer Integration erkennen, die von den USA inspiriert wäre. Und er fügte hinzu: “Sehen Sie, wenn man von großen Dingen spricht, denkt man gern an die Wunderlampe, die Aladin nur zu reiben brauchte, um der Wirklichkeit entrückt zu werden. Doch es gibt keine Zauberformel, die es ermöglichte, etwas so Schwieriges wie ein geeintes Europa zu schaffen. Machen wir darum die Realität zur Grundlage des Gebäudes. Und wenn wir diese …” Und Weisenfeld kommentiert: “Die realen Grundlagen der Europäischen Einigung waren für ihn die Staaten mit ihren unterschiedlichen Interessen:” De Gaulle “Gibt es ein Frankreich, ein Deutschland, ein Italien, ein Holland, ein Belgien und ein Luxemburg, die bereit wären, in einer für sie unter nationalen oder internationalen Gesichtspunkten wichtigen Frage etwas zu tun, was sie für schlecht halten, weil andere es ihnen befehlen? Würden sich das französische, das deutsche, das italienische, das holländische, das belgische und das luxemburgische Volk Gesetzen unterwerfen, die von fremden Abgeordneten beschlossen worden wären und die vielleicht im Gegensatz zu ihrem innersten Wollen ständen?Das gibt es nicht. Es ist zur Stunde nicht möglich, eine Nation, die sich sträubt, einer ausländischen Mehrheit zu unterwerfen.” “Die Autorität, Gesetze und Anordnungen für Völker zu beschließen, hätten nur die Regierungen,” fügt Weisenfeld hinzu
“In diesem Zusammenhang ging er auf die Formel vom «Europa der Vaterländer» ein, die ihm oft in den Mund gelegt wurde. Er habe sie nie gebraucht. (De Gaulle:)’Das will nicht heißen, daß ich mein Europa verleugne. Im Gegenteil: Ich bin ihm stärker verbunden als je zuvor. Außerdem glaube ich nicht, daß Europa eine lebendige Einheit werden kann, wenn es nicht Frankreich mit seinen Franzosen, Deutschland mit seinen Deutschen, Italien mit seinen Italienern usw. umfaßt. Dante, Goethe und Chateaubriand gehören ganz Europa, gerade weil sie in erster Linie Italiener, Deutsche und Franzosen waren. Sie hätten Europa keinen großen Dienst erwiesen, wenn sie Staatenlose gewesen wären und in irgendeinem integrierten oder <Volapük> gedacht und geschrieben hätten.
Es ist nun mal so, daß Vaterland ein menschliches, gefühlsmäßiges Element darstellt und daß Europa nur auf Elemente der Aktion, der Autorität, der Verantwortung aufgebaut werden kann. Welche Elemente? Nun die Staaten! Denn es gibt nichts anderes als die Staaten, die zuständig, legitimiert und in der Lage wären, in dieser Hinsicht etwas zu verwirklichen. Ich sagte es bereits, und ich wiederhole es: Außer dem Europa der Mythen, der Phantasie und des Scheins ist zur Zeit kein anderen möglich als das der Staaten.'” Gaulle, id., Charles de Gaulle, op. cit., S. 48f.)

Kann es sein, dass Ernst Weisenfeld sich irrt, hat er ein Dokument übersehen? Fragen wir doch de Gaulle: Anlässlich einer Pressekonferenz am 15. Mai 1962 erklärte der Staatspräsident: > https://www.ina.fr/video/I00012372

Zum Mitlesen und Mitschreiben: ” Vous allez être assez étonnés, mais je n’ai jamais, quant à moi, dans aucune de mes déclarations, parlé de l’Europe des patries, bien qu’on prétende toujours que je l’ai fait. Ce n’est pas, bien sûr, que je renie, moi, la mienne, bien au contraire. Je lui suis attaché plus que jamais. Et d’ailleurs, je ne crois pas que l’Europe puisse avoir aucune réalité vivante si elle ne comporte pas la France avec ses Français, l’Allemagne avec ses Allemands, l’Italie avec ses Italiens, etc. Dante, Goethe, Chateaubriand appartiennent à toute l’Europe dans la mesure-même où ils étaient respectivement et éminemment italiens, allemands et français. Ils n’auraient pas beaucoup servi l’Europe s’ils avaient été des apatrides et qu’ils avaient pensé, écrit en quelque esperanto ou volapük intégré. Alors, il est vrai que la patrie est un élément humain sentimental et que c’est sur des éléments d’action, d’autorité, de responsabilité qu’on peut construire l’Europe.” Quelle: > https://fresques.ina.fr/de-gaulle/fiche-media/Gaulle00078/conference-de-presse-du-15-mai-1962-questions-europeennes.html

Wie stellt sich de Gaulle die Entwicklung Europas vor? In seinem Sinne waren die Staaten dafür zuständig. SIe, so darf man ihn interpretieren müssen erstmal ihre Hausaufgaben erledigen, dann wird man weitersehen: “Voyez-vous, quand on évoque les grandes affaires, et bien, on trouve agréable de rêver à la lampe merveilleuse, vous savez, celle qu’il suffisait à Aladin de frotter pour voler au-dessus du réel. Mais il n’y a pas de formule magique qui permette de construire quelque chose d’aussi difficile que l’Europe unie. Alors, mettons la réalité à la base de l’édifice. Quand nous aurons fait le travail, nous pourrons nous bercer aux contes des Mille-et-une nuits.” In dieser Pressekonferenz erklärt er auch seine Vorstellung von Europa: “Et d’ailleurs, je ne crois pas que l’Europe puisse avoir aucune réalité vivante si elle ne comporte pas la France avec ses Français, l’Allemagne avec ses Allemands, l’Italie avec ses Italiens, etc. Dante, Goethe, Chateaubriand appartiennent à toute l’Europe dans la mesure-même où ils étaient respectivement et éminemment italiens, allemands et français. Ils n’auraient pas beaucoup servi l’Europe s’ils avaient été des apatrides et qu’ils avaient pensé, écrit en quelque esperanto ou volapük intégré.” Mit den Staaten werde Europa gebaut: “Alors, il est vrai que la patrie est un élément humain sentimental et que c’est sur des éléments d’action, d’autorité, de responsabilité qu’on peut construire l’Europe. Quels éléments ? Et bien, les Etats.”

> Conférence de presse du 15 mai 1962 (questions européennes):

> Charles de Gaulles. Paroles publics – INA

Vorgeschichte und Entstehung des Deutsch-Französischen Vertrags: Vgl. Giilbert Ziebura, Die deutsch-französischen Beziehungen seit 1945. Mythen und Realitäten, überarb. und akt. Neuausgabe, Stuttgart, Klett-Cotta 1997, S. 137-171.

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