Der Élysée-Festvortrag in Stuttgart:
Hélène Miard-Delacroix,
Eintracht, Effizienz, Exemplarität? Die deutsch-französischen Beziehungen auf dem Prüfstand

25. Januar 2013 von H. Wittmann



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Am Donnerstag, 24.01.2013 hat die Professorin Hélène Miard-Delacroix im ausgebuchten Max-Bense-Forum der > Stadtbibliothek Stuttgart den schon traditionell gewordenen Festvortrag zum Jubiläum des Élyseevertrages gehalten, der jährlich von der Stadtbibliothek und dem > IZKT der Universität Stuttgart veranstaltet wird. Aus der Ankündigung des IZKT: “Frankreich und Deutschland entschieden sich nach 1945 für die Zusammenarbeit und leisteten im Laufe der Jahre einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau Europas. Der 50. Jahrestag der Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags ist Anlass, hinter die Kulisse zu schauen, den Mythos der deutsch-französischen Effizienz in Europa zu hinterfragen und die Frage nach der Übertragbarkeit des deutsch-französischen „Modells“ zu erörtern. Prof. Hélène Miard-Delacroix wird in ihrem Vortrag den Stand der deutsch-französischen Beziehungen kritisch und zugleich perspektivenreich mit Ausblicken auf die Zukunft analysieren.”

Frau Susanne Laugwitz-Aulbach, die Leiterin des Kulturamtes begrüßte den Gast des Abends, Hélène Miard-Delacroix, bedankte sich bei Dr. Paul Theiner für die Unterstützung der DVA_Stiftung, begrüßte den französischen Konsul Michel Carbonnier und den Direktor des IZKT, Prof. Dr. Wolfram Pyta. Zu Recht hob sie die günstigen Synergieeffekte gelungener Netzwerkarbeit hervor.

Dr. Peter Theiner (DVA-Stiftung) erinnerte in seiner Begrüßung an die deutsch-französische Verständigung, die 1945 nicht aus dem Nichts kam, sondern Mittlern wie u .a.Joseph Rovan, der im Oktober 1945 den Aufsatz > “L’Allemagne de nos mérites” verfasst hatte, zu verdanken ist. In diesem Zusammenhang erinnerte Theiner auch an Robert Bosch und Paul Distelbarth.

Vgl. > La réconciliation franco-allemande après 1945 – auf diesem Blog

Michel Charbonnier, Generalkonsul und Direktor des > Institut Français in Stuttgart wies auf die enge Beziehung zwischen den engen Zusammenhang zwischen den deutsch-französischen Beziehungen zugunsten Europas und auf die europäische Einigung hin, die die deutsch-französischen Beziehungen günstig beeinflussen. Er erinnerte an das deutsch-französische Jahr, dass mit der > Würdigung der Rede de Gaulles am 22. September 2012 in Ludwigsburg begonnen habe und mit der Feier zum 50. Jahrestag des > Deutsch-französischen Jugendwerks DFJW in Paris am 5. Juli 2013 enden werde.

Prof. Dr. Wolfram Pyta, Direktor des IZKT und Professor am Historischen Seminar der Universität Stuttgart begrüßte den Gast des Abends und wies auf die Aufgaben des Historikers hin, der das rechte Maß für sein Urteil sich immer wieder neu erarbeiten müsse. Es müsse ihm um die Selbstgewisserung gehen, aus der heraus sich Strukturen und Konturen herauskristallisieren könnten, die Entscheidungsträgern etwas mit auf den Weg geben könnten. Professor Pyta stellte seine Kollegin Hélène Miard-Delacroix, die den Lehrstuhl Histoire et Civilisation de l’Allemagne contemporaine an der Pariser Universität Sorbonne innehat, vor. Sie wurde 1989 mit einer Arbeit über « Le Chancelier Helmut Schmidt et la France 1974-1982 » promoviert und habilierte sich 2002 mit einer Arbeit « La question nationale allemande et les relations politiques de la République fédérale d’Allemagne avec la France, 1949-1990 » an der Université de Paris IV Sorbonne.

Hélène Miard-Delacroix stellte das Jahr 1963 als ein Jahr einer bestimmten Zäsur in Frage. 1963 könne zwar als ein Wendepunkt beschrieben werden, die wichtigsten Anstöße für die deutsch-französische Aussöhnung kamen aber von > Mittlern wie Joseph Rovan (1918-2004) die auf die Verantwortung gegenüber Deutschland hinwiesen: “Ein Geist, der die folgende Erfolgsgeschichte prägte.” Wird 1963 als ein Wendepunkt und > fälschlicherweise als der Beginn der deutsch-französischen Aussöhnung begriffen, kann der Historiker zeigen, dass eine solche Einschätzung auch dazu führen kann, den zunächst zu konstatierenden Misserfolg des Vertrages zu übersehen. “Historiker sind dazu da zu stören,” Hélène Miard-Delacroix erinnerte an die Präambel, die der Bundestag der Ratifizierung des Élysée-Vertrages voranstellte und an das Schweigen Erhards gegenüber den Vorschlägen Charles de Gaulles. Der Vertrag wurde aber dennoch ein Erfolg, weil er eine Institutionalisierung oder zumindest einen festen Kalender für deutsch-französische Begegnungen auf allen Ebenen vorsah, denen keine Regierung sich mehr entziehen konnte.

Wir müssen heute der Jugend, die allenfalls das Tandem Merkel-Sarkozy noch kennt, erzählen, wie aus Erbfeinden Freunde geworden sind. Das war kein Geschenk Gottes, sondern ein mühsamer Prozess mit Rückschlägen aber auch gestützt durch die europäische Entwicklung. Kein Zweifel, die deutsch-französischen Beziehungen beeinflussten günstig die europäische Einigung, wie diese umgekehrt die deutsch-französische Kooperation förderte.

Aussöhnung? Miard-Delacroix erinnerte an > Alfred Grosser, der diesen Ausdruck immer in Frage stellt. Können Völker sich versöhnen? Keineswegs waren alle Franzosen Gegner Deutschlands, genauso wie nicht alle Franzosen Widerstandskämpfer waren. Im übrigen ist die deutsch-französische Annäherung in der Zwischenkriegszeit gescheitert, weil sie eine Sache der Eliten geblieben war. Nach 1945 haben französische Intellektuellen die Annäherung mit Deutschland in allen Schichten des französischen Volkes getragen.

Der Vertrag von 1963 enthielt Spielregeln für die praktische Zusammenarbeit. Er wurde nicht en détail beachtet, aber sein Geist machte ihn zur Grundlage für ein geregeltes Miteinander, auch in wichtigen Fragen der Außenpolitik. Miard-Delacroix meint, insgesamt sei seine Umsetzung gelungen, wenn auch der militärische Teil des Vertrages erst in de 80er Jahren die entsprechende Aufmerksamkeit bekam.

Besonders interessant waren Miard-Delacroix’ Erklärungen zur deutsch-französischen Methode, die sich aus der Zusammenarbeit der französischen Tandems herausgebildet hat: 1. Ermittlung der unverzichtbaren Parameter, 2. Identifizierung der unterschiedlichen Interessen, 3. Festlegen der konkreten gemeinsamen Vorgehensweise. Wir lassen unsere Meinungsunterschiede nicht von anderen entscheiden, soll Mitterrand gesagt haben. Die Nichtanwendung der deutsch-französischen Methode führte zum Krach auf dem Gipfel in Nizza.

Der Vortrag von Hélène Miard-Delacroix zeigte ihre beeindruckende Sachkenntnis, führte aber auch das Potential der deutsch-französischen Kooperation zugunsten Europas deutlich vor Augen.



Deutsch-französische Beziehungen : Elyéee-Vertrag
– Website www.romanistik.info

> Bibliographie zum 50. Jahrestag des Élyséevertrags

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