Wir gratulieren Alfred Grosser zum 99. Geburtstag

nullAlfred Grosser (Jg. 1925) erhält jedes Jahr einen Geburtstagsgruß auf unserem Blog, nachdem unsere Redaktion mit ihm seinem 90. Geburtstag in der Französischen Botschaft in Berlin feiern durfte. Heute wird er 99 Jahre alt. Wir gratulieren sehr herzlich.

Seine Vorlesungen 1976-1978 im Institut d’Études politiques (Sciences-po) sind mir in bester Erinnerung geblieben. Rue St. Guillaume, Mercredi 10:00: Introduction à l’étude de la vie politique, jeudi 10:00 : L’Allemagne de notre temps. Und später Vorlesungen zur politischen Aktualität, die er eine Woche vorher immer ankündigte.

Nach einer Vorlesung fragte er mich, haben sie dieses Buch schon? Und signierte sogleich „Wie war es möglich? Die Wirklichkeit des Nationalsozialismus“, München: Hanser 1978: „Pour… en souvenir d’une réflexion commune à Sciences-Po, A.G.“

Unser Kontakt riß nie ganz ab. Seine Vorlesungen, seine Bücher, seine Vorträge haben die Idee zu unserem Blog inspiriert. 4000 Artikel… das Ergebnis seiner Lehre.

> Alfred Grosser auf unserem Blog.

> Joyeux anniversaire, Alfred Grosser! – site du DFI, Ludwigsburg

Wir gratulieren Alfred Grosser zum 98. Geburtstag

Unsere Redaktion gratuliert Professor Alfred Grosser sehr herzlich zu seinem 98. Geburtstag.

Wir sind uns im Herbst 1976 zum ersten Mal im Institut d’Études politiques in Paris im Rahmen seiner Vorlesung über Deutschland und gleich am nächsten Tag “Introduction à l’étude de la vie politique” begegnet. Alfred Grosser ist Zeitzeuge und Mittler. Immer wieder erklären, den Standpunkt des Anderen zur Kenntnis nehmen, verstehen und vermitteln. Damals hatte ich dieses  Taschenbuch Wider den Strom: Aufklärung als Friedenspolitik, Erste Auflage dieser Ausgabe. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag 1976, bei mir, dessen Titelblatt Alfred Grosser bei seiner Rede als Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 1972 zeigte.

1948 gründete er zusammen mit Emmanuel Mounier u.a. unter ihnen Joseph Rovan das > Comité français d’échanges avec l’Allemagne nouvelle und bekommt damit einen entscheidenden Einfluss auf die deutsch-französische Wiederannäherung nach dem Zweiten Weltkrieg.

“Erklären, immer wieder erklären, geduldig erklären…” hat Alfred Grosser uns in seinen Vorlesungen eingeschärft. Die deutsch-französischen Beziehungen, die er seit 1948 als Akteur, Publizist und Hochschulprofessor so nachdrücklich mitgeprägt hat, benötigen auch heute den ständigen Austausch. Aber heute ist das Wunder nach drei blutigen Kriegen längst vollbracht: Kein anderes Staatenpaar in der Welt unterhält so enge, so vielfältige und so freundschaftliche Beziehungen wie Deutschland und Frankreich: Es gibt kein ein anderes Länderpaar auf der Welt, das eine so enge Verflechtung miteinander aufweist, wie Frankreich und Deutschland. Die Schulaufgabe: “Erstellt bis morgen eine Liste der deutsch-französischen Organisationen”, ist von einer Klasse bis morgen nicht lösbar, da müsste man schon eine ziemlich lange Unterrichtsreihe ansetzen, um halbwegs vollständig die gesamte Zahl aller deutsch-französischen Vereinigungen, Städtepartnerschaften, Organisationen, Vereine, Institute und Institutionen, Gremien, Verbände u.s.w. aufzulisten…” > Macht doch mal eine Liste aller deutsch-französischen Organisationen…  – Unser Blog mit seinen 4000 Artikeln zeigt davon nur einen kleinen Ausschnitt. Die Inspiration zu diesem Blog verdankt unsere Redaktion der Erinnerung an die Vorlesungen von Alfred Grosser im Institut d’Etudes Politiques (Sciences Po) in Paris.

Oft haben wir nach den Vorlesungen zusammen gesprochen. Zwei Jahre lange habe ich bei ihm Vorlesungen gehört, u. a. auch die überfüllten Vorträge zu Fragen der aktuellen Politik. Immer wenn er wie soft nach Deutschland reiste, wünschte er auch eine Begegnung in einer Schule, um mit Schülern zu diskutieren: > Diskussionsrunde mit Alfred Grosser im Rückert-Gymnasium, Berlin – 11. Februar 2015.

> Alfred Grosser parle de Notre-Dame de Paris 17. April 2019

Am 3. Juli 2014 hat er im Bundestag gesprochen > Gedenkstunde im Bundestag: 1914-1918 mit Alfred Grosser

Am 1. Januar 2019 erhielt der das Großkreuz der Ehrenlegion. Die Verleihung durch Staatspräsident Emmanuel Macron : > Alfred Grosser : Herzlichen Glückwunsch zum Großkreuz der Ehrenlegion – 25. Juni  2019.

Ing Kolboom hat an das > Interview der Deutschen Welle mit Alfred Grosser, “…mit diesem großen deutsch-französischen Brückenbauer vom 11.11.2018, hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs” erinnert.

Wir zitieren hier einen Brief (veröffentlicht auf der Website des > Alfred Grosser Schulzentrums in Bad Bergzabern), den Alfred Grosser 1980 an Neusser Gymnasiasten gerichtet hat:

Liebe Neusser Gymnasiasten!

Es antwortet Euch ein glücklicher Mensch, der Euch in ein paar wenigen Sätzen andeuten möchte, wie das so mit der Freude am Leben gekommen ist.

Meine erste „Erfahrung“ war, als kleiner Judensohn in einer Frankfurter Schule von achtjährigen Kameraden so verprügelt zu werden, daß ich ins Krankenhaus mußte. Geistige Spuren sind nicht geblieben – außer der Überzeugung, man muß Verführte aufklären, denn die Schuldigen sind die Verführer. Mit 9 kam ich nach Frankreich und habe mich schnell eingelebt, habe aber dabei nie den Kontakt zur deutschen Sprache und Kultur verloren: Man soll offen sein für jeden geistigen Reichtum, auch wenn im Namen eines Volkes Massenmorde vollbracht werden.

Die grausamen Seiten der Kriegszeit haben mich zweierlei gelehrt. Als ich erfuhr, daß ein Teil meiner Familie in Auschwitz umgekommen war, entdeckte ich, daß ich nie eine Menschengruppe (die Deutschen) für kollektivschuldig halten würde, daß ich aber nach dem Krieg für den Aufbau eines anderen Deutschlands mitverantwortlich sein würde, eben weil ich unter dem verbrecherischen gelitten hatte. Und das Gefühl der Mitverantwortlichkeit, das zum Mitwirken führt, ist beglückend.

Und dann habe ich in Marseille, nach einem Bombenangriff, so viele Leichen und verkrüppelte Menschen gesehen, daß ich seitdem alle Dinge im Vergleich zum Tod und zum Elend sehe. Das Glücklichsein erreicht man auch durch den Vergleich (oft mit schlechtem Gewissen!) mit denen, die weniger haben.

Sich eifersüchtig mit denen zu vergleichen, die mehr haben, macht unglücklich. Übrigens: Neid wie Haß, wie Bitterkeit bedeuten Zeitverlust. Denn es bleibt uns wenig Zeit bis zum Tode – und diese Zeit sollten wir nicht mit unnützen Dingen vergeuden!

In späteren Jahren habe ich dann viel äußeres Glück gehabt – im Berufsleben und im Privatleben. Meine Mutter war zugleich meine Mitarbeiterin in der deutsch-französischen Arbeit bis zu ihrem Tod 1968. Ich habe 1959 eine meiner Doktorandinnen geheiratet (die Dissertation ist nie fertig geworden …), und unser Honigmond ist noch nicht beendet. Unsere vier Söhne (19, 16, 11 und 10 Jahre) bringen Freude und Sorgen (je älter sie werden, desto mehr Sorgen …), aber das Grundelement der Freude ist bis jetzt geblieben, weil der gegenseitige Respekt zusammen mit der Liebe geblieben ist. (Übrigens, was ist Liebe? U.a. daß man sich darauf freut, später zusammen alt werden zu dürfen!)

Ich bin mir meiner Privilegien wohl bewußt: Ich stamme aus einer privilegierten Familie, die Kultur und Selbstsicherheit zu vermitteln hatte. Ich habe einen schönen Beruf – und bin dabei sogar Beamter, d.h. daß ich nicht arbeitslos werden kann. Ich bin gesund, und Frau und Söhne sind unversehrt. Aber es geht auch um eine Grundeinstellung (für die ich wenig kann: sie ist weitgehend angeboren; ich versuche aber doch, sie durch Selbstkontrolle aufrecht zu erhalten): Zufrieden sein, ohne sich zufriedenzugeben, so viel Freude wie möglich zu empfangen und zu geben …

So, nun macht mit dieser Predigt, was ihr wollt …

Herzliche Wünsche für‘s Abitur
Alfred Grosser

Deussen Christiane, Miard-Delacroix Hélène, Mion Frédéric et al., « Hommage à Alfred Grosser à l’occasion de son 90e anniversaire », Allemagne d’aujourd’hui, 2015/2 (N° 212), p. 53-61. DOI : 10.3917/all.212.0053.  > www.cairn.info/revue-allemagne-d-aujourd-hui-2015-2-page-53.htm

Auf unserem Blog:

> Brexit, Europe, Paris et Berlin: Alfred Grosser répond à nos questions – 19. April 2019

> Alfred Grosser parle de Notre-Dame de Paris 17. April 2019

Über sein Leben > Die Freude und der Tod. Eine Lebensbilanz. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2011

> Die deutsch-französischen Beziehungen und die Europapolitik. Ein Gespräch mit Alfred Grosser – 13. September 2013

Alfred Grosser hat Geburtstag

Wir gratulieren Alfred Grosser zu seinem 92. Geburtstag am 1. Februar 2017.

Sein Buch L’Allemagne de notre temps, Paris : Fayar 1970 un dann in vielen Auflagen auch auf Deutsch: Deutschlandbilanz. Geschichte Deutschands seit 1945, München: Hanser 4/1972. Sein Buch Wider den Strom. Aufklärung als Friedenspolitik mit seiner Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1975 hatte ich wohl in der Tasche als ich 1976 begann, bei Alfred Grosser im Institut d’Études politiques in Paris zwei Jahre lang Vorlesungen zu hören.

In dieser Zeit gab er das Les leçons sur le nazisme, Paris : Fayard 1976 heraus, das kurz darauf auf Deutsch erschien: Wie war es möglich? Die Wirklichkeit des Nationalsozialismus. Neun Studien, hrsg. v. A. Grosser, München: Hanser 1977. Nach einer Vorlesung: „Haben Sie das schon?“ Und eine Widmung bekam ich auch dazu. Und aus den Vorlesungen 1976-1978 entstand der Band: Les Occidentaux. Les pays d’Europe et les États-Unis depuis la guerre, Paris : Fayard 1978. Später Affaires extérieures. La politique de la France 1944/1984, Paris : Flammarion 1984. Selbst auf Wikipedia steht nur eine > Auswahl seiner umfangreichen Bibliographie. Le sel de la terre. Pour l’engagement moral, Paris: Seuil 1981. 1989 erschien Vernunft und Gewalt. Die französische Revolution und das deutsche Grundgesetz heute, München: Hanser.

In diesem Monat erscheint im Verlag J.H. Diez sein Buch > Le Mensch. Die Ethik der Identitäten, ca. 240 Seiten, ca. 24,90 Euro ISBN 978-3-8012-0499-0.

Wir gratulieren Alfred Grosser zum Geburtstag

Heute feiert Alfred Grosser in Paris seinen 91. Geburtstag. Wir gratulieren sehr herzlich.

Als Student in seinen Vorlesungen zwei Jahre lang ab Oktober 1976 im I.E.P. in Paris (Sciences Po) – meistens mittwochs und donnerstags um 10 h – „L’Allemagne de notre temps“, „Introduction à la l’Étude de la vie politique“, „La politique extérieure de la France“ und „Questions de l’actualité“ zusammen mit seiner seiner präzisen und unverwechselbaren Art, die Politik in Frankreich und Deutschland zu beobachten und zu analysieren, behalte ich viele interessante Erinnerungen und Methoden der Politikwissenschaft, die u. a. auch eine Basis für unseren Blog sind. Auch damals hatte er immer den genau passenden Zeitungsausschnitt zur Hand, um zu zeigen, dass manches ganz anders ist, als man es gerade in der Diskussion beschrieben hatte. Damals wie heute, dieses Lächeln, aber dann hört man von ihm die ganz gegenteilige Ansicht. Gerade hat die Erziehungsministerin Najat Vallaud-Belkacem > die neuen Sprachenkarte verkündet und schien ihren Kritikern jetzt entgegenzukommen. Sie erinnern sich… es geht um die Kürzung des Unterrichts der bilangues-Klassen und damit des Deutschunterrichts. „Nichts ist besser …“ erklärte Grosser in unserem Gespräch. Beim Stand der Dinge bleiben mit derr Rentrée 2016 nur 70 % des Deutschunterrichts in den bilangues-Klassen erhalten.

> Un entretien sur l’actualité avec Alfred Grosser – enregistré le 26 janvier 2016 à Paris.

Alfred Grosser (1925-2024)

french german 

https://twitter.com/MichaelaWiegel/status/1755512950624866365

> Le politologue Alfred Grosser est mort – LE MONDE
Historien, journaliste, grand connaisseur des sociétés et des politiques françaises et allemandes, Alfred Grosser est mort à Paris, mercredi, à l’âge de 99 ans.
Par  ((1945-2018))

https://twitter.com/pthibaut/status/1753105475191648707

Wir gratulieren sehr herzlich:
Alfred Grosser wird heute 97 Jahre alt

Unsere Redaktion gratuliert Professor Alfred Grosser sehr herzlich zu seinem 97. Geburtstag.

Warum gibt es unseren Blog seit 2006? 4000 Artikel? „Erklären, immer wieder erklären, geduldig erklären…“ hat Alfred Grosser uns in seinen Vorlesungen eingeschärft. Die deutsch-französischen Beziehungen, die er seit 1948 als Akteur, Publizist und Hochschulprofessor so nachdrücklich mitgeprägt hat, benötigen auch heute den ständigen Austausch. Aber heute ist das Wunder nach drei blutigen Kriegen längst vollbracht: Kein anderes Staatenpaar in der Welt unterhält so enge, so vielfältige und so freundchaftliche Beziehungen wie Deutschland und Frankreich:

> 22. Januar 2022: Deutsch-französischer Tag: “ Es gibt kein ein anderes Länderpaar auf der Welt, das eine so enge Verflechtung miteinander aufweist, wie Frankreich und Deutschland. Die Schulaufgabe: “Erstellt bis morgen eine Liste der deutsch-französischen Organisationen”, ist von einer Klasse bis morgen nicht lösbar, da müsste man schon eine ziemlich lange Unterrichtsreihe ansetzen, um halbwegs vollständig die gesamte Zahl aller deutsch-französischen Vereinigungen, Städtepartnerschaften, Organisationen, Vereine, Institute und Institutionen, Gremien, Verbände u.s.w. aufzulisten…“

Und unser Blog mit seinen 4000 Artikeln zeigt davon nur einen kleinen Ausschnitt. Die Inspiration zu diesem Blog verdankt unsere Redaktion der Erinnerung an die Vorlesungen von Alfrd Grosser im Institut d’Etudes Politiques (Sciences Po) in Paris.

Unter seinen zahlreichen Büchern ist die Deutschlandbilanz. Geschichte Deutschlands seit 1945 (1970) ein Standardwerk.

> Conférence-débat : Le Mensch. L’éthique des identités (Maison-Henri-Heine, Paris, 17 mai 2017) mit Michaela Wiegel, Korrespondentin der FAZ in Paris.

Alfred Grosser ist Träger zahlreicher Orden und Auszeichnungen. 1975 er hielt er der 1975: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für seine Rolle als „Mittler zwischen Franzosen und Deutschen, Ungläubigen und Gläubigen, Europäern und Menschen anderer Kontinente“. Am 1. Januar 2019 erhielt der das Großkreuz der Ehrenlegion. Die Verleihung durch Staatspräsident Emmanuel Macron : > Alfred Grosser : Herzlichen Glückwunsch zum Großkreuz der Ehrenlegion – 25. Juni  2019.

Ing Kolboom hat an das > Interview der Deutschen Welle mit Alfred Grosser, „…mit diesem großen deutsch-französischen Brückenbauer vom 11.11.2018, hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs“ erinnert.

Alfred Grosser: Mit Deutschen streiten. Aufforderungen zur Wachsamkeit. München (dtv) 1992. S.290f.

> Professor Alfred Grosser – Website von Sciences Po

Deussen Christiane, Miard-Delacroix Hélène, Mion Frédéric et al., « Hommage à Alfred Grosser à l’occasion de son 90e anniversaire », Allemagne d’aujourd’hui, 2015/2 (N° 212), p. 53-61. DOI : 10.3917/all.212.0053.  > www.cairn.info/revue-allemagne-d-aujourd-hui-2015-2-page-53.htm

Auf unserem Blog:

> Brexit, Europe, Paris et Berlin: Alfred Grosser répond à nos questions – 19. April 2019

> Alfred Grosser parle de Notre-Dame de Paris 17. April 2019

Über sein Leben > Die Freude und der Tod. Eine Lebensbilanz. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2011

> Die deutsch-französischen Beziehungen und die Europapolitik. Ein Gespräch mit Alfred Grosser – 13. September 2013

Alfred Grosser wird heute 94 Jahre alt

Unsere Redaktion gratuliert Professor Alfred Grosser sehr herzlich zu seinem 95. Geburtstag.

Alfred Grosser stammt aus Frankfurt/M. (*1925). Sein Vater war Kinderarzt in Frankfurt, er starb 1934 ein Jahr nach der Flucht seiner Familie nach Frankreich. Grosser wird Franzose und studiert nach dem Krieg Germanistik, wendet sich dann aber der Politischen Wissenschaft zu und lehrt ab 1955 Im Institut d’Études politiques (Sciences-Po) in Paris. Er wird Forschungsdirektor an der Fondation nationale des sciences politiques. Von 1965 bis 1994 schreibt er für LE MONDE, danach für La Croix und Ouest-France.

1948 gründet er zusammen mit Emmanuel Mounier u.a. unter ihnen Joseph Rovan das > Comité français d’échanges avec l’Allemagne nouvelle und bekommt damit einen entscheidenden Einfluss auf die deutsch-französische Wiederannäherung nach dem Zweiten Weltkrieg.

So beginnt ein Artikel, den unsere Redaktion kürzlich für die nächste Ausgabe von Französisch 1/2019 heute verfasst hat: „« Expliquer, expliquer, toujours patiemment expliquer », so oder ähnlich hat sich der Politologe und Publizist Alfred Grosser immer wieder über seine Position als Vermittler zwischen Frankreich
und Deutschland geäußert. Der 2006 eingerichtete Frankreich-Blog [www.france-blog.info] folgt diesem Ansatz und möchte viele Aspekte der deutsch-französischen Beziehungen aufzeigen, erklären und bewerten.“ Mit seinem damals gerade erschienen Buch Wider den Strom: Aufklärung als Friedenspolitik, 1976, in der Tasche habe ich in Sciences Po begonnen, seine Vorlesungen Introduction à la vie politique und L’Allemagne de notre temps zu hören.

Erste Auflage dieser Ausgabe. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1976 (Mai).

Unter seinen zahlreichen Büchern ist die Deutschlandbilanz. Geschichte Deutschlands seit 1945 (1970) ein Standardwerk.

Alfred Grosser ist Träger zahlreicher Orden und Auszeichnungen. 1975 er hielt er der 1975: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für seine Rolle als „Mittler zwischen Franzosen und Deutschen, Ungläubigen und Gläubigen, Europäern und Menschen anderer Kontinente“. Am 1. Januar 2019 erhielt der das Großkreuz der Ehrenlegion.

Ing Kolboom hat an das > Interview der Deutschen Welle mit Alfred Grosser, „…mit diesem großen deutsch-französischen Brückenbauer vom 11.11.2018, hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs“ erinnert.

Wir zitieren hier einen Brief (zitiert auf der Website des > Alfred Grosser Schulzentrums in Bad Bergzabern), den Alfred Grosser 1980 an Neusser Gymnasiasten gerichtet hat:

Liebe Neusser Gymnasiasten!

Es antwortet Euch ein glücklicher Mensch, der Euch in ein paar wenigen Sätzen andeuten möchte, wie das so mit der Freude am Leben gekommen ist.

Meine erste „Erfahrung“ war, als kleiner Judensohn in einer Frankfurter Schule von achtjährigen Kamera- den so verprügelt zu werden, daß ich ins Krankenhaus mußte. Geistige Spuren sind nicht geblieben – außer der Überzeugung, man muß Verführte aufklären, denn die Schuldigen sind die Verführer. Mit 9 kam ich nach Frankreich und habe mich schnell eingelebt, habe aber dabei nie den Kontakt zur deutschen Sprache und Kultur verloren: Man soll offen sein für jeden geistigen Reichtum, auch wenn im Namen eines Volkes Massenmorde vollbracht werden.

Die grausamen Seiten der Kriegszeit haben mich zweierlei gelehrt. Als ich erfuhr, daß ein Teil meiner Familie in Auschwitz umgekommen war, entdeckte ich, daß ich nie eine Menschengruppe (die Deutschen) für kollektivschuldig halten würde, daß ich aber nach dem Krieg für den Aufbau eines anderen Deutschlands mitverantwortlich sein würde, eben weil ich unter dem verbrecherischen gelitten hatte. Und das Gefühl der Mitverantwortlichkeit, das zum Mitwirken führt, ist beglückend.

Und dann habe ich in Marseille, nach einem Bombenangriff, so viele Leichen und verkrüppelte Menschen gesehen, daß ich seitdem alle Dinge im Vergleich zum Tod und zum Elend sehe. Das Glücklichsein erreicht man auch durch den Vergleich (oft mit schlechtem Gewissen!) mit denen, die weniger haben.

Sich eifersüchtig mit denen zu vergleichen, die mehr haben, macht unglücklich. Übrigens: Neid wie Haß, wie Bitterkeit bedeuten Zeitverlust. Denn es bleibt uns wenig Zeit bis zum Tode – und diese Zeit sollten wir nicht mit unnützen Dingen vergeuden!

In späteren Jahren habe ich dann viel äußeres Glück gehabt – im Berufsleben und im Privatleben. Meine Mutter war zugleich meine Mitarbeiterin in der deutsch-französischen Arbeit bis zu ihrem Tod 1968. Ich habe 1959 eine meiner Doktorandinnen geheiratet (die Dissertation ist nie fertig geworden …), und unser Honigmond ist noch nicht beendet. Unsere vier Söhne (19, 16, 11 und 10 Jahre) bringen Freude und Sorgen (je älter sie werden, desto mehr Sorgen …), aber das Grundelement der Freude ist bis jetzt geblieben, weil der gegenseitige Respekt zusammen mit der Liebe geblieben ist. (Übrigens, was ist Liebe? U.a. daß man sich darauf freut, später zusammen alt werden zu dürfen!)

Ich bin mir meiner Privilegien wohl bewußt: Ich stamme aus einer privilegierten Familie, die Kultur und Selbstsicherheit zu vermitteln hatte. Ich habe einen schönen Beruf – und bin dabei sogar Beamter, d.h. daß ich nicht arbeitslos werden kann. Ich bin gesund, und Frau und Söhne sind unversehrt. Aber es geht auch um eine Grundeinstellung (für die ich wenig kann: sie ist weitgehend angeboren; ich versuche aber doch, sie durch Selbstkontrolle aufrecht zu erhalten): Zufrieden sein, ohne sich zufriedenzugeben, so viel Freude wie möglich zu empfangen und zu geben …

So, nun macht mit dieser Predigt, was ihr wollt …

Herzliche Wünsche für‘s Abitur
Alfred Grosser

Alfred Grosser: Mit Deutschen streiten. Aufforderungen zur Wachsamkeit. München (dtv) 1992. S.290f.

> Professor Alfred Grosser – Website von Sciences Po

Auf unserem Blog:

Über sein Leben > Die Freude und der Tod. Eine Lebensbilanz. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2011

> Gedenkstunde im Bundestag: 1914-1918: Alfred Grosser hat am 3. Juli 2014 im Bundestag gesprochen – 3. Juli 2014

> Die deutsch-französischen Beziehungen und die Europapolitik. Ein Gespräch mit Alfred Grosser – 13. September 2013

Alfred Grosser wird heute 93 Jahre alt

Wir gratulieren Alfred Grosser zu seinem heutigen Geburtstag. In seinen Vorlesungen zwei Jahre lang ab Oktober 1976 im I.E.P. in Paris (Sciences Po) – immer mittwochs und donnerstags um 10 h – „L’Allemagne de notre temps“, „Introduction à la l’Étude de la vie politique“, „La politique extérieure de la France“ und „Questions de l’actualité“ zusammen mit seiner unverwechselbaren Art, immer wieder erklären, geduldig erklären, entstand die Passion für die Politikwissenschaft. Wenn unsere Redaktion heute über Alfred Grosser schreibt so muss auch daran erinnert werden, dass er nach 1945 das > Comité pour l’échange avec l’Allemagne nouvelle das Französische Komitee für den Austausch mit dem neuen Deutschland zusammen mit Emmanuel Mounier gegründet hat.

> Wer ist eigentlich Prof. Alfred Grosser ? Eine Vorstellung in Selbstaussagen zusammengestellt von Rainer Ehrhardt auf der Website des Alfred Grosser Schulzentrum in Bad Bergzabern > SWR2 Zeitgenossen: Alfred Grosser

Deutschlandfunk Kultur Interview / Archiv | Beitrag vom 13.02.2017
> Alfred Grosser. Auf andere zu zeigen, hilft uns nicht – Moderation: Liane von Billerbeck

> Nachgefragt: Alfred Grosser, Die Freude und der Tod. Eine Lebensbilanz – 4. Mai 2011

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