Gustave Flaubert (1821-1880)


> flaubert.univ-rouen.fr – Universität Rouen


Wir erinnern an den 200. Geburtstag von Gustave Flaubert, den Autor der Madame Bovary. Moeurs de Province (1857), der am 12.12.1821 in Rouen geboren wurde: Im Juni 2009 haben wir ihn besucht und er hat unserer Redaktion von den unendlichen Mühen berichtet, die darauf verwendet hat Madame Bovary zu schreiben: > Une visite chez Gustave Flaubert – 2. Juni 2009

Das Geburtstagsfoto:

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Über Gustave Flaubert:

H. Wittmann, > Diesen Roman unbedingt (wieder-)lesen – Hans Mayer: Anmerkungen zu Flaubert (1821-1808)

> Relire, écouter : Gustave Flaubert, Madame Bovary. Mœurs de province – 9. November 2019

> Les 4 447 lettres de Gustave Flaubert en ligne – 27. November 2017

> Une visite chez Gustave Flaubert – 2. Juni 2009

> La littérature française (II): Gustave Flaubert – 10. September 2007

> Michel Sicard parle de Jean-Paul Sartre (I/II) – 11. März 2015

1970/1972 erscheinen die drei Bände L’Idiot de la famille. La vie de Gustave Flaubert. 1821-1857, mit denen > Jean-Paul Sartre herausfinden, wie Gustave Flaubert sich zum Autor von Madame Bovary gemacht hat. Aber in den 2800 Seiten geht es um noch mehr: « N’importe qui vous le dira : ’Gustave Flaubert, c’est l’auteur de Madame Bovary.’ Quel est donc le rapport de l’homme à l’œuvre ? Je ne l’ai jamais dit jusqu’ici. Ni personne à ma connaissance. Nous verrons qu’il est double : Madame Bovary est défaite et victoire ; l’homme qui se peint dans la défaite n’est pas le même qu’elle requiert dans sa victoire ; il faudrait comprendre ce que cela signifie. » Sartre, L’Idiot de la famille. La vie de Gustave Flaubert de 1821 à 1857, t. I, Paris 1988, p. 8.

Das Vorwort, das Sartre zu seiner Flaubert Studie verfasst hat, beschreibt auf zwei Seiten das 2800-Seiten-Unternehmen: „… Flaubert, créateur du roman „moderne“ est au carrefour de tous nos problèmes littéraires d’aujourd’hui.“ (p. 9) Damit ist der Ton des ganzen Werks angeschlagen: Sartres Flaubert-Studie ist ein Werk, das den Prozess untersucht, mit dem sich Flaubert zu einem Schriftsteller gemacht hat: Imagnination, das Imaginäre, die Literatur, die Konstitution eines Individuums, die Neurose, seine Krise, die Art und Weise, wie er sie überwindet und seine ersten Schriften verfasst, die Zusammenhänge mit der Epoche seiner Zeit und schließlich die Niederschrift von Madame Bovary, um nur einige der Themen dieses Werkes zu nennen, machen die Flaubert-Studie zu einem ganz eigenen Werk, wie es in dieser Ausführlichkeit und theoretischen Begründung wohl kaum jemals in ähnlicher Form einem Autor zuteilgeworden ist.

Vielfach wurde Sartres Flaubertstudie unter marxistischen oder philosophischen Aspekten gelesen, sozusagen in der Spur seiner anderen Werke. Die Untersuchung über Flaubert ist aer eine Art Monolith im Werk Sartres. Natürlich ist sie dem Autor aus Croisset gewidmet und würde sie nur als seine Biographie gelesen, vermittelt sie tatsächlich viele Aufschlüsse über die Person Gustave Flauberts. Aber wenn man die Flaubert-Studie im Gesamtwerk Sartres verortet, dann wird schnell klar, dass die 2801 Seiten viel mehr präsentieren als nur eine Lebensbeschreibung des Autors der Madame Bovary. Diese Studie ist in gewisser Wiese auch eine Fortsetzung von Was ist Literatur? (1948), nur dass Sartre hier die Entwicklungsbedingungen eines Autors unter die Lupe nimmt, und alle Entwicklungsstränge präzise verfolgt und immer nachweisen kann, wie Flaubert mehr oder weniger bewusst, an seiner Vorstellungskraft gearbeitet hat. Die Studie enthält eine große Zahl sehr unterschiedlicher Methode, Literatur zu interpretieren, man denke nur an die vielen Ausführungen zu Flauberts Jugendschriften, aus denen Sartre immer weitere Erkenntnisse gewinnt, um die Konstitution Flaubert zu begreifen, und an die vielen Bemerkungen über die Methode, mit denen Sartre die gewählten Verfahren erläutert, sie einordnet und neue Wege und Ansätze definiert: vgl.M. Sicard, Ch, 10. Sartre parle de Flaubert, in: M. Sicard, Essais sur Sartre. Entretiens avec Sartre (1975-1979), Paris 1989, S. 139-168.

H. Wittmann, Sartre und die Kunst. Die Porträtstudien von Tintoretto bis Flaubert, Tübingen 1996, bsd. S. 9-13, 56-60, 100-107, 177-199 128-130.

Relire, écouter : Gustave Flaubert, Madame Bovary. Mœurs de province

> « Madame Bovary, c’est moi »

1857 erschien der Roman Emma Bovary. Mœurs de province von Gustave Flaubert (1821-1880). Wie konnte ein Autor sich in die Lage versetzen, so ein spannendes Buch über die Sitten in der Provinz zu schreiben? Ein Buch, verfasst mit den modernsten Schreibtechniken, die viele Stilmittel des heutigen Kinos schon wie selbstverständlich benutzen: Als Emma Bovary mit ihrem Liebhaber oben am offenen Balkon sitzt und unten immer wieder Bruchstücke der Ansprache beim Landwirtschaftsfest zu hören sind. Oder ihr nackter Arm, der aus der Kutsche herausragt und die Schnipsel eines Briefes verstreut, während die Kutsche mit ihr und ihrem Liebhaber über Berg und Tal und durch Hohlweg holpert. Und dann ihr armer gelinkter Ehemann: Jean Améry (1912-1978), > Charles Bovary, Landarzt. Porträt eines einfachen Mannes, Stuttgart: Klett-Cotta 3/1997: „In diesem Dialog mit einer literarischen Figur, dem Ehemann der »Madame Bovary« von Flaubert, geht es Améry um die soziale und ästhetische Ehrenrettung des verkannten Individuums, des bürgerlichen Subjekts. Es ist eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Sartres Flaubert-Interpretation, wie sie in dem Monumentalwerk »Der Idiot der Familie « entwickelt wird – ja mehr noch: Es ist der Versuch der endgültigen Loslösung vom bewunderten intellektuellen Vorbild,“ steht auf der Website von Klett-Cotta.

> La littérature française (II): Gustave Flaubert – 10. September 2007

Jetzt kann man die Aufnahme von Flauberts Madame Bovary in 10 Episoden bei France-Culture hören:

France Culture : > „Madame Bovary“ de Gustave Flaubert

> Aperçu Apple Podcasts

Entdecken Sie > Gustave Flaubert auf France-Culture.

Gustave Flaubert
> Madame Bovary, Stuttgart: Ernst Klett Sprachen.
255 Seiten
ISBN 978-3-12-597362-6

Also nochmal die Frage, wie hat Flaubert es geschafft, diesen Roman zu vollenden, der ihn so viele Anstrengungen gekostet hat? Schon 2009 ist unsere Redaktion dieser Frage nachgegangen und hat Gustave Flaubert besucht und nachgefragt: > Une visite chez Gustave Flaubert. Vgl. dazu Flaubert, > Correspondance – Universität von Rouen. Seit den 50 er Jahren hat > Jean-Paul Sartre (1905-1980) sich Gedanken gemacht, welche Strategie Flaubert entwickelt hat, um so ein erfolgreiches Buch zu verfassen: Aus diesen Überlegungen entstanden aus der Feder von Sartre drei Bände (ein unveröffentlichter und auch unvollständiger Band kam aus seinen Nachlass noch dazu) mit 2801 Seiten, an derem Ende Sartre feststellt, nun habe man alle Instrumente in der Hand, um eine Interpretation von Madame Bovary beginnen zu können.

In der Tat, Sartre, L’Idiot de la famille. La vie de Gustave Flaubert ist ein beeindruckendes Feuerwerk an literarischen Interpretationen jeder Art, es vereint dialektische Ansätze mit psychoanalytischen  Verfahren und präsentiert eine spannende Interpretation der Jugendschriften von Flaubert, untersucht, wie Flaubert seine nervösen Anfälle überwindet, und überhaupt, wie es ihm gelingen konnten, den modernen Roman zu schrieben, der, wie Sartre später in einem Interview sagt, am Kreuzungspunkt all unserer literarischen Problem von heute steht. Vgl. dazu H. Wittmann, > Sartre und die Kunst, Tübingen 1996 und > Michel Sicard parle de Jean-Paul Sartre (I/II) – 11. März 2015.

Les 4 447 lettres de Gustave Flaubert en ligne

À Colet Louise, Croisset, 12 juillet 1852 : „Tu ne lis pas assez de bonnes choses. – Un écrivain, comme un prêtre, doit toujours avoir sur sa table de nuit quelque livre sacré.“

À Colet Louise, Croisset, 01 octobre 1852 : „Où est la limite de l’inspiration à la folie, de la stupidité à l’extase ? Ne faut-il pas, pour être artiste, voir tout d’une façon différente à celle des autres hommes ?“

2801 Seiten hatte Jean-Paul Sartre der Frage gewidmet, wie > Gustave Flaubert (1821-1880) sich in die Lage versetzen konnte, einen der wichtigsten Roman des 19. Jahrhunderts zu verfassen: Madame Bovary. Mœurs de Province. Folglich heißt die Studie von Sartre L’Idiot de la famille. La vie de Gustave Flaubert de 1821 à 1857, bis 1857, d.h. das Erscheinungsjahr von Madame Bovary. Sartres Studie ist der Versuch einer Rekonstruktion, wie macht sich ein Individuum zu einem Schriftsteller? ( H.W. > Sartre und die Kunst.Die Porträtstudien von Tintoretto bis Flaubert, Tübingen 1996). Außerdem ist Sartres Studie eine Riesensammlung aller möglichen Ansätze, Literatur zu interpretieren. Er hat sehr genau die Jugendwerke von Flaubert (Un parfum à sentir, 1836, Rêve d’enfer, 1836, Mémoires d’un fou, 1838, Smarh, 1839) gelesen und z. B. auch L’Éducation sentimentale eingehend analysiert. Und die Korrespondenz von Flaubert war für Sartre eine Gelegenheit, mehr über Flaubert zu erfahren, das sei so gewesen, als ob ein Psychiater, einem Patienten auf der Couch zuhören würde, schreibt Sartre im Vorwort seine Flaubert-Studie.

Danielle Girard und Yvan Leclerc haben eine Edition en ligne aller 4447 Briefe von Gustave Flaubert erstellt. An diesem Projekt war die Faculté des lettres de l’université de Rouen et und rund 30 Professoren beteiligt, die an der Transkription der Briefe mitgewirkt haben. Bemerkenswert ist, dass diese Edition schon jetzt als die vollständigste Edition seiner Briefe gelten darf.

Jean-Didier Wagneur, > Flaubert à l’ère numérique – Libération — 24 novembre 2017

> Flaubert Correspondance Edition électronique par Yvan Leclerc et Danielle Girard

> Éditions hypertextes des manuscrits

Auf unserem Blog:

> Gustave Flaubert (1821-1880) – 8. Mai 2017

> Une visite chez Gustave Flaubert – 2. Juni 2009

> La littérature française (II): Gustave Flaubert – 10. September 2007

Flaubert und die Mode. Barbara Vinken im Gespräch mit Joachim Kalka

vinken-blumen-mode-110Mittwoch 14.12.16 20.00 Uhr
im Literaturhaus Stuttgart
> Grenzgängerin: Flaubert, Mode und Feminismus
Barbara Vinken Veranstaltungsreihe: Wissenschaftsfragen Gespräch – Moderation: Joachim Kalka
In der Reihe „Wissenschaftsfragen“ führt Joachim Kalka ein Gespräch mit Barbara Vinken, die eine Literaturwissenschaft vertritt, in deren Oeuvre die ingeniöse Behandlung klassischer Sujets – Gustave Flaubert, Heinrich von Kleist – neben Arbeiten zur Logik der Geschlechterrollen steht, wie „Die deutsche Mutter“ (2001) und zahlreiche Untersuchungen zur Mode, u.a. jüngst „Die Blumen der Mode“. …

Zur Vorbereitung auf diesen Abend:

> Correspondance de Gustave Flaubert

> Suchen Sie mit „mode“ in seiner Korrespondenz

> 29.1.1854 an Louise Colet (Hervorhebungen, H.W.):

„…Eh bien, je crois que partout, et à propos de tout, on peut faire de l’Art. Qui s’est jusqu’à présent mêlé des articles modes ? Des couturières ! De même que les tapissiers n’entendent rien à l’ameublement, les cuisiniers peu de chose à la cuisine et les tailleurs rien au costume, les couturières non plus n’entendent rien à l’Art. La raison est la même qui fait que les peintres de portraits font de mauvais portraits (les bons sont peints par des penseurs, par des créateurs, les seuls qui sachent reproduire)….“ > Bitte weiterlesen

> Barbara Vinken

Barbara Vinken
> Die Blumen der Mode
Klassische und neue Texte zur Philosophie der Mode
1. Aufl. 2016, 551 Seiten, gebunden, bedruckter Leinenband, 3-seitiger Farbschnitt, Lesebändchen, Großformat,mit s/w-Abbildungen
ISBN: 978-3-608-94910-0

Gustave Flaubert, Correspondance

> Correspondance de Gustave Flaubert Lisons un extrait pour préparer > l’entretien avec Barabara ViInken et Joachim Kalka, le1 14 décembre 2016: > 29.1.1854 an Louise Colet (Hervorhebungen, H.W.) (Éd. Danielle Girard et Yvan Leclerc, Rouen, 2003): „…Eh bien, je crois que partout, et à propos de tout, on peut faire de l’Art. Qui s’est jusqu’à présent mêlé des articles

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Une visite chez Gustave Flaubert

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La littérature française (II): Gustave Flaubert

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