Der Elysée-Vertrag von 22. Januar 1963 (I)

18. Juli 2012 von H. Wittmann

Der bevorstehenden 50. Jahrestag der Unterzeichnung des > Deutsch-französischen Vertrags von 1963 sollte genutzt werden, um den Text dieses Vertrages noch einmal genau zu lesen. Da dieser Blog sich vornehmlich mit den deutsch-französischen Beziehungen und allen dazugehörigen Bildungsaspekten beschäftigt, darf hier an einen besonderen Abschnitt dieses Vertrages erinnert werden:

„1. Auf dem Gebiet des Erziehungswesens richten sich die Bemühungen hauptsächlich auf folgende Punkte:
a) Sprachunterricht
Die beiden Regierungen erkennen die wesentliche Bedeutung an, die der Kenntnis der Sprache des anderen in jedem der beiden Länder für die deutsch-französische Zusammenarbeit zukommt. Zu diesem Zweck werden sie sich bemühen, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahl der deutschen Schüler, die Französisch lernen, und die der französischen Schüler, die Deutsch lernen, zu erhöhen.

Die Bundesregierung wird in Verbindung mit den Länderregierungen, die hierfür zuständig sind, prüfen, wie es möglich ist, eine Regelung einzuführen, die es gestattet, dieses Ziel zu erreichen. Es erscheint angebracht, an allen Hochschulen in Deutschland einen für alle Studierenden zugänglichen praktischen Unterricht in der französischen Sprache und in Frankreich einen solchen in der deutschen Sprache einzurichten.“

Der 50. Jahrestag dieses Vertrags im Januar 2013 ist eine günstige Gelegenheit nachzufragen, ob beide Länder sich wirklich (genügend) „bemüht“ haben, ob „Bemühungen“ alleine ausreichend waren, und ob ein klares Bekenntnis in Deutschland trotz föderalistischer Hürden zugunsten der französischen Sprache in den Schulen und der Romanistik in den Universitäten durch eindeutige Impulse ergänzt werden muss. Und ob in Frankreich mehr für den Deutschunterricht und für die Germanistik getan werden kann. Der Vertrag von 1963 sah u. a. Sprachunterricht in den Hochschulen als nützlich an. Ein solcher Passus müsste durch die ausdrücklichen Willen zur Förderung der Kultur- und Literaturwissenschaft einschließlich der Linguistik ergänzt werden. Die > deutsch-französische Hochschule kann durch Kooperationen bemerkenswerte Ergebnisse vorweisen. Und die > France-Mobile in Deutschland und die DeutschMobile in Frankreich sind immer ausgebucht. Aber wie steht es um die Nachhaltigkeit dieser Änsätze? Schon schwenkt Baden-Württemberg den Rotstift und macht sich dran, Lehrerstellen zu streichen. Das erinnert an 1986 ff., die Jahre, in denen man leichtfertig und ohne jedes Konzept und mit gravierenden Folgen mehrere Generationen von bestens ausgebildeten Französischlehrern die Anstellung verweigert hat und gleichzeitig wie in NRW den Ausbau der Gesamtschulen forciert hat.

Das Interesse für die französische Sprache bei Jugendlichen wird nicht nur durch mehr Lehrer, sondern auch durch eine interessante und transparente Gestaltung der deutsch-französischen Beziehungen in allen Bereichen beeinflusst. Nicht nur wie bei jedem Gipfel gebetsmühlenartig üblich verlauten lassen, man wolle künftig eher zusammenarbeiten; es ist Zeit, konkrete Maßnahmen zu verabreden. (> François Hollande und die Bildung). Die Summe aller guten Absichten und Projekte (u.a. das > DFJW) müssen durch ein gemeinsames Agieren von Frankreich und Deutschland (gemeinsame Botschaften, gemeinsame Projekte, gemeinsames außenpolitisches Handeln, Abstimmung in der Energiepolitik – man kann zwar Zeichen setzen, aber in Europa nicht alleine aus der Kernenergie aussteigen -, gemeinsame Signale in der Europapolitik bis zu einem > gemeinsamen Minister) substantiell ergänzt werden.

> Le miracle de la réconciliation franco-allemande.
> La journée franco-allemande du 22 janvier, ou faire mieux connaître l’importance des relations franco-allemandes
> Deutsch-französischer Tag 2011: „Französisch, dein Weg zum Erfolg – L’allemand, passeport pour l’avenir“.

> Das Fach Französisch verdient mehr Aufmerksamkeit

DOKUMENTE: Zeitschrift für den deutsch-französischen Dialog, 2/2012: > 50 Jahre Elysée-Vertrag / Les 50 ans du Traité de l’Elysée – Momente der Freundschaft / Moments d’amitié

Parfois un „poisson d’avril“ peut aussi faire rêver: > Promouvoir la langue française en Allemagne / Mehr Deutsch lernen in Frankreich

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