Le Président de la République et son domaine réservé

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> Le domaine réservé

> Die verfassung von 1958

Emmanuel Macron und die Schule in Frankreich

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Frankreichs Außenpolitik: Zwischen den Ambitionen zur Größe Frankreichs und den Zwängen einer multipolaren Welt

Marius-Mircea Mitrache und Sergiu Mișcoiu haben gerade unter dem Titel „The Mental Maps of French Foreign Policy: Between Ambitions of Grandeur and Constraints of Multipolarity in the Twenty-First Century“ einen Aufsatz in dem jüngst erschienen Band Great Powers’ Foreign Policy Approaching the Global Competition and the Russian War against the West (Leiden: 2023, S.198-273) veröffentlicht.

Dieser Artikel ist bemerkenswert, weil er in aller Kürze ein präzisen Überblick über die französische Außenpolitik seit dem 2. Weltkrieg liefert. Den Verlust der Großmachtstellung konnte Frankreich, so die beiden Autoren durch as verstärkte Engagement in Europa zumindest ein wenig wettmachen: „On the other hand, the European integration processes were perceived by the French top state officials, from De Gaulle to Mitterrand, as a chance to renew the country’s continental influence rather than a loss in terms of national sovereignty. In fact, the rapprochement with the Federal Republic of Germany and the progressive consolidation of the European Communities allowed France to preserve a privileged position in Europe and to avoid isolation.“ (S. 198)

Ganz richtig bewerten die beiden Autoren die Bedeutung des „domaine réservé“, womit die Aufgaben des Staatspräsidenten hinsichtich der Außenpolitik gemeint sind: „However, the constitution of 1958 does not make any specific references to the existence of an exclusive domain, but rather one comes to this conclusion by interpretation, perpetuated by practice since De Gaulle.“ (S. 201)

Im Kapitel 3 „3 How France Reacts, Adapts to and Impacts the Paradigm of Great-Power Competition werden aufgrund der Dokumente wie die Strategic Review fundamentale Orientierungen der französischen AUßenpolitk untersucht. Beide Autoren „passent á la loupe“ diese Unterlagen und zeigen nebenbei wie sorgfältig und imfassend sie ihre Quellen in diesem Aufsatz dokumentiert haben.

Moreover, the Strategic Review (Verteidigungsministeriums, “Defense and National Security Strategic Review,” 2017, > https://www.defense.gouv.fr/layout/set/popup/content/download/520198/8733095/version/2/file/DEFENCE+AND+NATIONAL+SECURITY+STRATEGIC+REVIEW+2017.pdf ) stresses the need for building a European strategic autonomy, defined as a “fresh perspective on European security conditions [that] will be achieved through pragmatic new initiatives”42 and proposes the creation of a European Defense Fund and strengthening the Permanent Structured Cooperation ( PESCO), all while assuring that “France strives to increase Europe’s strategic autonomy, which requires the development of a common strategic culture.”In diesem Zusammenhang wird man die Reden von Emenuel Macron über Europa mit Gewinn wieder lesen.

Man kann der Bewertung der beiden Autoren nur zustimmen “ Just as, in general, multilateralism is instrumental for France’s interests, so is Europe, which became the linchpin of postwar French foreign policy, both under the Fourth and the Fifth Republics, which saw in Europe a power multiplier helping France to avoid being relegated to a second-rate status on the world stage…“ (S. 214)

„When it comes to Europe, Germany is France’s indispensable partner, the French European policy often going first through Berlin and then through Brussels. After the German reunification, with the Bonner Republik transforming itself into a Berliner Republik of 80 million citizens and an economic and industrial hegemon, what Stanley Hoffmann used to call “l’équilibre des déséquilibres”77 between the political French senior partner, and the economic German junior partner, soon transformed into a full-fledged unequal partnership, with Paris lagging Berlin.“ (S. 217 f.) Da muss man genauer hinsehen, nicht immer klappt die auch im Aachener vertrag verabredete Kooperation und Austausch im Rahmen der Außenpolitik zwischen Berlin und Paris, wobei aber auch bei vermeintlichen Alleingängen, (vgl. > Eine Krise zwischen Paris und Berlin? 24. Oktober 2022) die gemeinsame Richtung nicht aus dem Blick verloren wird. Un der Bewertung der beiden Autoren ist zustimmen: „With respect to the European construction, over the decades, the Franco-German bilateralism transformed itself into an embedded bilateralism, meaning that once Paris and Berlin negotiate on a particular issue, the decision on that matter becomes multilateralized or communitarized for the rest of the Union, the other Member States usually rallying up behind one country or another during the negotiations.(S. 218)

Valentin Naumescu (Volume Editor)
Great Powers’ Foreign Policy

La déclaration de politique générale du Premier ministre Édouard Philippe

Premierminister Édouard Philippe hat am Mittwoch, 12. Juni 2019, in der Nationalversammlung eine bemerkenswerte Rede gehalten: (am Donnerstag wird er vor dem Senat sprechen > Déclaration de politique générale), und > Qu’est-ce qu’une déclaration de politique générale ? LE MONDE vom 13. Juni hat eine Kunst, Überschriften passgenau zu formulieren: „Edouard Philippe, un pied sur chaque rive du macronisme“: Cette fois, c’est la bonne,“ als Anspielung auf alle Antworten auf die Bewegung der Gelben Westen: ÉdDouard Philippe: „En novembre dernier, nous avons rencontré la colère. Certains diront que nous l’avons seuls créée. Je ne le crois pas. Cette colère vient de loin et bien des démocraties l’ont ressentie dans des formes variées. Mais peu importe. C’est à nous, gouvernants, parlementaires, qu’elle était en premier adressée. D’une certaine façon, elle nous rappelait à notre promesse de promouvoir le travail et de lutter contre les injustices. Nous avons décidé des mesures puissantes pour répondre aux aspirations des Français. Et pour apaiser.“ und „C’est l’« Acte 2 » du quinquennat.“ Beiden Seiten etwas geben, von Steuersenkungen, grüner Politik und Einwanderung, Sicherheit und Islamismus zu sprechen, keine leichte Aufgabe.

Vidéo : > Édouard Philippe a prononcé sa déclaration de politique générale à l’Assemblée nationale

Vidéo : > Déclaration de politique générale, d’Édouard Philippe, au Sénat

Der Text: > Déclaration de politique générale d’Edouard Philippe, Premier ministre

Es war eine „déclaration de politique générale“ (gemäß Art 49 der >Verfassung von 1958), also eine Regierungserklärung, über die nach der Sitzung abgestimmt wird und der Premierminister bekam ein breite Mehrheit. Philippe möchte einen neuen Politikstil einführen, eine „Änderung der Methode“. Die Rede >

ist bemerkenswert, weil der Premierminister eine Reihe von neuen Initativen ankündigt, u.a. Steuersenkungen und einen neuen offenkundig ernstgemeinten Anlauf in Sachen Klimapolitik: Philippe gestand seinen Lernerfolg ein, er habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass der Kampf für das Klima genauso wichtig wie der Kampf für Arbeitsplätze sei: „Au cœur de l’acte II, il y a d’abord l’ambition écologique,“ erklärt der Premierminister. 13,48 % hatte Yannik Jadot, Spitzenkandidat Écologie/ Les verts bei der Europawahl erhalten – also gibt es kein Zögern für die Regierung mehr auf mehr grüne Politik sofort umzuschalten – da könnte die Koalition in Berlin etwas davon lernen. In den französischen Amtsstuben wird im Herbst das Einwegplastik verschwinden. > Discours de politique générale : l’annonce d’un programme écologique – LCI .  (Bleiben Sie uns bitte  als Leser treu, dazu folgen bald einige Artikel auf diesem Blog – unsere Redaktion arbeitet daran.) Er kündigt auch Gesetzesvorhaben, u.a. zugunsten des Rechts der Frauen auf eine  PMA (La procréation médicalement assistée -Künstliche Befruchtung) an, über das im September abgestimmt werden soll.

Hinsichtlich der anstehenden Rentenreform verspricht Philippe den Franzosen das Arbeiten bis 64 zu erleichtern. Jetzt gilt ein Renteneintrittsalter von 62 Jahre, das er nicht in Frage stellen, gleichwohl gibt er zu verstehen, die Franzosen müssten länger arbeiten. Und zur Arbeitsmarktpolitik kündigt er an, dass Arbeitssuchende sich künftig stärker auf die Suche konzentrieren müssen, um weiterhin Leistungen zu bekommen.

Diese Rede zeigt in ihren Details, dass und wie der Premierminister das Heft des Handelns wieder in die Hand nehmen möchte, sowie es die > Verfassung von 1958 eigentlich vorsieht: Art. 20, Abs. 1.: „Die Regierung bestimmt und leitet die Politik der Nation.“

Ohne Zweifel war Präsident Macron in der ersten Phase seiner Amtszeit immer in vorderster Linie u. a. auch bei der Lösung der Krise um die > Gelben Westen. In der Tat, das ist eine Besonderheit des halbpräsidentiellen Systems (Maurice Duverger, s. auch > 60 Jahre V. Republik – 5. Oktober 2018)  in Frankreich, dass der Regierungschef trotz des zitierten Absatzes der Verfassung eigentlich immer im Schattten des Staatspräsidenten steht. Ursprünglich war das von General de Gaulle etwas anders gedacht > Charles de Gaulle, Discours de Bayeux, 16 juin 1946 – 16. Juni 2016: Der Staatschef sollte sich über den Parteien stehen (l’arbitre) nicht unbedingt in das Tagesgeschäft einmischen. Aber Macht ist doch so verführerisch und spätestens mit der Verffassungsreform von 1962, nach der der Staatspräsident künftig vom Volk gewählt werden sollte (nach dem Staatstreich von Staatspräsident Louis-Napoleon (seit Dez. 1848 vom Volk gewählt, dem späteren > Napoleon III. am 2. Dezember 1851 war kein Präsident in Frannkreich  mehr vom Volk gewählt worden), änderte sich sein Machtanspruch, den de Gaulle und seine Nachfolger keineswegs nur auf die Außenpolitik (Stichhwort: domaine réservé)  beschränkten.

Édouard Philippe
> Des hommes qui lisent
EAN : 9782709661430
Essais et documents
Paris: JCLattès 2017
150 pages

Bisher bekam der Premierminister immer wieder eine größere Rolle nur dann zugestanden, wenn der Präsident und die Mehrheit in derr Nationalversamlung ncht von der gleichen Mehrheit getragen wurden: Stichwort: Cohabitation (Wikipedia). Wenn jetzt Premierminister Philippe sich mit diesen Projekten zu Wort meldet und Präsident Macron anscheinend auf seine geplante Rede vor dem Kongress verzichtet,  so deutet sich eine Akzentuierung des Artikels 20 an, die die 2. Phase der Amtszeit von Präsident Macron einleiten könnte.

> La déclaration de politique générale du Premier ministre Édouard Philippe – 4.  Juli 2017

> Premier gouvernement #gouvernementphilippe de l’ère de Macron: Zwei Ministerposten für Europa – 17. Mai 2017

Nachgefragt: „L’Europe ne doit pas se faire dans le silence.“Entretien avec Christian Lequesne, Professeur à Sciences po à Paris

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Siehe auch: > Paris-Berlin. Nachgefragt: Christian Lequesne répond à nos questions –  17. April 2019

Der Vergleich (I)
28 août 2014 : La Conférence des Ambassadeurs à Paris –
25. August 2014: Botschafterkonferenz in Berlin

Vergleichende Politikwissenschaft. Dort der Präsident, hier der Bundesaußenminister … aber dann am zweiten Tag der Botschafterkonferenz in Paris ist der deutsche Außenminister mit dabei.

Gestern versprach uns der Außenminister Laurent Fabius, „FW Steinmeier“ anlässlich der Botschafterkonferenz in Paris wiederzutreffen“:

[fb-post href=“https://www.facebook.com/FrankWalterSteinmeier/posts/10154555157570486″]

N.B.: Diese Fotos wurden nicht von uns aufgenommen: Das ist ein hier eingebetteter – zitierter Beitrag, den Frank-Walter Steinmeier (oder seine Mitarbeiter?) auf seinem Facebook-Account veröffentlicht hat.

Frank Walter Steinmeier > Rede auf der Botschafterkonferenz in Paris: „Als ich mir den Reiseplan so angesehen habe, dachte ich: Warum geben wir uns nicht einfach gegenseitig einen Ersatzschlüssel für unsere Außenministerien? So wie die Leute zuhause das mit ihren besten Nachbarn machen… Falls der eine sich mal aus Versehen aussperrt, oder der andere in den Urlaub fährt…

Ich biete mich jedenfalls gerne an, hier das Haus zu hüten! Denn so ehrwürdig wie der Quai d’Orsay sind wenige Außenministerien auf der Welt, und, liebe Freunde, ich komme wirklich gern hierher! Und ich mache keinen Hehl aus meiner Freude darüber, dass die französische Regierungsumbildung das Außenministerium nicht betrifft.“

Diese Konferenz ist für den Staatspräsidenten eine Gelegenheit wichtige Positionen der französischen Außenpolitik, die zu seinem > „Domaine réservé“ gehören vor den Botschaftern Frankreich zu erläutern:

Sowie der Text der Rede auf der Website des Elyséepalastes erscheint, können wir mit Unterstützung von > PONS aus diesem Artikel wieder ein perfekte Hör- und Sehensverstehensübung machen. Bis dahin: Für Schüler Schreiben Sie einen kurzen Artikel und nennen Sie die Themen dieser Rede.

UPDATE
François Hollande > Discours d’ouverture de la Conférence des Ambassadeurs

Ausführlich ging Hollande auf die Ukraine-Krise ein, deren Lösung nur politisch nicht militärisch erfolgen könne. Ausdrücklich het er das Engagement der Bundeskanzlerin am 6. Juni 2014 in der Normandie hervor: „La présence d’Angela MERKEL a été utile à ce moment. Depuis, la Chancelière et moi-même avons poursuivi nos démarches pour tisser les fils, renouer les contacts.“ Eine Lösung wurde noch nicht gefunden. Russland könne könne nicht darauf zählen eine anerkannte Macht im 21. Jahrhundert zu sein, so Hollande, ohne die Regeln zu beachten. Hollande fügt hinzu, dass er Putin wiederholt gesagt habe, die EU wünsche ene Vertiefung der Beziehungen mit Russland. Hollande wies daraufhin, dass er mit Deutschland zusammenarbeiten wolle, um diese Blockade aufzuheben: „Mais, aujourd’hui, la crise ukrainienne est un blocage. Raison de plus pour le lever rapidement ! La France y est prête avec l’Allemagne. Je fais une nouvelle fois la proposition de se réunir dans le format qu’on appelle maintenant « Normandie » (1) – la marque est déposée ! – pour trouver un accord global. Mais on ne va pas se réunir à quatre si les conditions de cet accord ne sont pas posées. Notre disponibilité est donc là, nous y travaillons avec la Chancelière. La réponse doit venir notamment du côté russe.“

(1) Damit eint Hollande das Zusammentreffen vieler Staatschefs der Normandie am 6. Juni 2014.

Zum Vergleich:

In Deutschland: > Botschafterkonferenz 2014: Mehr außenpolitische Verantwortung wagen – Website des Auswärtigen Amtes

> Eröffnungsrede von Außenminister Frank-Walter Steinmeier zur Botschafterkonferenz 2014 – Website des Auswärtigen Amtes

> Eröffnungsrede von Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Wirtschaftstag der Botschafterkonferenz – Website des Auswärtigen Amtes


Eröffnungsrede von Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Wirtschaftstag der Botschafterkonferenz – Website des Auswärtigen Amtes

Frank Walter Steinmeier: „In so einer Welt, die 100 Jahre nach dem ersten Weltkrieg, 25 Jahre nach Ende der Blockkonfrontation von Ost und West eine neue Ordnung noch nicht gefunden hat, tun wir Deutsche uns schwer damit zu definieren, was für uns Verantwortung heißt. Uns fehlt ein klarer Kompass dafür, was angesichts veränderter Machtstrukturen richtig und notwendig ist, und was nicht. Was anständig ist, was Politik leisten kann, und was nicht.“

Nachgefragt: Eric Anceau, Napoléon III

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Nicolas Sarkozy et sa stratégie sociale/
Nicolas Sarkozy et seine Sozialstrategie

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