Und wir treffen dort: (Programmheft:) AZOUZ BEGAG wurde 1957 in Lyon geboren, wo er 1984 auch seinen Doktor in Wirtschaftswissenschaften machte. In seinen hochgelobten Büchern wie LE GONE DU CHAÂBA [1986] und LA FORCE DU BERGER [1991] reflektiert er u. a. seine Erfahrungen als Gastarbeiterkind. Zu seinen wichtigsten Auszeichnungen gehören der Prix Sorcières [1987] und der Europäische Kinderbuchpreis [1993]. 2005 bis 2007 war er in Frankreich beigeordneter Minister für die Förderung von Chancengleichheit und 2013 bis 2014 Direktor des Institut Français in Lissabon. Begag lebt in Paris. Er war seit 2002 zehnmal Gast des ilb, tritt in diesem Jahr auf dem »Internationalen Kongress für Demokratie und Freiheit« auf und spricht dort u. a. über seinen Roman BÉNI OU LE PARADIS PRIVÉ [1989].
Sonntag, 10.9.2017, 11 h 30 Islam und Demokratie mit Azouz Begag, Seyran Ateş, Fehti Beslama, Esra Küçük, Moderation: Stefan Weidner
Oberes Foyer
MO 11.9. 12 h 30 Haus der Berliner Festspiele — Große Bühne
Gespräch und Lesung | in Französisch | Veranstaltung im Rahmen
des »Internationalen Kongresses für Demokratie und Freiheit«
Gast: Azouz Begag | Eintritt frei, Anmeldung erforderlich
Kl. 8—13 |
AZOUZ BEGAG [Text] REGINA KEIL [Übersetzung aus dem Französischen]
Frankreich, 1989 Le Seuil 173 S., Schweiz 2000 Nagel & Kimche, 185 S
BÉNI OU LE PARADIS PRIVÉ. FAST ÜBERALL — DIE GESCHICHTE EINES ALGERISCHEN JUNGEN IN FRANKREICH | Jeder ist ein
Fremder, fast überall auf der Welt, nur zu Hause nicht. Doch wie fühlt man sich, wenn man auch zu Hause ein Fremder ist? Der 15-jährige Béni wurde im Gegensatz zu seinen algerischen Eltern in Lyon geboren. Er möchte so sein wie die Jungs seiner Klasse – ein Franzose. Damit nicht jeder weiß, dass seine Eltern keine Franzosen sind, hält er seinen richtigen Namen geheim. Und doch prallen französische und arabische Traditionen aufeinander. Der Roman thematisiert Toleranz, Rassismus und die Suche nach Normalität und beruht teilweise auf persönlichen Erfahrungen des Autors. Azouz Begag war seit 2002 zehnmal Gast des ilb, tritt in diesem Jahr auf dem »Internationalen Kongress für Demokratie und Freiheit« auf und spricht in diesem Zusammenhang u. a. über BÉNI OU LE PARADIS PRIVÉ.
Und hier zeigen wir nochmal das Video, das wir im Oktober 2016 in Stuttgart aufgezeichnet haben:
Auf Einladung der Amis de l’Institut français de Stuttgart war Azouz Begag, Soziologe, Wirtschaftswissenschaftler, Schriftsteller und Forscher im CNRS bei der Vorführung des Films „Le Gone du Chaâba“ am 20. Oktober 2016 mit dabei. Vom 2. Juni 2005 bis zum 5. April 2007 war er beigeordneter Minister für die Förderung der Chancengleichheit. Vor dem Film hatten wir Gelegenheit mit Azouz Begag ein Interview zu machen:
Sieben französische Autoren, unter ihnen Azouz Begag und Wilfried N’Sondé, schildern anhand von Anekdoten ihre erste Begegnung mit Deutschland. Man sagt, die Franzosen bewundern Deutschland, aber lieben sie das Nachbarland auch? Jeder von ihnen hatte ganz andere Gründe, nach Deutschland zu kommen: ein Schüleraustausch, der Job, das Studium, bloße Neugier, das Land, die Menschen und gar DIE große Liebe.
Und www.france-blog.info hat einige von ihnen schon einmal getroffen – sie lassen auch hier in Bild und Ton ihre Deutschlandbegeisterung erkennen. Und jeder von ihnen sieht Deutschland aus einer anderen Perspektive – so kann man bei der Lektüre ihrer Texte nicht nur nebenbei wichtige Beobachtungen zu kulturellen Unterschieden machen. Noch ein Tipp. Zeigt dieses Buch auch vor allen den französischen Freunden, die noch ein wenig zögern, die Reise über den Rhein zu machen.
Für Lorène Lemor war das Erlernen der deutschen Sprache eine Selbstverständlichkeit. Auch ihre beiden Brüder hatten Deutsch gelernt. hat die deutsche Sprache die Tür zu einer reichen Kulturwelt geöffnet. (S. 6) Sie erinnert sich an ihrer Mutter, die kam an einem 14. Dezember zum Ball Sainte Barbe der Feuerwehrleute: „Foulez-fous danser avec moi, mademoiselle?“ fragte einer von ihnen… Horst. Dann der Besuch in Konstanz. Aufregend. Später lernt Lemor in Deutschland einen Franzosen kennen, der kein Deutsch spricht….
Thierry Sète sollte auch einen Beitrag für dieses Buch liefern: Von einem, der auszog, Neuland zu entdecken lautete sein Titel. Die Redaktion war begeistert, wollte aber dann doch den Text auf Französisch haben: Le goût de l’Allemagne. Wer ihn und seine Begeisterung für die deutsche Sprache und Kultur kennt, weiß dass das ihm nicht schwer-, aber ein bisschen missfiel. Dann hat er sich aber doch hingesetzt und eine wunderbare, ganz individuelle Geschichte über sein Deutschlernen, wie er Deutschland entdeckt hat, geschrieben – ein wunderbarer Text, den man, er ist ja auch auf Französisch, all denen zur Pflichtlektüre schicken müsste, die in Frankreich auch nur eine Minute Deutschunterricht einsparen wollen. – Thierry Sète war lange Zeit als Attaché linguistique im Institut français de Stuttgart tätig. > Avez-vous déjà passé une épreuve du DELF?
Échange lautet der Titel des Beitrags, den Mfa Kera geschrieben hat. Sie kommt nach Hamburg zu einem Schüleraustausch. Jeder Austausch ist immer ganz was ganz Individuelles. Jede/r erlebt immer was ganz anderes. Nichts kann vorhergesehen werden. Für jede/n ist Deutschland immer Neuland. Und stimmt meist mit nichts im Lehrbuch überein. Jede/r entdeckt die kulturellen Unterschiede, man isst anders, geht anders miteinander um, andere Wohngewohnheiten. So auch in der Erinnerung von Mfa Kera, die das Wort gemütlich erklärt. Sie kommt nach Hamburg-Blankenese zur Famile Schönneck. Und dann die Schule aus roten Klinkern gebaut. Dann abends die Reeperbahn. Besser als ein Abenteuerroman. So was darf man einfach nicht verpassen.
Wilfried N’Sondé schreibt Histoire berlinoises und berichtet von Mademoiselle Lemoine, die die Aufgabe hatte, die Schüler im Zug nach Berlin zu bändigen. Wir wussten eigentlich nichts über unseren deutschen Nachbarn, gesteht N’Sondé. Dann die Fahrt nach Deutschland, am Kölner Dom vorbei. Ende 1989 am Bahnhof ankommen! Und dann die Überraschung der deutschen Schüler, die auch einmal die farbigen Gäste neben sich auf der Bank sitzen sahen. Sie betrachteten uns wie Außerirdische und merkten schnell, dass wir ihnen doch sehr ähnelten. Ein aufregender Besuch, gerade weil sie such noch die Auswirkungen der jüngst erfolgten Öffnung der Mauer mitbekommen haben. > N’Sonde à Stuttgart und > Souvenirs d’Allemagne.
Et tranquille, coule le Rhin lautet der Titel des Beitrags von Azouz Begag, Minister a.D. In der sixième begann er Deutsch zu lernen. Viele Worte bestimmten seine Vorurteile: Blitzkrieg, Kartoffel, Danke, Bitte. Er vergleicht die deutschen und französischen Wörter, merkt, dass die Wörter viel von der Kultur ihres Landes in sich eingebunden mitbringen, berichtet von seiner Lehrerin Madame Zapoit. Dann kommt Ursula Müller aus Stuttgart, die Sparachassistentin aus Deutschland, Azouz ist sofort in sie verliebt und sofort kann er alle Verbformen von aimer. Sein Deutsch machte Riesenfortschritte, dass die anderen staunten und nicht merkten, woran das lag: Es bleibt uns nichts andres übrig, als ein Taxi zu nehmen. > Lesung mit Azouz Begag, „ein Brückenbauer“, im Schulzentrum Marienhöhe und > Azouz Begag im Institut français de Stuttgart:
Stéphane Paroubek erzählt von seinem Besuch in Stuttgart: Ma tante de Stuttgart. List man seinen Text könnte man zuerst den Eindruck bekommen, Stuttgart ist so weit von Frankreich. Was man dort isst. Fast wie auf der anderen Seite der Erdkugel: Maultaschen oder Kohlrouladen. Aber dann hat er bei seinem Praktikum die Arbeit in der Redaktion kennengelernt. Franzosen, die für Deutsche dei Französischbücher schreiben. Und er lernt das deutsche Weihnachtsfest zusammen mit Griechen und Türken kennen.
Wenn aber der Lesebericht wie hier immer länger wird, bowohl das Besprechungsexemplar mit 80 Seiten eigentlich gar nicht so lang ist, dann ist es wirklich perfekt gelungen. Alle sieben Autoren berichten über einzelne Facetten ihrer „Initiation“ in Deutschland. Kulturelle Vielfalt, die erst im Vergleich mit dem Heimatland so richtig auffällt, und jedem von ihnen Erfahrungen in Deutschland beschert, die sie als Sprungbrett für neue Taten nutzen können.
Azouz Begag/Wilfried N’Sondé/Nathalie Licard/Lorène Lemor/ Mfa Kera:
> Mon premier échange
Lecture graduée – Lektüre mit Audio-CD, abgestimmt auf Découvertes. Ende des 4. Lernjahres
978-3-12-591815-3 (3-12-591815-4)
Diese Lektüre kann die Unité 3 in Band 4 von Découvertes, Série jaune und Série bleue ersetzen.
Umfang 80 Seiten
Enseigne-t-on moins l'allemand en France ? Vite, allez en Allemagne. Suivez leurs exemples > http://t.co/JtIxD4r50q
Elisabeth Schimek – > Schulzentrum Marienhöhe – hat uns freundlicherweise den folgenden Bericht geschickt:
Mit Unterstützung eines Schulbuchverlags (Klett-Verlag) ist es uns gelungen, eine Lesung der besonderen Art mit dem französischen Soziologen, Wirtschaftswissenschaftler, Schriftsteller, Drehbuchautor und Forscher am CNRS (vergleichbar mit dem dt. Max-Planck-Institut), Azouz Begag, am Schulzentrum Marienhöhe zu organisieren. Er war von 2005 bis 2007 beigeordneter Minister für die Förderung der Chancengleichheit von Einwanderern unter Premierminister Dominique de Villepin. Selbst Kind algerischer Einwanderer, wuchs er in den 60er Jahren in einem Chaâba (Dorf auf algerisch), einem Vorort von Lyon auf. Seine armselige Kindheit prägte ihn. Die Verfilmung seines autobiographischen Roman „Le gone du Chaâba“ („Das Kind des Dorfes“) errang 1997 den Grand Prix du Festival de Cannes Junior.
Gruppenbild mit DELF Schülern:
Von links nach rechts:
David Personne (B1) , Wiebke Gremler (B1), Nadine Seebacher (A1), Franziska Hofmann (A1), Azouz Begag, Etienne Fayard (A1), Dr. Gilles Floret, René Callonnec (A2), Karel Schimek (B2), Corinna Weber (B2)
Mit Humor und Sensibilität faszinierte er unsere Schüler mit seiner Lebensgeschichte. Durch vorgespielte Kurzszenen, beschrieb Begag die Herkunft seiner Familie, ihre ärmlichen Verhältnisse in Algerien und die Hoffnung auf ein besseres Lebens in Frankreich nach dem zweiten Weltkrieg. Sein Vater, „Analphabet, aber nicht dumm“, wie Begag zu sagen pflegt, war zwar streng, aber er verstand ihn zu motivieren, ihm den Weg der Integration zu zeigen. Er war der Ansicht, dass Bücher wie Vögel seien. Sie weisen auf Freiheit hin, Freiheit im Sinne des Wissens und der Offenheit.
Azouz Begag, Dr. Gilles Floret
Die Begeisterung von Azouz Begag, seine Neugier als Kind für das Lernen, für fremde Kulturen und andere Sprachen ist bis heute gegenwärtig. Er appellierte an unsere Schüler, offen für das Fremde, für das Neue zu sein, verbale Kommunikation zu wählen statt Gewalt anzuwenden: „Jeu de mains, jeu de vilains“.
Er verstand durch internationale Wortspiele und geschickten Einbau von themenbezogenen Liedern unsere Schüler zu fesseln. Im Rahmen dieser Lesung wurden Schülerinnen und Schüler geehrt, die in diesem Jahr auf ihrem jeweiligen Sprachniveau in der DELF-Prüfung die besten Ergebnisse in unserer Schule erzielt haben. Die Ehrung übernahm Monsieur Azouz Begag selbst.
Pour bien rendre toutes les impressions pendant l’apparition de l’ancien ministre et écrivain Azouz Begag sur la scène du VdF à Jena samedi dernier, on aurait du le> filmer en vidéo. Or, voici deux extraits de cette matinée si résussie:
Um alle Eindrücke während des Auftritts des früheren Ministers und Schriftstellers Aouz Begag auf der Bühne de VdF in Jena am letzten Samstag wirklich gut wiederzugeben, hätte man dauern eine > Videokamera in der Hand halten müssen. Hier sind zwei Auszüge von seinem Auftritt:
Lors de la sénace de clôture du Congrès de la Fédération Allemande des Professeurs de Français, l’ancien Ministre Azouz Begag et > Gilles Floret ont chanté ensemble Souvenirs d’Allemagne:
Jeudi 26 Juin, 19h, Institut Français de Stuttgart : Azouz Begag, ancien Ministre de la Promotion et de l’Egalité des chances a lu des extraits de «La guerre des moutons » (2008) , il a chanté avec Gilles Floret, comme les deux sl’ont souvetn fait ensemble jusqu’au moment où Gilles m’a appelé : „Vous avez ce qui est arrivé? Azouz est devenu ministre !“ Azouz Begag, il a un don merveilleux d’établir tout de suite un contact avec on public, > les photos le prouvent. Pour terminer, il a expliqué son point de vue sur l’immigration au sujet de l’identité :
Am Donnerstag, 26. Juni 2008 war Azouz Begag, ancien Ministre de la Promotion et de l’Egalité des chances zusammen mit Gilles Floret zu Gast im Institut Français de Stuttgart. Er hat aus seinem 2007 erschienenen Buch «La guerre des moutons » (2008) gelesen und zusammen mit Gilles Floret einige Lieder gesungen, so wie beide es bereits oft miteinander in Schulen gemacht haben, bevor Gilles mich anrief und sagte : „Wissen Sie passiert ist ? Azouz ist Minister geworden!“ Azouz Begag hat eine wunderbare Gabe gleich in den ersten Minuten einen Kontakt zum Publikum herzustellen. Das beweisen die > Fotos. Und er hat seinen Standpunkt hinsichtlich der Einwanderung und des Themas der Identität erläutert:
Jeudi 26 Juin, 19h, Institut Français de Stuttgart
L’Institut français de Stuttgart a le plaisir de vous inviter à une soirée en présence d’Azouz Begag, ancien Ministre de la Promotion et de l’Egalité des chances.
Les thèmes de l’intégration et du parcours politique d’Azouz Begag seront notamment abordés à travers la présentation d‘ « Un mouton dans la baignoire » (2007) et de «La guerre des moutons » (2008), deux récits autobiographiques de l’ancien Ministre.
Institut français de Stuttgart
Diemershaldenstr. 11
D- 70184 Stuttgart
Donnerstag, 26. Juni 2008, 19 Uhr, Institut Français de Stuttgart
Das Institut français de Stuttgart lädt zu einem Abend mit Azouz Begag, ancien Ministre de la Promotion et de l’Egalité des chances.
Wir werden mit Azouz Begag über das Thema Integration sprechen Er hat « Un mouton dans la baignoire » (2007) und «La guerre des moutons » (2008) veröffetnlicht.
Das Gespräch wird auf französisch stattfinden.
Ex-Minister Azouz Begag, 1957 in Lyon geboren, wuchs in einem Slum auf. Er schilderte seinen außergewöhnlichen Lebensweg im Buch le Gone du Chaâba (1986), der verfilmt wurde und in Deutschland einen großen Erfolg verzeichnete. 2005 bis 2007 war er als « Ministre chargé de la promotion de l’égalité des chances » tätig.