Wortschatz- und Hörverstehenskompetenzen auf dem Prüfstand

Romanistentag Sektion V.1:

Aktualisiert

2. Tag, Dienstag:

> Christoph Bürgel (Osnabrück) – >Dirk Siepmann (Osnabrück)
Was können Französischlerner und -lehrer? Wortschatz- und Hörverstehenskompetenzen auf dem Prüfstand

Im Tagungsreader steht:

„Der Vortrag berichtet über eine durch die DESI-Studie inspirierte Pilotstudie zur Ermittlung der tatsächlichen Sprachkompetenz von Französischlernern nach Klasse 10 sowie von gymnasialen Französischlehrern. Die Pilotstudie beschränkt sich dabei zunächst auf die rezeptive Wortschatzkompetenz und die Hörverstehenskompetenz; in der Hauptstudie sollen auch die produktive Wortschatzkompetenz sowie die Fertigkeiten Schreiben und Sprechen einbezogen werden. Begründen lässt sich diese vorläufige Beschränkung durch den Umstand, dass die Hörverstehenskompetenz, die eng mit der rezeptiven Wortschatzkompetenz zusammenhängt, von entscheidender Bedeutung für den Zugang des autonomen Lerners zur Zielsprachenkultur ist.

Basis für die Entwicklung des Wortschatztests sind die chrestolexikographischen Arbeiten Hausmanns und darauf aufbauende testtheoretische Überlegungen (Hausmann 2002, 2005; Siepmann/Holterhof 2007). Problematisch ist, dass nur noch wenige Kernlehrpläne den zu erreichenden Mindestwortschatzumfang beziffern; laut Kernlehrplan Niedersachsen sollen die Lerner nach Abschluss von Klasse 10 über einen „differenzierten Wortschatz verfügen, um allgemeine und individuelle Kommunikationsbedürfnisse zu bewältigen“. Wir gehen in Übereinstimmung mit dem bayerischen Lehrplan von einem rezeptiven Wortschatzumfang von 2400 Wörtern am Ende der Klasse 10 aus (also nach 5 bzw. 6 Lernjahren), obwohl dessen „Differenziertheit“ in Zweifel gezogen werden kann. Im Bereich Hörverstehen sollen die Schüler verschiedene authentische Texte global oder detailliert verstehen können.

Was den Wortschatzumfang der Fremdsprachenlehrer betrifft, so ist den Masterprüfungsordnungen verschiedener deutscher Universitäten zu entnehmen, dass im Allgemeinen nach Studienabschluss das Niveau C1 oder C2 des GER erreicht werden soll. Betrachtet man den im Niveau B2 (Beacco et al. 2004) umrissenen Wortschatzumfang (schätzungsweise mehr als 15000 Einzelwörter und Wendungen) sowie die Kompetenzdefinitionen des GER für die soeben genannten Niveaus (z.B. C1 „peut comprendre en détail une intervention sur des sujets abstraits ou complexes, même hors de son domaine“) so lassen sich für das Niveau C1 problemlos die 20000 Einheiten des Hausmannschen Ausbau- und Aufbauwortschatzes veranschlagen; diese werden dem Test für die Gruppe der Französischlehrer zugrunde gelegt.“

Die Auswertung der Tests im Rahmen einer Vorstudie, über den beide Referenten berichten, zeigt enttäuschende Ergebnisse. Trotz guter Gymnasien haben selbst die Lehrer zu wenige Wortschatzkenntnisse. Außerdem beobachteten die Referenten auch einen geringen Einsatz von authentischen Dokumenten im Französischunterricht.

Empfehlungen: Systematische Schulung mit authentischen Hörtexte und eine verpflichtende Integration von Mindestwortschätzen in den Lehrwerken.

Obwohl die Studie an zwei als leistungsstark geltenden Gymnasien durchgeführt wurde, zeigen die Ergebnisse ein ernüchterndes Bild.

Bei den Schülern wurde der Test des Grundwortschatzes (Abiturniveau) durchgeführt, d.h. der 3000 frequentesten Wörter des Französischen, von denen 2000 gelernt werden müssen (und hier getestet werden). Dieser Wortschatz kann also zum Ende der Klasse 10 noch nicht als vollständig bekannt vorausgesetzt werden. Hier zeigte sich, dass der durchschnittliche Schüler ca. 880 opake Wörter am Ende der Klasse 10 kennt. Fast die Hälfte aller Schüler verfügt über weniger Wörter und ca. ein Drittel beherrscht in Klasse 10 weniger als 675 opake Wörter des französischen Grundwortschatzes rezeptiv. Eine winzige Spitzengruppe von 5 Schülern beherrscht mehr als 1400 opake Wörter von 2000, also schätzungsweise insgesamt 2100 Wörter.
Die Leistungsstreuung ist an sich schon interessant, zeigt sie doch, dass ein vierjähriger Lehrgang, der mit einem einheitlichen Lehrwerk durchgeführt wird, völlig unterschiedliche Resultate zeitigt.

Der durchschnittliche Lehrer in diesem Pretest beherrscht ca. 4489 opake Wörtern, was einem Gesamtwortschatz von knapp 10000 Wörtern entspricht. Damit sind die Wortschatzkenntnisse durchschnittlich zu gering, um Romane und Zeitungstexte (z.B. Le Monde) ohne Wörterbuch zu verstehen.

Die Ergebnisse des Hörverstehenstests zeigen, dass die Hörverstehenskompetenz der Schüler zu gering ist, um authentische Hördokumente mit gemäßigter Sprechgeschwindigkeit angemessen zu verstehen. Diese Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass zum Einen authentische Hördokumente im Französischunterricht zu wenig eingesetzt werden und dass zum Andern eine systematische Hörverstehensschulung kaum stattfindet.

Für die Lehrer konnte festgestellt werden, dass auch hier die Hörverstehenskompetenz mehrheitlich zu gering ausgeprägt ist, um ein breites Spektrum an Radiosendungen zu verstehen auch wenn nicht Standardsprache gesprochen wird.

Die Referenten geben als Empfehlungen, dass eine systematische Hörverstehensschulung durch den Einsatz von authentischen Hördokumenten im Französischunterricht durchgeführt werden sollte und dass ein Mindestwortschatz verpflichtend in Lehrbücher bzw. in Schul- und Hochschulcurriculum einschließlich entsprechender Tests integriert werden müsste.

In einer geplanten Hauptstudie sollen nicht nur weitere Kompetenzen (evtl. auch die produktiven Kompetenzen „Schreiben“ und „Sprechen“) getestet, sondern auch miteinander korreliert werden.

Kernbereiche des interkulturellen Lernens im Französischunterricht am Ende der Sekundarstufe I

Romanistentag Sektion V.1:

Nächster Vortrag:

Christine Wesselhöft (Osnabrück)
Multiperspektivität und interkulturelles Lernen im Französischunterricht – am Beispiel fremdsprachlichen Literaturunterrichts am Ende der Sekundarstufe I

Im Tagungsreader steht:
„Die Begegnung mit literarischen Figuren gilt im muttersprachlichen Literaturunterricht als „Königsweg des motivierten literarischen Lesens“ (Hurrelmann): Der Lesegenuss entsteht in Identifikation und Abgrenzung zu den Figuren sowie durch das Nachvollziehen ihrer Erlebnisse, inneren Konflikte und sozialen Beziehungen.

Welche Bedeutung haben fiktionale Charaktere indes im fremdsprachlichen Literaturunterricht und für dessen Leitziel der interkulturellen Handlungsfähigkeit?

Dieser Frage geht der Vortrag nach, indem der durch literarische Figuren initiierte „Perspektivwechsel“ in den Mittelpunkt der Überlegungen gestellt wird: Wie lässt sich dieser häufig bemühte Begriff im Rückgriff auf Methoden der Texterschließung konkretisieren? Aufgezeigt werden soll, wie derartige Methoden, die in der Sekundarstufe I zunächst im muttersprachlichen Deutschunterricht erworben werden, für den Französischunterricht nutzbar gemacht und an die fremdsprachliche Unterrichtssituation angepasst werden können. Den narratologischen Kompetenzen der Lehrenden kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu.“

Interkulturelles Lernen führt im Französischunterricht immer noch ein Schattendasein. Im bisherigen Schuluntericht ist ist interkulturelles Lernen kaum oder nur marginal vorgesehen. Bisherige Kompetenzbeschreibungen, so die Referentin, eigenen sich (nur) für den mutterspachlichen Deutsch- oder Politikunterricht.

Interessant, wie die Referentin, die Anwendung der Erstsprache im Unterricht als notwendig zur Reflexion komplexer Zusammenhänge gerade im Bereich des interkulturellen Lernens als sinnvoll beschreibt. Im übrigen lässt ihr Vortrag erkennen, mit welcher Passion sie ihr Fach vertritt. Leider umgehen auch die Lehrwerke (=Lehrpläne) häufig diese Frage und erwähnen Interkulturelles eher nur halbherzig am Rand. Sprachliche und pädagogische Ziele sollten aber auch in der Sek. I in Einklang gebracht werden. Die Schüler beherrschen das formale Denken, aber sie stehen mitten im sozialen Lernen, das durch interkulturelle Kompetenzen sinnvoll ergänzt werden kann.

Der Referentin ist es gelungen, eine wichtige Anforderung an den Französischunterricht in knapper Form mit einleuchtenden Bgründungen zu vermitteln.

Die ganze Vielfalt des Romanistentages und damit auch dieses Faches finden Sie im Tagungsband.

Vendredi : Les blogs en France

french german 

Bac: Réviser avec la Toile ?
Abiturvorbereitung mit dem Internet?

french german 

www.france-blog.info
1000 jours en ligne

french german 

Le France-blog en cours de français
Das Frankreich-Blog im Französischunterricht

french german 

Motivation – oder
das Interesse für den Französischunterricht wecken

Ein Freund erzählte mir gestern, dass wieder eine Konfirmation einer seiner Nichten bevorstehe. Danach fahre er mit Ihr zusammen wie mit den beiden anderen ein paar Tage ins benachbarte Elsaß. Viel genützt habe das allerdings bei den beiden anderen nicht. Englisch sei leichter und die Begeisterung für die französische Sprache wolle nicht so recht aufkommen. Das sei schließlich eine Herzenssache. Da hat er recht. So viele verschiedene Umstände spielen eine Rolle, bis bei Schülern plötzlich die Begeisterung für Frankreich entsteht. Und dann ist es meistens wieder nur ein bestimmtes Ereignis, das die Passion für die französische Sprache vermittelt, ein besonders gelungener Urlaub, ein Schüleraustausch, der perfekt gelungen ist, vielleicht auch eine bestimmte Lektüre, eine Brieffreundschaft, also meistens ein Ereignis, das sich im Gedächtnis der Schüler als Programm eingegraben hat. Bei mir war es ein Freund, der mit Camus‘ Le mythe de Sisyphe mitgebracht hatte, als wir in der Schule damals Camus‘ L’étranger lasen. Die fünf Seiten mit meinem Referat und das Thesenpapier zu diesem Essai, das ich damals in der Klasse verteilt hatte, habe ich heute noch. Und > was daraus gemacht habe ich auch.

Die Schule läßt viele Schülerinnen und Schüler Französisch abwählen, bevor sie sich ein richtiges Bild von der Sprache und der mit ihr verbundenen Kultur Frankreichs machen können. Die aktuellen Lehrpläne räumen zwar einen gewissen Platz für längere Texte wieder ein, aber die kulturelle Vielfalt und der außerordentliche Beitrag der französischen Geschichte für Europa kann damit kaum gewürdigt werden. > 48 Beiträge zur Geschichte gibt es > auf diesem Blog. Über > 150 Artikel zur Politik sind hier schon geschrieben worden.

TGV: Auf nach Paris.

Auf nach Paris.

Immer wieder, wenn ich mit Schülern, die Französisch lernen, zusammentreffe und sie frage, wann sie das letzte Mal in Frankreich waren, dann fällt oft auf, dass viele von ihnen das Land höchstens von einer Stippvisite oder sogar gar nicht kennen. Genauso erstaunlich ist es, dass die meisten von ihnen, noch nie etwas vom > Deutsch-französischen Jugendwerk gehört haben. Das DFJW hat seine unbestreitbaren Erfolge, und ein Beitrag wie dieser sollte Schüler einladen, die Website des DFJW zu besuchen und für sich selber eine Liste der Möglichkeiten machen, wie man sich mit Hilfe des DWJF im deutsch-französischen Dialog engagieren kann. Die Möglichkeiten sind so zahlreich wie spannend. Und ich verzichte hier darauf, eine Liste der Angebote des DFJW zu erstellen, ich würde dann den längsten Beitrag der hier bereits fast 1000 geschriebenen Beiträge verfassen.

Pont des Arts

Pont des Arts

Legt die Hände nicht in den Schoss und wartet nicht darauf, bis jemand eine gute Idee für Euch hat. (Lest aber, was Helmut Schmidt Euch zu sagen hat!) Mit Hilfe eines Austauschs auch für die ganze Klasse, am besten noch mit der Dokumentation auf einem Blog nehmt Ihr Eure Französischkarriere selber in die Hand. > Französischunterricht 1.0 => 2.0 ! Und informiert Euch über das Studium in Frankreich und über die deutsch-französischen Studiengänge. Der Beginn meines Studiums in Frankreich (Paris III und das Institut d’Études politiques) war das beste Sprungbrett zum 1. und 2. Staatsexamen.

Petit déjeuner

Place de la Sorbonne

> Warum soll man Französisch lernen? Diese Frage habe ich auf diesem Blog schon mehrmals beantwortet, und ich möchte eigentlich, dass das ganze Frankeich-Blog diese Frage ständig beantwortet. Wieviele der hier vorgetragenen Themen sind schon mal in Euren Französischunterricht angespochen worden? Nein, ich möchte den keinesfalls abwerten, darum geht es hier nicht. Im Französischunterricht lernt Ihr wichtige Grundlagen, aus denen Ihr selber was machen könnt und müsst, und dafür gibt es hier > einige Anregungen. Und die > Argumente für Französisch habe ich auf einer eigenen Seite zusammengefasst.

Diagnostizieren und Fördern

french german 

1 36 37 38 39 40 53