Heute vor 225 Jahren:
Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte

26. August 2014 von H. Wittmann

Wie steht es heute im Jahr 2014 um die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789? Nicht gut. Die vielen erschreckenden Nachtrichten aus allen Teilen der Welt belegen, dass diese Erklärung für viele Staaten noch eine weit entfernte Vision ist. Unsere Medien feiern so viele Jahrestage, aber sie würdigen gar nicht oder > nur sehr vereinzelt aber auch > hier den 225. Geburtstag der Verkündung der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte – > Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen, die am 26. August 1789 von der > französischen Nationalversammlung verkündet wurde. Dieser Text ist der wichtigste politische Text der Neuzeit. Man spricht oft nur von den Menschenrechten, aber die Bürgerrechte sollen ihre Durchsetzung garantieren; deshalb muss immer der vollständige Titel dieses Textes genannt werden: Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte war das Ergebnis der Aufklärung und gleichzeitig der Beginn der Demokratie in Frankreich. Ist die Durchsetzung der Menschenrechte so schwer, nur weil ihr in den entscheidenden Momenten die Anwälte für ihre Realisierung fehlen?

Der erste Artikel legte 1789 unmissverständlich die Freiheit jedes Einzelnen fest: Lesen wir hier nur mal drei der 17 Artikel:

Artikel 1
„Les hommes naissent et demeurent libres et égaux en droits. Les distinctions sociales ne peuvent être fondées que sur l’utilité commune.“

„Die Menschen werden frei und an Rechten gleich geboren und bleiben es. Gesellschaftliche Unterschiede dürfen nur vom allgemeinen Nutzen begründet sein.“

Der 2. Artikel legt fest, wie die Menschenrechte gewahrt werden wollen und begründet das Widerstandsrecht:

„Le but de toute association politique est la conservation des droits naturels et imprescriptibles de l’homme. Ces droits sont la liberté, la propriété, la sûreté et la résistance à l’oppression.“

„Der Zweck jeder politischen Vereinigung ist die Bewahrung der natürlichen und unantastbaren Menschenrechte. Diese sind das Recht auf Freiheit, das Recht auf Eigentum, das Recht auf Sicherheit und das Recht auf Widerstand gegen Unterdrückung.“

Der 3. Artikel definiert das Souveränitätsprinzip, das jede Art von Diktatur vermeiden soll.

„Le principe de toute souveraineté réside essentiellement dans la nation, nul corps, nul individu ne peut exercer d’autorité qui n’en émane expressément.“

„Der Ursprung jeder Souveränität liegt in ihrem Wesen beim Volk; keine Körperschaft, kein Einzelner kann eine Gewalt ausüben, die nicht ausdrücklich von ihm ausgeht.“

Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte war 1789 ihrer Zeit weit voraus. Dennoch war sie sofort ein politisches Programm, an der sich Erfolge und Misserfolge der Revolutionäre von 1789 messen lassen mussten. Noch heute birgt diese Erklärung viel revolutionäres Potential in sich, weil viele Staaten weit davon entfernt sind, die Rechte ihrer Staatsbürger anzuerkennen. Und wenn diese Erklärung akzeptiert ist, dann geraten die in ihr ausgedrückten Rechte immer wieder in Gefahr missachtet zu werden. Viele Staaten haben in ihren Verfassungen ganz explizit den Hinweis auf diese Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte aufgenommen, manche haben sie mehr oder weniger bewusst weggelassen.

Camille Desmoulins (1760-1794) war Anwalt, Verleger, Journalist, Autor, Politiker, Abgeordneter, Regierungsmitglied. Sein Engagement für die Revolution verleitete ihn dazu, eine besondere Art des politischen, kämpferischen Journalismus zu entwickeln, der nicht nur berichten, sondern mitgestalten will. Seine Ethik als politischer Aktivist und seine Überzeugungen als Journalist wurden in einem Vorwort am besten von Félix Godart zusammengefasst, als sein Buch Camille Desmoulins d’après ses œuvres, Paris 1889 erschien: Das Vorwort dieses Buches enthält die Déclaration des droits de l’homme. Programm und Maßstab für sein politisches Handeln.

Heiner Wittmann, Camille Desmoulins. Journalismus und Terror, i. Vb.

—, Condorcet und die Französische Revolution, in: Christina Rohwetter, Marita Slavuljica, Heiner Wittmann, (Hrsg.), > Literarische Autonomie und intellektuelles Engagement. Der Beitrag der französischen und italienischen Literatur zur europäischen Geschichte (15.-20. Jh.). Festschrift für Dirk Hoeges zum 60. Geburtstag, Frankfurt/ M. 2004, S. 91-109.

Dirk Hoeges > Die Menschenrechte und ihre Feinde. Deutsche Profile zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik, Köln 2013.

> Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen de 1789 – Website www.legifrance.gouv.fr

> Institut nationale des droits de l’homme – Strasbourg

> Que sont les droits de l’homme?– Nations-Unies – Haut commissariat aux drois de l’homme

> Droits de l’Homme – Site www.diplomatie.gouv.fr

> Déclaration des droits de l’homme et du citoyen – Institut français de l’éducation

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