Vor 170 Jahren: 10 décembre 1848 : L’élection du premier Président de la République

5. Dezember 2018 von H. Wittmann



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Wie hieß der erste Staatspräsident, der in Frankreich vom Volk gewählt wurde? Wie lange dauerte seine Amtszeit? Wie oft wurde er wiedergewählt?

Louis-Napoléon erschien als politischer Neuling zusammen mit dem Glanz Napoleons I., noch ohne die Unterstützung einer politischen Partei, die ihn allein in den Élysée-Palast hätte bringen können. Einem kleinen Kreis engster Vertrauter, seiner eigenen Beharrlichkeit und auch politischem Glück hat er 1848 den Aufstieg zum höchsten Amt im Staat zu verdanken. Sein Lebensweg war nicht frei von Rückschlägen, die ihn nach dilettantisch ausgeführten Aktionen ins Exil und dann sogar lebenslänglich ins Gefängnis, aber dann auf Grund günstiger Umstände in den Elysée-Palast brachte. Er hat aber auch Mut bewiesen. Es ist nicht nur sein unerschütterlicher Glaube an seine Bestimmung, sondern auch sein politischer Verstand und sein Gespür, günstige Situationen zu erkennen und zu seinem Vorteil zu nutzen, die ihm seinen Erfolg sichern. Er hatte politisches Glück, Intelligenz sicherlich, aber auch Helfershelfer, die stets im rechten Moment zur Stelle waren und den Verdacht aufkommen lassen, dass Louis-Napoléon eben doch zumindest ab etwa 1830 durch eine Organisation gestärkt worden ist, die sich im Hintergrund hält.


Colloque : > 170e anniversaire de la première élection présidentielle française
A l’occasion du 170e anniversaire de la première élection présidentielle de France, qui, le 10 décembre 1848, porta à la tête de l’État Louis-Napoléon Bonaparte, l’Institut de France et le LabEx Écrire une histoire de l’Europe (EHNE) organisent une rencontre scientifique pour en éclairer le contexte, les enjeux et la portée.
Lundi 10 décembre 2018 – Fondation Del Duca > Le programme
10 rue Alfred de Vigny – 75008 Paris Métro Courcelles ou Monceau
Inscription obligatoire : labex.ehne2@gmail.com

9h30 : Accueil
10h : Introduction Jean Tulard – Institut
10h15 : Le contexte européen de la présidentielle de 1848
Yves Bruley – EPHE, LabEx EHNE
10h45 : Enjeux, campagne et résultats de l’élection
Eric Anceau – Sorbonne Université, LabEx EHNE
11h45 : La présidentielle dans l’histoire internationale
Jean Garrigues – Université d’Orléans, président du CHPP
12h15 : Débat
Organisateurs : Marie Levant – Matthieu Labbé


Zweimal hatte > Louis-Napoléon (1808-1873) einen Staatsstreich unternommen. Nach dem ersten Mal wurde er in die USA ausgewiesen, beim Rückfall wurde er 1840 nach der versuchten Landung 1840 Boulogne-sur-Mer zu lebenslänglicher Festungshaft verurteilt, die er Dank der Mithilfe seines späteren Leibarztes und Freimaurers Henri Conneau (1803-1877) abkürzen konnte, indem er 1846 das Fort Ham als Bauarbeiter verließ. Er floh nach England, kam kurz nach der Februarrevolution nach Paris zurück, musste sich auf Bitte der Provisorischen Regierung erst einmal von den Ereignissen wieder fernhalten.

Louis Désiré Véron, > Nouveaux mémoires d’un bourgeois de Paris depuis le 10 décembre 1848 jusqu’aux élections générales de 1863, le Second Empire, Band 1, Paris, 1866, S. 12  >>>>

Bei den Nachwahlen Anfang Juni in 21 Départements werden Molé in Bordeaux, Thiers in Rouen und Louis-Napoléon Bonaparte in vier Départements (Paris, Yonne, Corse, Charente-Inférieure) gewählt. Republikaner, Legitimisten und Demagogen stimmen für ihn, und die Nation benimmt sich wie eine aufgeregte Herde, die nach allen Seiten rennt, ohne einem Weg zu folgen, erinnert sich Tocqueville und wundert sich, damals nicht geahnt zu haben, dem Kabinett Barrot einmal als Außenminister anzugehören. Er bezeichnet den gerade erst neu gewählten Abgeordneten Louis-Napoléon Bonaparte in einem Brief an Paul Clamorgan als einen „vulgären Ehrgeizling und politischen Abenteurer“. (A. de Tocqueville an P. Clamorgan, 14.5.1848, in: id., Œuvres complètes, Bd. X, Correspondance et écrits locaux, hrsg. v. L. Queffélec-Dumasy, Paris 1995, S. 467.)

<< > Journées illustrées de la Révolution de 1848: Récit historique de tous les événements accomplis depuis le 22 février jusqu’au 21 décembre 1848, jour de la prestation de serment du Président de la République

Bureau de l’Illustration, 1848.

Nach einem kurzen offenkundig erfolgreichen Wahlkampf wird Louis-Napoleon am 10./11.12.1848 mit 5,5 Millionen Stimmen zum ersten Staatspräsident Frankreichs für vier Jahre gewählt. Nicht wiederwählbar, was ihm spätesten ab dem 3. Amtsjahr Kopfzerbrechen bereitete. Als dann auch noch die Verfassungsreform scheiterte, legte er den Ordner Rubicon an und am 2. Dezember 1851 unternahm er seinen dritten und diesmal erfolgreichen > Staatsstreich, den er mit der Aufhebung des Wahlgesetzes und damit mit der Wiedereinführung des Allgemeinen Wahlrechts rechtfertigte. Des nachts geklebte Plakate und einige Scharmützel, das wars. Louis-Napoleon ließ sich mit einem Plebiszit seine Amtszeit auf 10 Jahre verlängern und akzeptierte es, dass man ihm am 2. Dezember 1852 die Kaiserwürde antrug. Das Zweite Kaiserreich sollte bis 1870 dauern.


Eric Anceau, > Napoléon III., Paris: éd. Tallandier 2008.

Heiner Wittmann, > Napoleon III. Macht und Kunst, Reihe Dialoghi/dialogues. Literatur und Kultur Italiens und Frankreichs. Hrsg. v. Dirk Hoeges, Band 17, Verlag Peter Lang, Frankfurt, u.a., 2013.

Unsere Redaktion zeigt hier noch einmal das Gespräch, an dass wir im Februar 2014 in der Sorbonne mit Éric Anceau geführt haben: “Am letzten Donnerstag, 12. Februar 2014, hatte wir eine Gelegenheit mit Éric Anceau in der Sorbonne zu sprechen. Éric Anceau lehrt Geschichte an der Université Paris-Sorbonne (Paris IV) wie auch an Sciences-Po. Er ist u.a. Chercheur associé am > Centre de recherches en histoire du XIXe siècle. Eric Anceau hat > zahlreiche Studien über das Zweite Kaiserreich verfasst. 2008 hat er eine Biographie über Napoléon III. Un Saint-Simon sur cheval vorlegt. Wir haben ihm u.a. folgende Fragen gestellt: ” … wieso ein Saint-Simon ? ” Bitte weiterlesen

Voir aussi: Eric Anceau, > L’empire libéral (2 Vol) T1 Genèse, avènement, réalisations T2 Menaces, chute, postérité, Paris: Editions SPM, 2017, ISBN : 978-2-917232-58-3 • 1 avril 2017 • 1426 pages.


Wie war es möglich, dass trotz aller Widrigkeiten, Louis-Napoleon schließlich doch am Ziel seiner Träume ankam und die Nachfolge seines illustren Onkels Napoleons I. antreten konnte? Sein Name und seine Abstamung – darüber diskutieren wir heute nicht – hatten einen erheblich Einfluss auf seinen politischen Erfolg. Dazu kamen seine Schriften wie 1832 Rêveries politiques, mit denen er eine Verfassung entwirft, die sich auf die Verfassungen von 1791 und 1793 bezieht. Er beginnt mit einer Bemerkung über das allgemeine Unbehagen, das in Europa daher rühre, dass die Völker nur wenig Vertrauen in ihre Herrscher haben. Sätze wie, „Versprechungen wurden nicht gehalten, und die Könige verteidigen ihre Throne als persönliches Eigentum“ (Louis-Napoléon Bonaparte, Rêveries politiques, in: ders., Œuvres, hrsg. v. Ch.-E. Temblaire, Bd. I, Paris 1848, S. 65-96, bsd. S. 70-72.) verschärfen die Kritik an den politischen Zuständen seiner Zeit, ohne dass diese näher präzisiert werden. In den e Idées napoléoniennes (1839), legt er sein politisches Programm nieder. Er hatte auch soziale Reformvorschläge gemacht: > L’extinction du paupérisme (1844). In dieser Schrift legt er seine Visionen für die Bekämpfung der Armut dar. Landwirtschaft, Industrie, Innen- und Außenhandel entscheiden über die öffentlichen Einnahmen. Jedem dieser Faktoren haftet ein grundsätzlicher Makel an. Das gilt auch für die Steuern, die ungerecht verteilt werden, und er schildert in einem drastischen Satz das Leben der Fabrikarbeiter: Die Industrie als ein Saturn der Arbeit fresse ihre Kinder und lebe nur von ihrem Tod. Das erste Kapitel schließt mit der populistischen Forderung, die Arbeiterklasse, die nicht besitzt, müsse Eigentümer werden. Ein dritter und nicht unerheblicher Faktor seiner Erfolge könnte seine Mitgliedschaft bei einer Freimaurer-Loge gewesen sein. Echte belastbare Beweise liegen dafür nicht vor, aber die kleine Zahl unbeugsamer Helfershelfer, die ihm in schwierigen Situationen beigestanden, von selbst einige Freimaurer waren, wären Grund genug, in den Archiven genauer nachzuschauen:

Mit Persigny lernt er 1835 einen seiner wichtigsten Helfer kennen. Jean-Gilbert-Victor Fialin, Duc de Persigny (1808-1872), Freimaurer, versucht schon 1830 einen Staatsstreich,der scheitert und er wird ins Zivilleben versetzt.


> Nachgefragt: Henri Murger, Scènes de la vie de bohème – 11. Dezember 2013:
“En décrivant l’indépendance et la liberté des artistes, Henri Murger montre en même temps que la littérature a un pouvoir de prédication. Il anticipe, dans son roman, la nouvelle constellation politique du Second Empire, en en faisant le cadre de son roman.”


In Straßburg am 30. Oktober 1836 ist Persigny mit dabei und wird die Landung am 6. August 1840 bei Wimereux in der Nähe von Boulogne-sur-Mer vorbereiten. 1848 leitet er den Wahlkampf für die Präsidentschaftswahl, und nach dem Staatsstreich im Dezember 1851 wird er am 22. Januar 1852 Innenminister.

Der Anwalt Pierre-Antoine Berryer (1790-1868) übernimmt während des Prozesses vom 26. September bis 6. Oktober 1840 die Verteidigung von Louis-Napoléon, der zu lebenslanger Festungshaft verurteilt wird. Berryer wird am 23. Dezember 1838 von der Pariser Loge Chevaliers croisés aufgenommen; somit hat ein Freimaurer den Umstürzler verteidigt.

Louis Désiré Véron, > Nouveaux mémoires d’un bourgeois de Paris depuis le 10 décembre 1848 jusqu’aux élections générales de 1863, le Second Empire, Band 1, Paris, 1866, S. 27  >>>>

Der Präsident wurde 1848 für vier jahre gewählt und war nciht wiederwählbar. Der Staatsstreich-erfahrene Neffe des Kaisers würde sich damit trotz aller Beteuerungen wohl nicht zufriedengeben.

Während des Wahlkampfs 1848 entsteht eine unübersehbare Zahl von Clubs jeder Couleur, die die Wahlpropaganda übernehmen. Der Vizepräsident des Club républicain de la fraternité Jean-Claude Bésuchet de Saunois (1790-1867) ist Veteran der kaiserlichen Armee und Freimaurer. Mit einem Wahlplakat oder Flugblatt „Présidence de la République“, das er mit „Bésuchet, früherer Offizier der kaiserlichen Armee“ unterzeichnet, ruft Bésuchet de Saunois im Namen einer Wahlvereinigung im Departement Seine zur Wahl des Kandidaten Louis-Napoléon auf: J.-C. Bésuchet, Club républicain de la Fraternité, sous la présidence de M. Charles Lesseps. [Lettre d’invitation du 9.4.1848], Bibliothèque nationale, Paris: 8-LB53-1043. Vgl. die Studie mit einer ausführlichen Bib¬liographie der Wahlpropaganda: Pimienta, R., La propagande bonapartiste en 1848, Paris 1911; Bésuchet, Présidence de la République. (Signé : Bésuchet.), [Plakat], Paris,-1848, Bibliothèque nationale, Paris, 8-LB54-1875.

Napoléon III. hat während seiner Regierungszeit eine bemerkenswerte Modernisierung Frankreichs bewirkt. Im Zweiten Kaiserreich (1852-1870) wird ein kalkuliertes Zusammenspiel von Macht und Kunst erkennbar, das von der Konfrontation der Künstler und Intellektuellen gegen das Regime, aber auch von der staatlichen Förderung der Kunst, vor allem auf dem Weg über die Zivilliste des Kaisers bestimmt wird. Künstlern, Dichter und Schriftstellern gelingt es, gegenüber einer allgegenwärtigen Zensur, die Unabhängigkeit der Kunst zu demonstrieren und einzufordern.

> Journées illustrées de la Révolution de 1848: Récit historique de tous les événements accomplis depuis le 22 février jusqu’au 21 décembre 1848, jour de la prestation de serment du Président de la République, Bureaux de l’Illustration, 1848

Der >Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 diskreditierte das Amt des Präsidenten und damit auch seine Wahl des durch das Volk. Erst nach der Verfassungsrefom von 1962 gab es 1965 wieder eine Wahl durch das Volk: Im ersten Wahlgang erreichte General de Gaulle nicht die absolute Mehrheit und er musste im zweiten Wahlgang gegen François Mitterrand antreten.

Auf unserem Blog:

> Éric Anceau : Warum sollte man Napoléon III heute kennen?

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