Archiv für die Kategorie 'Politik'

Die Rentenreform und der Artikel 49.3 der Verfassung von 1958

Montag, 2. März 2020

> Die Rentenreform in Frankreich 6. Januar 2020

> Faktencheck: 61 % fordern in Frankreich die Aufgabe der Rentenreform – 26. Januar 2020

> Portail vidéo de l’Assemblée nationale

Dosser législatif : > Système universel de retraite – Projet de loi – Website der Assemblée nationale

> www.reforme-retraite.gouv.fr – site du gouvernement


Allein die Fraktion von La France Insoumise hatte zur Debatte um die Rentenreform 22.000 Änderungsanträge eingereicht. Jean-Luc Mélenchon wollte das nicht als Obstruktion verstanden wissen: “Nous n’avons pas fait d’#obstruction, c’est une invention”, so wird er von France-Inter zitiert.

Als am Samstag, 29. Februar 2020 noch 29.000 Änderungsanträge behandelt werden müssen, verkündet der Premierminister Èdouard Philippe, dass gemäß Artikel 49.3 der Verfassung der V. Republik im Zusammenhang mit dem Gesetz über die Rentenreform die Vertrauensfrage stellen werde. Prompt werden zwei Misstrauensanträge eingereicht, sollte einer der beiden Anträge die absolute Mehrheit aller Abgeordneten erhalten, muss der Premierminister beim Staatspräsidenten den Rücktritt der Regierung einreichen. Finden die beiden Misstrauensanträge keine absolute Mehrheit, bleibt die Regierung im Amt und die Rentenreform gilt in erster Lesung (procédure accélérée) ohne Abstimmung im Parlament angenommen. Philippe wies ausdrücklich daraufhin, dass in den Gesetzesentwurf, den er jetzt vorgelegt hat, alle bisherigen angenommenen Änderungsanträge berücksichtigt worden seien.

Bedeutet der Artikel 49.3 neue Demos und Gewalt?

> Artikel 49-3 der Verfassung der V. Republik:
“Le Premier ministre peut, après délibération du Conseil des ministres, engager la responsabilité du Gouvernement devant l’Assemblée nationale sur le vote d’un projet de loi de finances ou de financement de la sécurité sociale. Dans ce cas, ce projet est considéré comme adopté, sauf si une motion de censure, déposée dans les vingt-quatre heures qui suivent, est votée dans les conditions prévues à l’alinéa précédent. Le Premier ministre peut, en outre, recourir à cette procédure pour un autre projet ou une proposition de loi par session.”

Beliebtes Thema für eine Klausur in Sciences Po:

Soll der Artikel 49.3. beibehalten oder abgeschafft werden?

Der Blick in die Geschichte des Artikels 49.3:

Auf unserem Blog:

> Ohne Abstimmung gültig: 49-3 – 18. Februar  2015

> Ohne Abstimmung gültig: 49-3 (II) – 11. Mai 2015

Die Freiheiten bewahren und der Kampf gegen islamistische Parallelgesellschaften

Freitag, 21. Februar 2020

Am 18. Februar hat Präsident Macron in Mulhouse eine Pressekonferenz zum Thema der Parallelgesellschaften gegeben: > Protéger les libertés en luttant contre le séparatisme islamiste : conférence de presse du Président Emmanuel Macron à Mulhouse. Ihm geht es auch um den Kampf gegen den Hass. In den betroffenen Stadtteilen von Mulhouse versucht man mit vielen Maßnahmen dem Hass zu begegnen. Ausgrenzung, Hass und Hetze tragen zur Entstehung von Parallelgesellschaften bei und erschweren die Integration, so lautet die Botschaft Macrons und er nennt die Aktionen, die der Staat unternimmt, um den Parallelgesellschaften, dem “Separatismus” und den Diskriminerungen entgegenzuwirken:

Präsident Macron: ” Il faut bien le dire, depuis maintenant plusieurs décennies, nous avons le sentiment dans notre pays que – puisque le sentiment, c’est une réalité – des fractures se sont installées. Le sentiment que la République n’était pas toujours au rendez-vous de ses promesses, c’est ce que vous m’avez dit tout à l’heure, quand on parle d’emploi, quand on parle d’éducation ou autre. Sentiment aussi qu’il y a des parties de la République qui veulent se séparer du reste, qui, au fond, ne se retrouvent plus dans ces lois, dans ses codes, ses règles que nous avons une partie de notre population qui se sépare du reste, en tout cas qui considérant peut-être qu’on l’a fait vivre longtemps derrière des murs, décide d’en bâtir de nouveaux et de le faire, c’est pour ça que toutes les choses se mélangent souvent dans notre débat public, au titre d’une religion dont elle déforme les aspirations profondes et en faisant de cette religion un projet politique et au nom de l’islam. ”

“Kommen Sie mit und hören Sie meine Rede…”

Der Tipp unserer Redaktion:
L’observatoire du conspirationnisme : > www.conspiracywatch.info ***

Élections municipales françaises de 2020 : les 15 et 22 mars 2020.

Montag, 17. Februar 2020

Die Gemeindewahlen (Élections municipales) 2020 sind ein besonderer Stimmungstest für die Regierung in Paris vor dem Hintergrund der Proteste der Gelbwesten, die zunächst ein lokaler Protest war, der das Abhängen ländlicher Gegenden kritisierte: vgl. >  Les Gilets Jaunes – 9. Januar 2019. Auch vor dem Hintergrund der langen Streiks und der andauernden Proteste gegen die geplant Reform der Renten kommt den Munizipalwahlen eine ganz besondere Aufmerksamkeit zu: > #Municipales2020. Der von den Sozialen Medien befeuerte Skandal um den Kanidaten von LaREM in Paris, Benjamin Griveaux, der nach einer Indiskretion mit der Versendung eines privaten Videos zurückgetreten (vgl. > Griveaux tritt nach Sexvideo zurück – www.tagesschau.de) und am 17.2. durch die bisherige Gesundheitsministerin Agnès Buzyn ersetzt wurde. Heute wurde der Abgeordnete Olivier Véran als ihr Nachfolger ernannt. Die Situation in Paris: > Municipales à Paris : Anne Hidalgo, très contestée mais favorite.

18 politische Formationen treten an: DC : Divers centre ; DG : Divers gauche ; DLF : Debout la France ; EELV : Europe écologie-Les Verts ; G. s : Génération. s ; LFI : La France insoumise ; LR : Les Républicains ; LREM : La République En marche ; MR : Mouvement radical ; ND : Nouvelle Donne ; NPA : Nouveau Parti anticapitaliste ; PP : Place publique ; PRG : Parti radical de gauche ; PS : Parti socialiste ; RN : Rassemblement national (ex-FN) ; SE : Sans étiquette ; UDE : Union des démocrates et écologistes ; UPR : Union populaire républicaine

> Les différentes élections – Ministère de l’Interieur > interieur.gouv.fr – Ministère de l’Intérieur

> Elections municipales 2020 / Elections – Ministère de l’Intérieur – Ministre de l’Intérieur

> Elections municipales 2020 : ce qu’il faut savoir – Les Echos – 6 février 2020
> Municipales 2020 : comment bien lire un sondage
> Municipales 2020 : ce que disent les derniers sondages

Viele Artikel: > Municipales 2020 – Le Figaro

> Les 11 plus grandes villes de France passées au crible de l’Institut Montaigne

> Élections municipales françaises de 2020 – Wikipédia

 

Emmanuel Macron: Discours sur la stratégie de défense et de dissuasion devant les stagiaires de la 27ème promotion de l’Ecole de guerre

Freitag, 14. Februar 2020

Mit seine r Rede über die Verteidigung und Abschreckung  vor dem 27. Jahrgang der École de guerre, École militaire hat Emmanuel Macron  am 7. Februar 2020 seine bisherigen Reden zu Europa – > Macron und Europa – mit einer Rede zur europäischen Sicherheitspolitik ergänzt. Macron bietet den Mitgliedsstaaten der EU Gespräche zu strategischen Fragen der Verteidigung an.

> Le discours du Président Emmanuel Macron sur la stratégie de défense et de dissuasion devant les stagiaires de la 27ème promotion de l’école de guerre – site du Palais de l’Élysée

> Rede des französischen Staatspräsidenten zur Verteidigungs- und Abschreckungsstrategie – Website der französischen Botschaft in Berlin

Was hat Macron gesagt?

>Macron, Trump und die NATO  – 4. Dezember 2019

Claudia Major
> Die Rolle der Nato für Europas Verteidigung
Stand und Optionen zur Weiterentwicklung aus deutscher Perspektive
SWP-Studie 2019/S 25, November 2019, 42 Seiten

Klaus Wittmann, Die Nato braucht eine neue Strategie – Der Tagesspiegel, 14.2.2020

Zu seiner Analyse gehört die Aussage, das Gleichgewicht der Abschreckung zwischen den Mächten sei instabil geworden.
Man müsse darüber nachdenken, um vorbereitet zu sein, wie die Kriege von morgen aussehen könnten. Die strategische Sicherheit durch das Gleichgewicht der Kräfte sei heute nicht mehr gegeben. Wenn Europa seinen Multilateralismus in den Dienst der kollektiven Sicherheit stellen wolle, ergäben sich, so der Präsident daraus zwei Forderungen: Die Förderung einer internationalen Agenda hinsichtlich der Beherrschung der Waffen und eine europäische Investition in die Verteidigung. Diese Forderungen ergäben sich aus der Souveränität und der Handlungsfreiheit, die er seit seiner Wahl für Europa unterstütze.

Hinsichtlich des Endes des Vertrages über die Mittelstreckenraketen müsse Europa eine klaren Standpunkt einnehmen und über die Prioritäten zugunsten der Abrüstung nachdenken, die gleichzeitig die nationale Sicherheit verbessert. Hinsichtlich dieser Fragen wolle Frankreich mit seinen Partnern eine internationale Strategie vorschlagen, die überall dort gelten solle, Europa aktiv sei.

Frankeich leiste seinen Teil zur Abrüstung zugunsten der Stabilität und der Sicherheit in der Welt. Der Präsident zählt die Maßnahmen Frankreich zur Abrüstung auf, es besitzt weniger als 300 Atomwaffen. Die anderen Staaten sollten Frankeich unterstützen. Dabei gehe es um den Artikel des TNP und vor allem um vier Punkte:

Atomwaffensperrvertrag, Verbot von Atomtests, Fortsetzung der Überprüfungen der atomaren Abrüstung, Anstrengungen zur Reduktion strategischer Risiken. In diesem Zusammenhang wünscht Macron die« trilatéralisation » oder die „ multilatéralisation der Abkommen zur Reduzierung der Atomarsenale. Gerade seit dem Ende Vertrags über die Mittelstreckenraketen sollte Europa jetzt seine Stimme erheben.

Noch für lange Zeit Könne Europa seine Stärke nur aus den nationalen Armeen gewinnen. Aber unter Europäern habe man schon begonnen, Grundsätze zu entwickeln, die das gemeinsame Bewußtsein betonen, die gleichen Interessen verteidigen, autonom Handeln und solidarisch Vorgehene, wenn es notwendig werde, womit die Zusammenarbeit mit der NATO auch aus französischer Sicht keinesfalls in Frage gestellt werde.

Aber unsere Sicherheit, so Macron, verlange eine größere Handlungskapazität seitens der Europäer. Noch einmal sagt Macron ausdrücklich:“Die NATO und Europa sind die beiden Säulen der kollektiven Sicherheit in Europa. In diesem Sinne hätten die Amerikaner Recht, mehr Engagement von den Europäern zu verlangen. Nebenbei bemerkt Macron, die Sicherheit Europas hänge von einer Vielzahl von Faktoren (Digitalisierung, Normen, Infrastruktur), die nicht in Reichweite der USA seien. Auf diesen Gebieten müsse Europa unbedingt seine Souveränität wiederfinden.

In diese Rahmen einer europäischen Strategie gehöre auch der > Fonds européen de défense (s. a. > Europäischer Verteidigungsfonds – Website der EU-Kommission) und die Initiative européenne d’intervention, die Macron vorgeschlagen habe und die umgesetzt wurde.

Die Nuklearstrategie Frankreichs diene der Verhinderung eines Krieges. Die Unabhängigkeit Frankreichs hinsichtlich der Entscheidungen, die Atomstreitmacht betreffen sei, mit einer unerschütterlichen Solidarität mit den europäschen Partnern vereinbar: „Seien wir ganz deultich, die vitalen Interessen Frankreichs haben künftig eine europäische Dimension.“ Un detzt kommt der entscheidende Satz dieser Rede. “In diesem Sinne, wünsche ich die Entwicklung eines strategischen Dialogs mit unseren europäischen Partners über die Rolle der der französischen Nuklearabschreckung in bezug auf unsere kollektive Sicherheit.“ Die Zusammenarbeit mit der NATO, den amerikanischen und britische n Streitkräften bleibe natürlich bestehen.

Es folgen im letzten teil der Rede Macrons einige Überlegungen zur Bedeutung der Nuklearstrategie: „Erkennen wir an, dass die Abschreckungsstrategie nicht reicht,um den Frieden zu begründen, es genüge nicht die Gealt einzudämmen, es müsse eine wirkliche Zusammenarbeit und Eintracht zwischen allen geben.“

Zur Erinnerung:

Die Bilanz nach einem Jahr: > La souveraineté de l’Europe: Eine Bilanz der Sorbonne-Rede vom 26. September 2017 – 2. November 2018 – Website des Elyséepalastes

Dazu: > 3ème point d’étape de l’initiative pourl’Europe Website des Elyséepalastes

> Der Gastbeitrag von Emmanuel Macron: Ein Appell zugunsten Europas – 5. März 2019

> 13 janvier 2019 : La Lettre d’Emmanuel Macron aux Français – 13. Januar 2019

> Pierre-Yves Le Borgn’ : “L’Europe doit retrouver le lien citoyen.“ – 24. Mai 2019

Voir aussi: > Europe: Les Consultations européennes / Europa: Die Bürgerbefragungen – 10. September 2018

Anstatt immer nur uns Diskussionen über Migranten aufzwingen zu lassen, sollten wir mehr über die Erfolge und die Aufgaben Europas sprechen.

Tout un système : >

La refondation de l’Europe passe par la culture: >#fbm17 #FRAFRA2017 Le discours d’ouverture d’Emmanuel Macron

Nos atouts : >

Un programme : >

La chance de nous tous : >

> Discours du Président de la République devant le Parlement réuni en Congrès à Versailles – 10. Juli 2018

Rappel: > Nachgefragt: “L’Europe ne doit pas se faire dans le silence.”Entretien avec Christian Lequesne, Professeur à Sciences po à Paris

Aktuell:

Populismus

Freitag, 31. Januar 2020
Paula Diehl > Was ist Populismus? – bpb Bundeszentrale für politische Bildung, 28.1.2018: “Populismus kann als eine besondere politische Logik definiert werden. Im Zentrum steht die Idee, dass die Macht dem Volke gehört und dass die Politik Ausdruck des Volkswillens sein soll. Populismus idealisiert das Volk und baut Feindschaft zur Elite auf. Hier fungiert der Führer als Stimme des Volkes. Populismus erzählt die Geschichte des von der Elite betrogenen Volkes:…”.

Ergänzt am 31.1.2020.

Kaum ein anderes Wort in den letzten Jahren
hat die Parteienlandschaft in vielen Ländern der EU oder auch in den USA, sowie beim Brexit so geprägt, wie das des Populismus. Wenn Jean-Luc Mélenchon (La France insoumise) auf seinem Blog mit dem Titel > L’ère du peuple die Wut des Volkes ausdrücken will, so zeigt er, wie es sich die Populisten gerne für sich in Anspruch nehmen, das Volk zu vertreten, an das sie sich nicht nur wenden, sondern in dem sie möglichst häufig so tun, als wenn sie seine Stimme wären. Dazu gehören u. a. auch Halbwahrheiten, aus denen politische Forderungen abgeleitet werden.

Am 14.1.2020 steht auf Mélenchons Blog unter dem Titel > Retraites : La France insoumise propose une motion de censure contre le gouvernement: “Depuis 40 jours, le pays connaît un mouvement social sans précédent. La réforme des retraites proposée par le gouvernement rencontre un rejet massif de la population. Les Français ne sont pas dupes. Ils savent que le système par points proposé par Macron n’est ni universel, ni juste. Il ne répond pas aux problèmes qui se posent : les gens partent trop tard et trop pauvres en retraite.” Der erste Satz “Depuis 40 jours…” ist eine Aussage. Der zweite Satz behauptet, die Rentenreform würde massiv abgelehnt werden… der dritte Satz: “Les Français ne sont pas dupes,” gibt zu verstehen, wer zustimme, sei > “dupe“, das will doch  niemand sein: die Versuchung ist dann groß das zu glauben, was der Betrug sein soll. Der vierte Satz “Ils savent…” gibt vor, dass ganz Frankreich wissen, dass das von Macron vorgeschlagene Punktesystem ungerecht sei… und dann folgt eine Verdrehung aller Perspektiven: Zu spät gehen die Leute in Rente und sie seien viel zu arm. Alle Forderungen nach frühem Renteneintritt und hoher Rente sind zweifelsohne populär. Populistisch werden sie, wenn unrealistische Versprechungen gemacht werden, oder Forderungen aufgestellt werden, die auf falschen Voraussetzungen beruhen. Die Forderungen bringen Stimmen, füllen aber nicht die Rentenkassen.

> Die Rentenreform in Frankreich und der Streik ab 5. Dezember 2019 – 6. Januar  2020
> Faktencheck: 61 % fordern in Frankreich die Aufgabe der Rentenreform – 26. Januar 2020

Die Prekarität der Renten ist ein zweifellos ein brisantes Thema – auch für die Regierung. Die Herabsetzung des Renteneintrittsalters auf 60 Jahre unter François Mitterrand und dann auch noch die Einführung der 35 Stundenwoche unter Lionel Jospin haben zu der heutigen Schieflage der Rentensysteme in Frankreich beigetragen, wobei die 40 unterschiedlichen Rentensystem ihren Teil dazu beisteuerten. Jede Wiederheraufsetzung ist unpopulär aber von der Füllhöhe der Rentenkassen geboten. Am 17. Dezember 2014 hatte auch der heutige Rassemblement national erkannt, dass ein Defizit der Rentenkassen droht und gab eine Pressemitteilung heraus: > Trou de 11 Milliards en 2018 : les déficits des régimes de retraite se résorberont quand le nombre d’emplois augmentera: “En cela, la solution d’attendre depuis 2008 que la croissance revienne comme par miracle n’a aucun sens. Il est nécessaire d’être courageux et de retrouver nos moyens de relance de l’économie que sont la monnaie nationale, un Etat stratège, un patriotisme économique et un protectionnisme intelligent. Sans cela, l’âge de départ à la retraite ne cessera d’être augmenté et les retraites seront sans cesse rognées.” Das klingt nach Zuversicht und Engagement… allerdings ohne konkrete Maßnahmen, denn “ein “patriotisme économique” ist nur eine Worthülse. In ihren > Les 144 engagements présidentiels schrieb Marine Le Pen noch: ” 52: Fixer l’âge légal de la retraite à 60 ans avec 40 annuités de cotisations pour percevoir une retraite pleine.” Diese Vorschläge sind auch interessant hinsichtlich Le Pens Vorstellungen bezüglich der EU: “1. Retrouver notre liberté et la maîtrise de notre destin en restituant au peuple français sa souveraineté (monétaire, législative, territoriale, économique). Pour cela, une négociation sera engagée avec nos partenaires européens suivie d’un référendum sur notre appartenance à l’Union européenne. L’objectif est de parvenir à un projet européen respectueux de l’indépendance de la France, des souverainetés nationales et qui serve les intérêts des peuples.” Das klingt nach den britischen Populisten, die auch von neuer Bewegungsfreiheit gesprochen haben. Und wieder wird das Volk gerufen, dem seine Souveränität zurückgegeben werden soll, die im folgenden Satz als Ziel seines Strebens erklärt wird.

Frank Dikötter
> Diktator werden
Populismus, Personenkult und die Wege zur Macht
Aus dem Englischen von Heike Schlatterer (Orig.: How to be a Dictator)
1. Aufl. 2020, ca. 368 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98189-6
Erscheint am 22.2.2020 bei Klett-Cotta

Heute sieht das Wahlprogramm von Marine le Pen so aus: Jetzt heißt es > Pour une Europe des nations, und “Alliance Européenne des Nations” (S. 3.): Das altbekannte Gedankengut ist immer noch da:”L’Union Européenne a fait de l’Europe le laboratoire de l’idéologie mondialiste et de son corollaire le libre échangisme, la doc-trine qui fait du nomadisme planétaire, de la mobilité économique, du déracinement des hommes, de la concurrence généralisée les fondements d’une société marchande universelle.” (S. 12)  Der Vergleich dieser 175 Seiten von 2019 mit den 144 Vorschlägen von 2017 ist lehrreich. Die Forderung nach einem Frexit ist aufgegeben: “L’Europe n’est pas une construction idéologique au service d’un projet mercantile mais une réalité vivante au sein de laquelle les citoyens de chaque pays doivent trouver avec la sécurité, la capacité d’agir, d’entreprendre, de s’épanouir et de transmettre”. Trotz einer augenscheinlich so gemäßigt erscheinenden Ansichten: Die Standardthemen des RN sind nicht aufgegeben. Auf Seite 54: “Elle (la civilisation européenne, w.) est menacée par l’idéologie du nomadisme dont l’immigration de masse en est une manifestation, idéologie qui impose un modèle déraciné d’exploitation des territoires sans transmission et sans responsabilité.” Und auf S. 10: ” La paix en Europe procède de la Guerre froide, de l’équilibre nucléaire et du désarmement de l’Allemagne. C’est l’échec de l’Union Européenne à défendre les peuples européens dans la mondialisation et son mépris des identités nationales qui, au contraire, réveillent passions nationales et rivalités historiques.”  Der Erfolg der langen Friedensicherung in Europa ist auch der deutsch-französischen Aussöhnung geschuldet. Und der Appell an ein diffuses Gefühl, man bezahle immer zuviel, wird auf S. 23 Europa verantwortlich gemacht: “Trop de citoyens ont le sentiment de payer pour tout et tous. Trop d’Européens ressentent que la justice, la vérité, le respect, tout ce qu’ils croient et tout ce qu’ils aiment, sont bafoués au nom même d’une Union qui rend l’Europe folle. Cette colère des peuples est juste, salvatrice et nous enjoint de libérer l’Europe des puis-sances qui l’exploitent, des logiques qui l’asservissent, des idéologies qui ont décidé sa dilution.”

Zum Populismus gehören einfache politische Aussagen, die als wahre Behauptung daherkommen und durch Wiederholung nicht wahrer werden. Die Ankunft der Migranten in großer Zahl 2015, allgemein in den Medien als Flüchtlingskrise bezeichnet, gipfelte in dem vielfach wiederholten Vorwurf, Bundeskanzlerin Merkel habe die Grenzen geöffnet. Offene Grenzen kann man nicht öffnen und das einfache Schließen, dessen Unterlassung man der Bundeskanzlerin hätte vorwerfen können, ging ohne Rechtsbruch auch nicht so einfach. Aber der komplizierte Sachstand wurde von den Populisten gerne vereinfacht und so entstand die Mär von der Grenzöffnung. > Nachgefragt: Stephan Detjen, Maximilian Steinbeis, Die Zauberlehrlinge. Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch

Stephan Detjen, Maximilian Steinbeis
> Die Zauberlehrlinge
Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch
1. Aufl. 2019, ca. 176 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-96430-1


Die Warnung vor Migration, die bei der AfD schnell zur “Massenmigration” wird, verbindet Beatrix von Storch (MdB, AfD) mit ihrer Kritik am Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung (22.1.20120) im Zusammenhang mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das am 1. März 2020 in Kraft treten soll: Von Storch > Beatrix von Storch: Merkel will jetzt ganz offiziell Deutschland zu einem Einwanderungsland machen:  “„Merkels Masseneinwanderung soll jetzt mit dem Aktionsplan der Bundesregierung als Zukunftslösung für Deutschland verkauft werden. Die GroKo nennt es einen ‚Paradigmenwechsel‘. Das wäre er auch, wenn es uns als AfD nicht gelänge, die Massenmigration zu stoppen. Woran Deutschland jetzt schon leidet, würde dann völlig außer Kontrolle geraten: Parallelgesellschaften, Clans, Kinderehen, Ehrenmorde, Niedriglöhne und unzumutbare Belastungen für unsere Schulen und Sozialsysteme.” Angstmacherei und unrealistische Lösungsvorschläge: “Durch die Rationalisierung und Digitalisierung werden in den kommenden Jahrzehnten Millionen von Arbeitsplätzen verschwinden. Auch Tätigkeiten, die bisher als nicht ersetzbar galten, können von Robotern übernommen werden, wie auch das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung feststellt.”

Gleichmal ein Faktencheck:

> Die Digitalisierung wirkt sich regional unterschiedlich aus IAB aktuell, 12.9.2019: “Mit der fortschreitenden Digitalisierung können immer mehr berufliche Tätigkeiten von Computern oder computergesteuerten Maschinen erledigt werden. In den letzten Jahren haben sich diese Substituierbarkeitspotenziale in fast allen Berufen erhöht. Allerdings gilt dies für die Regionen in Deutschland in höchst unterschiedlichem Maße. So ist in Berlin jeder siebte, im Kreis Dingolfing-Landau jeder zweite Arbeitsplatz potenziell betroffen. Ein hohes Substituierbarkeitspotenzial weisen vor allem die Regionen auf, in denen viele Menschen im Verarbeitenden Gewerbe tätig sind. […] Dies bedeutet allerdings nicht, dass tatsächlich ein Viertel der Arbeitsplätze wegfallen wird. Denn dass eine Tätigkeit als substituierbar eingestuft wird, heißt nicht automatisch, dass sie künftig nur noch von Computern und computergesteuerten Maschinen erledigt wird. Das Substituierbarkeitspotenzial sagt lediglich etwas über die technische Machbarkeit aus. Ob dieses Potenzial auch ausgeschöpft wird, hängt von einer Reihe anderer Faktoren ab.

Ethische oder rechtliche Hindernisse, Kostenüberlegungen oder Präferenzen auf Kundenseite können den Einsatz neuer digitaler Technologien verhindern. So wird es weiterhin Handwerksbäckereien geben, wenn Verbraucher ein handgebackenes Brot mehr wertschätzen als ein maschinell gefertigtes. Zudem entstehen mit der Digitalisierung neue Produkte und Dienstleistungen. Dadurch können neue Arbeitsplätze geschaffen werden, weil die neuen Maschinen und Roboter gebaut und gewartet werden müssen. Außerdem kann die Nachfrage nach Produkten steigen, weil durch den Einsatz neuer Technologien Preissenkungen möglich sind.”


 

La Grande table idées par Olivia Gesbert – 13.1.2020:
> Populisme, l’affaire du siècle ?
“Il s’intéresse à la théorie manquante du “populisme”, une culture politique originale qu’il convient d’analyser de manière critique : Pierre Rosanvallon, Professeur au Collège de France et auteur de l’essai “Le siècle du populisme” (Seuil, 2019), est notre invité:”

Pierre Rosanvallon ist Professeur am Collège de France, wo er den Lehrstuhl > Histoire moderne et contemporaine du politique (2001-2018) innehat. Er ist Heraugeber in Kooperation mit Le Seuil von > La République des idées

Le Tour du monde des idées par Brice Couturier
> La rhétorique du populisme – France-Culture -28.1.2019

> Nachgefragt: P. Leo, M. Steinbeis, D.-P. Zorn, Mit Rechten reden – 21. Februar 2018

Mit ihnen reden, sie stellen, ihre Argumente untersuchen, ganz einfach ihnen zeigen, dass sie mit ihren Parolen nicht durchkommen, unaufgeregt aber hart in der Sache mit ihnen streiten und dabei unsere Streitkultur renovieren, die auch unter der GroKo gelitten hat, das alles wird die Neurechten am besten wieder zurückdrängen. Das ist die Quintessenz aus diesem Buch und aus unserem Gespräch, in dem Per Leo sehr einleuchtend seine und die Argumente seiner Mitautoren Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn erklärt hat: > Nachgefragt: P. Leo, M. Steinbeis, D.-P. Zorn, Mit Rechten reden – 21. Februar 2018  – Von Heiner Wittmann
Per Leo, Maximilian Steinbeis, Daniel-Pascal Zorn

> Mit Rechten reden
Ein Leitfaden
1. Aufl. 2017, 183 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-96181-2
> Nachgefragt: Daniel-Pascal Zorn, Logik für Demokraten

Unsere Fragen:Angesichts des Erstarkens der Rechtspopulisten wie die AfD, möchten Sie die Demokraten stärken bei uns für den Dialog vonn neuem fit machen. > Logik für Demokraten lautet der Titel Ihres jüngst bei Klett-Cotta erschienenen Buches. Sie verstehen es als eine Anleitung – wozu?
Wie lautet Ihre Diagnose, wenn sie die Qualität des demokratischen Diskurses in der Bundesrepublik betrachten?
Auf dem Klappentext Ihres Buches steht: „Demokratie verpflichtet. Uns alle. Offen sein, zuhören, argumentieren!“ Reicht das?

Daniel-Pascal Zorn
> Logik für Demokraten. Eine Anleitung
Stuttgart: Klett-Cotta, 1. Aufl. 2017, 314 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-96096-9

Auf unserem Blog:

Bibliographie > Populismus:

Der Tipp unserer Redaktion:
L’observatoire du conspirationnisme : > www.conspiracywatch.info ***

La lutte contre le racisme et l’antisémitisme, priorité de la coopération franco-allemande en 2020

Dienstag, 28. Januar 2020

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