Mai 68 in Paris: Revolution oder nur eine Revolte?

7. Juni 2018 von H. Wittmann

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Der Mai 68 ist eines der Ereignisse unter der V. Republik seit 1958, das den Franzosen in ganz besonderer Erinnerung geblieben ist. Heute, so das Ergebnis einer Umfrage des Nouveau Magazine Littéraire würden 79 % der Befragten über alle Parteigrenzen hinweg das Erbe des Mai 68 positiv einschätzen.

War der Mai 68 ein Versuch, das politische System in Frankreich umzustürzen? War er ein spontaner Aufstand der Jugend, die mehr oder weniger bewusst ihre Grenzen testen wollte? Ein spontanes Aufbegehren mit dem Wunsch nach Veränderung? Wie weit ging das Bündnis der Studenten mit den Arbeitern? Eine Art gesellschaftlicher Aufbruch zu neuen Ufern? War der Mai 68 bloß eine Protestveranstaltung ohne konkrete Ziele? Soviel steht fest, der Mai 68 war kein isoliertes politisches Ereignis; er hatte seine Vorgeschichte, unmittelbare Anlässe und langfristige Folgen.

Ende April nehmen die Demonstrationen in Nanterre an Schärfe zu
. Nach der Schließung des Campus Nanterre ziehen die Studenten zur Sorbonne, deren Innenhof am 3. Mai von der Polizei geräumt wird: etwa 600 Verhaftungen, 100 Verletzte. Die Sorbonne wird geschlossen. Am 6. Mai ziehen rund 30000 Studenten zum Étoile und singen die Internationale am Grab des Unbekannten Soldaten. Abends ereignen sich heftige Zusammenstöße im Quartier Latin: 422 Verhaftungen, 345 Polizisten und 600 Studenten werden verletzt. Landesweit lässt der Erziehungsminister Alain Peyrefitte die Universitäten schließen. Am 6. Mai werden die Barrikaden im Quartier latin von der Polizei gestürmt, am 13. Mai rufen die Gewerkschaften zum Generalstreik auf, die Sorbonne wird von Studenten besetzt, am 15. Mai wird das Odeon-Theater ebenfalls von den Studenten besetzt. – Am 13. Mai beginnen in Paris die Friedensgespräche zwischen Nordvietnam und den USA. – Am 19. Mai erklärt de Gaulle „La réforme oui, le chienlit, non“. Am 20. Mai streiken landesweit schon rund 10 Millionen Arbeiter. Zwei Tage später scheitert in der Nationalversammlung ein Misstrauensvotum gegen die Regierung.

Wolfgang Kraushaar, > Die blinden Flecken der 68er Bewegung
1. Aufl. 2018, ca. 528 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag -ISBN: 978-3-608-98141-4:
“Kraushaars Darstellung hat das unbestreitbare Verdienst auch eine politische Geschichte der 60er Jahre zu vorzulegen. Er erklärt Fakten und deutete Zusammenhänge, ohne deren Kenntnisse die 68er Bewegung nicht verstanden und eingeordnet werden könnte. Nimmt man mittelbare und unmittelbare Auslöser der Mai-Ereignisse in Paris zusammen und vergleicht sie mit der Entwicklung in Deutschland, so werden Unterschiede vor allem in der Art der Radikalität, wie Kritik am Staat geäußert wird deutlich. Wurden in Frankreich revolutionäre Perspektiven im Mai 68 eindeutig von der PCF ausgebremst, so waren es in Deutschland revolutionäre Thesen, die eher nur unter den Studenten Gehör fanden, aber keine recht bedeutende Wirkung entfachen konnte.”

Kraushaar, Wolfgang, > Die 68er–Bewegung. Eine illustrierte Chronik 1960 – 1970, Stuttgart 2018 – Erscheinungstermin 22.09.2018

Die Gewerkschaften signalisieren am 22. Mai Verhandlungsbereitschaft mit der Regierung. Und weil Daniel Cohn-Bendit nicht mehr nach Frankreich einreisen darf, wird jetzt „Wir sind alle deutsche Juden“ skandiert. Das Abkommen nach dem Ort der Verhandlungen L’accord de la rue des Grenelles zwischen der Regierung und den Gewerkschaften am 27. Mai sieht Erhöhungen des Mindestlohnes, eine Reduzierung der Arbeitszeit und den Einstieg in eine Mitbestimmung vor. In den großen Unternehmen soll die Arbeit wieder aufgenommen werden.

Das Ende des Regimes? Vollends unübersichtlich wird die Lage am 29. Mai als General de Gaulle sich auf den Weg nach Colombey-les-Deux-Eglises, seinem Heimatort in Lothringen, macht, dort aber nicht ankommt. Später kursiert ein Foto von dem Zettel, dem er dem Hubschrauberpiloten überreichte. Commandement der F.F.A. Also auf zum Kommandanten der Forces Françaises en Allemagne. Das heißt der Hubschrauber landete in Baden-Baden. Plante de Gaulle seinen Rücktritt während an diesem Tag wieder Hunderttausende in Paris demonstrierten? Oder wollte er sich des Rückhalts der Armee versichern, falls sie eingreifen sollte? Und was genau hat er in Baden-Baden gemacht? Er traf dort General Massu, der ihn dem Anschein nach wohl alle Rücktrittspläne ausgeredet hat. Noch am Abend merkte man bei einem Telefongespräch mit dem Präsidenten, dass dieser jetzt viel entschlossener klang. De Gaulle flog nach Paris zurück. Nachdem er sich im Rundfunk am 30. Mai nachmittags an die Franzosen wendete und erklärte, dass er die Regierung nicht austauschen werde, sondern die Nationalversammlung auflösen werde, defilierten sofort spontan Tausende seiner Anhänger auf den Champs-Elysées vom Place de la Concorde zum Étoile, und der Mai 68 war vorbei als Anfang Juni die Arbeit bei den Energieversorgern, der Bahn und der Post wiederaufgenommen wird.

Das Veranstalter vom Litcamp18, 16.-17. Juni in Heidelberg, haben unserer Redaktion gesagt, dass sie sich über eine Session zum Mai 68 freuen würden. Also steht haben wir schon mal eine > Bibliographe zum Mai 68 verfasst.

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