„Under Destruction“: Die Münchner Sicherheitskonferenz vom 13. – 15. Februar 2026: Die Rede von Emmanuel Macron

french german 

Dazu:

Anreas Stamm, > „Wir wollen diese EU schneller und besser machen“ – ZDF-heute

> Europa marschiert mit zwei Geschwindigkeiten – Stuttgarter Zeitung, 11. 2. 2026

> Ursula Von der Leyen plaide pour une Europe à deux vitesses avant le sommet européen de jeudi – EuroNews, 9.2.2026

Ruckelt der deutsch-französische Motor?

Als Friedrich Merz am 6. Mai 2025 Bundeskanzler wurde, schienen die Weichen für einen Neustart der deutsch-französischen Beziehungen gestellt zu sein: > Emmanuel Macron zu Besuch in Berlin – 24. Juli 2025. Trotz vieler herzlicher Treffen mit Staatspräsident Emmanuel Macron scheint ihrem gemeinsamen Motor ein bisschen Öl oder gar Treibstoff zu fehlen. Michaela Wiegel und Matthias Wyssuwa haben am 12. Februar 2026 in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschreibt die zunehmende Entfremdung zwischen Friedrich Merz und Emmanuel Macron beschrieben:

Ein Drama in vielen Akten. Zu Beginn von Merz’ Amtszeit als Kanzler gab es große Hoffnungen auf eine enge deutsch-französische Zusammenarbeit. Doch schon bald habe sich das Verhältnis deutlich abgekühlt, da beide Politiker unterschiedliche politische Prioritäten und Vorstellungen entwickelten. Insbesondere in der Europapolitik, bei Wirtschaftsfragen und im Umgang mit den USA und Russland traten Differenzen offen zutage. Macron setzt stärker auf europäische Integration und gemeinsame Finanzinstrumente, während Merz zurückhaltender agiert und nationale Interessen betont. Es gibt wohl auch persönliche Spannungen und unterschiedliche Führungsstile, die die Kooperation zwischen Berlin und Paris erschweren. Trotz aller offensichtlich gemeinsam zur Schau getragenen Einigkeit nehmen Beobachte eine abnehmende Abstimmung zwischen Frankreich und Deutschland wahr, die gefährdet nach Ansicht von Michaela Wiegel und Matthias Wyssuwa die Stabilität und Handlungsfähigkeit der Europäischen Union gefährden. Beide warnen daher vor langfristigen politischen und wirtschaftlichen Risiken für Europa.

Vor diesem Hintergrund beginnt beginnt heute die Münchner Sicherheitskonferenz. Außerdem gab es gestern ein informelles Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs, als des Europäischen Rats auf Schloss Alden Biesen, …

> Informelle Klausurtagung der EU-Führungsspitzen, 12. Februar 2026

> Informelle Klausurtagung der EU-Führungsspitzen, 12. Februar 2026 – Einladungsschreiben von Präsident António Costa an die Mitglieder des Europäischen Rates

… die Emmanuel Macron wie folgt kommentierte:

Das kurze Pressestatement:

In diesem Zusammenhang erinnern wir an das Gespräch dass LE MONDE mit Staatspräsident Macron geführt hat: > Emmanuel Macron : « C’est le moment pour l’UE de lancer une capacité commune d’endettement, à travers des eurobonds », LE MONDE 10. Februar 2026, in dem er einen radikalen Kurswechsel für die Europäische Union orderte. Er argumentiert, dass die EU vor großen Herausforderungen stehe, wie dem Klimawandel, geopolitischer Instabilität und starker Konkurrenz durch China und die USA. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, schlägt Macron die Einführung einer gemeinsamen EU-Verschuldung durch Eurobonds vor. Diese gemeinsamen Investitionen sollen in strategische Sektoren wie Verteidigung, grüne Technologien, künstliche Intelligenz und Quantentechnologie fließen. Der frühere EZB-Präsident Mario Draghi schätzte den jährlichen Investitionsbedarf in grüne und digitale Technologien auf 800 Milliarden Euro. Macron betonte, dass dies keine Sozialisierung alter Schulden sei, sondern eine Chance, die enorme europäische Sparsumme (30 Billionen Euro) zu mobilisieren und in die eigene Wirtschaft zu lenken, anstatt sie im Ausland zu investieren. Er warnt davor, dass Europa in drei bis fünf Jahren „weggefegt“ sein wird, wenn es nicht sofort handelt und investiert. Deutschland hat diesen Vorstoß für gemeinsame Schulden jedoch bereits als „Ablenkungsmanöver“ abgelehnt.

Emmanuel Grasland > Macron-Merz : quand le couple franco-allemand retombe dans ses vieux travers – Les Échos, 12. Februar 2026:

Emmanuel Macron und Friedrich Merz haben in Belgien versucht, ihre gute Beziehung trotz anhaltender Meinungsverschiedenheiten zur Schau zu stellen. Die Divergenzen betreffen unter anderem die Forderung Macrons nach europäischer Schuldenaufnahme für Zukunftsinvestitionen, die Merz entschieden ablehnt. Während Macron lokalen Inhalt in der EU-Industrie priorisieren will, befürwortet Merz die EU-Präferenzregeln nur für kritische Sektoren. Trotz dieser wiederkehrenden Konflikte können die beiden Länder kaum aufeinander verzichten, um in Europa voranzukommen. Aber zu diesem Zietpunkt seien die Meinungsverschiedenheiten seien struktureller Natur, betont Grasland und spiegeln unterschiedliche Visionen des Wirtschaftsmodells wider. Eine mögliche Machtübernahme der extremen Rechten in Frankreich 2027 könnte jedoch die gesamte Dynamik des deutsch-französischen Verhältnisses verändern.

https://titter.com/pthibaut/status/2021658277764116913

Unsere Redaktion erinnert immer wieder an die > europapolitischen Vorstellungen von Emmanuel Macron, auf die Berlin eigentlich nie so recht eine Antwort wusste.

Auf unserem Blog:

> Éditorial : La souveraineté de l’Europe – 22. Januar 2026 von Heiner Wittmann

Der Staatsbesuch von Emmanuel Macron in Deutschland (I)

> Unser Leitartikel zum Staatsbesuch von Emmanuel Macron

Les tâches pour les élèves :

Les deux extraits de vidéo vous donne quelques repères.

1. Écrivez un article pour votre journal du lycée en français: L’enjeu de la coopération franco-allemande. ?
2. Pourqoui nos démocraties sont-elles menacées?
3. Imaginez l’ordre de jour pour les entretiens entre le Président Emmanuel Macron et le Chancelier Olaf Scholz.

Voir sur notre blog: > Staatspräsident Emmanuel Macron kommt zum Staatsbesuch nach Deutschland

> Didaktische Hinweise für Lehrer.

PONS hilft Euch:

Staatspräsident Emmanuel Macron kommt vom 26. bis 28. Mai  zu einem Staatsbesuch nach  Deutschland. Der Auftakt war sein Besuch, zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Seinmeier beim Fest zum 75. Bestehen des Grundgesetzes:.

Zwei Auszüge aus einer ersten Stellungnahme von Emmanuel Macron geben den Ton des Buches an: Zuerst äußert sich der Präsident zur deutsch-französischen Partnerschaft und dann zur Bedeutung der Demokratie.

Beide Filmausschnitte eigenen sich für die Projektion im Französischunterricht:

Was sagt der Präsident? Welche Wünsche verbindet er mit der deutsch-französischen Kooperation? Was sagt er über Krise der Demokratie? Welche Stärken haben die Demokratien? Was wäre, wenn die Nationalisten in Europe gewännen? Schüler/innen sollten beide Filmausschnitte ansehen, resümieren und in der Klasse darüber diskutieren.

.. und noch ein Auszug: > www.x.com/EmmanuelMacron/status/1794773847826415787: Am ). Juni wählen gehen: vgl.dazu auf unserem Blog: > Die Europawahlen am 9. Juni 2024  und > Europawahl 2024 – Themen, Fragen, Entscheidungen Podcasts und Diskussionen von April bis Juni 2024

Der erste Abend des Staatsbesuchs in Deutschland:

Neues zu ARTE:

Verteidigungspolitik:

https://x.com/frankoviel/status/1749218412725731374

Staatspräsident Emmanuel Macron kommt zum Staatsbesuch nach Deutschland

https://twitter.com/landry_charrier/status/1793526601512288486

Der Staatsbesuch von Emmanuel Macron in Deutschland vom 26. bis 28. Mai wird für die Bundesregierung sicher eine willkommene Gelegenheit sein, auf die 2. Sorbonne Rede des Staatspräsidenten zu antworten:

Landry Charrier, > Stille nach Macrons Rede. Deutschland lässt Frankreich hängen – Focus, 22.05.2024

S. auch: > Europawahl 2024 – Themen, Fragen, Entscheidungen Podcasts und Diskussionen von April bis Juni 2024 – 23. Mai 2024

Auch Alfred Grosser (1925-2024) hatte bei unserem letzten Besuch bei Ihm zu Hause in einer Nebenbemerkung bedauert, dass Berlin auf >  die europapolitischen Vorstellungen und Vorschläge des französischen Staatspräsidenten – > > Initiative pour l’Europe – Discours d’Emmanuel Macron pour une Europe souveraine, unie, démocratique. – 26. September 2017 – so zögerlich oder gar nicht antwortet: > Brexit, Europe, Paris et Berlin: Alfred Grosser répond à nos questions – 19. April 2019. Vielleicht gab es Gründe dafür, jedenfalls war bei der Bundeskanzlern Angela Merkel kein so besonderer Enthusiasmus für die deutsch-französische Kooperation zu spüren, wie dieser zum Beispiel einst die Freundschaft von Helmut Schmidt und Valéry Giscard d’Estaing geprägt hat wo vieles auf der Schiene Paris Bonn zum Wohl der EU erdacht und entstanden ist.

Wir haben dem Direktor des Deutsch-Französischen Instituts DFI eine Frage gestellt:

Herr Professor Ringel, Der Staatsbesuch des französischen Staatspräsidenten in Deutschland steht bevor. Was würden sie auf die Tagesordnung für die Gespräche zwischen Emanuel Macron und Olaf Scholz notieren?

Das ganze Interview: > Wie steht es um die deutsch-französischen Beziehungen? Marc Ringel, Professor des DFI, antwortet auf unsere Fragen – 16. Mai 2024

Sicher, in den vergangenen Jahren wurde bei jedem deutsch-französischem Gipfel Einigkeit demonstriert und immer wieder gebetsmühlenartig die Vertiefung der beiderseitigen Beziehungen versprochen. Wie sagte Alfred Grosser in dem genannten Interview: Der Elyseevertrag sei ohne Inhalte gewesen (was nicht ganz stimmt), habe aber eine große Symbolik gehabt, und der Aachener Vertrag habe keine Symbolik, aber viele Inhalte. Da ist etwas dran, denn liest man heute den Vertrag wieder, kann man doch schon über die gemeinsamen Möglichkeiten staunen. In diesem Sinne war der Aachener Vertrag ein Zukunftsprogramm für die deutsch-französischen Beziehungen. Und dennoch handelt es sich um viele Einzelmaßnahmen, ganz so als wenn man vor der Niederschrift des Vertrages eine Stoffsammlung gemacht hätte: Was soll da alles rein? Welches Ressort kann was beitragen? Aber eine Vision fehlt, schon gar eine gemeinsame Vision mit Frankreich: Wie geht es mit Europa weiter? Macron hat weitgehende Vorschläge vorgelegt, wie gesagt, die > europapolitischen Vorstellungen des französischen Präsidenten hat unsere Redaktion hier dokumentiert. Kaum eine Rede, geschweige, denn das Konzept im ganzen ist von Berlin aufgegriffen worden eher nur mit Schweigen beantwortet worden. Die fehlende deutsche Reaktion könnte auch dem Präsidenten zu Hause geschadet haben und den Erfolg des RN begünstigt haben. Man hat den Eindruck, dass der Tweet des Bundeskanzlers nach der > 2. Sorbonne-Rede die alleinige Antwort der Regierung geblieben ist.

Pour aller plus loin:

> Macrons Besuch als Chance nutzen. Versöhnung war gestern, heute braucht es Zukunftsfähigkeit Jacob Ross, DGAP

Auf unseren Blog:

> 10. Sitzung der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung (DFPV) in Bonn – 6. Dezember 2023

> Nachgefragt: Die Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung. Die Co-Vorsitzenden Brigitte Klinkert und Nils Schmid antworten auf unsere Fragen, 15. November 2022

> Deutsch-Französischer Bürgerfonds – 16. April 2020

Mit Sicherheit kann Macron viele Fragen zu Europa beantworten:

La guerre en Ukraine : 13 mars 2024, 20h : l’interview du Président Emmanuel Macron sur TF1 et France 2.

french german 

Mise à jour

> Non, la France ne va pas envoyer 2 000 hommes en Ukraine comme l’affirme le Kremlin – HuffPost, 19 mars 2024

Et la réaction d’Olivier Duhamel :

Emmanuel Macron: Eine „größtmögliche“ Autonomie für Europa?

french german 

Les tâches pour les élèves:

1. Résumez l’idée principale de cet article.

2. Qu’est-ce que le Président Macron comprend par l’autonomie et la souveraineté de l’Europe ?

3. Qu’est-ce le chancelier Scholz explique en ce qui concerne l’autonomie de l’Europe ?

Complété par les propos du Chancelier Scholz:

Emmanuel Macron prend ses distances avec la politique américaine contre la Chine – France-Inter, 10 avril 2023

Après les propos d’Emmanuel Macron sur la Chine : toute vérité n’est pas bonne à dire – France-Inter, 10 avril 2023

Taïwan : Emmanuel Macron appelle l’Union européenne à ne pas « être suiviste » des Etats-Unis ou de la Chine – LE Monde, 9 avril 2023:

„… le chef de l’Etat, dans un entretien accordé vendredi et réalisé avant même le déclenchement samedi d’importantes manœuvres militaires chinoises autour de Taïwan.“ = vendredi 7 avril ?

Emmanuel Macron assume ses propos sur Taïwan et sa position vis-à-vis des Etats-Unis : « Etre allié ne signifie pas être vassal » – Le Monde, 12 avril 2023

« L’autonomie stratégique est à la fois l’ADN européen d’Emmanuel Macron et son cheval de bataille le plus clivant » – Le Monde, 12 avril 2023

Après les propos d’Emmanuel Macron, cacophonie européenne face à la Chine – Le Monde, 13 avril 2023

Emmanuel Macron : « L’autonomie stratégique doit être le combat de l’Europe » – Les Échos, 14 avril 2023

Le discours prononcé mardi 12 avril 2023 à La Haye, aux Pays-Bas:

Text auf Französisch: > Discours du Président de la République, Emmanuel Macron, en anglais à l’institut NEXUS, La Haye – Site du Palais de l’Èlysée PDF

Auf unserem Blog:

> Les discours d’Emmanuel Macron sur l’Europe

> Hörensagen: “Das Europa der Vaterländer” – 22. Januar 2018

Unsere Redaktion hat wichtige Aussagen de Gaulles zu Europa auf Französisch und Deutsch hier dokumentiert: > Ein vereintes Europa – Une Europe unie – auf dem Weg zu einer Konföderation – 16. Mai 2019

Macron, Trump und die NATO – 4. Dezember 2019

 

Auf Einladung von Präsident Emmanuel Macron: Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Fort de Brégançon

> L’Europe nous protège: Les discours d’Emmanuel Macron sur l’Europe + le bilan (21 juillet 2020)


35 Jahre ist es her, dass ein Bundeskanzler den französischen Präsidenten in dessen Sommerresidenz Fort de Brégançon an der Côte d’Azur besucht hat. 1985 wurde dort Helmut Kohl von François Mitterrrand empfangen. Nun ist gestern Angela Merkel auf Einladung von Emmanuel Macron dorthin gereist. Beide haben bei diesem Treffen hauptsächlich europäische Themen erörtert. Aber auch die Lage im Nahen Osten, in Mali wie auch das Verhältnis zu Russland einschließlich der möglichen Vergiftung von Alexei Nawalny sowie die Situation in Weißrussland wurden erörtert. Im Fall Nawalnys haben Macron und Merkel ihrem Wunsch nach einer Untersuchung seines Falls Ausdruck verliehen – das gab es bei ähnlichen Fällen bisher nicht. Zugleich wurde auf den offenen Dialog mit dem Kreml hinsichtlich einer Lösung der Krise in Weißrussland ausdrücklich hingewiesen. Beide Politiker berichteten, Moskau eine Vermittlung im Rahmen der OSZE, der Russland und Weißrussland angehören, vorgeschlagen zu haben. Macron fügte hinzu, Putin ie diesem Vorschlag gegenüber aufgeschlossen, er meinte jedoch, Aljaksandr Lukaschenka zögere noch.

Auf der Website des ÉLyséepalastes > Visite de la Chancelière allemande Angela Merkel au Fort de Brégançon wird der Gastgeber mit diesen Worten zitiert: « Dieser Besuch spiegelt das außergewöhnliche Maß an Übereinstimmung und gemeinsamem Engagement zwischen Deutschland und Frankreich wider, und zwar sowohl auf bilateraler, europäischer als auch internationaler Ebene. Das ist unsere Stärke! »

Mit der modernen Technik bekommt man beinahe das Gefühl, dabei gewesen zu sein:

Die Pressekonferenz auf Französisch:

Die Pressekonferenz auf Deutsch:

> Jour historique pour l’Europe ! – site du Palais de l’Élysée

https://twitter.com/EmmanuelMacron/status/1296549905167781888

https://twitter.com/RegSprecher/status/1296465484280475654

Die Zukunft Europas: Emmanuel Macron und Armin Laschet auf der Sicherheitskonferenz 2020 in München

Tout un système :
> 12 Reden über Europa: Macron und Europa

Während Staatspräsident Emmanuel Macron noch immer nicht eine wirklich umfassende Berliner Reaktion auf seine vielen europapolitischen Reden seit seinem Amtsantritt 2017 bekommen hat, kritisierte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen > Armin Laschet auf der > Münchner Sicherheitskonferenz, 14.-16. Februar 2020, dass die Berliner Koalition bisher den > Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD für die 19. Legislaturperiode „Ein neuer Aufbruch für Europa. Eine neue Dynamik für Deutschland. Ein neuer Zusammenhalt für unser Land“ besonders hinsichtlich des Kapitels 1 dieses Vertrages „Ein neuer Aufbruch für Europa“ (S. 6) nicht eingehalten habe:

> Munich Security Report 2020: Westlessness

Zuweilen muss man keine lange Rede halten oder einen langen Artikel verfassen. Als Ministerpräsident Laschet von Annalena Baerbock, eine der beiden Bundesvorsitzenden der GRÜNEN, auf der Bühne gefragt wird: „Düsseldorf oder Berlin?“, um etwas über seine Ambitionen zu erfahren, lächelt er und sagt nur „Aachen„. Kurz, knapp und präzise, lautet so sein Resümee mit der Kritik an der Bundeskanzlerin und der Bundesregierung, sie habe bisher die Europapolitik vernachlässigt.

In mehr als > 11 Reden über Europa: Macron und Europa hat Staatspräsident Macron seit seinem Amtsantritt am 14. Mai 2017 seine Vorstellungen von einer notwendigen „refondation de l’Europe“ vorgestellt. Mittlerweile ist deutlich geworden, wie wenig Deutschland bisher auf die vielen Initiativen Macrons bezüglich der Zukunft Europa geantwortet hat. Es gab verschiedene Statements und Gelegenheiten, – wie auch  > am 10. Mai  2018 die   Rede von Staatspräsident Emmanuel Macron anlässlich der Verleihung des Karlspreises für seine Verdienste um die europäische Einigung – mit der > Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel – aber keine umfassende Antwort, die Macrons Forderungen nach einem neuen Aufbruch Europas würdigt: Auch zu seiner Idee einer Souveränität Europas, die die nationalen Souveränitäten schützt und weiterentwickelt, war wenig aus Berlin zu hören. Die in einem Hintergrundgespräch im Quai d’Orsay schon vor einem Jahr gehörte Befürchtung, man werde auf diese Weise eine historische Chance verpassen, ist ernstzunehmen.

In seinem Podiumsgespräch mit dem Initiator der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger hat Präsident Macron seine europapolitischen Vorstellungen und Ansichten wiederholt:

Der Text des Gesprächs mit Präsident Macron und Wolfgang Ischinger > Conférence sur la sécurité de Munich : faire revivre l’Europe comme une puissance politique stratégique. – Site du Palais de l’Élysée.

> Auszüge aus dem Gespräch von Emmanuel Macron mit Wolfgang Ischinger bei der Münchener Sicherheitskonferenz – Website der Französischen Botschaft in Berlin

> Emmanuel Macron: Die Nato und Europa – 10. November 2019

Tout un système :
> 11 Reden über Europa: Macron und Europa

> Prag: Außenminister Jean-Yves Le Drian spricht über die Souveränität, Sicherheit und Digitalisierung in Europa – 9. Dezember 2019

>Macron, Trump und die NATO – 4. Dezember 2019

Klaus Wittmann, Die Nato braucht eine neue Strategie – Der Tagesspiegel, 14.2.2020

Claudia Major
> Die Rolle der Nato für Europas Verteidigung
Stand und Optionen zur Weiterentwicklung aus deutscher Perspektive
SWP-Studie 2019/S 25, November 2019, 42 Seiten

> Europa und die Kultur – 15. Juli 2019

Macron zeichnet ein Bild der aktuellen Weltpolitik und erklärt, sie  bestätige ihn in der Ansicht, dass Europa eine europäische Strategie benötige, die uns eine strategisch-politische Kraft wieder zurückgebe. Europa müsse souveräner, einiger und demokratischer werden.

Macron nennt das Aufgabenpaket in einem Satz: In den nächsten 10 Jahren, so der Präsident, sehe er ein Europa, dass seine Souveränität sichere hinsichtlich der Technologie, der Sicherheit, der Verteidigung, der Migration, Ernährung, Klima und Umwelt in Beziehung zu seinen Nachbarn, vor allem Russland, seiner Nahostpolitik und seiner Afrikapolitik.

Hier auf dem Blog gibt es neben Didaktik und Literatur eben auch viel über Politik. Das ist völlig gerechtfertigt, weil Präsident Macron in dieser Diskussion mit Wolfgang Ischinger über die Zukunft Europas, unsere Zukunft redet.

Macron betont den Schutz Europas für uns und gibt zu verstehen, dass keines der Mitgliedsländer alleine diesen Schutz gewährleisten könne.

Nein, er sei nicht wegen der fehlenden Antworten aus Berlin frustriert, dass sei nicht seine Sache und Macron erinnert an gemeinsame deutsch-französische Erfolge: „So, we’ve launched (inaudible) bilateral approach and we’ve launched a series of new initiatives at the European scale: on batteries, on universities, Europe of defense – with a lot of initiatives – and we will probably refer to that.“ Aber er gibt zu erkennen, dass er gerne schneller vorangehen würde: „C’est en européen qu’on peut changer les choses, c’est la bonne échelle, c’est le bon marché donc moi, je veux sur ces sujets, qu’en franco-allemand, on aille beaucoup plus vite, beaucoup plus fort avec beaucoup plus d’ambitions pour réussir et la clef de cela, c’est de prendre des risques.“ / „Als Europäer kann man die Dinge ändern, das ist der richtige Rahmen, ich wünsche mir, dass die deutsch-französische Kooperation auf diesem Gebiet schneller vorangeht, viel kraftvoller und ambitionierter. Der Schlüssel dazu sind aber auch Risiken zu übernehmen.“ Diplomatisch höflich spricht er von uns und meint Berlin: „On a su le faire par le passé. Si les Français, les Allemands ne prennent pas de risques sur ces sujets ça n’avance pas. Et c’est changer notre relation, je crois que c’est, profondément, au futur, et à l’investissement. Nous sommes en train de devenir un continent qui ne croit plus dans son futur.“ / „Das hat man auch in der Vergangenheit tun können. Wenn Franzosen und Deutsche bei diesen Themen keine Risiken übernehmen, geht es nicht voran. Es geht darum, unsere Beziehung zu ändern, das ist die Zukunft und die Investition. Wir sind dabei, zu einem Kontinent zu werden, der nicht mehr an seine Zukunft glaubt.“ (Übers. v. H. W.)


Vergleiche dazu die Analyse zum deutsch-französischen Verhältnis in LE MONDE:


Es lohnt sich, Macrons Antworten auf die Fragen Ischingers sehr genau zu lesen. Alle Versuche der Mitgliedsstaaten, so darf man Macorn verstehen, die großen Probleme, Migration, Sicherheit, Klima und Euro alleine zu lösen, funktionieren nicht: „.,. la crise migratoire qui a bousculé – et je parle dans un pays qui a pris ces risques sur la crise migratoire -, mais qui a bousculé nos classes moyennes, qui a fait monter une inquiétude démographique, culturelle. La réalité c’est qu’aujourd’hui, en Europe, soyons lucides, ce qui était le cœur de nos démocraties, nos classes moyennes ont un doute sur l’aventure européenne parce qu’elles se disent : « dans ce continent, quand il y a un problème économique ou financier, c’est nous qui payons » ; « quand il y a un problème migratoire, c’est nous qui ajustons, et il n’y a plus de solidarité ».  / „…die Migrationskrise hat vieles durcheinandergebracht – und ich spreche in einem Land, das diese Risiken der Migrationskrise auf sich genommen hat -, aber die unsere Mittelschichten in Bedrängnis gebracht hat, die eine demographische und kulturelle Unruhe ausgelöst hat. Die Realität in Europa heute, seien wir klarsichtig, das was das Herz unserer Demokratien war, unsere Mittelschichten zweifeln am europäischen Abenteuer, weil sie sich sagen « wenn es auf diesem Kontinent ein wirtschaftliches oder finanzielles Problem gibt, sind wir es, die zahlen müssen » und « wenn es ein Migrationsproblem gibt, müssen wir es richten und es gibt keine Solidarität mehr ».“ (Übers. v. H. W.)

Es ist eine Warnung: Nationale Lösungsansätze ohne Europa sind halbherzig, weil sie den Bürgern das Gefühl vermitteln, man bezahle wegen eigener Probleme in Europa drauf, so darf man Macron interpretieren..

Es gebe keine gemeinsame Vision zugunsten Europas, obwohl es dazu allen Grund gebe: „Comment recréer du goût de l’avenir, du goût de la solidarité entre nous pour les classes moyennes ? Parce que l’Europe, c’est une aventure politique qui est démocratie, liberté individuelle, progrès pour les classes moyennes, « économie sociale de marché » dirait-on pour citer les bons auteurs en Allemagne.“ / „Wie verschafft man den Mittelschichten wieder Lust an der Zukunft und an der Solidarität unter uns? Weil Europa ein Abenteuer ist, eine Demokratie, individuelle Freiheit und Fortschritt für die Mittelschichten « soziale Marktwirtschaft», um die guten Autoren in Deutschland zu zitieren.“(Übers. v. H. W.)

Er sei nicht frustiert, aber ungeduldig und er bestätigt das Ergebnis unseres Hintergrundgesprächs im Quai d’Orsay: „S’il n’y a plus pour les classes moyennes de perspective, il n’y a plus (inaudible) et c’est pour ça que vous voyez d’ailleurs le doute démocratique naître et le doute sur l’aventure européenne. C’est ce sujet qu’en franco-allemand, on doit adresser. Donc je n’ai pas de frustration. J’ai des impatiences parce que je pense que c’est une question aujourd’hui de rapidité de notre réaction et de la clarté de la réponse qu’on apporte à nos citoyens. Si le couple franco-allemand ne sait pas apporter et avec lui tous les partenaires européens, une réponse claire à ces défis, à ces sujets et une perspective d’avenir pour les classes moyennes, nous aurons fait une erreur historique.“ /  „Wenn es für die Mittelschichten keine Perspektive mehr gibt, gibt es keine (unverständlich), dann werden Sie einen Zweifel an der Demokratie entstehen sehen und einen Zweifel am europäischen Abenteuer. Das ist ein Thema in den deutsch-französischen Beziehungen, das man aufgreifen muss. Also empfinde ich keinen Frust. Ich bin ungeduldig, weil ich glaube, dass es heute eine Frage der Schnelligkeit unserer Reaktion ist und es um die Klarheit der Antworten geht, die wir unseren Bürgern geben. Wenn das deutsch-französische Paar zusammen mit den anderen europäischen Partnern keine klare Antwort auf diese Herausforderungen und diese Themen noch eine Zukunftsperspektive für die Mittelschichten geben kann, begehen wir einen historischen Irrtum.“ (Übers. v. H. W.)

Der Text des ganzen Podiumsgespräch: > Conférence sur la sécurité de Munich : faire revivre l’Europe comme une puissance politique stratégique. – Site du Palais de l’Élysée



Zur Erinnerung:

In seinen Reden zur Europa hat Präsident Macron bisher nahezu alle Aspekte systematisch behandelt: Es ergibt sich auf diese Weise eine wohldurchdachte Vision zur „refondation de l’Europe“, die in diesem Umfang bisher von deutscher Seite nicht genügend gewürdigt worden ist. Hier ein Auswahl:

Wir haben die folgende Liste der Reden von Präsident Macron ergänzt und in einen eignen Beitrag gestellt:

> L’Europe nous protège: Les discours d’Emmanuel Macron sur l’Europe

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