George W. Bush und Albert Camus

Im August rief mich ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung an: Herr Bush lese gerade „Der Fremde“. Was kann er von Camus lernen? Tatsächlich hatte Bush-Sprecher Tony Snow berichtet, er habe mit dem amerikanischen Präsidenten eine kurze Unterhaltung über die Entstehung des französischen Existentialismus und Camus und Sartre, gehabt. (Libération, 31. August 2006). Hier ist die Antwort an die SZ, die den Text gedruckt hat. Leider wurden wohl wegen Platzmangels die letzten Sätze weggelassen:

Was kann Herr Bush von Camus lernen?

Der Roman „Der Fremde“ (1942) von Albert Camus (1913-1960) erzählt, wie Meursault einen Araber am Strand erschießt, nachdem dieser sein Messer gezückt hatte. Im anschließenden Gerichtsverfahren, in dem der Staatsanwalt auf die angeblichen moralischen Verfehlungen des Angeklagten verweist, die mit der Tat nichts zu tun haben, wird dieser zum Tode verurteilt. „Der Fremde“ wird oft zu Unrecht wie Camus‘ Werk selbst auf die Schilderung des Absurden reduziert. Allzu leichtfertig folgen viele Leser dem Staatsanwalt und bezeichnen ebenfalls Meursault als gefühllos, obwohl dieser jedes Detail um sich herum aufmerksam beobachtet und sich lediglich an die Wahrheit hält. Camus selber erklärte im Vorwort der amerikanischen Ausgabe zu seinem Roman, jemand der bei der Beerdigung seiner Mutter nicht weine, riskiere zum Tode verurteilt zu werden. In seinem Gesamtwerk setzt er die Autonomie der Kunst den Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts entgegen, (vgl. > Albert Camus. Kunst und Moral) so wie er in seiner Nobelpreisrede (1957) betont hat, daß der Künstler sich nie isolieren darf, denn er ist immer der Wahrheit und der Freiheit verpflichtet und muß sich stets allen Fragen seiner Zeit stellen. Der amerikanische Präsident könnte mit Camus verstehen, daß Kunst und Kultur eine größere Bedeutung als Waffen haben. Außerdem kann er Camus als einen entschiedenen Gegner der Todesstrafe kennenlernen, der in seinen „Betrachtungen zur Todesstrafe“ (1957) erklärte: „Weder im Herzen des einzelnen noch in den Sitten der Gesellschaft wird es einen dauerhaften Frieden geben, solange der Tod nicht aus den Gesetzen verbannt ist.“

Bei Klett gibt es CDs mit einer Originalaufnahme des L’étranger, so wie Camus ihn 1952 im französischen Rundfunk gelesen hat.

Les blogs en France

Am 10. August erschien LE FIGARO mit der Überschrift „Les blogs, une nouvelle passion française.“

In Frankreich soll es schon 3,2 Millionen Blogs geben mit steigender Tendenz. Im Durchschnitt konsultieren die etwa 7 Millionen Blogleser in Frankreich etwa täglich eine Stunde lang Blogs – will man den Umfrageergebnissen trauen. In Deutschland würden bislang nur im Durchschnitt drei Minuten fürs Bloglesen aufgewendet. Ob die Ausdauer der Franzosen mit dem Gesetz über die 35-stündige Arbeitszeit zusammenhängt?, fragt LE FIGARO.

> LE FIGARO

Das deutsch-französische Geschichtsbuch

2003, anlässlich des 40. Jahrestag des Elysée-Vertrages, schlug das deutsch-französische Jugendparlament vor, ein Geschichtsbuch für französische und deutsche Schüler zu entwickeln, das in beiden Ländern den gleichen Inhalt bietet. Nach zwei Jahren Entwicklungszeit haben der Verlag Nathan in  Paris und der Ernst Klett Verlag (Stuttgart/Leipzig) im August dieses gemeinsame Geschichtsbuch herausgegeben: „Histoire/Geschichte – Europa und die Welt seit 1945“.

Das inhaltlich identisch gemeinsame Geschichtsbuch, das Guillaume Le Quintrec und Peter Geiss herausgegeben haben, ist auf Französisch oder auf Deutsch erhältlich.

Im Vorwort wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dieses Buch keine Darstellung der deutsch-französischen Geschichte beabsichtigt, sondern ein Geschichtsbuch ist, das mehr als nur eine völlig neue Art der Darstellung, der Dokumentation und der Interpretation vorlegen möchte. Es  macht im Unterricht und darüberhinaus eine Geschichtsbetrachtung aus der Sicht des anderen erst möglich.

> http://klett-franzoesisch.de/manuel-franco-allemand.html

Bloggen für Frankreich

Hier entsteht ein Blog für Französisch, Frankreich und die deutsch-französischen Beziehungen.

Dieses Blog  behandelt Themen für den Französischunterricht, gibt Tips für Anfänger und informiert über Aspekte der deutsch-französischen Beziehungen:

Zu den Schwerpunkten gehören Schüler-, und Schulaustausch, Brieffreundschaften und Jobs in Frankreich. Aber auch Themen aus dem Bereich der Literatur-, und  der Kulturwissenschaft soweit sie Frankreich betreffen, werden hier gerne aufgenommen.

Dieses Frankreich-Blog ist ein Projekt des Ernst Klett Verlags, Zentrales Marketing.

Die Leser unseres Blogs können zu den Beträgen Kommentare schreiben. Bitte beachten Sie die > Regeln für dieses Blog. 

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