Literatur in der Oberstufe

Wegen der besonderen Bedeutung des Sternchenthemas für die Oberstufe in Baden-Württemberg wurde hier bisher einiges – und wohl auch nicht zum letzten Mal – über Albert Camus‘ L’étranger geschrieben. Eine Schülerin fragte mich gestern nach GFS-Themen, die zum Umfeld dieses Sternchenthemas passen würden.

Camus andere Werke eignen sich sehr gut für die in diesem Bundesland üblichen > GFS (gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen). In meiner Schullaufbahn begann mein nachhaltiges Interesse für die französische Literatur, als mir ein Freund damals, wir lasen in der Schule gerade L’étranger, Camus‘ Abhandlung über das Absurde: Le mythe de Sisyphe mitbachte. Mein Klassenlehrer korrigierte das Referat, das ich damals in der Klasse über Camus‘ Interpretation des Absurden gehalten habe. Vvon der verkürzten Formel, das Gefühl des Absurden entsteht durch die Konfrontation des Menschen mit der ihn umgebenden Welt, war ich beeindruckt. Damals schien dies der Schlüssel zum Verständnis seines Werkes. Vielleicht habe ich damals noch nicht wirklich begriffen, daß das Absurde bei Camus kaum mehr als eine Diagnose ist. Danach beginnt erst die eigentliche Aufgabe des Künstlers.

Für eine Buchpräsentation eignet sich auch der Roman La peste (1947) von Camus, in dem die Revolte der Einwohner von Oran und insbesondere des Doktors Rieux gegen die Seuche geschildert wird. Als die Einwohner wieder etwas Hoffnung schöpften, war die Herrschaft der Krankheit gebrochen, schreibt Camus.

Ein anderes Thema für eine GFS wäre die Vorstellung von Sartres Roman La nausée (1938): Das Leben hat den Wert, den man bereit ist, ihm zu geben, erklärt der Autodidakt im Gespräch mit Roquentin. Und der Roman, den Roquentin schreiben will, soll so schön und hart wie Stahl sein und die Leute sich wegen ihrer Existenz schämen lassen, wenn sie ihre Möglichkeiten – die die Literatur ihnen zeigt, nicht nutzen. Camus rezensierte La nausée im Alger républicain am 20. Oktober 1938, und Sartre rezensierte L’étranger im Februar 1943 (wiederabgedruckt in: Sartre, Critiques littérairies, (Situations, I), Paris 1947, S. 120-147.

Oder Sartres Qu’est-ce que la littérature? (1947) würde sich auch prima für eine GFS eignen. In diesem Buch beschreibt Sartre in 4 Kapiteln seine Literaturästhetik und wieso der Begriff der „engagierten Litratur“ immer mißverstanden wird: „Qu’est-ce qu’écrire?“, „Pourquoi écrire?“, „Pour qui écrit-on?“, „Situation de l’écrivain en 1947“. Die GFS könnte sich auf die ersten drei Kapitel konzentrieren, obwohl das vierte Kapitel vor allem auch wegen Sartres ausdrücklicher Kritik an der PCF historisch gesehen vor dem Hintergrund des beginnenden Kalten Krieges beachtenswert ist. Sartres Vortrag von 1946 mit dem Titel La responsabilite de l’écrivain, (erschienen bei Ed.Verdier, Lagrasse, 1998) wäre ebenfalls gut geeignet, da Sartre hier die Verbindung von Freiheit und Verantwortung darlegt.

Unsere Blogleser interessieren sich aber sicher auch für andere Top-Themen für die GFS im Französischunterricht.

Bei Klett gibt es > CDs mit einer Originalaufnahme des L’étranger, so wie Camus ihn 1952 im französischen Rundfunk gelesen hat.

Die Medina in Fès

Noch ein Nachtrag zur Reise nach Marokko… dort gab es einfach nicht genug Zeit zu schreiben. Am Freitag, 26. 11., haben mir zwei Studenten aus dem Philosophischen Seminar das Volkskunstmuseum Musée de Batha und die Medina gezeigt und am Samstag hat mich dort Professor Bennani geführt. 400 000 Einwohner hat die Medina von Fès, und seit 1976 hat die UNESCO die Medina auf die Liste des schützenswerten Weltkulturerbes gesetzt. Seitdem gibt es umfangreiche Projekte, um die Infrastruktur der Medina zu restaurieren. Fahrzeuge gibt es in der Medina nicht, dazu sind die Gassen zu eng. Alle Transporte werden auf dem Rücken von Eseln ausgeführt.
Im Atelier von Hassan Jamil, (N° 10 Sid Al Akoudi, Fondouk Lihoudi) der kürzlich eine Ausstellung im Café Mezzo in Hannover hatte, fanden wir wunderbare Bilder, die die Medina im Überblick und einzelne Gassen zeigen. Eine Orientierung in dem Gewirr von Gassen ist nicht einfach, so war ich meinen Begleitern sehr dankbar, die mir bei diesen Rundgängen so viele interessante Eindrücke verschafft haben. Am Montag gab es dann in der Universität von Fès um 10 Uhr einen Vortrag über Camus und die Kunst. Nach dem Vortrag stellten die Studenten eine Stunde lang Fragen vor allem nach dem Zusammenhang von Kunst und Moral. Am Dienstag gings mit dem Zug nach Rabat und dort, wie bereits berichtet, ins Goethe-Institut.

Cinq siècles de littérature

Zusammen mit Dr. Gilles Floret stelle ich am Di, 7. November, 15-17 Uhr in der > Stadtbücherei von Heidelberg, Hauptstelle, Kleiner Saal, französische Texte aus fünf Jahrhunderten vor. Die Texte werden auf französisch und deutsch vorgelesen, und wir erklären die Wirkungsgeschichte aus politischer, philosophischer Perspektive. Und > Gilles Floret singt zu jedem Jahrhundert ein historisches Lied.

Veranstalter: Stadtbücherei und Ernst Klett Verlag, Stuttgart
Eintritt: frei
Anmeldung erbeten bis 4.11. > j.v.greiffenstern@klett.de

Camus in Heidelberg

Der Roman L’étranger von Albert Camus ist Sternchenthema für das Abitur in Baden-Württemberg:

Wahrheit und Moral. L’étranger von Albert Camus“
Referent: Dr. Heiner Wittmann

Camus‘ Roman L’étranger (1942) wird oft zu Unrecht auf die Darstellung des Absurden reduziert. Der Roman erzählt die gescheiterte Revolte des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft. Camus untersucht hier das Verhältnis von Moral und Wahrheit. In diesem Vortrag werden verschiedene Interpretationsansätze erläutert.

Di, 7. November, 10-12 Uhr
> Stadtbücherei Heidelberg, Hauptstelle, Kleiner Saal
Veranstalter: Stadtbücherei und Ernst Klett Verlag, Stuttgart
Eintritt: frei
Anmeldung erbeten bis 4.11. > j.v.greiffenstern@klett.de

Deutsch-französische Literaturbeziehungen

Vom 23. bis 25. November 2006 findet eine Nachwuchstagung an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zum Stand, den Methoden und Perspektiven der Erforschung deutsch-französischer Literaturbeziehungen statt: „Die gegenwärtig zu beobachtende Europäisierung der Literaturgeschichtsschreibung lenkt den Blick auf die vielfachen Beziehungen zwischen den nationalsprachlichen Literaturräumen. Zunehmend rückt die Inter- bzw. Transnationalität der Literatur ins Bewusstsein der Philologien und erfordert eine neue Beschäftigung mit den Wegen, Medien und Akteuren grenzüberschreitender Rezeption literarischer Formen und Inhalte. Am Beispiel der deutsch-französischen Literaturbeziehungen will die Tagung den Interessen, Strategien und Effekten dieses Austauschs nachgehen, in seiner synchronen ebenso wie in seiner diachronen Dimension…. “ Mehr…

Restaurants des Herzens, Les Restos du Cœurs

Wie in vielen anderen modernen oder sich modernisierenden Gesellschaften ist auch Frankreich von einer sozialen Spaltung in Wohlhabende und Mittelose betroffen. Dem Staat gelingt es nicht mehr sozialen Ausgleich zu schaffen. Dies hat fatale Folgen, wie es die „Fracture Sociale“ zeigt: 6,3 % der Bevölkerung, also 3,7 Millionen Personen, verdienen weniger als 645 Euro im Monat.

Wenn der Staat versagt, müssen die Bürger selbst, die Zivilgesellschaft, einen Ausgleich zu schaffen, um den französischen Wert der Fraternité, der Brüderlichkeit, zu verwirklichen. Wenn vom unpersönlichen Staat keine Hilfe eingefordert werden kann, so doch von den Mitmenschen.
Diese humanistische Einstellung findet ihren Ausdruck in zahlreichen Initiativen und Vereinigungen der französischen Zivilgesellschaft, von denen nur wenige so bekannt sind, wie die von dem Schauspieler Michel Joseph Coluche 1985 gegründeten „Restos du Cœurs“ (Restaurants des Herzens), die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Bedürftigen Essen auszugeben. Das Projekt entstand durch eine offen ausgesprochene Idee Coluches im Radiosender Europe 1 am 26.9.1985:

„Ich habe eine kleine Idee… wenn es Menschen gäbe, die bereit wären, für eine kostenlose Kantine zu spenden, die man erst in Paris, dann in den großen Städten von Frankreich einrichten würde, dann würden wir so ein Projekt durchführen. Es hätte zum Ziel 2.000 bis 3.000 kostenlose Essen pro Tag zu verteilen.”

Der Sänger Jean Jacques Goldman komponiert ein Lied, dessen Text von Persönlichkeiten wie von Coluche selbst, Nathalie Baye, Catherine Deneuve, Michel Drucker, Yves Montand und Michel Platini gesungen wird. Millionen französischer Bürger spenden für die Restaurants. Im Dezember 1985 werden mit Hilfe von 5.000 ehrenamtlichen Helfern 8,5 Milllionen Essen verteilt.

Zur Finanzierung seines Projekts schlug Coluche im Januar 1986 in einer Fernsehsendung ein Gesetz vor, dass für Privatpersonen einen Steuerabzug bis 1.000 FF für Spenden vorsah. Tatsächlich wurde das Gesetz vom französischen Parlament mit überwältigender Mehrheit 1988 verabschiedet und trug somit auch zum Erfolg der Restos du Cœurs, die in der französischen Bevölkerung von allen Vereinigungen das höchste Vertrauen genießen. 1988 wurden in den 2.500 Zentren in ganz Frankreich bereits 25 Millionen Essen ausgegeben, im Jahre 2004 sogar 65 Millionen!

Diese Zahlen verweisen auf das bedeutende Ausmaß nicht stattlicher, solidarischer Initiativen.

Der Winter wird bald kommen.
Wer spenden oder helfen möchte: www.restaurantsducoeur.com

Die deutsch-französischen Beziehungen

Die Website des französischen Außenministeriums zur deutsch-französischen Zusammenarbeit bietet eine kurz und präzise Darstellung der Geschichte der Beziehungen zwischen beiden Ländern an. In einigen Absätzen werden die Strukturen der zwischenstaatlichen Abstimmung erläutert, womit im wesentlichen der Deutsch-französische Ministerrat gemeint ist, der in dieser Form bereits sechs Mal getagt hat. Weitere Seiten informieren über die kulturelle, wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit.

Aktuelle Informationen bietet das > deutsch-französische Internetportal. Der Website wird per Klick in verschiedenen Sprachen angezeigt: Français, English, Español, عربي, 中文.

Auf deutscher Seite informiert das Auswärtige Amt infomiert regelmäßig (auch zweisprachig) über die > deutsch-französische Zusammenarbeit. Am 1. August wurde ausführlich über das > Deutsch-französische Geschichtsbuch berichtet.

Die Website > Romanistik im Internet ist aus der Begleitung einer Übung an der Universität Stuttgart hervorgegangen und wird seit vier Jahren auf dem Server des Romanischen Seminars der TU Dresden beheimatet. Hier werden Linksammlungen und aktuelle Websites zu den deutsch-französischen Beziehungen angezeigt.

1 92 93 94 95