Deutsch-französische Literaturbeziehungen

Vom 23. bis 25. November 2006 findet eine Nachwuchstagung an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zum Stand, den Methoden und Perspektiven der Erforschung deutsch-französischer Literaturbeziehungen statt: „Die gegenwärtig zu beobachtende Europäisierung der Literaturgeschichtsschreibung lenkt den Blick auf die vielfachen Beziehungen zwischen den nationalsprachlichen Literaturräumen. Zunehmend rückt die Inter- bzw. Transnationalität der Literatur ins Bewusstsein der Philologien und erfordert eine neue Beschäftigung mit den Wegen, Medien und Akteuren grenzüberschreitender Rezeption literarischer Formen und Inhalte. Am Beispiel der deutsch-französischen Literaturbeziehungen will die Tagung den Interessen, Strategien und Effekten dieses Austauschs nachgehen, in seiner synchronen ebenso wie in seiner diachronen Dimension…. “ Mehr…

Restaurants des Herzens, Les Restos du Cœurs

Wie in vielen anderen modernen oder sich modernisierenden Gesellschaften ist auch Frankreich von einer sozialen Spaltung in Wohlhabende und Mittelose betroffen. Dem Staat gelingt es nicht mehr sozialen Ausgleich zu schaffen. Dies hat fatale Folgen, wie es die „Fracture Sociale“ zeigt: 6,3 % der Bevölkerung, also 3,7 Millionen Personen, verdienen weniger als 645 Euro im Monat.

Wenn der Staat versagt, müssen die Bürger selbst, die Zivilgesellschaft, einen Ausgleich zu schaffen, um den französischen Wert der Fraternité, der Brüderlichkeit, zu verwirklichen. Wenn vom unpersönlichen Staat keine Hilfe eingefordert werden kann, so doch von den Mitmenschen.
Diese humanistische Einstellung findet ihren Ausdruck in zahlreichen Initiativen und Vereinigungen der französischen Zivilgesellschaft, von denen nur wenige so bekannt sind, wie die von dem Schauspieler Michel Joseph Coluche 1985 gegründeten „Restos du Cœurs“ (Restaurants des Herzens), die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Bedürftigen Essen auszugeben. Das Projekt entstand durch eine offen ausgesprochene Idee Coluches im Radiosender Europe 1 am 26.9.1985:

„Ich habe eine kleine Idee… wenn es Menschen gäbe, die bereit wären, für eine kostenlose Kantine zu spenden, die man erst in Paris, dann in den großen Städten von Frankreich einrichten würde, dann würden wir so ein Projekt durchführen. Es hätte zum Ziel 2.000 bis 3.000 kostenlose Essen pro Tag zu verteilen.”

Der Sänger Jean Jacques Goldman komponiert ein Lied, dessen Text von Persönlichkeiten wie von Coluche selbst, Nathalie Baye, Catherine Deneuve, Michel Drucker, Yves Montand und Michel Platini gesungen wird. Millionen französischer Bürger spenden für die Restaurants. Im Dezember 1985 werden mit Hilfe von 5.000 ehrenamtlichen Helfern 8,5 Milllionen Essen verteilt.

Zur Finanzierung seines Projekts schlug Coluche im Januar 1986 in einer Fernsehsendung ein Gesetz vor, dass für Privatpersonen einen Steuerabzug bis 1.000 FF für Spenden vorsah. Tatsächlich wurde das Gesetz vom französischen Parlament mit überwältigender Mehrheit 1988 verabschiedet und trug somit auch zum Erfolg der Restos du Cœurs, die in der französischen Bevölkerung von allen Vereinigungen das höchste Vertrauen genießen. 1988 wurden in den 2.500 Zentren in ganz Frankreich bereits 25 Millionen Essen ausgegeben, im Jahre 2004 sogar 65 Millionen!

Diese Zahlen verweisen auf das bedeutende Ausmaß nicht stattlicher, solidarischer Initiativen.

Der Winter wird bald kommen.
Wer spenden oder helfen möchte: www.restaurantsducoeur.com

Die deutsch-französischen Beziehungen

Die Website des französischen Außenministeriums zur deutsch-französischen Zusammenarbeit bietet eine kurz und präzise Darstellung der Geschichte der Beziehungen zwischen beiden Ländern an. In einigen Absätzen werden die Strukturen der zwischenstaatlichen Abstimmung erläutert, womit im wesentlichen der Deutsch-französische Ministerrat gemeint ist, der in dieser Form bereits sechs Mal getagt hat. Weitere Seiten informieren über die kulturelle, wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit.

Aktuelle Informationen bietet das > deutsch-französische Internetportal. Der Website wird per Klick in verschiedenen Sprachen angezeigt: Français, English, Español, عربي, 中文.

Auf deutscher Seite informiert das Auswärtige Amt infomiert regelmäßig (auch zweisprachig) über die > deutsch-französische Zusammenarbeit. Am 1. August wurde ausführlich über das > Deutsch-französische Geschichtsbuch berichtet.

Die Website > Romanistik im Internet ist aus der Begleitung einer Übung an der Universität Stuttgart hervorgegangen und wird seit vier Jahren auf dem Server des Romanischen Seminars der TU Dresden beheimatet. Hier werden Linksammlungen und aktuelle Websites zu den deutsch-französischen Beziehungen angezeigt.

„Jugend in Europa – Schüler machen Zeitung“

Das Deutsch-französische Jugendwerk (DFJW) hat zum 4. Mal ein Zeitungsprojekt „Jugend und Europa-Schüler machen Zeitung“ für das Schuljahr 2006/2007 gestartet. 

Im Rahmen dieses Projekts verfassen deutsche und französische Jugendlichen während eines Schüleraustauschs gemeinsam Artikel zu europäischen Themen und veröffentlichen diese in den Tageszeitungen ihrer Heimatregionen. Im Rahmen eines abschließenden Wettbewerbs prämiert eine Jury die besten Beiträge.

Der Tipp:

Das Projekt richtet sich an Klassen der Sekundarstufen I und II, deren Schüler über Grundkenntnisse in der französischen Sprache verfügen. Bis zum 31. Oktober 2006 können Lehrer in Absprache mit der französischen Partnerschule beim DFJW die Bewerbung einreichen. Ausführliche Informationen befinden sich in den Bewerbungsunterlagen. Das DFJW gewährt den teilnehmenden Schulklassen einen Zuschuss zu den Fahrtkosten zum Ort der Begegnung.

Das Projekt den Schülern einen kompetenten Umgang mit dem Medium Tageszeitung und gibt ihnen Einblicke in die Arbeit eines Journalisten. Bewerbungen per > Anmeldeformular an:

> Deutsch-Französisches Jugendwerk
Bereich „Schulaustausch“
Molkenmarkt 1
10179 Berlin
Tel.: 030 288757-12

E-Mail:> schueler-machen-zeitung@dfjw.org

 

La baladodiffusion

In Bordeaux stellt sich Alain Juppé (UMP) zur Wahl und will bei den Wahlen am 8. und 15. Oktober wieder Bürgermeister werden. Auf seiner Wahlkampfseite
> www.juppe-bordeauxacoeur.com/pod kann man seinen Podcast hören, und es werden auch gleich die Begriffe erklärt: „La baladodiffusion (équivalent francophone si cher à nos amis d’outre-Atlantique du mot podcasting) est un moyen gratuit de diffusion de fichiers audio ou vidéo sélectionnés sur Internet. Un podcast est un balado en français. L’abonnement aux flux RSS (Really Simple Syndication) vous permet d’automatiser le téléchargement de documents audio ou vidéo sur votre ordinateur, dés leur mise en ligne, et pour une écoute immédiate ou ultérieure.“

Nach dem Blog – der von > Alain Juppé ist nach dem heutigen Stand allerdings seltsam leer – wird nun also auch das Podcasting für den Wahlkampf entdeckt. Eine ganz einfache Technik. Man sellt eine *.mp3 Datei her und veröffentlicht sie auf einer Seite im Internet. Und da alle Politiker in Frankreich, die nächstes Jahr in den Elysée-Palast einziehen möchten, die Blogs und Internet-Aktivitäten ihrer Kollegen beobachten, darf man sicher auch mit einer Verbreitung der Podcasts rechnen. Dann ist der Weg zum Vloggen (Videolog) auch nicht mehr weit.

Oder reagiert Alain Juppé nur auf > Laurent Fabius (PS), der auch schon einen Podcast veröffentlicht hat? Aber diese Technik scheint er noch nicht besonders intensiv zu nutzen.

Der Innenminister, Nicolas Sarkozy, ist schon im Dezember 2005 von > Loïc Le Meur interviewt worden. Le Meur veröffentlichte auch gleich das Video seines Besuches bei Sarkozy, dem er jetzt auch im Wahlkampf für die Präsidentschaft seine Unterstützung zugesagt hat.

Vlog: > Bundeskanzlerin Angela Merkel berichtet über ihre Arbeit seit dem 17. Juni 2006 regelmäßig auf ihrer Website per > Video-Podcast.

Kann man sich in den Elysée-Palast bloggen?

Wenn man den beginnenden Wahlkampf für die Wahl des französischen Präsidenten beobachtet, die im April 2007 stattfinden soll, gewinnt man den Eindruck, daß ohne einen persönlichen Blog keiner der Kandidaten auch nur die geringste Chance hat, wenn sie oder er keinen persönlichen Blog besitzt. In den Umfragen und in der Gestaltung ihres Blogs geht Ségolène Royal (PS) allen voran und macht es ihren Mitstreitern in der eigenen Partei bis zu ihrem eigenen Lebensgefährten, François Hollande, dem ersten Sekretär der Parti socialiste, richtig schwer: > www.desirsdavenir.org/ so heißt ihr Blog. Ein Online-Buch und „débats d’actualité“ und „débats permanents“ sollen das ganze Spektrum der Themen im Wahlkampf abdecken. Im Gegensatz zu einem ihrer Konkurrenten Nicolas Sarkozy >  sarkozyblog.free.fr/, der nicht nur einen langweiligere URL für seine Blog hat, bietet Royal ihren Anhängern auch die Fortführung der Debatten in ihren Blog an. 

Hier gibt es eine nützliche Übersicht über die politischen Parteien und auch die reginalen Blogs:> Répertoire des blogs politiques

Warum gibt es in Frankreich diese hohe Zahl an Blogs, ein Phänomen, das sich besonders auch im Bereich der Politik zeigt? Aber auch sonst  sind die Franzosen viel eifriger beim Bloggen als die Deutschen. 3,2 Mio. soll es in Frankreich geben, während bis jetzt weniger als eine halbe Million der deutschen Surfer sich einen Blog zugelegt hat. Die intensive Nutzung der Blogs in Frankreich, wie sie sich schon beim Referendum über den Europäische Verfassung gezeigt hat, verrät aber auch etwas über die politischen Strukturen unseres Nachbarlandes. Offensichtlich müssen die Politiker dort aufgrund des Mehrheitswahlrechts sich intensiver um einen Kontakt zu den Wählern bemühen. Bei uns kümmern sich die Politiker um die guten Plätze auf den Landeslisten und bei der parlamentarischen Tagesarbeit stehen immer mehr die Ausschüss- und die Fraktionssitzungen im Vordergrund als Schauplatz wichtiger Entscheidungen, anstatt daß die Große Koalition auf die Idee ihre Reformbemühungen bürgernah mit den modernen Medien zu vermitteln… zu bloggen! Sucht man nach „CDU blog“, kommt man auf die Seite > www.cdunion.de/ für die Matthias Busse, Pressereferent im Kreisverband Rhein-Neckar der CDU, verantwortlich zeichnet: „Herzlichen Dank für Ihr Interesse an unserem Weblog. ww.CDUnion.de. Zu Wahlkampfzeiten sind wir wieder online.“ -Soviel zum Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich.

Wahlkampf in Frankreich > France 2

Les blogs en France

Am 10. August erschien LE FIGARO mit der Überschrift „Les blogs, une nouvelle passion française.“

In Frankreich soll es schon 3,2 Millionen Blogs geben mit steigender Tendenz. Im Durchschnitt konsultieren die etwa 7 Millionen Blogleser in Frankreich etwa täglich eine Stunde lang Blogs – will man den Umfrageergebnissen trauen. In Deutschland würden bislang nur im Durchschnitt drei Minuten fürs Bloglesen aufgewendet. Ob die Ausdauer der Franzosen mit dem Gesetz über die 35-stündige Arbeitszeit zusammenhängt?, fragt LE FIGARO.

> LE FIGARO

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