Die Tagung des Frankoromanistenverbandes in Leipzig, 19.-22.9.2012: (R)evolution der Medien

Ab morgen tagt der Frankromomanistenverband in Leipzig.

Auf der Homepage des Verbandes steht „Der Frankoromanistenverband versteht sich als Fachverband für alle Wissenschaftler, die das Fach Französisch und die Frankophonie vertreten. Dies betrifft Sprachwissenschafter, Literaturwissenschafter, Kulturwissenschafter und Fachdidaktiker, die sich mit einem riesigen Forschungsgebiet beschäftigen: 220 Millionen Frankophone in 51 Ländern der Erde auf 5 Kontinenten sprechen Französisch.


> Argumente für Französisch – auf diesem Blog


Der Frankoromanistenverband setzt sich für den Unterricht des Französischen an den Universitäten und Schulen ein. Er arbeitet eng mit der Französischen Botschaft und den französischen Konsulaten zusammen, um dies effektvoll realisieren zu können. Er richtet alle zwei Jahre eine Tagung aus, die ein Forum für Nachwuchswissenschaftler darstellt und die allen Fachvertretern die Möglichkeit bietet, sich innerhalb verschiedenster Sektionen wissenschaftlich auszutauschen und gemeinsam über Probleme und Perspektiven des Fachs zu diskutieren.“


> Romanistik und neue Medien – auf diesem Blog


[R]evolution der Medien

Die Tagung nimmt die Medien in einer historischen und aktuellen Perspektive in den Blick. Schon die Epochenschwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit ist auch das Ergebnis einer Medienrevolution. An die Stelle der steinernen Botschaft der Architektur tritt als Medium mit einer „technischen Reproduzierbarkeit“ nämlich als der Druck, der Literatur und Wissenschaften in immer schnellere Bewegung versetzt, und sie größeren Leserschaften zugänglich macht. In den Sektionen dieser Tagung werden diese Fragen gestellt: „Welche Bedeutung hat die Erfindung des Buchdrucks für die Zirkulation des Wissens und für die Innovationen der Literatur? Wie verändert das neue Medium die Herausbildung eines neuen Lesepublikums? Wie wirken sich Zeitung und Feuilleton mit ihrer Beschleunigung der Druckverfahren (Schnellpresse, Endlospapier) auf die Herausbildung neuer literarischer Formen wie Feuilletonroman und Reportage als journalistische Form aus? (Vgl. hier etwa den Aufsatz von Fritz Nies „Schnell und viel – Gattungsbildung in Frankreich im Zeitalter des Endlospapiers“) Wie wurden und werden Medienumbrüche in der französischen und frankophonen Literatur immer wieder neu reflektiert? Welchen Einfluss hatte und haben sie auf die Sprache? Welche politische Rolle kommt in diesem Zusammenhang dem Schriftsteller zu? Inwiefern können aber auch die neuen Kommunikationsformen, die die medialen Revolutionen der allerjüngsten Zeit hervorgebracht haben, auf gesellschaftliche Verhältnisse Einfluss nehmen? (Vgl. als jüngstes Beispiel die Bedeutung der medialen Kommunikation für die Veränderung der politischen Situation in Tunesien)“

Das Medium der Sprache und die Vermittlung der Literatur durch Medien sind ein wesentlicher Forschungsgegenstand der Frankoromanistik. Mit den ‚neuen’ Medien hat sich das Feld der Frankoromanistik erheblich erweitert: Auch Methoden und die Ergebnisse der vergleichenden Medienwissenschaft die alle Arten von Medien analysiert – Filme, filmische Transpositionen, Text-Bild-Relationen, bande dessinée und Photographie, die Medien Fernsehen, Presse, Radio und Internet (Blogs, Netzliteratur…) – in den Blick nimmt, werden bei dieser Tagung berücksichtigt.

Die Tagung ist für die Frankoromanisten eine gute Gelegenheit, die Stärke und die Vielfalt der Romanistik in der Öffentlichkeit zu demonstrieren.

> Der Frankoromanistenverband im Deutschen Romanistenverband e.V.

> [R]evolution der Meiden. 8. Kongress des Franko-Romanisten-Verbands – Leipzig, 19.-22.9.2012


> Romanistik und Neue Medien – auf diesem Blog


Prokrastination

WIssen Sie was Prokrastination ist? Auf Französisch ist die Erklärung noch besser geschrieben: la procrastination. Schreibtisch putzen statt das nächste Kapitel zu schreiben. Handlungsaufschub. Zettel unter die Schreibtischunterlage legen und erst anfangen etwas, wenn die Beule zu dick wird…

Alles Wissenswerte dazu in 9 Minuten:

Im Journal de Philosphie von François Noudelmann > La Procrastination – France Culture. Réalisation: Assia Khalid

Mit einem Hinweis auf das Buch La procrastination von John Perry. Autrement, 2012.

Gegen die Spezialisierung – ein Lob auf die Intellektuellen

Gerade kommt hier der Blog von Hans Ulrich Gumbrecht, Literaturprofessor in Standford, > Digital/Pausen auf den Bildschirm. Am 7. September 2012 dort wurde ein neuer Beitrag > Wie sich die Intellektuellen überlebt haben angezeigt. Man darf die Frage stellen: Wieso soll es mit den Intellektuellen zu Ende sein? Das hat schon François Lyotard mit seinem Tombeau des intellectuels et autres papiers, Paris 1984, so erfolglos zu behaupten versucht.

Der Beitrag von Gumbrecht beginnt mit einer Behauptung: „Kein Politiker im einundzwanzigsten Jahrhundert verlässt sich mehr auf die Meinungen und den Rat von Intellektuellen, nicht einmal im Südamerika der Charismatiker wie Chávez und Lula, wo sich länger als in Europa ein oft mit dem Gesicht von Ché Guevara assoziierter spät-romantischer Glaube an ihre überlegene Urteilskraft erhalten hatte.“ Vielleicht ist da ein bisschen was dran, bedenkt man, dass viele unserer Politik keine Intellektuellen sind. Gumbrechts 2. Satz:“Selbst als das Kanzleramt in Berlin einen „Ethikrat“ einberief, von dem seit seiner Gründung so wenig die Rede war, dass man heute gar nicht mehr weiß, ob er noch existiert, wurden seine Mitglieder als Spezialisten für Fragen der Moral ausgewählt – und nicht aufgrund eines früher grundsätzlich als provokant begrüßten Rufs als Intellektuelle.“ Gumbrechts Schlussfolgerung im ersten Absatz: „Wir erleben eine Gegenwart von Spezialisten, die unsere Welt in ihren je verschiedenen Dimensionen so gut es geht am Laufen und Leben halten,(…) selbst charismatische Politiker, Politiker, die nicht beständig von Spezialisten beraten werden wollen, trauen eher ihren eigenen Intuitionen als denen der Intellektuellen.“ Wie gesagt, im heutigen Politikbetrieb mögen Intellektuelle nicht mitmachen. Diese Erkenntnis ist aber kein Grund, von einem Verschwinden der Intellektuellen zu reden, oder ihren Untergang herbeizureden. Intellektuelle sind unabhängig, sie lassen sich nicht immer, wie man das so immer so gerne möchte klassifizieren, vereinnahmen und für die Zwecke anderer einsetzen. Kommissionen heißen im politischen Umfeld immer gleich Expertenkomissionen, damit werden sie auf ihr Spezialistentum und nicht auf ihre Unabhängigkeit festgelegt. Sie haben die von der Politik erwarteten Ergebnisse zu liefern, so wie der Bundestag heute meistens die in den Fraktionen ausgehandelten Ergebnisse abzunicken hat.

Lesen wir bei Gumbrecht weiter. „Doch woher kam ihre heute so vergilbte Aura?“ (der Intellektuellen, w.) Er erwähnt den Begriffswandel vom „philosophe,“ „so hieß es im einschlägigen Artikel der „Encyclopédie“ von Diderot und d’Alembert, sei jemand, der ungelöste Fragen und Probleme der Gesellschaft aufgreift“ zum „intellectuel“ der Prägung Zolas: „J’accuse“ (1898). Dann nennt Gumbrecht eine „dritte, aus der Retrospektive des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts identifizierbare Schwelle in dieser Geschichte“. „Sartre entschied sich für eine Festlegung auf die Positionen des damals noch von der Sowjetunion in problematischer Einheit zusammengehaltenen Kommunismus, während Camus seit etwa 1950 explizit von genau dieser Möglichkeit Abstand nahm, weil er die Zumutung des Sozialismus und Kommunismus für unannehmbar hielt…“

„Sartre entschied sich für eine Festlegung auf die Positionen des damals noch von der Sowjetunion in problematischer Einheit zusammengehaltenen Kommunismus, während Camus seit etwa 1950 explizit von genau dieser Möglichkeit Abstand nahm, weil er die Zumutung des Sozialismus und Kommunismus für unannehmbar hielt, eine jeweilige Gegenwart individuellen Lebens bestimmten abstrakten Kollektiv-Zielen (der Herbeiführung einer „klassenlosen Gesellschaft“ zum Beispiel) unterzuordnen, deren Realisierungschancen er für prekär und jedenfalls allzu langfristig ansah,“ schreibt Gumbrecht und wiederholt vorgefasste Ideen in Bezug auf das Werk von Sartre, die den Niedergang oder das Verschwinden des Intellektuellen suggerieren sollen. Ohne Zweifel wollte der Autor von L’être et le néant. Essai d’ontologie phénoménologique (1943), sein Werk über die Freiheit, von 1951-1956 ein Wegbegleiter der PCF sein, die sich seiner Einflussnahme aus leicht verständlichen Gründen stets beharrlich verweigerte. Würde Gumbrecht Sartres Kritik am Marxismus zitieren, würde man die Überlegenheit des Intellektuellen leicht erkennbar. Vgl. H. Wittmann, Sartre und die Kunst. Die Porträtstudien von Tintoretto bis Flaubert, Verlag Gunter Narr: Tübingen 1996, S. 72-88: Die Kritik am Marxismus.

Zwei Sätze aus Sartres Fragen der Methode, neu hrsg. v. A. Elkaïm-Sartre, übersetzt v. V. v. Wroblewsky, Reinbek bei Hamburg 1986. op. cit., S. 35: „Der Marxismus besitzt theoretische Grundlagen, er umfasst alle menschliche Aktivität, aber er ist kein Wissen mehr, seine Begriffe sind Diktate; sein Ziel ist nicht mehr, Erkenntnisse zu erlangen, sondern sich a priori als absolutes Wissen zu konstituieren. Angesichts dieser doppelten Unwissenheit hat der Existentialismus wiedererstehen und sich behaupten können, weil er die Wirklichkeit des Menschen wieder zur Geltung brachte, wie Kierkegaard gegen Hegel.“ Fragen der Methode erschien ursprünglich in einer polnischen Zeitschrift 1960, in einer Übersetzung in der Taschenbuchreihe bei Rowohlt unter dem Titel Marxismus und Existentialismus (übers. v. H. Schmitt, Hamburg 1964) , und als zusätzliches Vorwort zu der Critique de la raison dialectique (1960), aber nicht in deren deutschen Übersetzung. Fragen der Methode ist eine fundamentale Anklage des Kommunismus stalinistischer oder sowjetischer Prägung. Der Versuch, Sartre in die Nähe des Marxismus zu stellen, sein Scheitern anzuzeigen und damit auch zugleich die Figur des Intellektuellen als obsolet erscheinen zu lassen, funktioniert so nicht.

Wenn man hingegen seine Vorträge aus Japan Plädoyer für die Intellektuellen<. Interviews, Artikel und Reden 1950 - 1973, Übersetzt von H. v. Born-Pilsach, E. Groepler, T. König, I. Reblitz, V. v. Wroblewsky, in: ders., Gesammelte Werke in Einzelausgaben (Hrsg. V. v. Wroblewsky), Politische Schriften, Bd. 6, Reinbek bei Hamburg 1995), wieder liest, würde man schnell merken, dass das mit dem Verschwinden des Intellektuellen auch gar nicht so einfach ist: „Ohne grundsätzliche Positionen aufzugeben, hat Sartre in seinem Werk besonders nach 1970 durch sein politisches Engagement die Entwicklung des klassischen Intellektuellen zu einem Intellektuellen neuen Typs zeigen wollen. In den drei Vorträgen, die er 1965 in Kyoto und Tokio gehalten und unter dem Titel Plaidoyer pour les intellectuels veröffentlicht hat, entwickelt er seine Theorie des Intellektuellen, der sich dadurch auszeichnet, dass er seinen engen Fachbereich überschreiten könne. Seine Kritiker in Japan und Europa richten den gleichen Vorwurf an ihn: „[…] der Intellektuelle ist jemand, der sich um Dinge kümmert, die ihn nichts angehen. […]“. (Sartre, Plädoyer für die Intellektuellen, loc cit., S. 91) Wissenschaftler, die eine Atombombe bauen, sind für Sartre keine Intellektuellen. Sie werden es erst, wenn sie z. B. gemeinsam ein Manifest unterschreiben, um ihre Mitmenschen vor dem Gebrauch der Bombe zu warnen. Mit der Beurteilung ihrer Zerstörungskraft überschreiten sie die ihnen gesetzten Grenzen ihrer Fachkompetenz. … Das Wertesystem, auf das sie sich berufen, hat das menschliche Leben als oberste Norm.“ (W., Sartre und die Kunst, op. cit., S. 166)

Mit 1968 folgte für Gumbrecht „die Einsicht (…) dass Intellektuelle mit parteipolitischen Festlegungen die für ihre Rolle wesentliche Möglichkeit verloren, von außerhalb der politischen Institutionen (und größere Komplexität der Meinungen schaffend) in ihren Gesellschaften zu intervenieren.“ Und Gumbrecht versteht die „Camus-Renaissance“ der letzten Jahre als eine Bestätigung, dass Intellektuelle verschwinden (?).“ All das schien und scheint weiterhin plausibel — und doch lässt sich nicht übersehen, dass der Einfluss“, ja die bloße Sichtbarkeit der verbleibenden Rand-Intellektuellen in den vergangenen Jahren weiter geschwunden ist und sich inzwischen wohl tatsächlich einem potentiellen Nullpunkt nähert.“ Gumbrechts Versuch Camus gegenüber Sartre – zu dessen Nachteil – in ein positives Licht zu stellen, erinnert an Michel Onfray, L’ordre libertaire. La vie philosophique d’Albert Camus, Paris: Flammarion, 2012: > Rezension: Albert Camus, ein Philosoph?

Nun kommt aber der Satz, der in Gumbrechts Blogbeitrag den meisten Widerspruch herausfordert: „Vielleicht liegt der Grund für das geräuschlose Verschwinden der Intellektuellen darin, dass jene innergesellschaftliche Komplexität, die allein sie herstellen können (und bisher auch herstellen sollten), nicht mehr gebraucht wird. (…) In solcher Ausdifferenzierung, deren Eigenkomplexität gegen unendlich geht, ist die traditionell Komplexitätsstiftende Funktion der Intellektuellen überflüssig geworden.“

Die Unabhängigkeit der Intellektuellen, ihre Ablehnung, sich klassifizieren, einordnen zu lassen, ihre bedingungslose Freiheit, ihre Befugnis, sich überall einzumischen, stört besonders den Berliner Politikbetrieb. Die Resignation einiger oder vieler, sich das nicht anzutun, hat nichts mit dem Verschwinden der Intellektuellen zu tun. Das Gerede von ihrem Untergang ist ein Angriff auf ihre/unsere Freiheit und ihre/unsere Unabhängigkeit.

Romanistik und Neue Medien

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Zum Anklicken: Die Themen auf diesem Blog

Man darf davon ausgehen, dass heute nahezu jeder Schüler und jeder Student online ist. Zumindest in Facebook. Und zumindest mit der Handhabung von Suchmaschinen mehr oder weniger vertraut ist. Wer aber arbeitet wirklich mit den Angeboten im Internet? Wer schreibt eigene Inhalte für das Internet? Gar einen eigenen Blog. Wer macht mehr als nur Videos ins Mitmachnetz hochladen? Wer nutzt die Webinhalte, den ungeheuren Reichtum der Online-Bibliotheken und Datenbanken, um effizienter und interessanter zu lernen? Wer merkt, dass Wikipedia nicht die Welt ist? Warum sollen Studenten zielführende Recherchemöglichkeiten erst in der Uni lernen?

Der „Eingangstest“ vor einem Vortrag Romanistik 2.0. – Das Mitmach-Internet und die Wissenschaft vor über 100 Studentinnen und Studenten der Romanistik in einer deutschen Universität endete mit einem ernüchternden Ergebnis: Wer hat schon mal eine Suchmaschine bedient? (Alle) Wer hat schon mal in Wikipedia gesucht? (Alle) Wer hat dort schon mal einen Artikel korrigiert? (2) Wer hat schon mal einen Artikel für Wikipedia Artikel verfasst? (0) Wer hat eine Facebook-Seite? ca. 70 %. Wer hat auf Facebook mehr Freunde als im realen Leben? Fast alle. Wer hat schon mal einen Blog gelesen, (ein paar wenige), wer hat schon mal einen Blogartikel kommentiert? (1) Wer hat einen eigenen Blog? (1) Wer hat in Facebook mehr Freunde als im realen Leben? (Fast alle) Wer kennt Gallica.fr? (1). Vielleicht war der Vortrag über Romanistik und moderne Medien für diese Studenten ganz nützlich, weil doch nur einer von ihnen > Gallica – meine Lieblingsseite im Netz – das Online-Portal der Pariser Nationalbibliothek kannte.

Für die Vorbereitung des > Frankromanistentag in Leipzig – 19.9.-22.9.2012 – hat der > Frankoromanistenverband in seinem letzten > Bulletin des Frankromanistenverbandes einen 12-seitigen Aufsatz zum Thema „Romanistik und Neue Medien. Vom Nutzen digitaler Informationen für das Studium und die Schule“ erschienen. Dieser Aufsatz enthält viele nützliche Informationen, die Schüler in der Oberstufe und vor allem an der Schnittstelle zur Universität über das Internet und vor allem die Recherchemöglichkeiten wissen sollten.

Download des Artikels: > Romanistik und Neue Medien. Vom Nutzen digitaler Informationen für das Studium und die Schule

L’exposition Albert Camus en 2013

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Schlemmerwoche im Münstertal und Fotos aus Colmar

DIe Pressemitteilung von www.atout-france.de über die Schlemmerwoche im Münstertal kommt genau im richtigen Moment. Die zitiere ich hier und illustriere sie mit den Fotos vom letzten Samstagabend in Colmar:

Vom 15. – 23. September findet im elsässischen Münstertal die erste „Semaine Gourmande“ statt, eine Schlemmerwoche.

Anlässlich der frankreichweiten „Fête de la Gastronomie“ am 22. September wird im Münstertal im Elsass in diesem Jahr zum ersten Mal die „Semaine Gourmande“, eine Schlemmerwoche, veranstaltet. Vom 15. – 23. September präsentieren sich die Mitglieder des Tourismusbüros von ihrer besten kulinarischen Seite. Restaurants, Hotel-Restaurants, Bauernhöfe, Gaststätten, Fermes Auberges (Berggasthöfe), Käsereien, Metzger, Konditoren, Erzeuger, Tables d’hôtes (Gästetische) und auch Einzelhändler präsentieren innovative und originelle Produkte.

La petite Venise – Wistub, 4 Rue de la Poissonnerie, 68000 Colmar

Eine ganze Woche lang lassen Gastronomen des Münstertals die Herzen von Genießern höher schlagen. Auf dem Programm stehen erstklassige Feinschmeckermenüs zu erschwinglichen Preisen. Die Aktion „tousaurestaurant“ (Alle ins Restaurant) sorgt zusätzlich für volle Gaststuben. Es finden Kochkurse sowie Workshops für Hobby-Konditoren und zur Herstellung von Foie gras und Brezeln statt. Auch in die Welt der Molekularküche werden Kursteilnehmer eingeführt. Der Weinkeller Schoenheitz veranstaltet spezielle Weinproben, bei denen Speisen und Weine aufeinander abgestimmt werden. Bei Besichtigungen der Fermes Auberges können Besucher den ganzen Hof entdecken und Biologen stellen aromatische Pflanzen vor, die gut zu Käse passen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das Melken der Kühe mitzuerleben und Käsespezialitäten oder auf dem Spieß gebratenes Wildschwein zu probieren. Das Albert Schweitzer Museum in Gunsbach schließlich nimmt Besucher mit auf eine Reise in Albert Schweitzers Privatleben. Hier kann man im ehemaligen Esszimmer des „Docteur Schweitzer“ gemeinsam mit anderen Gästen zu Mittag essen. Nicht nur ein kulinarisches, sondern auch ein kulturelles Highlight!

Zum Auftakt präsentiert sich das Tourismusbüro am Samstag, den 15. September mit seinen Partnern auf dem Markt von Munster. Jean-Claude Iltis, der als Meilleure ouvrier de France“ (wörtlich: bester Arbeiter Frankreichs) ausgezeichnet wurde, ist auch mit dabei und wird hier sein berühmtes Malkerbrot zum Verkauf anbieten. Dieses hat er im Mai 2012 anlässlich des Brotfestes „Fête du Pain“ neu kreiert. Außerdem demonstriert er Besuchern, wie Brot und die sogenannte Viennoiserie (Feingebäck) hergestellt werden. Käsehersteller bieten auf einer riesigen Platte ihre Spezialitäten an und Autoren von Kochbüchern nehmen sich Zeit für eine Signierstunde. Zwischen 11 und 18 Uhr verwandelt sich die Innenstadt von Munster in eine einzige große Fußgängerzone, um Platz für dieses bunte Herbstfest zu bieten. Am Sonntag, den 16. September sollten Besucher die „Balade Gourmande“ in Soultzbach-les-Bains nicht verpassen. Erstklassige Speisen und Weine warten links und rechts des Wegesrandes.

Der kougelhopf glacé reicht als Vorwand für eine Elsaß-Reise völlig aus.

Beschlossen wird die Schlemmerwoche am Sonntag, 23. September mit einem in Frankreich einmaligen Ereignis, das vom Tourismusverband Elsass initiiert wurde: die Bewohner des Münstertals laden Touristen, die gerade Urlaub im Tal machen, für die Sonntagsmahlzeit zu sich nach Hause an ihren Tisch ein.

Weitere Informationen: > www.vallee-munster.eu

Das Elsass:

Die kleinste Region Frankreichs erstreckt sich mit 190 Kilometern Länge und 50 Kilometern Breite über das Departement „Bas-Rhin“ (Unterelsass) im Norden und das Departement „Haut-Rhin“ (Oberelsass) im Süden. Als direkter Nachbar Deutschlands grenzt das Elsass als einzige Region Frankreichs direkt an den Rhein. „Vielfalt“ ist das Schlagwort, mit dem sich das touristische Angebot am besten beschreiben lässt und das jährlich um die 11 Millionen Besucher anzieht. Es reicht von abwechslungsreicher Landschaft – dem Ried in der elsässischen Ebene, Weinbergen und dem Vogesengebirge – über geschichtsträchtige Orte wie der Maginot-Linie bis zu einem breiten Angebot an Aktivitäten. > www.elsass-tourismus.de

EIn Restaurant kommt ins Kino: Entre les Bras

Am 9. August kam bundesweit der Film Entre Les Bras – 3 Sterne. 2 Generationen. 1 Küche von Paul Lacoste in die Kinos. Der Film erzählt ein Jahr lang, wie der Drei-Sterne-Meisterkoch Michel Bras seinem Sohn Sébastien sein Nobelrestaurant allmählich übergibt.

Das > Restaurant von Michel und Sébastien Bras befindet sich an der Route de l’Aubrac nahe Laguiole im Südwesten Frankreichs. Ihre Küchenkreationen sind wahre Kunstwerke. „Nun probier doch endlich,“ sagt Sébastien bei einem Besuch in ihrer Küche in Japan. Sein Vater zögert: „Zuerst isst man den Augen,“ sagt er bedächtig und probiert dann die Kreation seines Sohnes. Dann folgt ein Lob und dann ein Vorschlag zur Verbesserung. Man spürt, dass Sébastien die Meinungen und Ansichten seines Vaters respektiert aber auch ein gutes Selbstbewußtsein hat, um seinen eigenen Weg zu gehen. Der Vater kann eigentlich nicht loslassen, bei der Gartenarbeit, wenn es um die empfindlichen Kräuter geht, ärgert er sich, wenn die jungen Leute daran so herumreissen. Die Zukunft von Sébastien? Einige Meisterköche hat der Regisseur mit der Kamera belauscht, wie sie über die Zukunftsaussichten von Sébastien diskutieren, und ihr Lob fällt einhellig positiv aus. Schließlich war Sébastien schon seitdem er als Kind die tenue du cuisinier tragen durfte, in der Küche immer mit dabei. Und mit seinen eigenen beiden Kindern hält Sébastien es auch so. Unter seiner Anleitung schneiden und hacken sie in der Familienküche.

Es ist die Ruhe des Films, wenig Schwenks, beeindruckende Landschaftsbilder und dann die grandiosen Küchenkreationen, die als Vorbild im Gedächtnis haften bleiben. Man guckt gleich viel kritischer auf die Teller, wie in den uns bekannten Lokalen die Speisen oft lieblos gestapelt werden. Bei den Bras werden Kreationen auf dem Papier ent- und verworfen. Man kann in einer langen Einstellung zugucken, wie Vater und Sohn schon den Beginn eines Gerichts auf dem Teller diskutieren, nein andersherum, meint der Vater, Sébastien dreht ein bisschen unschlüssig den Teller herum, weiß aber im Grunde genau, wie er seine Komposition bauen will. Er ist geduldig.

Die > Website der Bras vermittelt einen großartigen Eindruck ihrer Kunst

Natürlich ist es für den Vater furchtbar schwer, seinem Sohn das Restaurant zu übergeben. Und seine Bedenken werden auch genannt. Es ist schwierig, über Jahre hinweg einen so immensen Erfolg aufzubauen, und es ist noch schwieriger, ein solches Niveau zu halten. In der Einsamkeit der Küche, wenn er alleine ist und an seinen Kompositionen arbeitet, zeigt Sébastien ohne viel Worte, dass er sich seiner Aufgabe und über die an gestellten Erwartungen voll bewusst ist.

Ein wunderbarer Film über ein internatoinal erfolgreiches Restaurant eine Großfamilie, eine wunderbare Landschaft und französische Kochkunst höchster Qualität.

> www.entrelesbras.de/

Summerlied – Festival für Musik, Lieder, und Märchen aus dem Elsass und von anderswo
10. bis 15. August in Ohlungen (F – 67)

Beim 9. Summerlied – Festival für Musik, Lieder, und Märchen aus dem Elsass und von anderswo – in Ohlungen (F – 67) vom 10. bis 15. August werden Künstler aus Regionen mit starker kultureller Identität Vielfalt und Einflüsse der elsässischen Mundart präsentieren: 48 Konzerten, 2 Eigenkreationen, 17 Erzählvorstellungen und 5 Folk-Tanzbälle.

10 August: der Schweizer Sänger Stephan Eicher,
11. August: der französischer Troubadour Hugues Aufray
12. August: die kanadische Folk-Band Le Vent du Nord
14. August: die korsische Vokalgruppe I Muvrini

Im „Bàbbeldorf“ kann man alle Facetten der elsässischen Sprache entdecken. Der Erzählplatz, der Raum für Poesie von Patrick Peter, der Witzbrunnen, D’Sprochstub und D’Akadémie laden zu kurzweiliger Unterhaltung ein. Am 11. August gibt es erstmals einen Tag, der der Country-Musik gewidmet ist. Das Festival hat einen ganz besonderen Platz in der elsässischen Kulturlandschaft. Es hat durch seine Aktionen dazu beigetragen, das Schreiben von „uralten“ Musikformen zu erneuern, mit der Folge, dem Lied im alemannischen Dialekt zu frischem Wind verholfen zu haben.

Die Festival-Organisatoren bietet dieses Jahr in Partnerschaft mit der Stadt Bühl und „Voix du Sud“ einen 9-tägigen Workshop für Musiker aus dem Elsass und aus Baden an. Vom 2. bis zum 10. August bietet „Vom Workshop auf die Bühne“ an, grenzüberschreitendes Lernen des „Liedermachens“: Texte schreiben, komponieren und interpretieren. Das Ergebnis-Konzert ist auf der Bühne der Lichtung am 10. August ab 18.00 Uhr einprogrammiert.

Eine ihrer Sonderkreationen ist die Tanzvorstellung „Folk Danz Process“: die Begegnung der Art der Volktanzgruppe d’Kochloeffel aus Souffelweyersheim mit modernen Choreografien der Tanzkompagnie „Le Grand Jeu“, von Louis Ziegler geleitet. Am Sonntag, 12. August auf der Bühne der Lichtung zu entdecken!

Und am Abend des 15. August steht Roland Engel mit „Wurzle“ auf die Bühne der Lichtung anzuhören: er hat Lieder des elsässischen Volksrepertoires in aktuellen Stil umgearbeitet und diese werden von dem traditionellen Musikspieler Sylvain Piron und den berühmten Zigeunermusik-Gitarristen Engé Helmstetter vertont.

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