Existentialismus

Unsere neue Lektüre: Sarah Bakewell, > Das Café der Existenzialisten. Freiheit, Sein und Aprikosencocktails mit Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Albert Camus, Martin Heidegger, Edmund Husserl, Karl Jaspers, Maurice Merleau-Ponty und anderen, schon in der 5. Auflage 2017, aus dem Englischen von Rita Seuß, 448 S. mit 26 Abbildungen im Verlag C.H. Beck.

Warum war der Aprikosencocktail in einer Bar in Paris Anfang der Dreißiger Jahre so wichtig für Jean-Paul Sartre? Damals saß er dort zusammen mit Simone de Beauvoir und Raymond Aron an einem kleinen Tisch in der Bar Bec-de-Gaz und hörte Aron zu sich sagen: „Siehst du, mon petit camarade, wenn du Phänomenologe bist, kannst du über diesen Cocktail sprechen, und das ist dann Philosophie!“ Selten kann man den Neubeginn einer bestimmten Philosophierichtung an einem Moment so dingfest machen wie hier. Lesen Sie die ersten 50 Seiten von Bakewells Kollektivbiographie über Jean-Paul Sartre, Beauvoir, > Martin Heidegger, Edmund Husserl, Maurice Merleau-Ponty, Simone de Beauvoir, Albert Camus, Iris Murdoch und sie werden in ihren Werken die eigentlichen Fragen

unserer Zeit und Antworten wiederfinden: „Was sind wir?“ und „Was sollen wir tun?“. Sie werden ihre Termine absagen und das Buch sofort zu Ende lesen. Wie die Leser der vier Auflagen seit Juni 2016 vor ihnen.

Alle werden uns entgegenhalten, Sartre werde heute kaum noch in der Universität gelehrt, und ebensowenig in der Schule gelesen. Bakewell weiß das, sie weiß aber auch, dass heute die Freiheit mehr als je bedroht ist. Die sozialen Netzwerke scheinen vom Anbändeln und Kontakfreudigkeit in die totale Kontrolle zu kippen. Mit der grenzenlosen Freiheit (vgl. Bakewell S. 44) im Internet scheint es passé zu sein, denn die Vorgaben der sozialen Netzwerke schränken uns mehr ein, als es uns lieb ist. Sie definieren unsere Bewegungsräume, schlagen uns Kontakte vor, die wir im realen Leben nie treffen würden, sie passen auf, ob wir Kontaktanfragen auch beantwortet haben und zählen unsere Bekanntschaften mit dem Hintergedanken, darüber anderen unsere Wichtigkeit zu demonstrieren: dazu: > Stadtplanung und soziale Netzwerke im Web 2.0 (I-IV).

Die Initiatoren der sozialen Netzwerke bereichern sich auf unsere Kosten, unsere Freiheit bleibt dabei auf der Strecke. Je mehr Kontakte, um so mehr zielgerechte Werbung bekommen wird, umso mehr klingelt der Groschen im Kasten der Eigentümer der sozialen Netzwerke. Sie gaukeln uns grenzenlose Freiheit vor, klauen aber unsere Zeit, ganz zu schweigen von dem Ansinnnen, hochgeladene Bilder als ihr Eigentum anzusehen. Manche Netzwerke geraten unter die Räder, weil sie sich rechten und populistischen Machenschaften öffnen, und versuchen ihre Mitglieder mitzunehmen. Außerdem haben in den letzten Jahren die Konflikte zwischen „Ethnien, Religionen und Ideologien“ erheblich zugenommen. (vgl. Bakewell S. 44) Es gibt noch eine weitere Dimension, mit der die neue Medien an unserem Eigentum nagen. Die schnelle Kopierbarkeit im Internet verleitet manche dazu, die Grundidee des Urheberrechts geflissentlich zu übersehen : > Muss man das Urheberrecht beschränken? (Blog Klett-Cotta).

Es wohl an der Zeit, sich wieder auf die Grundlagen der Freiheit zu besinnen. Abschottung, Isolierung und Ausgrenzung sind die falschen Wege und Bekannte, die uns mit ihrer Zuneigung zur AfD überraschen, benötigen eine gehörige Lektion über das, was Freiheit bedeutet. Sicher, die grenzenlose Freiheit im Sinne Sartres kann auch Angst machen, er wusste es nur zu gut und hat darüber lange in L’Être et le néant (1943) gesprochen. Lesen sie das vorzügliche Nachwort von Traugott König in der deutschen Ausgabe : Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie. Neuübersetzung von T. König, Hamburg: Rowohlt 1991. Auch weil es notwendig ist, sich wieder einmal der Grundlagen der menschlichen Freiheit zu vergewissern, wird die Freiheitsphilosophie von Jean-Paul Sartre wieder aktuell werden: > www.sartre-gesellschaft.de und > www.ges-sartre.fr.

Sarah Bakewell, bringt ihr Anliegen, uns an die heutige Aktualität von Sartres Freiheitsbegriff zu erinnern, präzise auf den Punkt: „Sartres große Frage Mitte der vierziger Jahre lautete: Wenn wir davon ausgehen, dass wir frei sind, wie können wir unsere Freiheit in einer so herausfordernden Zeit konstruktiv ausüben?“ Bakewell, S. 24

> Sarah Bakewell – persönliche Website

> Michel Sicard parle de Jean-Paul Sartre – 29. Juni 2011
> Michel Sicard parle de Jean-Paul Sartre (I/II) – 11. März 2015

https://twitter.com/GuardianUS/status/718921956863713280

Einladung zum deutsch-französischen Tag 2017 für Französischlehrerinnen und -lehrer

Das Institut Français Stuttgart und das Deutsch-Französische Institut (dfi) veranstalteten am 27. Januar 2017 im Institut français Stuttgart gemeinsam einen Deutsch-Französischen Tag.

Unser Fotoalbum:

Das Programm der Veranstaltung richtete sich an Französischlehrkräfte sowie -referendare und -referendarinnen. Vor, nach und zwischen den Programmpunkten können die Teilnehmer sich am Stand des dfi sowie an Büchertischen der Verlage informieren.

> Das Programm des deutsch-französischen Tags 2017

Für diese Veranstaltung besteht Versicherungsschutz von Seiten des Kultusministeriums. Die Freistellung der Lehrkräfte liegt in der Verantwortung der Schulleitung. Reisekosten können nicht übernommen werden.

Das Institut français verfügt über 120 Plätze, die aus Kapazitätsgründen ausschließlich für Lehrer und Referendare der Sekundarstufe I und II vorgesehen sind.

Anmeldung zu dieser Veranstaltung > elektronisches Anmeldeformular an.

Sie können sich natürlich auch beim dfi per Fax (07141 – 930355) oder Telefon (07141 – 93030) anmelden.

> #JFA2017 : 22 janvier 2017 journée franco-allemande / 22. Januar 2017 Deutsch-französischer Tag

Die Religion in Europa: Bedrohung oder Bereicherung für die Demokratie?

Freitag, 27. Januar, 19.00 Uhr | Institut français Stuttgart, Schloßstr. 51, 70174 Stuttgart

In Frankreich und in Deutschland wird kontrovers über die Frage debattiert, ob Religion die Demokratie gefährde oder im Gegenteil zur Entstehung jener normativen Voraussetzungen beitrage, die der Staat selbst nicht hervorbringen kann. Betrachtet man die Rolle der Religion in modernen Demokratien aus der Perspektive religionssoziologischer Forschung, ergibt sich ein differenziertes Bild. Jean-Paul Willaime ist Religionswissenschaftler und Soziologe und lehrt an der Universität Straßburg, Studiendirektor an der École Pratique des Hautes Études (EPHE) stellt Ergebnisse seiner Forschungen vor und wird die deutsch-französische Diskussion mit empirischen Befunden bereichern.

Vortrag und Diskussion in französischer Sprache mit Übersetzungshilfe.
Der Eintritt ist frei. Anmeldung erforderlich: info.stuttgart@institutfrancais.de oder 0711 235 25 13

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Le Grand Autre: Der Monotheismus in der Diskussion“ – ein gemeinsames Projekt des Hospitalhof Stuttgart, des Institut français Stuttgart, des Internationalen Zentrums für Kultur- und Technikforschung (IZKT) der Universität Stuttgart und des Katholischen Bildungswerks Stuttgart. Mit freundlicher Unterstützung der DVA-Stiftung.

Neujahrsempfang / Konzert Duo Seguin & Bafi „Invitation au voyage“

Donnerstag, 26. Januar, 19.00 Uhr | Institut français Stuttgart, Schloßstr. 51, 70174 Stuttgart

> Das Fotoalbum

Zum Jahresbeginn lädt das Institut français zu einem Neujahrsempfang und Konzert mit Jeanne Seguin und Nima Farahmand Bafi ein. Die aus Bordeaux stammende Sopranistin und der im Teheran geborene Pianist interpretieren unter anderem Gabriel Faurés Clair de lune, Jacques Offenbachs Arie der Olympia aus Hoffmanns Erzählungen und entführen das Publikum mit Francis Poulenc bis nach Montparnasse…

Foto: © Jeanne-Seguin
Jeanne Seguin begann ihre musikalische Ausbildung mit Klavierunterricht im Alter von sechs Jahren. Ab 2011 studierte sie Gesang an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart (Klasse Prof. Ulrike Sonntag), im Februar 2016 schloss sie ihren Master als Zerbinetta in Ariadne auf Naxos von R. Strauss ab. Seit 2012 arbeitet die französische Sopranistin regelmäßig an der Staatsoper Stuttgart, wo sie u.a. die Titelrolle in Momo von Mathias Heep (Junge Oper) darstellte. Seit der Spielzeit 2016-17 ist sie am Landestheater Detmold tätig. Dort kann man sie u.a. als Marie in Zar und Zimmermann von Lortzing, Adele in Die Fledermaus von J. Strauss und Komtesse Stasi in Die Csárdásfürstin von Kálmán erleben.

Foto: © Nima Farahmand Bafi
Nima Farahmand Bafi promoviert als Physiker an der Universität Stuttgart und am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme. Neben seinem Physikstudium hat er im Bachelor und Master Klavier an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart (Klasse Prof. Peter Nagy) studiert. Als Solist und in Ensembles spielte er auch im Rahmen interkultureller Projekte bereits Konzerte in Europa und im Iran. Seine große Leidenschaft gilt der Improvisation und der Bearbeitung von klassischen Orchesterstücken und traditioneller persischer Musik für Solo-Klavier. 2016 nahm er seine Debüt-CD Persian Inspirations für das Label „Animato” auf.

Programm:

19.00 Uhr Grußworte und Ansprache

Nicolas Eybalin, Generalkonsul Frankreichs und Leiter des Institut français Stuttgart
Prof. Dr. Wolfgang Schuster, Vorstandsvorsitzender der Freunde des Institut français Stuttgart e.V.

19.30 Uhr Konzert (ca. 1 Stunde)

20.30 Uhr Stehempfang

Hannover: Die Rede von Pierre-Yves Le Borgn‘ zum Deutsch-französischen Tag 2017

french german 

Alle Artikel: > Francfort en français – Frankfurt auf französisch

Nachgefragt: Boualem Sansal, 2084

> 22. Januar 2017 Deutsch-französischer Tag: Wir feiern die Unterzeichnung des Élysée-Vertrags


Wir haben den algerischen Schriftsteller Boualem Sansal bei den > Litprom Literaturtage 2017 – „Weltwandeln in französischer Sprache“ getroffen und mit ihm über einen seiner Essais > Gouverner au nom d’Aallah (Pairs: Gallimard 2013) und seinen letzten Roman gesprochen > 2084 (Paris : Gallimard 2015).

Boualem Sansal wohnt in Algerien. Er ist der Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2011. Wir haben ihn nach der Rolle der Literatur im Zusammenhang mit der Diskussion um den Islamismus gefragt. Und wir wollten von ihm wissen, ob die Medien in Frankreich und Deutschland – auf die Gefahr hin, dass wir an dieser Stelle verallgemeinern – über ein Verständnis des Begriffs Islamismus verfügen ? Sind wir denen gegenüber gewappnet, die den Islam für unlautere Zwecke ausnutzen ?

Nachgefragt: Pedro Kadivar, Une littérature-monde ?


Bei den > Litprom Literaturtagen 2017 – „Weltwandeln in französischer Sprache“ sind wir dem Regisseur Pedro Kadivar begegnet und konnten mit ihm über seine Werke und seine Mehrspachigkeit sprechen:

Pedro Kadivar kam im Alter von 16 Jahren 1983 nach Paris, machte dort sein Abitur und studiert an Paris-III Sorbonne-Nouvelle, und er spielte gleichzeitig Theater. Die Inszenierung von Heiner Müllers Acte de décès am Théâtre du Rond Point in Paris war der Durchbruch. 1996 ging er nach Berlin, lernte Deutsch, wurde mit 2002 in Berlin mit einer Arbeit über Proust, (auf deutsch), die unter dem Titel Proust ou Esthétique de l’entre-deux veröffentlicht wurde, (L’Harmattan 2004) promoviert.

Wir haben Pedor Kadivar gefragt, was die Frankophonie für ihn bedeutet. Und wir haben ihn auch danach gefragt, wie er Französisch und dann Deutsch gelernt hat. Für die gelebte Mehrsprachigkeit ist Kadivar ein echtes Vorbild.

2006 entsteht Pièce d’automne-Un jour d’automne quelque part auf Deutsch im Pargamonmuseum Berlin. Der Text dieses Stückes wird von der Zeitschrift „Les temps modernes“ (n° 643-644, Gallimard) publiziert. 2007 folgt Sprachlos (Vœu de silence), ebenfalls inszeniert im Pargamonmuseum. Pièce d’hiver-Une visite au musée, entsteht 2008. Das dritte Stück Pièce de printemps-Pays natal wird als Lesung 2011 beim Festival des Francophonies im Limousin vorgetragen.

> Pedro Kadivar

1 212 213 214 215 216 559