Die 19. Auflage der > Französischen Wochen findet vom 18. bis 29. März 2020 statt.
Im Jahr 2020 widmet sich das Projekt dem frankophonen Afrika. Präsident Emmanuel Macron hat 2020 zum Kulturjahr Afrikas ausgerufen. Das Festival setzt den Schwerpunkt auf diesen von enormer kreativer Kraft ausgestatteten Erdteil, der für Frankreich, Deutschland und Europa mit Fragen der Migration und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Fokus steht. Auf unserem Blog> Afrika.
Im Rahmen der Französischen Woche aber außerhalb ihrer offiziellen Dauer bieten wir Lehrern und Lehrerinnen, auch Referendaren/innen den folgenden Workshop an. bei dem mit Neuen Medien die Vermittlung aktueller Themen erläutert werden soll:
Auf der Basis von Artikeln, die auf dem Blog > www.france-blog.info erschienen sind, diskutieren wir nach einem Einführungsvortrag von Dr. Heiner Wittmann über den Stand der deutsch-französischen Beziehungen ein Jahr nach Unterzeichnung des Aachener Vertrags und erörtern, wie dieses Thema im Französischunterricht mit modernen Medien (Twitter, Blogs, u.ä.) vermittelt werden kann.
Eine gute Gelegenheit, hier auf unserem Blog an den spannenden Vortrag von Jürgen Stähle zu erinnern. Vielleicht finden Schüler/innen hier ihren idealen Berufswunsch. Es geht um „Das Handwerk und die Kunst des zweitältesten Gewerbes der Welt“, wie der Untertitel des Buches > Vom Übersetzen zum Simultandolmetschen lautet, in dem Jürgen Stähle seinen Beruf vorgestellt hat. 1 zu 1 übersetzen wird nicht zielführend sein. Der Dolmetscher stellt ein Verständnis zwischen den Sprachen und Kulturen her. Er ist für die Interferenzen – die Eingangspforten für Infektionen – zwischen den Sprachen sensibel. Man wundert sich ja, wenn Franzosen sagen „dans quinze jours“… man zählt nach… 14 oder 15 Tage was meint er? Und dann sagt man bei anderer Gelegenheit selber „in acht Tagen“… ? Sprachen haben ihre Eigenheiten, die man nicht wortwörtlich übersetzen kann. Das gilt natürlich vor allem für alle Arten von Redewendungen: Vgl. dazu Mario Wandruszka, Die Mehrsprachigkeit des Menschen, München: Piper 1979. Und wie wird „diffusion nationale“ übersetzt? „Landesweite Verbreitung“. Mit dem Satz „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache,“ (> de.wikipedia.org/wiki/Philosophische_Untersuchungen, S. 43, zitiert Stähle Ludwig Wittgenstein (Kürzlich erschien eine spannende Untersuchung u.a. zu Wittgenstein: > Nachgefragt: Wolfram Eilenberger, Zeit der Zauberer. Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919 – 1929 – 19. März 2018)
Stähle fasst seine Berufsausübung als „eine diskret erbrachte Dienstleistung“ zusammen, wobei er an die Notwendigkeit eines Stil- und registersicheren Sprachgefühls erinnert. Ein „interprète“ ist kein „translator“, denn er hört zu, analysiert und legt in einer fremden Sprache aus. Viel Zeit zum Überlegen bleibt nie. Dieses Beherrschen der Rapidität, ja auch schnellen Vorlesern, die nie aufgucken, sondern rasant ihre Blätter runterlesen, muss der Simultandolmetscher foglen können, zuweilen wird mal ein Absatz zusammengefasst.
Harald Weinrich
Jürgen Stähle, Roger Willemsen (Vorwort)
Vom Übersetzen zum Simultandolmetschen
Handwerk und Kunst des zweitältesten Gewerbes der Welt
Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2009.
413 S., 14 s/w Abb. Gebunden
ISBN 978-3-515-09360-6
Wie gefährlich ist das #CoronaVirus?🦠 🤔 Um die aktuellen Meldungen einschätzen zu können, ist es wichtig zu verstehen, was eigentlich hinter einer Infektionskrankheit steckt
Nachdem unsere Reaktion in Laufe der beiden letzten Jahrzehnte schon so oft Buchmessen und auch anderen Messen – > Retroclassics 2019 in Stuttgart – besucht hat, haben wir jetzt endlich die theoretische Grundlage für jeden Messebesuch gefunden: Bertrand Pulman, Professeur de sociologie à l’UFR Santé, Médecine, Biologie Humaine de l’université Paris 13, Sorbonne Paris Cité lehrt die Fächer Soziologie und Anthrologie,…
> Bitte weiterlesen
Nachdem unsere Reaktion in Laufe der beiden letzten Jahrzehnte schon so oft Buchmessen und auch anderen Messen – > Retroclassics 2019 in Stuttgart – besucht hat, haben wir jetzt endlich die theoretische Grundlage für jeden Messebesuch gefunden: Bertrand Pulman, Professeur de sociologie à l’UFR Santé, Médecine, Biologie Humaine de l’université Paris 13, Sorbonne Paris Cité lehrt die Fächer Soziologie und Anthrologie, er betreut einen master Santé, Populations, Politiques Sociales (EHESS – UP13), und er ist Mitglied des Conseil scientifique du Forum Européen de Bioéthique et de l’Institut de recherche interdisciplinaire sur les enjeux sociaux (Unité Mixte de Recherche 8156 CNRS – 997 Inserm – EHESS – UP13) hat kürzlich eine Studie über die Salons und Messen in Frankreich verfasst. „Ich interessiere mich für eine „sociologie d’enthousiasme“ erklärt er unserer Redaktion, damit meint er Ereignisse, wo Menschen besonders viel Energie und Leidenschaft investieren – wie beim Sport vgl. Nachgefragt: Bertrand Pulman, Rouge est la terre -, die 365 Tage lange ein Großereignis wie einen Salon vorbereiten, dann ihn eine Woche lange betreuen, und für jeden investierten Euro etwa mit 8 Euro Umsatz rechnen dürfen.
Im Gespräch über sein Buch hat er uns berichtet, wie er das Thema entdeckt hat, wie er geforscht hat, welche Salons er besucht hat und welche Beobachtungen in sein Buch eingeflossen sind. Wie wir beobachtet auch er gerne die letzten Vorbereitungen morgens für dem ersten Eröffnungstag und dann am Messetag die Beziehungen zwischen den Ausstellern und den Kunden. Nein, die Digitalisierung wird die direkte Begegnung der Wirtschaftspartner nicht ersetzen können. Aber mit Apps werden Termine und Treffen vorbereitet (match-making), so dass der Messebesuch optimal organisiert werden kann. Im übrgen ist der Salon, die Messe, „un fait social total“, durch Austausch ein Beitrag zum Frieden leisten: „Les échanges sont l’armature humaine“ selon Claude Lévi-Strauss.
Hier eine Auswahl von Fotoserien aus den letzten Jahren:
Jedes Jahr findet in Paris an der Porte de Versailles der Salon International de l’Agriculture. Nach dem Interview mit Bertrand Pulman zu seinem Buch > Salons. Rencontres et surprises hat unsere Redaktion auf dem Salon die Atmosphäre eingefangen:
💡Le saviez-vous? en #IDF: Les exploitations agricoles couvrent 49% du territoire 👨🌾🚜 Le blé pousse sur les 2/3 de la surface agricole🌾 Les pommes 👉 1er fruits cultivés 🍏 La salade👉 1ère production légumière 🥬
Theater im Fremdsprachenunterricht Französisch & 50 Jahre Francophonie
Französischlehrer*innen-Tagung der Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer e.V., Landesverband Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Deutsch-Französischen Kulturinstitut Tübingen am Freitag, 20.03.2020 ab 13 h 30
Anmeldung: Damit wir planen können, bitten wir Sie, sich bis 18.03.2020 mit einer kurzen E-Mail anzumelden: vdf.bw@gmx.de
Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihren Namen und die Nummern der Vorträge/Workshops angeben, die Sie besuchen möchten. Dies hilft uns bei der Vorbereitung der Räume und Handouts. Herzlichen Dank!
Nachdem unsere Redaktion auf so vielen Messen in Stuttgart, Hannover, Köln, Frankfurt und Leipzig gewesen ist, kommt dieser Band des Pariser Professors für Soziologie und Anthropologie an der der Sorbonne Paris Cité gerade recht. Nichts schöner als morgens kurz vor der Öffnung der Messe durch die Hallen zu streifen, wenn alle Bücher schon da sind, die Lichter gerade angehen und die Besucher noch nicht da sind. Dann der Gong, die Besucher kommen, die Messe geht los. Für ein paar Tage wird der Schreibtisch mit dem bunten Messetreiben vertauscht. Termine, Veranstaltungen, Gespräche, Fotos, > Videos: Rencontres et surprises, wie Pulman im Untertitel sein Vorhaben nennt.
Er legt uns hier eine soziologische Betrachtung des Phänomens Salons vor. Ein Ergebnis einer wahren enquête, die Pulman auf verschiedenen Salons betrieben hat. Flugzeuge, Bücher, Tiere, Autos, Weine, Spiele (gamescom in Köln mit Bundeskanzlerin Merkel, S. 36 !), Konfektionsware, Möbel, Genußwaren, Gemälde ziehen regelmäßig viele Besucher an. Es gibt Rituale und eine ganz spezifische Ästhetik der Salonkultur, die Pulman mit diesem Buch eingefangen hat. Die Aufregungen der monatelangen Vorbereitungen, die Anfahrt, der Aufbau, der erste Messetag, die Erschöpfung am 5. Messetag das Abbauen, die Anreise und der Termin für das nächste Jahr. Alles gleich? Weit gefehlt. Die Bilder mögen einander gleichen, aber trotzdem gibt es immer Neues und feine Unterschiede:“ L’estétique de la rencontre: Un salon ne joue pas uniquement dans un rgistre matériel tissé de transactions économiques et d’impératifs de sécurité. Il est aussi un théâtre qui remplit les participants d’émotions partagées.“ (S. 128)Mit diesen und anderen Beschreibungen hat Pulman mit scharfer Beobachtungsgabe das Amnbiente, und die Atmosphäre der Salons festgehalten. Die hastenden Aussteller, die hektischen Besucher, die Flaneure, die sich treiben lassen. Man rennt schnell durch die Halle auf Terminjagd, oder man schlendert, guckt hier, guckt da und trifft dauernd nette Leute. Pulman beschreibt die Salons so, als seien Sie mit ihm zusammen dort gewesen: „Le souci esthétique a émergé incroyablement tôt au cours de l’hominisation.“ (S. 130)
Hier eine Auswahl von Fotoserien aus den letzten Jahren:
Prof. Dr. Michaela Ott | Hamburg
Französische Philosophie in (post)kolonialer Kritik
Mittwoch 12. Februar 2020, 19:30 bis 21:00
Die französische Philosophie des 20. Jahrhunderts hat wie keine andere zur Beachtung des „A/anderen“ aufgerufen und sich bis an die Grenze des Denkbaren und eurozentrischer Artikulation vorgewagt. Unter der Formel eines „Denkens des Außen“ wurden die Autorposition, die Konzentration der Philosophie auf die Frage der menschlichen Existenz, herkömmliche Ontologien und Unterteilungen wissenschaftlicher Disziplinen in Frage gestellt. Diese wurden ersetzt durch Versuche des Sprechenlassens der diskursiven Strukturen selbst, durch entgrenzende und entanthropomorphisierende Lektüren von Literatur und Kunst, durch Begriffserfindungen, disziplintransversale Theorieentwürfe usf.
Aber so radikal diese Ansätze bis heute erscheinen, so haben sie gerade aufgrund ihres Paradigmenwechsels Entscheidendes nicht wahrgenommen: die mit der Entkolonisierung sich mehrenden anderskulturellen Personen und ihr Wirken auf dem französischen Territorium, mithin die zunehmende politische Heterogenisierung Frankreichs selbst.
Michaela Ott, > Welches Außen des Denkens?
Französische Theorien in (post)kolonialer Kritik
Wien: Turia + Kant 2019
Michaela Ott fragt nach der methodischen Farbenblindheit dieses philosophischen Denkens, nach Stimmen, die zu hören gewesen wären und heute aus dem „Außen“ wahrnehmbar sind. Sie unternimmt einen historischen Durchgang durch die französische Theoriebildung von 1936 bis heute, durch ihre methodischen Umbrüche und die schwer nachvollziehbare Ausblendung von Alteritäten trotz ihrer Zentralstellung im Diskurs.
Die Veranstaltung wird von der Robert Bosch Stiftung mit Mitteln der DVA-Stiftung gefördert.
Prof. Dr. Michaela Ott hat in ihrem Vortrag an Jean-Paul Sartres Vorwort zur Anthologie de la nouvelle poésie nègre et malgache 1948 unter dem Titel Orphée noire, 1948 erinnert: „Le noir qui appelle ses frères de couleur à prendre conscience d’eux-mêmes va tenter de leur présenterl’image exemplaire de leur négritude et se retournera sur son âme pour l’y saisir. Il se veut phare et miroir à lafois ; le premier révolutionnaire sera l’annonciateur de l’âme noire, le héraut qui arrachera de soi la négritudepour la tendre au monde, à demi prophète, à demi-partisan, bref un poète au sens précis du mot „vates““ und “ „Ce qui fait, dit Senghor la négritude d’un poème, c’est moins le thème que le style, la chaleur émotionnelle qui donne vieaux mots, qui transmue la parole en verbe.“ On ne saurait mieux nous prévenir que la négritude n’est pas unétat, ni un ensemble de vices et de vertus, de qualités intellectuelles et morales, mais une certaine attitude affective à l’égard du monde.“ Und Ott verwies auf L’étre et le néant (1943), wo Sartre das Konzept des Anderen und autrui ausführlich begründet und entwickelt hat.1961 schreibt Sartre ein Vorwort zu Frantz Fanosn „Les damnés de la terrre“: „Européen, je vole le livre d’un ennemi et j’en fais un moyen de guérir l’Europe. Profitez-en.“ und „Ici Fanon s’arrête. Il a montré la route : porte-parole des combattants, il a réclamé l’union, l’unité du continent africain contre toutes les discordes et tous les particularismes. Son but est atteint. S’il voulait décrire intégralement le fait historique de la décolonisation, il lui faudrait parler de nous : ce qui n’est certes pas son propos. Mais, quand nous avons fermé le livre, il se poursuit en nous, malgré son auteur : car nous éprouvons la force des peuples en révolution et nous y répondons par la force. “ Zitieren wir einen weiteren Abschnitt aus dem Vorwort Sartre zu Fanons: Les damnés de la terre:
„Vous savez bien que nous sommes des exploiteurs. Vous savez bien que nous avons pris l’or et les métaux puis le pétri des “ continents neufs ” et que nous les avons ramenés dans vieilles métropoles. Non sans d’excellents résultats : des pals des cathédrales, des capitales industrielles ; et puis quand crise menaçait, les marchés coloniaux étaient là pour l’amortir ou la détourner. L’Europe, gavée de richesses, accorda de jure l’humanité à tous ses habitants : un homme, chez nous, ça veut dire un complice puisque nous avons tous profité de l’exploitation coloniale. Ce continent gras et blême finit par donner de ce que Fanon nomme justement le “ narcissisme ”. Cocteau s’agaçait de Paris, “ cette ville qui parle tout le temps d’el même ”. Et l’Europe, que fait-elle d’autre ? Et ce monstre sureuropéen, l’Amérique du Nord ? Quel bavardage : liberté égalité, fraternité, amour, honneur, patrie, que sais-je ? Cela nous empêchait pas de tenir en même temps des discours racistes, sale nègre, sale juif, sale raton. De bons esprits, libéraux tendres – des néo-colonialistes, en somme – se prétendaient choqués par cette inconséquence ; erreur ou mauvaise foi : ri de plus conséquent, chez nous, qu’un humanisme raciste puisque l’Européen n’a pu se faire homme qu’en fabriquant des esclaves et des monstres. Tant qu’il y eut un indigénat, ce imposture ne fut pas démasquée ; on trouvait dans le genre humain une abstraite postulation d’universalité qui servait couvrir des pratiques plus réalistes : il y avait, de l’autre côté c mers, une race de sous-hommes qui, grâce à nous, dans mi ans peut-être, accéderait à notre état. Bref on confondait genre avec l’élite. Aujourd’hui l’indigène révèle sa vérité ; du coup, notre club si fermé révèle sa faiblesse : ce n’était ni plus ni moins qu’une minorité. Il y a pis : puisque les autres se font hommes contre nous, il apparaît que nous sommes les ennemis du genre humain ; l’élite révèle sa vraie nature : un gang. Nos chères valeurs perdent leurs ailes ; à les regarder de près, on n’en trouvera pas une qui ne soit tachée de sang. S’il vous faut un exemple, rappelez-vous ces grands mots : que c’est généreux, la France. Généreux, nous ? Et Sétif ? Et ces huit années de guerre féroce qui ont coûté la vie à plus d’un million d’Algériens ? Et la gégène. Mais comprenez bien qu’on ne nous reproche pas d’avoir trahi je ne sais quelle mission : pour la bonne raison que nous n’en avions aucune. C’est la générosité même qui est en cause ; ce beau mot chantant n’a qu’un sens : statut octroyé. “
Außerdem stellte Michaela Ott in Ihrem Vortrag die Werke von Michel Foucault, Histoire de la folie (1961), Emmanuel Lévinas, Totalité et Infini : Essai sur l’extériorité, 1961 und Gilles Deleuze Mille Plateaux – Capitalisme et schizophrénie 2, en collaboration avec Félix Guattari, Paris, Les Éditions de Minuit, coll. « Critique », 1980 vor.
Tardy Joubert, Hubert, « Sartre et la Négritude : de l’existence à l’histoire », Rue Descartes, 2014/4 (n° 83), p. 36-49. DOI : 10.3917/rdes.083.0036. URL : https://www.cairn.info/revue-rue-descartes-2014-4-page-36.htm