Frankreich auf der Leipziger Buchmesse #lbm19

Seit fast 30 Jahren ist die französische Literatur auf der Leipziger Buchmesse vertreten. Am Stand des Institut Français neben dem Internationalen Forum in der Halle 4 können Besucher die Neuerscheinungen von 60 frankophonen Verlegern, von Actes Sud bis Gallimard über kleinere Verlage wie Verdier oder Les Fourmis rouges, entdecken. Dem jungen Publikum werden neben erlesenen Kinder– und Jugendbüchern auf Französisch jede Menge Spiele mit dem Team Francemobil/Mobilklasse geboten, einem Projekt des Deutsch-Französischen Jugendwerkes.

Nicht minder spannend ist das frankophone Programm im Institut Français im Rahmen von Leipzig liest. Am Donnerstag um 20 Uhr liest Sylvain Prudhomme aus Legenden (Ullstein).

Das Programm zum Anklicken:

Am Messefreitag um 18 Uhr befragt Norbert Wehrstedt (LVZ) den Autoren Romain Puértolas zu seinen Bestseller Die unglaubliche Reises des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte (Fischer), der vor kurzem mit Star-Besetzung verfilmt wurde.
Am Messesamstag ab 20 Uhr moderiert zum ersten Mal Peter Escher („Die Spur der Täter“) die 3. Frankophone Kriminacht. Gäste der Nacht sind dieses Jahr: der Kult-Autor Olivier Norek, der die Erfahrungen seines früheren Lebens als Kripo-Leutnant in hochspannende Werke einfließen lässt (All dies ist nie geschehen, Blessing) ; Jérôme Leroy (Die Verdunkelten, Nautilus), bekannt für seinen Bestseller Der Block; die Newcomerin Cloé Mehdi mit einem sehr berührenden Krimi über einen jungen Helden (Nichts geht verloren, Polar Verlag), und der vielseitige Autor Vincent Almendros, der seinen raffinierten Krimi Ins Schwarze präsentiert, der jetzt bei Wagenbach erscheint.

(Die Frankophone Kriminacht findet in französischer und deutscher Sprache mit Simultanübersetzung im Institut français statt.

France-Allemagne: Was ist da los?


Die Reaktionen in Deutschland auf die Antwort von Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die wir auf diesem Blog zitiert haben, um dann ihren Artikel mit dem Appell von Präsident Macron zu vergleichen > Der Appell von Emmanuel Macron und die Antwort von Annegret Kramp-Karrenbauer – 12. März 2019 fielen sehr kritisch aus. Wie unsere Redaktion aus gut unterrichteten Kreisen aus Paris vernimmt, ist die 🇫🇷🇩🇪 Stimmung nicht so gut, wie sie nach der Unterzeichnung des > Aachener Vertrages und der Abstimmung in der Nationalversammlung über das > Deutsch-französische Parlamentsabkommen sein  könnte oder müsste. Eine Enttäuschung scheint sich breit zu machen, und die Gründe sind nur schwer erkennbar.

Spurensuche. Zuerst fällt unserer Redaktion ein längerfristiger Grund ein, der zugleich auch das Thema ist, was im Aachener Vertrag schlecht wegkam: der Französischunterricht, der als Fundament der künftigen deutsch-französischen Kooperation jetzt ein echtes Renouveau verdient hat.

Der Blick auf die Basis ist ebenfalls ernüchternd, und lehrreich zugleich, denn von den vielen Versprechungen zum renouveau du #francoallemand kommt da außer bei den Städtepartnerschaften etc. nicht viel an. Es gibt Versprechungen und Werbeaktionen, nur der rechte Erfolg mag sich nicht einstellen: > Michaela Wiegel: Ungeliebter Französischunterricht – und was können/müssen wir tun?  – 11. März 2019. In politischer Hinsicht ist in Deutschland kein Wille erkennbar, den Französischunterricht so nachhaltig zu fördern, wie er es verdient hätte. Sind das Spätfolgen? Knapp drei Monate vor dem II. Examen wurde uns in Bonn 1986 verkündet, niemand werde übernommen. Für Französischlehrer sah die Berufsperspektive sehr lange sehr düster aus. Sie wurden nicht gebraucht. Ihre Werbung für das Fach hat lange gefehlt und heute?  80 % der Schüler/innen geben das Fach vor der Oberstufe auf. Das Fach ist schon lange nicht mehr attraktiv. Der Politik in den Ländern und im Bund ist es nicht gelungen, eine Begeisterung für das Fach und damit für Frankreich oder umgekehrt zu erzeugen. Wenn wir von den Germanisten in der französischen Regierung sprechen, fragen wir lieber nicht danach, wie es umgekehrt bei uns darum steht. Französisch gilt als ein schweres Fach, es ist ungeliebt und das überträgt sich auch auf die Beziehung zum Nachbarland. Ausnahmen sind die Schüler/innen der Gymnasien mit einem bilingualen deutsch-französischen Zweig, deren Erfolge sind bemerkenswert. Aber ungleich wichtiger ist die Arbeit der Attachés de coopération pour le français der Französischen Botschaft > www.institutfrancais.de/qui-sommes-nous/equipe, die in den Instituts français in Deutschland angesiedelt sind und die mit Geschick und großem Engagement für die französische Sprache und das Diplôme de langue française DELF werben: > Artikel zu DELF auf unserem Blog.

Abhilfe. In diesem Zusammenhang erinnern wir an unserem Artikel > Der Vergleich (XII) : L’allemand en France, Französisch in Deutschland (I) – 29. Juni 2016, in dem wir auf die Kulturinstitute und ihre Verteilung in Frankreich und Deutschland hingewiesen haben. Es wird zeit, deren Präsenz in Frankreich erheblich zu erweitern und ein Kooperations- und Austauschverfahren zwischen den Instituts français und den Goethe-Instituten jetzt in Gang zu setzen. Das kostet Geld, aber anders ist die Förderung des beiderseitigen Sprachunterrichts und die notwendige Aufmerksamkeit der Schüler nicht zu erhalten.

df-instituts

IF Deutschland Essen Kiel Saarbrücken Berlin Frankfurt/M. Köln Sachsen-Anhalt Bonn Freiburg Leipzig Stuttgart Bremen Hamburg Mainz Thüringen Dresden Hannover Mannheim Düsseldorf Heidelberg München Erlangen Karlsruhe Rostock Lille Paris Nancy Strasbourg Lyon Bordeaux Toulouse Marseille Montpellier - Maison de Heidelberg Aix-en-Provence- Cdentre franco-allemand Centre culkturel franco-allemand Nice

> Instituts français en Allemagne
> Französische Kultur in Deutschland – Website der Französischen Botschaft in Deutschland

Die Nationalversammlung stimmt der Einrichtung einer Deutsch-französischen Parlamentsversammlung zu

Die Nationalversammlung hat am 11. März 2019 den Vorschlag für die Einrichtung einer die Deutsch-französische Parlamentsversammlung gebilligt. Ihre 100 Abgeordnete – 50 aus Frankreich, 50 aus Deutschland werden zum ersten Mal am 25. März 2019 zusammenkommen. Und sich dann jährlich zwei Mal treffen.

Auf unserem Blog: Die Vorbereitung des deutsch-französischen Parlamentsabkommen

> Plä­doyers für eine inten­sive­re deutsch-franzö­sische Zusammen­arbeit – Website des Deutschen Bundestages

> Stichwort Parlamentsabkommen – Website des Deutschen Bundestages

Über die Deutsch-französische Parlamentsversammlung hat unsere Redaktion mit Henrik Uterwedde gesprochen:

Sehen Sie hier das vollständige Interview: > Nachgefragt: Henrik Uterwedde antwortet auf unsere Fragen zu den Gelben Westen, Grand Débat National und Aachener Vertrag – 26. Februar 2019

> Projet d’accord parlementaire franco-allemand / Entwurf deutsch-französisches Parlamentsabkommen – 14. November 2018

> Vers un accord parlementaire franco-allemand historique, élaboré dans le cadre du renouvellement du Traité de l’Elysée – 24 September 2018

Der Appell von Emmanuel Macron und die Antwort von Annegret Kramp-Karrenbauer

Aktualisiert, 26.3.2019: Viele Kommentare zu dem Text der Vorsitzenden Annegret der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer > Europa richtig machen (Getting Europe right), den sie am 9.3.2019 in der Welt am Sonntag veröffentlicht hatte, werten ihre Vorschläge als Widerspruch zu denen von Präsident Macron: > Der Gastbeitrag von Emmanuel Macron: Ein Appell zugunsten Europas – 5. März 2019. Ein guter Anlass, die ursprünglichen Texte beider Politiker noch einmal zu lesen und zu vergleichen. Stimmt es, dass Kramp-Karrenbauer dem Präsidenten so sehr widerspricht?

Grundsätzliche Differenzen sind nur ansatzweise zu erkennen, auch dann handelt es sich eher um unterschiedliche Beurteilungen, aus nationaler Sicht, könnte man hinzufügen, zum Teil sind es unterschiedliche Ansichten, die aufgrund der verwendeten Ausdrücke entstehen: Macron habe einen einheitlichen Mindestlohn für Europa gefordert, ein Wunsch, den Kramp-Karrenbauer nicht teilen möchte, aber Macron hatte gesagt: „…die ihnen gleiche Bezahlung am gleichen Arbeitsplatz und einen an jedes Land angepassten (Hervorhebung, d. Red.)und jedes Jahr gemeinsam neu verhandelten europaweiten Mindestlohn gewährleistet.“ So ein Detail, das falsch zitiert wurde, um daraus einen Gegensatz zwischen beiden herzuleiten, ist für unsere Redaktion ein weiterer Anlass, genauer nachzusehen:

Der SPIEGEL twittert am 11. März 2019: „Annegret Kramp-Karrenbauer: Wenig Herz für Europa http://dlvr.it/R0cVNk“

Die NZZ twittert am 11. März 2019 „Die CDU-Chefin #AKK erteilt dem französischen Präsidenten in der Europapolitik eine Abfuhr, die es in sich hat. Eine Einschätzung von @hjf_mueller.“

Die taz erklärt in ihrem Tweet am 10.3.2019: wie stark, Kramp-Karrenbauer die Ideen Macrons kritisiert.

Sind diese kritischen Anmerkungen in der Presse gerechtfertigt? Einige ihrer Vorschläge wie „Die EU sollte künftig mit einem gemeinsamen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vertreten sein,“ sind wahrscheinlich nicht mit Paris abgestimmt, wie auch die Vision „Im nächsten Schritt könnten wir mit dem symbolischen Projekt des Baus eines gemeinsamen europäischen Flugzeugträgers beginnen, um der globalen Rolle der Europäischen Union als Sicherheits- und Friedensmacht Ausdruck zu verleihen,“ das geschieht auf anderen Kanälen. „Dazu gehört die Konzentration des Europäischen Parlaments auf den Standort Brüssel…“: So ein Vorschlag muss in Paris Irritationen auslösen, da Straßburg aufgrund der Geschichte ganz sicher eine ganz besondere Symbolkraft besitzt. So schnell wie die Antwort kam, so schnell können auch Meinungsverschiedenheiten, die über eine Diskussion hinausgehen, entstehen. Wie schauen wir hinter die Kulissen? Es ist wohl eine gut geübte Praxis, derartige Veröffentlichungen vorher unter Freunden abzustimmen. In diesem Fall hätte man so Irritationen und in deren Folge negative Schlagzeilen in der deutschen Presse vermeiden können.

Vergleichen wir den Appell von Präsident Emmanuel Macron und den Artikel der CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer miteinander. Mit dem Ergebnis dieses Vergleichs ergibt sich ein etwas anderes Bild. Der Präsident zitiert ausführlich den Brexit, während Kramp-Karrenbauer diesen nicht erwähnt. Sie bezieht in einigen Punkte andere Positionen, die aber eher zur Diskussion anregen, als einen so großen Gegensatz zum Appell Macrons ausdrücken, der die in den oben genannten Medien formulierten Kommentare rechtfertigen würde. Natürlich habe beide auch nationale Interessen im Blick, aber an ihren Wünschen, die EU zu reformieren kann nicht gezweifelt werden.

Sylvie Kaufmann > « Europe : une fois de plus, c’est la différence du degré d’ambition entre Paris et Berlin qui est grave » – LE MONDE, 13.3.2019

Faktencheck:

>Macron-Kramp-Karrenbauer-Vergleich *.pdf

Nachgefragt: Henrik Uterwedde antwortet auf unsere Fragen zu den Gelben Westen, Grand Débat National und Aachener Vertrag

Unser letztes Interview hat schon im Januar 2014 > Nachgefragt: Die deutsch-französischen Beziehungen. Ein Gespräch im DFI mit Henrik Uterwedde stattgefunden.

Die Kontakte unserer Redaktion zum DFI reichen in den Anfang der 80er Jahre zurück. Ab 1986 sind > Ernst Weisenfeld und ich von Bonn aus mehrmals zum Treffen des Sozialwissenschaftlichen Arbeitskreises Deutscher Frankreichreichforscher zum Jahrestreffen nach Ludwigsburg gefahren.

Henrik Uterwedde,  > Die deutsch-französischen Beziehungen. Eine Einführung, Opladen 2019.

Es wurde nun höchste Zeit für ein echtes Update. Gestern hat Henrik Uterwedde unsere Redaktion in Deutsch-französischen Institut in Ludwigsburg empfangen. 3 Themenbereiche hatten wir für das hier angezeigte Gespräch verabredet: Gelbe Westen, Grand Débat National und der Aachener Vertrag.

Französisch heute, die Zeitschrift der > Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer e.V. hat in ihrer Ausgabe 1/2019, S. 42 f., einen Artikel über unseren Blog veröffentlicht, der hier als *.pdf-Datei heruntergeladen kann:

> „Expliquer, expliquer, toujous patiemment expliquer“: Der Frankreich Blog

Sie können dann alle im Artikel genannten Links einfach anklicken.


> Rund 150 Videos auf unserem Blog:

> Nachgefragt. Le Vice-président de l‘Assemblée nationale Sylvain Waserman répond à nos questions – 26. Juli 2018

> Nachgefragt: Henri Ménudier antwortet auf unsere Fragen zu Emmanuel Macron, Europa und die deutsch-französischen Beziehungen – 13 avril 2018

> Nachgefragt: „L’Europe ne doit pas se faire dans le silence.“Entretien avec Christian Lequesne, Professeur à Sciences po à Paris – 18. Dezember 2017

> Nachgefragt: Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht über die Frankreich-Strategie des Saarlandes – 22. März 2015

Auch für Schüler/innen ist das Interview wichtig, da hier Zusammenhänge zwischen der Reformpolitik von Präsident Macron und der Bewegung der Gelben Westen erklärt werden – Journalisten sagen, die Bewegung werde hier „eingeordnet“. Das Thema des > Aachener Vertrags ist eigentlich ein zweites Interview: Uterwedde erklärt seine Einschätzung des Vertrages, der den > Élysée-Vertrag von 1963 bekräftigt und ergänzt. Welche anderen Länder in der Welt haben mit ihrem Nachbarn zwei Freundschaftsverträge, eine > Liste mit gemeinsamen prioritären Vorhaben und sogar bald noch eine > gemeinsame Parlamentarische Versammlung?


Henrik Uterwedde > Coopération franco-allemande: nouveau traité, nouvelle volonté?, in: telos, 7. März 2019


Henrik Uterwedde zeigt sich vorsichtig optimistisch, dass die Bewegung der > Gelben Westen zusammen mit dem bis jetzt offensichtlich erfolgreichen > Grand Débat National wie ein Korrektiv an Defiziten der Reformpolitik von Präsident Macron wirken könnte. Uterwedde will keinesfalls die bisherigen Erfolge von Macron bei der Arbeitsrechtsreform oder der Reform der SNCF in Frage stellen, aber die gelben Westen könnten ihn daran erinnert haben, den Kontakt zur Basis besser zu berücksichtigen.

Wir haben über die antisemitischen Vorfälle gesprochen: > Demonstration der “Gelben Westen” am 16.2.2019: Demonstranten beleidigen den Philosophen Alain Finkielkraut – 18. Februar 2019.

Zuerst sei er, so Uterwedde, skeptisch gewesen, was den > Aachener Vertrag betrifft, aber zum Thema Grenzregionen und Wirtschaftspolitik stehe doch Wegweisendes darin. Allerdings könnte sich das noch zu unterzeichnende Parlamentsabkommen, das eine deutsch-französische parlamentarische Versammlung mit je 50 Abgeordneten der Nationalversammlung und des Bundestags schaffen wird, als erfolgversprechend oder gar wichtiger als der Aachener Vertrag erweisen.

> Projet d’accord parlementaire franco-allemand / Entwurf deutsch-französisches Parlamentsabkommen – 14. November 2018

> Vers un accord parlementaire franco-allemand historique, élaboré dans le cadre du renouvellement du Traité de l’Elysée – 24 September 2018

Dr. Isabelle Bourgeois (CIRAC): Soziale Gerechtigkeit und justice sociale – zwei „falsche Freunde“

Do., 7. Februar 2019 19:30
Veranstaltungsreihe: Frankreich-Schwerpunkt
Dr. Isabelle Bourgeois (CIRAC): Soziale Gerechtigkeit und justice sociale – zwei „falsche Freunde“
Warum sich Franzosen und Deutsche manchmal so schwer verstehen
Stadtbibliothek Stuttgart, Mailänder Platz 1

Soziale Gerechtigkeit bzw. justice sociale wünschen wir uns alle. Besonders in Wahlkampfzeiten taucht dieser Begriff als Forderung nach „mehr Gerechtigkeit“ ganz oben auf der politischen Agenda auf. Doch was verbirgt sich hinter diesen Begriffen? Wenn man sie genauer betrachtet, stellt man fest, dass sie sich nicht so einfach definieren lassen, wie es auf den ersten Blick erscheint. Auch wird deutlich, dass diese Sammelbegriffe in ihren jeweiligen nationalen Kontexten mit anderen Inhalten gefüllt werden. Soziale Gerechtigkeit und justice sociale sind nur anscheinend identisch – es sind typische sog. „falsche Freunde“. Eine deutsch-französische Reflexion über diese Begriffe kann nicht nur dazu beitragen, Missverständnisse zu vermeiden, sondern durch den Vergleich das Thema selbst erhellen.


> Nachgefragt: Ein Gespräch mit Isabelle Bourgeois über die Bewegung der “Gelben Westen”
8. Februar 2019 von H. Wittmann


Unser Fotoalbum:

Isabelle Bourgeois betreibt die Dialogplattform > www.tandem-europe.eu. Zwischen 1988 und 2017 forschte sie am Centre d’Information et de recherche sur l’Allemagne contemporaine (CIRAC). Sie is Chefredakteurin der Zeitschrift Regards sur l’économie allemande. Der Abend wird moderiert von Prof. Dr. Henrik Uterwedde, der als ehemaliger Vizedirektor des Deutsch-französischen Instituts in Ludwigsburg (DFI) zu den herausragenden Kennern Frankreichs gehört.

Vortrag auf Deutsch.

Die Veranstaltung wird von der Robert Bosch Stiftung mit Mitteln der DVA-Stiftung gefördert.

Exzellenzpreis für beste Französischkenntnisse – Festveranstaltung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Mainz im Gutenberg-Museum

Am Samstag, dem 2. Februar 2019 haben die 14 Mainzer Besten des Abiturjahrgangs 2019 im Fach Französisch den Exzellenzpreis / Prix d’Excellence der Deutsch-Französi-schen Gesellschaft Mainz e. V. erhalten. Dieser Exzellenzpreis besteht seit 2018 und zählt bereits in seinem zweiten Jahr zu den großen, begehrten Jungendpreisen der Stadt Mainz. Unterstützt wird der Exzellenzpreis durch die Stadt Mainz, das Gutenberg-Museum und den Gutenberg-Drucklanden, das Institut Français in Mainz, das französische Generalkonsulat und das Deutsch-Französische Jugendwerk.

Das > Gutenberg-Museum bietet der Ehrung als Weltmuseum der Druckkunst und anerkannter Ort des Kulturdialogs einen passenden Rahmen. Feierlich überreichten Frau Kulturdezernentin Marianne Grosse und Frau Konsulin der Republik Frankreich Claire Marrec gemeinsam die handgefertigten Urkunden des Gutenberg-Druckladens an die Mainzer Preisträgerinnen und Preisträger.

Der Präsident der > Deutsch-französischen Gesellschaft in Mainz Professor Dr. Franz Felten sagte in seiner Ansprache u. a.: „Eine fremde Sprache sprechen bedeutet weitaus mehr als sich verständlich machen zu können. Wir erreichen unsere Mitmenschen am besten über ihre Muttersprache. Mit Nelson Mandela können wir formulieren: „Sprechen wir zu jemandem in einer der Sprachen, die er versteht, dann bemühen wir seinen Verstand. Sprechen wir jedoch zu jemandem in seiner eigenen Muttersprache, so berühren wir sein Herz.”. (Mit allen positiven Folgen.) Das Wissen um den soziokulturellen Hintergrund des Anderen spielt eine große Rolle.
– Deshalb ist interkulturelle Handlungsfähigkeit so wichtig.“ Bitte weiterlesen:

> DFG-Präsident: Exzellenzpreis Ansprache

Ziel dieser Initiative der Deutsch-Französischen Gesellschaft und ihrer Kooperationspartner ist es, zur Wertschätzung des Europagedankens, der Mehrsprachigkeit und der grenzüberschreitenden Handlungskompetenz bei Mainzer Jugendlichen beizutragen. Die mit dem Exzellenzpreis ausgedrückte Bedeutung dieser Schlüsselkompetenzen soll nicht zuletzt auf die Chancen aufmerksam machen, die mit dem Erlernen der französischen Sprache in Rheinland-Pfalz einhergehen: Denn dank der über Jahrzehnte gewachsenen Beziehungen zum Partnerland Frankreich ist Französisch heute mit der Möglichkeit verbunden, an einer Vielzahl von Schüleraustauschen und Auslandsaufenthalten teilzunehmen – mit einer Teilhabe in der gesamten Breite der Bevölkerung.

Das Fotoalbum:

Bitte öffnen Sie dieses Fotoalbum mit einem Klick auf ein Foto erst, wenn diese Seite ganz geladen ist und der kleine sich drehende blaue Kreis oben verschwunden ist:

Für Rheinland-Pfalz ist das Erlernen der französischen Sprache in besonderem Maße mit Chancengleichheit in der Bildung verbunden, wenn es um den Zugang zu einer gelebten Mehrsprachigkeit, zu grenzüberschreitenden Erfahrungen und zu einem tieferen Verständnis für Europa geht. Der Erfolg beruht auch auf dem stetigen Engagement der Französisch-Lehrkräfte, die mit der Organisation und Durchführung grenzüberschreitender Schüleraustausche weit mehr als ihren normalen Dienst leisten.

Als renommierter Ort von Kulturerfahrungen gilt das Gutenberg-Museum unter Leitung von Frau Dr. Annette Ludwig seit vielen Jahren als Ort der internationalen Begegnung. Im Rahmen der beliebten Ateliers für Schüleraustausche im Druckladen beispielsweise treten die Jugendlichen aus unterschiedlichen Ländern zusammen in die Fußstapfen von Gutenberg. Der Druckladen des Gutenberg-Museums steuert handgefertigte Urkunden-Unikate für die Nominierten bei. Man kann hier von einem Mainzer Erfolgsmodell sprechen; denn diese persönlichen Urkunden des Gutenberg-Druckladens verbinden für die Jugendlichen unserer Stadt den Ausdruck der Wertschätzung mit einer hohen Identifikationskraft für alle Mainzer: Die Urkunden des Gutenberg-Druckladens sind Symbol einer kulturellen Heimat, mit künstlerischem Können gefertigt. Als „Hingucker“ verweisen diese Mainzer Artefakte auf die Biografie der Ausgezeichneten und unterstreichen damit die Botschaft der Auszeich¬nung, wohin der Lebensweg sie auch tragen mag. Entwickelt wurden die Urkunden von den engagierten Kunstfachkräften des Gutenberg-Druckladens, darunter eine Kalligrafin, ein Druckmeister und eine Frankreich-Expertin.

Besonders hervorgehoben sei, dass alle geehrten Jugendlichen sich nicht nur durch sehr gute Französisch-Kenntnisse auszeichnen. Während der Schulzeit erfolgte eine intensive Auseinandersetzung mit der französischen Sprache, Literatur, Kunst, Kultur und Aktualität. Neben Klassikern wie Molière, Voltaire, Camus und neueren literarischen Werken sind sie auch mit den vielfältigen Facetten der Frankophonie vertraut. Die besondere Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen im Hinblick auf Europa ist ihnen ebenso bewusst wie die Tatsache, dass internationale Austausche zu einem Perspektivenwechsel führen und einen Zugang zu einem tieferen Verständnis für andere Kulturen ermöglichen.

Alfred Grosser wird heute 94 Jahre alt

Unsere Redaktion gratuliert Professor Alfred Grosser sehr herzlich zu seinem 95. Geburtstag.

Alfred Grosser stammt aus Frankfurt/M. (*1925). Sein Vater war Kinderarzt in Frankfurt, er starb 1934 ein Jahr nach der Flucht seiner Familie nach Frankreich. Grosser wird Franzose und studiert nach dem Krieg Germanistik, wendet sich dann aber der Politischen Wissenschaft zu und lehrt ab 1955 Im Institut d’Études politiques (Sciences-Po) in Paris. Er wird Forschungsdirektor an der Fondation nationale des sciences politiques. Von 1965 bis 1994 schreibt er für LE MONDE, danach für La Croix und Ouest-France.

1948 gründet er zusammen mit Emmanuel Mounier u.a. unter ihnen Joseph Rovan das > Comité français d’échanges avec l’Allemagne nouvelle und bekommt damit einen entscheidenden Einfluss auf die deutsch-französische Wiederannäherung nach dem Zweiten Weltkrieg.

So beginnt ein Artikel, den unsere Redaktion kürzlich für die nächste Ausgabe von Französisch 1/2019 heute verfasst hat: „« Expliquer, expliquer, toujours patiemment expliquer », so oder ähnlich hat sich der Politologe und Publizist Alfred Grosser immer wieder über seine Position als Vermittler zwischen Frankreich
und Deutschland geäußert. Der 2006 eingerichtete Frankreich-Blog [www.france-blog.info] folgt diesem Ansatz und möchte viele Aspekte der deutsch-französischen Beziehungen aufzeigen, erklären und bewerten.“ Mit seinem damals gerade erschienen Buch Wider den Strom: Aufklärung als Friedenspolitik, 1976, in der Tasche habe ich in Sciences Po begonnen, seine Vorlesungen Introduction à la vie politique und L’Allemagne de notre temps zu hören.

Erste Auflage dieser Ausgabe. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1976 (Mai).

Unter seinen zahlreichen Büchern ist die Deutschlandbilanz. Geschichte Deutschlands seit 1945 (1970) ein Standardwerk.

Alfred Grosser ist Träger zahlreicher Orden und Auszeichnungen. 1975 er hielt er der 1975: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für seine Rolle als „Mittler zwischen Franzosen und Deutschen, Ungläubigen und Gläubigen, Europäern und Menschen anderer Kontinente“. Am 1. Januar 2019 erhielt der das Großkreuz der Ehrenlegion.

Ing Kolboom hat an das > Interview der Deutschen Welle mit Alfred Grosser, „…mit diesem großen deutsch-französischen Brückenbauer vom 11.11.2018, hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs“ erinnert.

Wir zitieren hier einen Brief (zitiert auf der Website des > Alfred Grosser Schulzentrums in Bad Bergzabern), den Alfred Grosser 1980 an Neusser Gymnasiasten gerichtet hat:

Liebe Neusser Gymnasiasten!

Es antwortet Euch ein glücklicher Mensch, der Euch in ein paar wenigen Sätzen andeuten möchte, wie das so mit der Freude am Leben gekommen ist.

Meine erste „Erfahrung“ war, als kleiner Judensohn in einer Frankfurter Schule von achtjährigen Kamera- den so verprügelt zu werden, daß ich ins Krankenhaus mußte. Geistige Spuren sind nicht geblieben – außer der Überzeugung, man muß Verführte aufklären, denn die Schuldigen sind die Verführer. Mit 9 kam ich nach Frankreich und habe mich schnell eingelebt, habe aber dabei nie den Kontakt zur deutschen Sprache und Kultur verloren: Man soll offen sein für jeden geistigen Reichtum, auch wenn im Namen eines Volkes Massenmorde vollbracht werden.

Die grausamen Seiten der Kriegszeit haben mich zweierlei gelehrt. Als ich erfuhr, daß ein Teil meiner Familie in Auschwitz umgekommen war, entdeckte ich, daß ich nie eine Menschengruppe (die Deutschen) für kollektivschuldig halten würde, daß ich aber nach dem Krieg für den Aufbau eines anderen Deutschlands mitverantwortlich sein würde, eben weil ich unter dem verbrecherischen gelitten hatte. Und das Gefühl der Mitverantwortlichkeit, das zum Mitwirken führt, ist beglückend.

Und dann habe ich in Marseille, nach einem Bombenangriff, so viele Leichen und verkrüppelte Menschen gesehen, daß ich seitdem alle Dinge im Vergleich zum Tod und zum Elend sehe. Das Glücklichsein erreicht man auch durch den Vergleich (oft mit schlechtem Gewissen!) mit denen, die weniger haben.

Sich eifersüchtig mit denen zu vergleichen, die mehr haben, macht unglücklich. Übrigens: Neid wie Haß, wie Bitterkeit bedeuten Zeitverlust. Denn es bleibt uns wenig Zeit bis zum Tode – und diese Zeit sollten wir nicht mit unnützen Dingen vergeuden!

In späteren Jahren habe ich dann viel äußeres Glück gehabt – im Berufsleben und im Privatleben. Meine Mutter war zugleich meine Mitarbeiterin in der deutsch-französischen Arbeit bis zu ihrem Tod 1968. Ich habe 1959 eine meiner Doktorandinnen geheiratet (die Dissertation ist nie fertig geworden …), und unser Honigmond ist noch nicht beendet. Unsere vier Söhne (19, 16, 11 und 10 Jahre) bringen Freude und Sorgen (je älter sie werden, desto mehr Sorgen …), aber das Grundelement der Freude ist bis jetzt geblieben, weil der gegenseitige Respekt zusammen mit der Liebe geblieben ist. (Übrigens, was ist Liebe? U.a. daß man sich darauf freut, später zusammen alt werden zu dürfen!)

Ich bin mir meiner Privilegien wohl bewußt: Ich stamme aus einer privilegierten Familie, die Kultur und Selbstsicherheit zu vermitteln hatte. Ich habe einen schönen Beruf – und bin dabei sogar Beamter, d.h. daß ich nicht arbeitslos werden kann. Ich bin gesund, und Frau und Söhne sind unversehrt. Aber es geht auch um eine Grundeinstellung (für die ich wenig kann: sie ist weitgehend angeboren; ich versuche aber doch, sie durch Selbstkontrolle aufrecht zu erhalten): Zufrieden sein, ohne sich zufriedenzugeben, so viel Freude wie möglich zu empfangen und zu geben …

So, nun macht mit dieser Predigt, was ihr wollt …

Herzliche Wünsche für‘s Abitur
Alfred Grosser

Alfred Grosser: Mit Deutschen streiten. Aufforderungen zur Wachsamkeit. München (dtv) 1992. S.290f.

> Professor Alfred Grosser – Website von Sciences Po

Auf unserem Blog:

Über sein Leben > Die Freude und der Tod. Eine Lebensbilanz. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2011

> Gedenkstunde im Bundestag: 1914-1918: Alfred Grosser hat am 3. Juli 2014 im Bundestag gesprochen – 3. Juli 2014

> Die deutsch-französischen Beziehungen und die Europapolitik. Ein Gespräch mit Alfred Grosser – 13. September 2013

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