„Rassismus ist ein Gift,“ sagte Bundeskanzlerin Merkel nach dem Attentat von Hanau

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Aktuell: > Le racisme, c’est pas sport – Réseau Canopé


Eine Anleitung:
> Die Konzeption unseres Blogs.

Heute im Bundestag:

> Ansprache von Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble zum Anschlag von Hanau – 5. März 2020 – Website des Deutschen Bundestages

Auf unserem Blog:

> Hanau – 20. Februar 2020 – 21. Februar 2020


Gemeinderatswahlkampf in Paris

Der Wahlkampf zur Gemeinderatswahl in Paris – > Élections municipales françaises de 2020 : les 15 et 22 mars 2020 – wird von einem beachtlichen Skandal überschattet. Der frühere Regierungssprecher Benjamin Griveaux (LaREM), ein Vertrauter von Staatspräsident Macron, hatte vor gegen Anne Hidalgo (PS) anzutreten. In seinem Wahlprogramm stand u. a. die Verlegung dr Gare de l’Est an den Stadtrand. Am 14. 2. trat er von seiner Kandidatur zurück, nachdem ein von ihm angefertigtes Sex-Video in den sozialen Netzwerken kursierte. Mitterweile folgte ihm die Gesundheitsministerin Agnès Buzyn (LaREM) als Kandidatin für das Bürgermeisteramt nach.

In der Tat scheint Griveaux das Video angefertigt zu haben und im Januar 2018 Alexandra de Taddeo geschickt zu haben im Glauben, das Video werde nach sehr kurzer Zeit automatisch gelöscht. Diese hat es aber gespeichert und auf diesem Wege gelangte das Video offensichtlich zu Pjotr Pawlenskij, ein russischer Agitationskünstler, der im Pariser Exil lebt. Und da ist noch Juan Branco, 30, ein Anwalt, der eine Silvesterfeier in der Wohnung der Eltern einer Bekannten über dem Café Flore veranstaltete, bei der es unter den Gästen zu einer Auseinandersetzung kam. Jedenfalls wurde das Video jetzt  entgegen aller bisherigen Usancen verbreitet, die die Schlafzimmertüren für das Publikum normalerweise verschlossen halten.

Keine Frage, die Veröffentlichung sollte Griveaux und auch dem Präsidenten schaden. Branco hat gerade ein Buch Crépuscule, Paris: Au Diable Vauvert 2019, veröffentlicht, in dem er die Korruption in und die Zerstörung der Republik anprangert. Pawlenskij hatte Alexandra de Taddeo mit Branco bekanntgemacht. Mitte Februar zeigt Pawlenskij Branco das (vertrauliche) Video, das kurz darauf auf eine er Website von Pawlenskij erscheint, ein, zwei Tweets, die sozialen Netzwerke bemächtigen sich dieses Schnipsels. Kurz darauf tritt Benjamin Griveaux zurück. Er hat sich eine Dummheit vorzuwerfen aber nichts strafrechtlich Relevantes, das haben sich andere vorzuwerfen, die seine Karriere zerstört haben. Heute, am 19. Februar, hat Juan Branco auf die Verteidigung von Pjotr Pawlenskij verzichtet.

> Derrière la chute de Benjamin Griveaux, enquête sur le rôle d’un trio sans foi ni loi – Par Raphaëlle Bacqué, Ariane Chemin et Simon Piel – LE MONDE, 17 février 2020.

Fazit: Die schöne Online-Welt der (nicht so) > sozialen Netzwerke hat offensichtlich ihre eigenen Regeln, denen sich viele, die da mitmachen nicht entziehen können. Einmal angemeldet, verführt die Online-Welt sie dazu, den Regeln der Hersteller dieser Netzwerke zu folgen, viel Aufmerksamkeit zu verschenken, um ein bisschen Eitelkeit oder Selbstwerbung loswerden zu können. Man betritt Facebook und sieht rund 90 % auf der Seite, was man eigentlich gar nicht sehen will: alles um Meldungen derjenigen, die man abonniert hat, ist Werbung und soll zum Klicken, Liken und Teilen verführen, je weniger die Besucher sich auf ihre eigenen Interessen konzentrieren, umso mehr gewinnen die Betreiber der sozialen Netzwerke. Das kann nur funktionieren, wenn die Besucher bereit sind, Gewohnheiten, die ihnen in der Offline-Welt lieb und teuer sind, in den sozialen Netzwerken aufzugeben, um dort Inhalte mit wildfremden Menschen zu teilen. Alles was technisch möglich ist, wird auch ausprobiert und genutzt. Aufmerksamkeit für andere Inhalte, damit bezahlt man die Teilnahme in diesen Netzwerken und man zahlt auch mit der eigenen Konzentration, die keinesfalls geschärft wird sondern möglichst unterminiert wird. Und dann passiert es eben, dass man Videos zum Spaß verschickt – im Vertrauen auf die Online-Regeln.

Auf unserem Blog:

> Guide de survie des aventuriers d’Internet – 28. September 201
> Les réseaux sociaux et la reconnaissance faciale oder Soziale Netzwerke entwickeln sich zu Datenkraken – 14. Dezember 2011

 

Hommage national à Jean Daniel (1920-2020) aux Invalides

> Grand témoin du XXe siècle, journaliste et fou de débat, Jean Daniel est mort 3 minutes:

Der Journalist und Schriftsteller Jean Daniel ist am 19. Februar 2020 verstorben. Er gründete 1964 den Nouvel Observateur, eines der wichtigsten politischen Magazine in Frankreich. er wurde u. a. auch durch seine Kriegsreportagen aus dem Algerienkrieg einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Jean Daniel setzte sich ab 1956 für die Unabhängigkeit Algeriens ein. Albert Camus antwortete ihm im Januar 1956: „Man gebe sich zu einfach mit der Fatalität zufrieden.“ („On se résigne trop facilement à la fatalité“, zit. bei : G. Pervillé, La Communauté algérienne des écrivains face à la guerre d’Algérie, in: Jauffret, J.-Ch., Ageron, Ch.-R., Des hommes et des femmes en guerre d’Algérie, Actes du colloque international des 7 et 8 octobre 2002, Paris 2003, S. 104) Daniel klagte die Folter an, unterzeichnete aber nicht das Manifest der 121, („On se résigne trop facilement à la fatalité“, zit. bei : G. Pervillé, La Communauté algérienne des écrivains face à la guerre d’Algérie, Paris 2002, S. 104.) in dem 1960 zum Ungehorsam in Algerien aufgerufen wurde. Er begann eine Karriere bei L’Express, der von Jean-Jacques Servan-Schreiber 1953 gegründet worden war. In seiner Biographie Le temps qui reste berichtet Daniel über seine erste Reportage aus Algerien, für die 1955 nach Algerien reiste: „Meine erste Reportage aus Algerien löste einen Skandal aus.“ (J. Daniel, Le temps qui reste, Paris 1973, S. 77, vgl. im Folgenden, ib. S. 77 ff.) André Rosfelder (1925-2011) begleitet ihn durch Algerien. Sie entdeckten die Armut und die Gründe für den Terrorismus und bemerkten, die wie französischstämmigen Bauern Waffen horteten. In seiner Jugend konnte er sich eine Unabhängigkeit Algeriens überhaupt nicht vorstellen, aber er berichtet, dass die Araber eben nicht wie die Franzosen behandelt wurden. Als er sich der FLN zuwandte, kam es zu Meinungsverschiedenheiten mit Camus. 2006 erschien Daniels Buch über Camus: 2006 : Avec Camus : Comment résister à l’air du temps, Paris, Gallimard/NRF. Sein letztes Buch Mitterrand l’insaisissable erschien 2016 im Verlag Le Seuil. Aus einem Aufsatz, der demnächst erscheint H.W., „…die Ausübung und das Erleiden des Terrors verweigern“ (Camus). Die Intellektuellen und der Widerstand im Algerienkrieg. Voir aussi : > Jean Daniel et Albert Camus : l’envers et l’endroit, in: LE Matin d’algérie -31.10.2013.

Jean Daniel über Albert Camus: „J’étais l’une de ses créatures…“> Proche d’Albert Camus, Jean Daniel : le journalisme en partage – Victor De Sepausy – 20.02.2020 – mit einem Videoauszug.

> Discours du Président de la République lors de l’hommage national à Jean Daniel aux Invalides :

Staatspräsident Emmanuel Macron sagte: „« Croyez ceux qui cherchent la vérité, doutez de ceux qui la trouvent ». Ces mots d’André GIDE, que Jean DANIEL considérait comme son professeur de doute, fait la boussole intellectuelle et morale de son existence et de ses engagements. [] L’amour des lettres, de la langue et des idées cultivé au pied de l’Atlas sous le soleil d’Algérie ne quittèrent plus dès lors Jean DANIEL.Puis Parisien par le tragique de l’Histoire il s’imposa dès 1947 comme le jeune ordonnateur de la revue Caliban où SARTRE, MOUNIER, GUILLOUX et celui qui allait devenir son ami, Albert CAMUS, tenaient rubrique. Il devient l’un des leurs, l’un des piliers de cette République des lettres qui alors se reconstituait. Avec son style resserré et au fond si stendhalien, sa plume fut un passeport pour entrer dans ce cercle de penseurs, de poètes. Surtout, la haute idée qu’il se faisait de la littérature en fit d’emblée l’un des leurs.“

France-Culture, 15.12.2012:

> Série Camus et moi (5 épisodes) Épisode 2 : Camus, par Jean Daniel

France-Culture, 21.2.2020: > Disparition de Jean Daniel : un siècle de journalisme

> Jean Daniel : „J’ai vécu l’Algérie comme humiliation de mes amis musulmans“

Die Rentenreform und der Artikel 49.3 der Verfassung von 1958

> Die Rentenreform in Frankreich 6. Januar 2020

> Faktencheck: 61 % fordern in Frankreich die Aufgabe der Rentenreform – 26. Januar 2020

> Portail vidéo de l’Assemblée nationale

Dosser législatif : > Système universel de retraite – Projet de loi – Website der Assemblée nationale

> www.reforme-retraite.gouv.fr – site du gouvernement


Allein die Fraktion von La France Insoumise hatte zur Debatte um die Rentenreform 22.000 Änderungsanträge eingereicht. Jean-Luc Mélenchon wollte das nicht als Obstruktion verstanden wissen: „Nous n’avons pas fait d‘#obstruction, c’est une invention“, so wird er von France-Inter zitiert.

Als am Samstag, 29. Februar 2020 noch 29.000 Änderungsanträge behandelt werden müssen, verkündet der Premierminister Èdouard Philippe, dass gemäß Artikel 49.3 der Verfassung der V. Republik im Zusammenhang mit dem Gesetz über die Rentenreform die Vertrauensfrage stellen werde. Prompt werden zwei Misstrauensanträge eingereicht, sollte einer der beiden Anträge die absolute Mehrheit aller Abgeordneten erhalten, muss der Premierminister beim Staatspräsidenten den Rücktritt der Regierung einreichen. Finden die beiden Misstrauensanträge keine absolute Mehrheit, bleibt die Regierung im Amt und die Rentenreform gilt in erster Lesung (procédure accélérée) ohne Abstimmung im Parlament angenommen. Philippe wies ausdrücklich daraufhin, dass in den Gesetzesentwurf, den er jetzt vorgelegt hat, alle bisherigen angenommenen Änderungsanträge berücksichtigt worden seien.

Bedeutet der Artikel 49.3 neue Demos und Gewalt?

> Artikel 49-3 der Verfassung der V. Republik:
“Le Premier ministre peut, après délibération du Conseil des ministres, engager la responsabilité du Gouvernement devant l’Assemblée nationale sur le vote d’un projet de loi de finances ou de financement de la sécurité sociale. Dans ce cas, ce projet est considéré comme adopté, sauf si une motion de censure, déposée dans les vingt-quatre heures qui suivent, est votée dans les conditions prévues à l’alinéa précédent. Le Premier ministre peut, en outre, recourir à cette procédure pour un autre projet ou une proposition de loi par session.“

Beliebtes Thema für eine Klausur in Sciences Po:

Soll der Artikel 49.3. beibehalten oder abgeschafft werden?

https://twitter.com/tancrdeAdnot/status/1234449180380233729

Der Blick in die Geschichte des Artikels 49.3:

https://twitter.com/verdier_regis/status/1233862319127584768

Auf unserem Blog:

> Ohne Abstimmung gültig: 49-3 – 18. Februar  2015

> Ohne Abstimmung gültig: 49-3 (II) – 11. Mai 2015

Nachgefragt: Bertrand Pulman, Salons. rencontres et surprises

Im September 2019 ist bei Dunod in Paris der Band von Bertrand Pulman, > Salons. Rencontres et surprises erschienen.

Nachdem unsere Reaktion in Laufe der beiden letzten Jahrzehnte schon so oft Buchmessen und auch anderen Messen  – > Retroclassics 2019 in Stuttgart – besucht hat, haben wir jetzt endlich  die theoretische Grundlage für jeden Messebesuch gefunden:  Bertrand Pulman, Professeur de sociologie à l’UFR Santé, Médecine, Biologie Humaine de l’université Paris 13, Sorbonne Paris Cité lehrt die Fächer Soziologie und Anthrologie, er betreut einen master Santé, Populations, Politiques Sociales (EHESS – UP13), und er ist  Mitglied  des Conseil scientifique du Forum Européen de Bioéthique et de l’Institut de recherche interdisciplinaire sur les enjeux sociaux (Unité Mixte de Recherche 8156 CNRS – 997 Inserm – EHESS – UP13) hat kürzlich eine Studie über die Salons und Messen in Frankreich verfasst. „Ich interessiere mich für eine „sociologie d’enthousiasme“ erklärt er unserer Redaktion, damit meint er Ereignisse, wo Menschen besonders viel Energie und Leidenschaft investieren – wie beim Sport  vgl.  Nachgefragt: Bertrand Pulman, Rouge est la terre -, die 365 Tage lange ein Großereignis wie einen Salon vorbereiten, dann ihn eine Woche lange betreuen, und für jeden investierten Euro etwa mit 8 Euro Umsatz rechnen dürfen.

Im Gespräch über sein Buch hat er uns berichtet, wie er das Thema entdeckt hat,  wie er geforscht hat, welche Salons er besucht hat und welche Beobachtungen in sein Buch eingeflossen sind. Wie wir beobachtet auch er gerne die letzten Vorbereitungen morgens für dem ersten Eröffnungstag und dann am Messetag die Beziehungen zwischen den Ausstellern und den Kunden. Nein, die Digitalisierung wird die direkte Begegnung der Wirtschaftspartner nicht ersetzen können. Aber mit Apps werden Termine und Treffen vorbereitet (match-making), so dass der Messebesuch optimal organisiert werden kann. Im übrgen ist der Salon, die Messe, „un fait social total“, durch Austausch ein Beitrag zum Frieden leisten: „Les échanges sont l’armature humaine“ selon Claude Lévi-Strauss.

 Hier eine Auswahl von Fotoserien aus den letzten Jahren:

> Fotoalbum: #FBM18 Frankreich auf der Frankfurter Buchmesse 10.-14. Oktober 2018 – 15. Oktober 2018

>#FRAFRA2017 Der Pavillon des Gastlandes Frankreich auf der Frankfurter Buchmesse 2017 – 17. Oktober 2017

> Renault ! Ein Besuch bei der Firma Schweier auf der Retroclassics in Stuttgart – 11. März 2019

> Salon du Livre in Paris 2014 – 25. März 2014

> Salon International de l’Agriculture – 25. Februar 2020

Die Fotos unseres Kollegen vom Klett-Cotta-Blog:

> Klett-Cotta, Tropen und Schattauer auf der Frankfurter Buchmesse 2019 – 23. Oktober 2019

Bertrand Pulman,
> Salons. Rencontres et surprises
Paris: Dunod, 224 pages
EAN 9782100784196

Salon International de l’Agriculture – 22. Februar – 1. März 2020

Jedes Jahr findet in Paris an der Porte de Versailles der Salon International de l’Agriculture. Nach dem Interview mit Bertrand Pulman zu seinem Buch > Salons. Rencontres et surprises hat unsere Redaktion auf dem Salon die Atmosphäre eingefangen:

> Salon International de l’Agriculture – 22. Februar – 1 . März 2020

Paris – 22. – 24. Februar 2020

Unsere Redaktion war am letzten Wochenende in Paris:

Auf unserem Blog:

> Office de tourisme Paris Info
> www.parisbalades.com/
> www.visitparisregion.com/

> Ortsbesichtigung: Notre-Dame de Paris – 8. September 2019

> La restauration de la cathédrale Notre-Dame de Paris – 17. Juli 2019

> Nouveau réseau bus à Paris – 24. Mai 2019

> Les trottinettes à Paris – Elektrotretroller in Paris – 4. April 2019

> Auf nach Paris – 21. Oktober 2018

> Für einen Tag nach Paris

> Paris im Juni 2018

> Paris im April 2018

> Juni 2017 in Paris: Vom Panthéon zum Palais Royal und wieder zurück

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